Bates Motel

Mit Psycho schuf Alfred Hitchcock einen Klassiker. Doch wie wurde Norman Bates eigentlich zu der Person, die er ist? Bates Motel geht dieser Frage nach und erzählt die Vorgeschichte der späteren Horrorikone. Der Sender A&E strahlte die 50 Episoden starke Serie von 2012 bis 2017 aus. Als Prequel ist die TV-Serie eher lose zu betrachten: Sie versetzt die Handlung in die heutige Zeit. In den Fokus rückt dabei die intensive Beziehung zwischen Norman Bates und dessen Mutter Norma. Welche Umstände müssen eintreffen, damit aus einem Jungen ein Serienkiller wird?

 

White Pine Bay ist ein idyllisches Küstenstädtchen. Nach dem tragischen Tod ihres Mannes zieht Norma Bates (Vera Farmiga) mit Sohn Norman (Freddie Highmore) in ein altes Haus, um angrenzend an dieses ein Motel zu betreiben. Sonderlich willkommen sind die Bates im neuen Domizil nicht, denn die Bewohner sind nicht unbedingt darauf aus, neue Freundschaften zu schließen. Nicht nur das Fußfassen fällt schwer, auch zwischen Mutter und Sohn kriselt es immer häufiger. Insbesondere, da Norma ihre mütterlichen Gefühle nicht mehr im Griff hat, als Norman sich zu einem Mädchenschwarm entwickelt. Es dauert nicht lange bis die Bates ein blutiges Geheimnis haben – und die Polizei auf der Matte steht…

Konfliktreicher Stoff mit Dauerbrennerpotenzial

 Originaltitel Bates Motel
 Jahr  2013 – 2017
Episoden   50 (5 Staffeln)
Genre   Thriller, Drama
Cast  Norman Bates: Freddie Highmore
Norma Bates: Vera Farmiga
Dylan Massett: Max Thieriot
Emma Decody: Olivia Cooke
Bradley Martin: Nicola Peltz
Alex Romero: Nestor Carbonell
Kaleb Calhoun: Kenny Johnson
Blair Watson: Keegan Connor Tracy

Üblicherweise bestellen Sender eine Pilotfolge ehe eine Serie an den Start geht. Im Falle von Bates Motel orderte A&E gleich die gesamte aus 10 Episoden bestehende erste Staffel. Aufgrund der stabilen Quoten wurde binnen kurzer Zeit eine zweite Staffel in Auftrag gegeben. Während der Ausstrahlung des dritten Blocks mit 10 Folgen stand fest, dass die Serie erst mit Staffel 5 beendet sein würde. Entsprechend viel Zeitraum blieb für Planungen und einige große Namen wie Rihanna oder W. Earl Brown konnten gewonnen werden. Die Popularität der Serie liegt nicht zuletzt an dem besonderen Gespann Vera Farmiga (Conjuring – Die Heimsuchung) und Freddie Highmore (Charlie und die Schokoladenfabrik). Beide Figuren erhalten im Verlauf der fünf Staffeln ein umfangreiches psychologisches Profil zugeschrieben, das für den jeweils anderen nicht immer greifbar ist. So ist Norma vor allem von Eifersucht, aber auch ihrem stetigen Tatendrang getrieben, während Norman gerade im Begriff ist, seine Herkunft zu hinterfragen, aber auch seine Sexualität zu entdecken. Konflikte sind somit vorprogrammiert, insbesondere als Emma (Olivia Cooke; The Signal) auftaucht.

Nebenfiguren über Nebenfiguren

Die erste Staffel kann noch mehr oder minder für sich alleinstehend betrachtet werden. Sie endet mit einem Cliffhanger, macht jedoch einen runden Eindruck. Mit dem Beginn von Staffel zwei werden zahlreiche Nebenbaustellen eröffnet. Beispielsweise kämpft Norma im Stadtrat gegen den Bau einer Umgehungsstraße, weitere Familienmitglieder finden ihren Weg nach White Pine Bay und bringen neue Konflikte mit sich. Zwar bleibt das Verhältnis Norma-Norman immer übergeordnet, doch bisweilen verliert sich Bates Motel gerne in Nebensträngen. Manch einer davon wird auch staffelübergreifend fortgeführt, sodass häufiger der Eindruck entsteht, dass die Serie jene Stränge wieder aufleben lässt, sobald sie sich in eine Sackgasse erzählt hat. Damit alles stimmig bleibt und Norma auch immer wieder einen Anlass erhält um auszuflippen, werden weitere Buhlerinnen um Normans Herz eingeführt. Wenn die Serie Gefahr läuft, langweilig zu werden, steht plötzlich neues Konfliktpotenzial vor dem Haus der Bates. Es ist vor allem die Menge an Personen, die sich in die Familiengeheimnisse einmischt, die der Geschichte an vielen Punkten die Glaubwürdigkeit raubt. Das Leben mancher Figuren wie Emma scheint sich sogar ausschließlich um Norman und das Motel zu drehen, sodass das Personenkarussell sich über die Staffeln hinweg kontinuerlich dreht. Und dann wären da noch die Beziehungen von Norma, Norman und Normans Bruder Dylan, die sich augenscheinlich willkürlich entwickeln, wie es eben gerade für die Handlung dienlich ist. Denn kaum wird Emma nicht mehr für Norman gebraucht, wird sie an Dylan abgegeben.

Die Szene unter der Dusche

Der düstere Grundton ist nicht die gesamte Zeit über präsent. Zwar vergeht kaum eine Episode ohne neue Geheimnisse, doch so richtig dunkel wird es erst mit dem Ende der vierten Staffel sowie in Staffel 5, wenn die beiden Hauptfiguren der offensichtlichen Konsequenz ihres Handelns entgegensteuern. Dass Rihanna für die weltberühmte Rolle der duschenden Marion gewonnen werden konnte, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Sängerin selbst Fan der Serie ist. Über die Darstellung jener Szene, die Psycho berühmt machte, wurde lange diskutiert. Letztlich erhielt Bates Motel eine moderne Interpretation der Geschehnisse, die einen anderen Ausgang inszeniert und nicht jedermanns Geschmack treffen wird.

Ich kann wirklich staffelweise sagen, wann ich gerne ins Bates Motel eingecheckt bin und wann der Aufenthalt ein Graus war. Die erste Staffel konnte mich die erste Hälfte über begeistern mit ihrer Überdosis an Geheimnissen. Mit dem Tod von Zack kam ein Bruch, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man diese Handlung wohl weiterführen sollte. Bradley? Eigentlich ist auch sie zu gutmütig um als Schlampe vom Dienst dazustehen. Ich dachte – wie wohl jeder – dass Norman sie töten würde. Es hätte nur zu gut gepasst, aber hier spielt die Serie mit den Erwartungen des Zuschauers. Nein, Keith, Zack, Abernathy und Miss Watson bleiben die Opfer der Staffel. Die zweite Staffel war zwar weiterhin ungemein spannend, doch in den vielen Nebengeschichten befanden sich einige Ärgernisse wie Jody oder Cody, die als Figuren völlig überzogen waren oder eine Christina, die sich aus dem Nichts als Normas Fan hervortut. Staffel 3 bringt mit Norma und Romero einen Eiertanz hervor, der kaum Vergleichbares bietet und wenn es wieder zu ruhig werden könnte, baut man einen Pool vor das Motel. Interessanterweise gelingt es jeder Staffel, zum Ende nochmal ein paar Highlights zu setzen, doch bis es einmal soweit ist, muss man einiges in Kauf nehmen. Darüber hinweg trösten die wahnsinnig starken Momente, in denen Norma und Norman alle Register ziehen und aufschimmert, wie es um ihre Psyche wirklich steht. So einige Male fragte ich mich – wohlwissend, dass der Abschluss an Psycho anknüpfen würde – wie die Serie wohl einen eleganten Bogen dorthin bekommen würde. Glücklicherweise gelingt dieses Kunststück in der letzten Staffel. Doch der Weg dorthin ist ein steiniger.
Bates Motel erfordert zahlreiche Geduldsreserven und setzt voraus, dass man sich zumindest für eine der beiden Hauptfiguren begeistern kann. Glücklicherweise gefiel mir Norma erstaunlich gut, da sie zwar eine einfach gestrickte Person ist, doch den Willen mitbringt, Dinge anzupacken um sie zu den eigenen Gunsten zu verändern. Die Darsteller und das Serienfinale machen viele Schwächen verschmerzbar.

Zweite Meinung:

Bates Motel lebt sicherlich von seinen beiden Hauptdarstellern Freddie Highmore und Vera Farmiga, die ihre Rollen mit Bravour spielen. Ich bin großer Fan von Highmores Norman Bates. Es macht Spaß, ihm zuzusehen, wie er immer abgedrehter wird. Norma wird nicht minder gut gespielt. Ihre Figur war für mich häufig aber sehr anstrengend; ich hätte sie so oft schütteln können. Auch die Nebenrollen, wie Dylan oder Emma, konnten mich überzeugen. Die Serie selbst hat so ihre Höhen und Tiefen. Mal wahnsinnig spannend, dann wieder in die Länge gezogen, dass man sich schon fragt, wann es denn endlich mit den relevanten Dingen weitergeht. Ich empfinde fünf Staffeln als gute Länge und bin froh, dass man die Serie nicht noch mehr ausgeweitet hat. Vermutlich hätten es sogar vier Staffeln getan und die Sache wäre etwas kompakter und zielgerichteter geraten. So manche Nebenstory war schlichtweg unnötig. Sehr spannend war auf jeden Fall die letzte Staffel, mit der die Serie ihre Stärken genutzt hat. Ein interessanter Twist, der so manchen überrascht haben dürfte, wenn er das Original kennt. Für mich ein sehr gelungenes Ende, das mich absolut zufriedenstellt. Die Serie findet damit einen guten Abschluss. Ich hätte Norman nicht in der Todeszelle oder weggesperrt in einer Psychiatrie sehen wollen und bin froh, dass ihn Dylan quasi erlöst hat. Für mich war immer Norma schuld daran, dass Norman bis fast zum Schluss nicht wusste, was mit ihm los ist. Er hätte Hilfe gebraucht, die sie ihm nicht bieten konnte. Das soll gar kein Vorwurf sein. Die Beziehung der beiden ist so speziell, dass sie schlichtweg nicht in der Lage war, ihm zu helfen. Ironischerweise handelte Normans Norma genauso und es war so, als wäre sie nie gestorben.  Durchaus eine empfehlenswerte Serie, allein wegen Highmores Darbietung. Allerdings vermutlich keine, die ich mir noch einmal anschauen werde.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig „Die Werwölfe von Düsterwald“-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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