Servamp (Vol. 1)

Servamps vampirische Todsünden haben in der Anime Herbst-Season 2016 bereits als Adaption des erfolgreichen Manga von Tanaka Strike ihr Unwesen getrieben. Dank Nipponart haben die Untoten die Möglichkeit bekommen, auch in Deutschland einzufallen. Im Herbst 2017 wurde das erste Volume (Folge 1 bis 3) des Animes veröffentlicht, das noch einmal wesentliche Denkanstöße für eine wichtige Frage gibt: Bringen schwarze Katzen wirklich Unglück? 

  

‚Unfug!‘, ‚Alles Aberglaube!‘ werden sicher die ersten Reaktionen sein, aber Mahiru Shirota, seines Zeichens Protagonist von Servamp, wäre eventuell geneigt, zu widersprechen. Vehement zu widersprechen. Äußerst vehement. Da will er nur seine gute Tat des Tages tun und nimmt ein einsames schwarzes Kätzchen bei sich auf, das er schutzlos und verlassen am Straßenrand findet, nur um wenig später herausfinden zu müssen, dass besagter miauender Pelzball ein Vampir ist. Ein Vampir, mit dem er versehentlich einen Bund eingeht, der die beiden in tödliche Konfrontationen mit anderen Blutsaugern bugsiert. Und als wäre das noch nicht schlimm genug, macht sich Mahirus neuer untoter Wuschelkumpan in seiner Freizeit mit Vorliebe über nicht mehr lange bestehende Kartoffelchipsvorräte her. Und er krümelt mit Leidenschaft. Überall. Wer nun noch immer schwarzen Katzen am Wegesrand helfen will, dem sei gesagt: Du wurdest gewarnt!

Todsündiger Vampirwahnsinn

Originaltitel Servamp
Jahr 2016
Episoden 3 / 12 (1 Staffel)
Genre Supernatural
Regisseur Itto Sara
Studio Brain’s Base; Platinum Vision

Die ersten drei Folgen von Servamp impfen dem geneigten Zuschauer nicht nur ein gesundes Maß an Misstrauen gegenüber ach so unschuldig wirkendem Katzengetier ein, sondern lassen unterschiedliche Stimmungsstürme auf den vor dem Bildschirm hockenden Blutsaugerenthusiasten niedergehen. Das rockige, teils geschriene Opening „Deal With“ von Oldcodex lässt durch seinen düsteren Ton zunächst vermuten, dass es ebenso dunkel in der Geschichte zugeht, aber bereits das verrückte Charakterdesign wedelt einem da sofort lachend mit dem Zeigefinger vor dem Gesicht herum. Tatsächlich kommt die Serie wesentlich humorvoller daher, wie gerade die erste Begegnung zwischen Mahiru und Vampirkater Kuro demonstriert. Das heißt allerdings nicht, dass der dunkle Part, den das Opening ankündigt, schlicht vergessen wurde; blutige Momente gibt es auch, immerhin wollen die Spitzzähne auf ihre Kosten kommen.

Und spätestens mit dem Auftreten neuer Sargschläfergenossen drängt sich auch ein wenig Wahnsinn in den Stimmungsreigen. Aus eben diesem ‚wenig Wahnsinn‘ wird schnell ‚die Skala beginnt rot zu blinken‘ Wahnsinn, wenn Tsubaki, der primäre Antagonist der Serie, die Bühne betritt. Alleine durch ihn wäre der Anime schon in der Lage, in bunten Lettern das Wort ‚verrückt‘ zu tanzen, aber da all der Stimmungsmischmasch noch viel zu simpel zu verdauen wäre, wird der Vampirmythos hier noch mit ein paar Todsünden gewürzt. So ist Mahirus Kätzchen faktisch die inkarnierte Faulheit und Tsubaki eigentlich eine neue achte Todsünde, Schwermut, die passenderweise mit der Gesamsituation extrem unzufrieden ist und Krieg gegen Mensch samt Vampir führen will. Alles soweit verstanden? Nein? Ein bisschen verwirrt? Ja? Nicht schlimm.

Freundschaft geht immer

Als Ankerpunkte in all dem Wahnsinn dienen der bodenständige Protagonist, der erfreulich direkt und ’simpel‘ gestrickt ist, sowie das allgegenwärtige Freundschaftstrope in Animes, das als maßgebliche Motivation für Mahiru herhält. Das hohe Tempo der ersten Folgen erschwert es allerdings, mit Mahiru an entsprechender Stelle mitzuleiden, da man noch damit beschäftigt ist, zu verdauen, dass ein Schaukünstlervampir, der sich bei (Un)Tod in eine Puppe verwandelt, von einer unbekannten Dame als Marionette verwendet wird. Wer den letzten Satz gerade erneut verwirrt lesen musste, sei versichert, auch das ist ganz normal. Die ersten Folgen von Servamp lassen einiges auf den Zuschauer einprasseln. Vielleicht ein wenig zu viel. Und es stellt sich schnell die Frage, ob all das gut zusammen passt. Auch das erwähnte aufwallende ‚ich muss meine Freunde beschützen‘ und ‚ich muss es nur genug wollen‘-Thema trifft nicht ganz ins Schwarze. Allerdings warten die Folgen mit einiger Energie auf, und auch wenn der wirre Stimmungs- und Themenmischmasch gewöhnungsbedürftig sein mag, ist es gleichzeitig das Element, das Servamp interessant machen kann. Die deutsche Synchronisation erfüllt ihren Zweck, aber speziell aufgrund der wahnwitzigeren Vampire verpasst man ein ordentliches Maß Überdrehtheit, insofern ist ein Griff zur Originalvariante zu empfehlen.

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mich die ersten Folgen begeistert hätten. Ehrlich gesagt bin ich mir nicht einmal wirklich sicher, was ich denken soll, außer das manche japanische Synchronsprecher alleine schon dafür einen Orden verdienen, mit welcher Energie sie immer dabei sind. Wer sich beispielsweise noch an Betelgeuse aus Re:ZERO -Starting Life in Another World- erinnert, darf sich freuen, dass der Sprecher, Yoshitsugu Matsuoka, wieder wahnsinnig sein darf. Was ich aber sagen kann: Ich bereue es nicht, sie gesehen zu haben. Zwar kann ich nicht richtig einschätzen, wohin die Fledermaus begleitete Reise gehen wird, aber ich würde alleine schon deshalb dran bleiben wollen, um zu sehen, welche seltsamen Vampire als nächstes auftauchen. Wie werden die anderen Todsünden dargestellt? Welche Ticks haben sie? Wie interagieren sie miteinander? Ist ein Besen wirklich als Waffe geeignet? All diese Fragen schreien nach Antworten, und damit werde ich meinen Spass haben. Von schwarzen Katzen halte ich mich jetzt trotzdem fern. Niemand rührt meine Chips an. Niemand.

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Mort

Mort hat ‚Wie? Nicht auf Lehramt!?‘ studiert und wühlt sich mit trüffelschweiniger Begeisterung durch alle Arten von Geschichten. Animes, Mangas, Bücher, Filme, Serien, nichts wird verschmäht und zu allem Überfluss schreibt er auch noch gerne selbst. Meist zuviel. Er findet es außerdem seltsam von sich in der dritten Person zu reden und hat die Neigung, vollkommen überflüssige Informationen in sein Profil zu schreiben. Mag keine Oliven.

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