Baywatch

Weiße Sandstrände, tiefblaues Wasser, stahlender Sonnenschein. Stählerne Körper, spektakuläre Stunts, atemberaubende Rettungsaktionen. Das ist Baywatch. 20 Jahre ist es nun her, dass Mitch und C.J, aka David Hasselhoff und Pamela Anderson, mit Sixpack und Rettungsbojen bewaffnet, die Küste von Malibu gesichert haben.
Die zwei weltweit berühmtesten Rettungsschwimmer und ihr Team befinden sich längst im Ruhestand; im Sommer 2017 übernahmen Dwayne Johnson und Zac Efron – ihres Zeichens Actionstar und Musicalikone – die Badehosen.

 

Das Patentrezept von Baywatch war seit jeher der ungehemmte Einsatz von nackter Haut, Muckis, Silikon und Badegästen, deren Gehirne in der Sonne geschmolzen sind. Dazu eine Extraportion Dramatik, unlogische Badeunfälle (man erinnere sich an den angreifenden Riesenkraken) und einen spannenden Kriminalfall, dem die Polizei nichts entgegenzusetzen hat. Es braucht hier schon Mitch, den erfahrenen Allrounder, für den Schwimmen mehr Nebenjob zu sein scheint und der hauptberuflich lieber Kriminelle überführt, während er eine besinnungslose Frau Mund-zu-Mund beamtet. Seth Gordon nimmt in seinem Remake der Kultserie jedes Detail, das so sehr zu Baywatch gehört, wie Fabius zu Arielle, und wieso wir die Serie so sehr lieben, aufs Korn.

Muckis, Doppel-D, Slowmotion und Badegäste ohne Hirn

Originaltitel Baywatch
Jahr 2017
Land USA
Genre Comedy
Regisseur Seth Gordon
Cast Mitch Buchannon: Dwayne Johnson
Matt Brody: Zac Efron
Summer Quinn: Alexandra Daddario
C.J. Parker: Kelly Rohrbach
Victoria Leeds: Priyanka Chopra
Ronnie: Jon Bass
Stephanie Holden: Ilfenesh Hadera
Mitch: David Hasselhoff
Laufzeit 112 Minuten
FSK

Dwayne als gutmütiger Riese Mitch Buchannon, der stets in ausufernden Meeresmetaphern spricht und die Gerechtigkeit, der Arm des Gesetzes und Poseidon in einer Person zu sein scheint sowie sein Team – bestehend aus C.J, besetzt durch die jüngere Variante einer Pam Anderson, und Stephanie, der weiblichen Version Mitchs –, sind auch dieses Jahr wieder auf der Suche nach neuen Rekruten für ihr Rettungsschwimmerteam und ihr Nebengewerbe „Verbrecherjagd“. Mit dabei eine junge Surferin, die sich natürlich vor allem durch Brust auszeichnet, die computerhackende Nerdversion und Standardausgabe der 0815-Vorstellung eines Bademeisters sowie Matt Brody, abgehalfterter Olympiasieger, der gern mal ins Becken kotzt. Um als Auszubildender aufgenommen zu werden, muss ein Parcours bestanden werden, der auf Kraft, Ausdauer und vor allem, um es nicht ganz so einseitig zu gestalten – Muckis allein reichen eben nicht –, auch auf Willenskraft zielt. Selbsterklärend, dass unsere Lieblingsnachwuchstalente ihr Ziel erreichen. Aber die Rettungsschwimmer von Malibu wären nicht die Rettungsschwimmer von Malibu, wenn sie nur Kinder aus dem Meer ziehen würden, deren Mütter sie absichtlich unbeaufsichtigt lassen (auf Mitch und sein Team ist ja Verlass!), wenn sie nicht auch noch eine Reihe ungeklärter Fälle zu lösen hätten. Die Kühlboxganoven sind hier noch das geringste Übel, denn in Malibu steigt gerade ein neuer Stern des Drogenhimmels auf, den es zu versenken gilt: Victoria.

NSYNC – Highschoolmusical – Justin Bieber – One Direction

Baywatch setzt bei seiner Parodie der 90er-Serie auf billigen Slapstick, flache Witze und Running Gags. So ist das größte Hindernis Matt Brodys vermutlich, dass Mitch ihm am laufenden Band musikalische Spitznamen verpasst und er der Einzige ist, der das Festnehmen von Drogendealern im Aufgabenbereich der Polizei sieht. Bei all dem Klamauk zündet der ein oder andere Gag sogar, andere dümpeln im seichten Kielwasser vor sich hin. Die schlechte Story mag Absicht sein, wie auch die unlogischen Handlungsabläufe und Verhaltensweisen der Protagonisten. Aber war Baywatch denn je logisch? Trotzdem bietet der Film auf seine eigene Art einen gewissen Unterhaltungswert und dürfte auf der gleichen Welle wie Parodien á la Scary Movie surfen – wenngleich er gelungenere Versionen seiner Art, wie 21 Jump Street, nicht zu erreichen vermag. Das Hauptproblem ist, dass der Film nicht ironisch genug ist, nicht noch überspitzter gezeichnet ist und man sich auf das Zünden des seichten Humors verlässt. Als kleine Hommage an das Original, wartet der Film allerdings gleich mit zwei Überraschungen auf, die ihr Seepferdchen schon vor einiger Zeit gemacht haben. Hach, die gute alte Zeit! Wie schön, dass die zwei Auftritte qualitativ weit unter dem Meeresspiegel bleiben und sich damit wunderbar in das Gesamtbild fügen.

Als der Abspann lief, sagte hinter mir jemand: Man musste sich etwas drauf einlassen, dann wars aber eigentlich ganz geil. Ich kann das nur teilweise unterschreiben. Als „geil“ würde ich den Film nicht bezeichnen. Anfangs dachte ich, ich hätte einen Riesenfehler gemacht, dass ich mir jetzt echt diesen Film antue. Dank des Trailers dürfte jedem klar gewesen sein, dass man hier kein 1:1 Remake des Klassikers erhalten würde – das ich mir als Kind nach der Schule immer angesehen habe und völlig fasziniert von den spannenden Rettungen war. So startete der Film sogleich mit einer Reihe so richtig schlechter flacher Witze über dicke Eier, eingeklemmte Schwänze und große Brüste in Slow-Mo und davon werde ich wohl nie ein Fan werden. Es stimmt aber; man muss sich wirklich darauf einlassen. Mit dem Auftauchen Zac Efrons als narzisstischer Arnie-Verschnitt, wird die Sache dann doch recht unterhaltsam. Die pathetischen Reden Dwayne Johnsons über Ehre und Aufgaben eines Rettungsschwimmers in seiner Bay und die klamaukartige Veranstaltung des ganzen Teams, machen irgendwie Spaß. Einfach das Hirn ausschalten und so hinnehmen. Manche Witze sind so schlecht, dass man kaum schmunzeln kann, andere haben bei mir funktioniert. Zac Efron in wunderschöner Tarnung ist ein Bild für die Meeresgötter. Leider bleibt der Film hinter seinem Potential zurück. So doof das auch klingen mag, aber ich hätte tatsächlich mehr in dem Film gesehen. Man hätte noch eine Schippe drauflegen können, um die Serie noch mehr durch den Kakao zu ziehen und es wirklich auf die Spitze zu treiben. Die Gags hätten besser und durchdachter platziert werden können. Man braucht nicht den billigen Pipi-Kacka-Humor, damit es lustig wird. Im Gegenteil. Ich könnte mir nämlich vorstellen, dass man das Original, aus heutiger Sicht, mindestens genauso witzig finden könnte. Und das schon nur deshalb, weil es sich ernst nimmt. Der Film ist nicht gut, er ist aber auch nicht grottenschlecht – außer man nimmt ihn ernst. Für eine richtig gute Parodie ist er aber einfach nicht lustig genug, da mir die Witze dann doch zu billig waren. Ein zweites Mal würde ich ihn mir wohl nicht geben, außer man macht daraus ein Trinkspiel: Trink, wenn Brody nicht mit seinem Namen angesprochen wird. Prost!

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Prinzessin Blaubeere

Prinzessin Blaubeere studiert aktuell noch Geschichte im Hauptfach, möchte aber nach ihrem Abschluss Polizistin werden und schwitzt deshalb seit Neuestem im Fitnesstudio, in das sie ihr Einhorn Kurt (Cobain), das sie sich schon lange vor dem großen Boom angeschafft hat, leider nicht mitnehmen darf. Sie liest überwiegend Fantasy und suchtet allerhand Filme und Serien mit den unterschiedlichsten Themen - Zombies und Rosamunde-Pilcher-Kitsch dabei am unbeliebtesten. Darüber hinaus schreibt sie gerade selbst an einem Fantasyroman, in dem natürlich auch ein Einhorn vorkommt.

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