Just Because (Folge 5)

Nachdem in der Silvesternacht die Gefühle hoch gekocht sind, begegnen sich Natsume, Hazuki, Haruto und Eita am ersten Schultag nach den Winterferien wieder – aber wie sollen sie jetzt miteinander umgehen? Außerdem entdeckt Haruto, dass seine Zukunft vielleicht doch nicht so trist ist, wie er sie sich vorstellt.

Die Handlung von Just Because ist nach der verhältnismäßig turbulenten vierten Episode zu ihrem eher gemächlichen Tempo zurückgekehrt. Nach den Ereignissen in der Nacht zum neuen Jahr sehnt sich auch keiner nach noch mehr Action: Ganz im Gegenteil, alles setzt auf Schadensbegrenzung, vor allem Hazuki, aber auch Natsume und Eita. Aber keiner traut sich so richtig, auf den anderen zuzugehen. Vor allem im ersten Teil der Folge entsteht so teilweise wieder jener Eindruck des Sich-auf-der-Stelle-Drehens, der bereits am Ende der dritten Folge langatmig zu werden drohte. Dank des Soundtrack mit den vielen Klavier-Soloeinlagen nimmt der Anime auch erneut den trist wirkenden, fast melancholischen Ton an.

Späte Einsichten

Eine Rückkehr der Beziehungen zwischen den Charakteren zum Status Quo vom Anfang der Serie ergibt sich trotzdem nicht – dankenswerterweise. Man kennt das ja, den stereotypen Plot vom vorbeirauschenden Zug, der plötzlichen Ohnmacht eines der Beteiligten oder ähnlichem, die das mutige Liebesgeständnis am Ende von Staffel eins nur den Zuschauer erreichen lassen, damit er sich in Staffel zwei von vorn mit dem Herzschmerz der Zögernden herumplagen muss. So banal gerät die Handlung von Just Because zum Glück nicht. Hazuki und Natsume nehmen im zweiten Teil der Folge das Heft in die Hand und wollen klare Verhältnisse schaffen. Lediglich bei Eita stellt sich die Frage, ob er eigentlich froh wäre, wenn doch alles beim Alten bliebe oder eben nicht. Ebenso interessant wie diese Frage ist die Tatsache, das Hazuki gerade bei Natsume ihr Herz über ihr Problem mit Haruto ausschüttet. Und gerade die ermutigt sie dann auch noch, auf ihn zuzugehen. Das klingt zwar auch arg nach Genre-Klischee – Studio Pine Jams letzte Produktion Gamers (Sommer 2017) macht es irrwitzig-übertrieben vor –, unter den realitätsnahen Konventionen von Just Because können daraus aber einige dramatische Missverständnisse und Situationen entstehen, welche die Handlung in kommenden Episoden weiterhin spannend gestalten.

Bedeutende Lektionen

Positiv ist auch zu vermerken, dass sich die Episode bei all dem Stillstand des Liebesdramas mehr Zeit für das zweite Hauptthema des Anime nimmt: den Übergang von der Schule ins Erwachsenen-Dasein. Gerade für Haruto ein rotes Tuch, denn auf ihn wartet nach dem Abschluss die Arbeit, nicht die Uni, und somit der volle Ernst des Lebens. Beim Baseballspiel mit den zukünftigen Kollegen erkennt er aber, dass neben all dem Ernst trotzdem Platz für Dinge bleibt, die ihm seither wichtig waren. Und wie schon in der ersten Episode gibt das Sportereignis der Handlung etwas mehr Schwung.

Gerade diesen Wechsel im Themenfokus empfand ich als äußerst erfrischend und sinnvoll, wenn es schon in Sachen Liebe und Beziehung kaum etwas neues gibt. Das Drama behält so außerdem seine Ernsthaftigkeit und verfällt eben nicht in die Klischees, die in seiner Handlung teilweise anklingen. Trotz der fortwährenden Alltäglichkeit erzeugt dieser Mix aus Zukunftssorgen und Herzschmerz für mich genug Spannung und Emotionen, um mich auf die kommende Episode zu freuen.

Zweite Meinung:

Es tut fast weh, mit anzusehen, wie das Leben unserer Protagonisten wieder im Staub der Eintönigkeit zu versinken droht. Aber beim genauen Hinsehen wird doch deutlich, dass es unter der glatten Oberfläche Bewegung gibt. Die verschiedenen Geständnisse der Silvesternacht zeigen Wirkung, eine Rückkehr zur Tagesordnung ist für alle nicht leicht, auch nicht für Haruto, der in der Schule doch so unbekümmert wirkt. Es ist gut, dass in dieser Episode meine Favoritin Emi nicht zum Zuge kommt, ihre Quirligkeit und Lebendigkeit hätte die bedachtere Atmosphäre zerstört. Zum Glück wird ihre Begegnung mit Eita nicht weiter verfolgt, was die beiden zu bereden haben, erfährt der Zuschauer nicht. Wichtig ist diese kleine Begegenheit aber dennoch, denn Natsume sieht die beiden miteinander sprechen, wobei Eita so lebendig ist, wie sie ihn wohl nicht oder nicht mehr kennt. Eita scheint es leid zu tun, dass er Natsume gegenüber so offen war, während Natsume anscheinend nicht richtig erfasst hat, was er ihr eigentlich sagen wollte. Oder sie will es nicht wissen. Haruto tut unbekümmert, doch er wirkt schmal und zerbrechlich, während er langsam seine Orientierung wiederfindet. Hazuki ist bewusst geworden, dass ihre kurze Ablehnung nicht ausreicht. Interessanterweise ist sie es, die Stille, die sich als einzige jemand anderem öffnet, alle anderen verbleiben in ihren unsichtbaren Blasen, die sie voneinander trennen. Selbst Eita geht nicht offen auf seinen Freund zu, obwohl er doch wissen müsste, dass es Haruto nicht gut geht, er nimmt auf seine Weise Anteil, indem er Harutos Baseballhandschuh aus dem Müll rettet. In dieser Episode mochte ich die Szene mit Haruto und seiner Mutter am meisten. Hier zeigt sich eine Verbundenheit, die erfrischend normal ist und nicht im üblicherweise dargestellten Zank zwischen Eltern und Kindern unterzugehen droht. Haruto lebt in einer stabilen Familie und hat eine vielleicht langweilige, auf jeden Fall aber sichere Zukunft vor sich. Und er versucht, mit dieser Zukunft zu leben, statt gegen sie anzukämpfen. Wie wunderbar realistisch!

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nightfury

nightfury liebt Geschichte(n), gibt aber auch gerne seinen eigenen Senf dazu: er verkriecht sich für seine Doktorarbeit in staubige Archive und philosophiert viel zu lange über das Werk, das er konsumiert hat. Leider mag er auch Sprachen und ist ein Grammatik-Freak, weshalb kein Text vor seinem Pedantismus sicher ist. Wenn er mit seiner Besserwisserei dann endlich am Ende ist, hört er auch gern mal den Anderen zu oder spielt ihnen mit seiner Westerngitarre Lieder von Johnny Cash vor.

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