Berlin Station (Staffel 2)

Während die erste Staffel von Berlin Station noch mit etwas Verspätung ihren Weg via Netflix nach Deutschland gefunden hat, wird die zweite nun seit dem 17. Oktober 2017 mit einer Folge pro Woche umgehend veröffentlicht. So bietet es sich auch an, einen ersten Blick auf die Fortführung von Daniel Millers Wirken als CIA-Agent in der deutschen Hauptstadt zu werfen.

  

Anstatt Daniel Miller lernt man jedoch zuerst einmal dessen neue Coveridentität Trevor Price kennen. Ehemaliger US-Soldat, unehrenhaft entlassen, nachdem er im Irakeinsatz das Feuer auf einige Zivilisten eröffnet hat, und rechtsradikaler Waffenhändler. Zusammen mit Esther Krug inszeniert Miller vier Monate nach den Ereignissen der ersten Staffel den vermeintlichen Impuls-Mord an einem Araber, damit Miller darüber Zugang zur rechten Szene in Berlin findet, insbesondere zu deren Anführer Otto Ganz. Der Bundesnachrichtendienst geht davon aus, dass Ganz notfalls mit Waffengewalt die anstehende Bundestagswahl zu Gunsten der rechten PfD (Perspektive für Deutschland) und deren Vorsitzende Katerina Gerhardt beeinflussen will, damit diese die Macht in Deutschland ergreifen kann. Da dies eigentlich ganz im Sinne der neuen Regierung in Washington wäre, greift die Berliner CIA-Außenstelle unter der Leitung von BB Yates dem BND deswegen auch nur inoffiziell unter die Arme. Den neuen Botschafter aus Washington Richard Hanes hält sie mit freundlicher Hilfe von Robert Kirsch deswegen auch im Dunkeln über Millers laufenden Undercover-Einsatz. Hanes kontaktiert inzwischen aber den in den Privatsektor übergesiedelten Steven Frost, damit dieser wiederum die Berliner CIA überwacht.
Miller stößt derweil auf Schwierigkeiten: Auch wenn er das Vertrauen von Ganz‘ Tochter gewinnen konnte, vertraut deren Vater ihm noch nicht und will nur mit Prices Hintermann direkt Geschäfte machen. Mit dem Einsatz am Rande des Scheiterns improvisiert Miller und führt Ganz nach Spanien, wo ein alter Bekannter von Daniel seine eingemottete Coveridentität des Waffenschmugglers Andrew Chevalier reaktivieren soll.

Böse deutsche Nazis sind zurück, auch auf dem Bildschirm

Originaltitel Berlin Station
Jahr 2017
Episoden 20 (2 Staffeln)
Genre Spionagethriller
Cast Daniel Miller: Richard Armitage
Robert Kirsch: Leland Orser
Valerie Edwards: Michelle Forbes
Steven Frost: Richard Jenkins
Esther Krug: Mina Tander
BB Yates: Ashley Judd
April Lewis: Keke Palmer
Otto Ganz: Thomas Kretschmann
Lena Ganz: Emilia Schüle
Hector DeJean: Rhys Ifans

Berlin Station ist wieder da und immer noch am Puls des Zeitgeschehens. Steckt deutschen Zuschauern die reale Bundestagswahl und der zweistellige Wahlerfolg der AfD noch in den Knochen, spinnt Berlin Station seine Geschichte weiter um das Vorfeld eben dieser 2017er Wahl und bewegt sich thematisch von den extremistischen Dschihadisten der ersten Staffel weiter zu dem daraus entstandenen Gegenproblem: extremistische Nationalisten bzw. die im gesamten Westen aufkeimende Alt-Right Bewegung. Ringen die deutschen Medien nun schon seit Jahren um den richtigen Umgang mit der AfD, scheint die US-Unterhaltungsindustrie weniger Probleme damit zu haben, eine neue deutsche Nazipartei – bzw. deren fiktionales Gegenstück – in die Rolle der Bösen zu stecken.
Interessant ist auch, wie der allgemein in der Öffentlichkeit ausgetragene Richtungskampf zwischen dem Weißen Haus und den Geheimdiensten hier auch im verborgenen Spionagebetrieb umgesetzt wird. Die Berliner Außenstelle muss somit einmal mehr gegen ihre eigene Führung operieren, wobei die offene Sympathie dieser Führung mit rechten europäischen Kräften selbstreflektierend thematisiert wird.

Neue Gesichter und spanischer Sonnenschein

Die Besetzung der ersten Staffel wurde – wenn die Figuren denn nicht gestorben sind – wieder weitestgehend komplett versammelt und mit Ashley Judd (Heat) als neuer Chefin BB Yates und Keke Palmer (Scream Queens) als frischausgebildete Agentin April Lewis erweitert. Auch auf der Gegenspielerseite sind mit John Doman (The Wire), Thomas Kretschmann (The Avengers 2: Age of Ultron) und Emilia Schüle als Vater und Tochter Ganz sowie Heino Ferch (Der Tunnel) viele interessante Schauspieler mit hinzu gekommen.
Hat die erste Staffel fast ausschließlich in Berlin gespielt, entführt einen zumindest die zweite Folge in das ländliche Spanien. Es bleibt abzuwarten, ob dies richtungsweisend wird und mehr Folgen von Berlin Station auch in anderen deutschen oder europäischen Städten stattfinden, wobei dies insoweit schade wäre, als dass der Berliner Handlungsort viel zum Reiz der ersten Staffel beigetragen hat.

Berlin Station macht eigentlich da weiter, wo die Serie auch aufgehört hat: Aktuell, ohne US-patriotische Verklärung und ziemlich spannend. Das ist insoweit beruhigend, dass es trotz einiger neuer Gesichter keinen dramatischen Richtungswechsel von einer Staffel auf die nächste gegeben hat, wie dies ja bei anderen Serien manchmal passiert. Besonders, dass Steven Frost in Stellung gebracht wird, um vielleicht gegen seine ehemaligen Untergebenen zu handeln, könnte interessant werden und auch die Frage, wer die Kräfte hinter Ganz‘ Neonazis sind, dürfte für einiges an Spannung sorgen. Zumal die Vater-Tochter-Dynamik innerhalb der Nazifamilie noch einen zusätzlichen Reiz auf Seiten der Antagonisten setzt. PfD und AfD sind natürlich nicht gleichzusetzen, schließlich handelt es sich hier um eine fiktionale Serie und die rhetorischen Absonderungen der PfD lassen sich jederzeit herrlich einfach abschalten. Da ich den Eindruck habe, dass wir in Deutschland sehr gut darin geworden sind, unser AfD-Problem nicht ernst genug zu nehmen, ist es vielleicht ganz gut einmal den fiktionalisierten Spiegel als Außenperspektive vor die Nase gesetzt zu bekommen.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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