Astro City

Kurt Busiek, als Autor, erschuf im Jahre 1995 gemeinsam mit Brent Anderson (Zeichnungen) und Alex Ross (Cover) ein neues Superheldenuniversum. Im Zentrum: die namensgebende Stadt „Astro City“ und ihre Bewohner. Zu einer Zeit, in der der Markt für diese Art von Comics gesättigt zu sein schien, fand die Serie nicht nur ihre Nische, sondern bekam auch noch alles an Preisen und Kritikerlob, was für einen US-Comic möglich ist. Und nun, mehr als zwanzig Jahre später, ist die Serie wieder nominiert als „Beste fortlaufende Serie“. Was macht die Serie aber selbst nach all den Jahren noch so gut?

   

Der Eisner-Award ist jedes Jahr eine der höchsten Auszeichnungen der Comicwelt. Vergleichbar mit dem, was der Oscar für den Film ist, werden jährlich die „Besten der Besten“ ausgezeichnet: Zeichner, Autoren, Koloristen und Werke. Heutzutage, wo es mehr Comics denn je gibt, ist es also schwer überhaupt in die nähere Auswahl zu kommen. Und doch hat Kurt Busiek es geschafft nicht nur in der Kategorie „Bester Autor“, sondern auch mit seiner langlebigen Serie Astro City wieder einmal nominiert zu werden. Selbst nach all den Jahren scheint die Serie nichts von ihrer Faszination verloren zu haben.

„Geschichte über Geschichten“

Wenn man Astro City in einem Satz zusammenfassen würde, dann wäre das die richtige Beschreibung. Wer Kurt Busieks beachtliche Bibliographie bei den beiden „Großen“, DC und Marvel, kennt, weiß, dass er so ziemlich alles geschrieben hat was Rang und Namen hat. Aquaman, Superman, Spider-Man, die Avengers, das sind nur ein paar der Helden an denen er geschrieben hat. Natürlich ist das viel ausgezeichnete Marvels zusammen mit dem Astro City Co-Schöpfer Alex Ross ebenfalls nicht zu vergessen. Man sieht also, der Mann weiß was er tut – und wenn er für seine eigenen Superhelden schreibt, kommt seine Erfahrung ihm nur zugute. Das erklärt aber immer noch nicht, um was genau es in Astro City geht.

Faszination einer Stadt

Originaltitel Astro City
Jahr 1995
Land USA
Genre Drama, Fantasy, Slice of Life
Autor Kurt Busiek
Zeichner Brent Anderson, Alex Ross
Verlag Speed Comics, Panini

Es wird ja gerne gesagt, dass einige Städte ein Eigenleben entwickeln und für Astro City stimmt dies sicherlich. Die Stadt ist nämlich der wahre Held der Geschichte, denn alle Geschichten drehen sich eigentlich um sie. Was vermutlich seltsam klingt, aber klar wird, wenn man die Abwechslung sieht, die einzelne Astro City-Ausgaben mitbringen. Als Superhelden-Comic ist es selbstverständlich, dass viele der Helden zuerst einmal eine Origin-, also Herkunftsgeschichte, bekommen. Woher haben sie ihre Fähigkeiten, was treibt sie an, usw. Im Gegensatz zu ähnlichen Serien ist es aber nur ein kleiner Teil der Geschichte. Alle Einwohner werden behandelt: Helden, Schurken, ganz normale Bürger und alles was, dazwischen ist. Von der Sekretärin der obersten Magierin, dem lebendig gewordenen Cartoonlöwen, der eine Bar besitzt, bis zum einfachen Einwohner, der einen Angriff auf die Stadt erlebt, ist alles möglich. Wenn man also nicht einen Mehrteiler liest, kann man nie wissen, wo – oder auch wann – die Geschichte als nächstes landen wird.

Die Suche nach dem Roten Faden

Wer eine durchgehende Geschichte erwartet, ist bei Astro City leider falsch. Die Serie lebt von der Abwechslung und Vielseitigkeit ihrer Protagonisten, egal wer sie sein mögen. Was es allerdings schon gibt sind wiederkehrende Elemente wie das Schicksal des Silver Agents, ein Zeitreisender, dessen Endpunkt allen bekannt ist, oder – in den neuesten Ausgaben – den Broken Man, eine Figur, die ine Figur, die den Leser regelmäßig durch das Brechen der 4. Wand direkt anspricht und ein größeres Geheimnis andeutet. Auch die Tatsache, dass manche der Helden im Laufe der Zeit älter werden und ihre Aufgaben einer neuen Generation übergeben, passt wunderbar, weil die Geschichte, und damit auch die Stadt, lebendig wirken. Es beweist auch wieder, dass keine Einzelperson der Held ist, sondern alle Bewohner Astro Citys – und jeder auf seine eigene Weise.

Alles erzählt?

Manch einer mag meinen, dass eine mehr als 20 Jahre laufende Serie alles erzählt hat, was erzählt werden muss. „Superhelden können nicht so lange interessant sein von einem Autor!“ – das ist etwas, das man öfter hört in einer Zeit, in der alle zwei Jahre Reboots und/oder einem Neubeginn der Ausgaben von #1 . Doch weil Kurt Busiek die Stadt zum Zentrum der Erzählung gemacht hat, endet die Faszination nicht. Eine Geschichte gefällt einmal nicht? Kein Problem! Die nächste wird ganz anders sein. Andeutungen zu einem Charakter? Wurden vor Jahren gemacht, hier ist jetzt seine Geschichte. Die Stadt hieß früher anders? Hier ist der Grund, warum sie jetzt Astro City heißt. Ein Geschichte aus den 20ern oder 30ern? Auch da hat Astro City etwas zu bieten. Selbst langwierige gesundheitliche Probleme Busieks, die Astro City lange Zeit gar nicht oder nur sporadisch erschienen ließen, konnten der Serie nichts von ihrer Einzigartigkeit rauben. Eher wurden die Geschichten noch besser.

Wo anfangen?

Jetzt wurde also lang und breit erklärt wie gut die Serie ist, was sie von anderen Serien abhebt und auch warum sie ganz sicher ihre Eisner Award-Nominierung verdient hat, doch wo soll der geneigte Leser anfangen bei mittlerweile 104+ Einzel-Ausgaben und 18+ Sammelbänden? Die Antwort ist ganz einfach: Wo man will! Natürlich bietet sich die Nummer 1 bzw. der erste Sammelband an, doch man kann überall einsteigen wo eine Geschichte beginnt. Man sucht sich einfach einen Startpunkt, der einem zusagt, und kann sich dann von dort aus weiter in das Universum einlesen. Ein Fan-Favorit ist der Sammelband 2 mit dem Namen „Confession“. Wer Batman mag, kann sich dort wohlfühlen. Eher ein Tierfreund? Die kürzlich erschienene #44 ist ganz sicher etwas für dich. Schon ein etwas älteres Semester? Vielleicht fühlst du dich mit den Helden in der Geschichte „Lovers Quarrel“ verbunden. Mit #16 der neuesten Serie hält sogar ein Transgender-Superheld Einzug in Astro City was sicher auch an Kurts Erfahrungen mit seinem Sohn liegt. Und natürlich gibt es auch die altbekannten und viel geliebten klassischen Superhelden-Geschichten. Es ist also für jeden etwas dabei.

In einem Ozean aus Superhelden-Comics sticht Astro City heraus wie nicht viele andere Comics. Das Team aus Autor Kurt Busiek, Cover-Künstler Alex Ross und Zeichner Brent Anderson hat etwas geschaffen, das seinesgleichen sucht. Seit 2013 bei Vertigo wieder von #1 begonnen wurde, holen die drei sich auch noch Unterstützung von verschiedenen Gastkünstlern, damit die Serie monatlich erscheinen kann und Brent Anderson trotzdem den Großteil der Geschichten zeichnet. Unerwähnt sollte auch das Team aus hervorragenden Koloristen und Letterern nicht bleiben, die für Serie gewonnen werden konnten und die ebenfalls ausgezeichnete Arbeit abliefern. Die Serie erreicht seit ihrer Rückkehr immer wieder neue Höhen und gerade Altfans – und solche die es werden wollen – bekommen sehr viel von der Serie zurück, wenn Kurt Busiek endlich Geschichten veröffentlicht, die er teilweise schon zwei Jahrzehnte andeutet.
Wer die Serie bislang noch nicht gelesen hat, verpasst wahrscheinlich einen der aktuell besten Comics. Superlative wurden für diese Serie schon alle genannt. Denjenigen, die auch die drei gratis Ausgaben auf Comixology noch nicht dazu verleiten in die Serie reinzulesen, kann man vermutlich auch nicht mehr helfen.
Alle anderen heiße ich allerdings herzlich Willkommen in Astro City.

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Hero Kage

Hero Kage ist Masterstudent im letzten Semester, arbeitet an seiner Masterarbeit und damit am Abschluss seines Ausbildungweges. In seiner Freizeit erholt er sich mit jedem Medium, das eine Geschichte bieten kann, die ihm gefällt. Dabei unterscheidet er nicht zwischen einzelnen Medien. Es geht ihm nur darum, besonders gut unterhalten zu werden. Zudem ist er auch noch passionierter Brett- & Kartenspieler und immer für ein neues Spiel zu begeistern.

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