Fireman

Mit seinem nun mehr vierten Roman schaffte es Joe Hill erneut in die New Yorker Bestsellerliste und diesmal auf Platz 1. Es lohnte sich für den Autor, vier Jahre lang an seinem neuen Roman zu schreiben. Daher stellt sich die Frage: Welches Grauen hat sich der Horrorautor diesmal überlegt, um seine Leser zu packen? Seit dem 9. Mai 2017 können sich deutsche Leser ein Bild davon machen und so viel verraten wir schon mal: Es geht um nicht weniger als das Aussterben der menschlichen Rasse.

    

Die Welt brennt! Und daran ist weder der Krieg von Nationen, noch ein Alienangriff oder ein Meteoritenregen, der auf die Erde stürzt, schuld. Nein! Um der Sache auf den Grund zu gehen muss man viel kleiner denken — ein Pilz ist der Verursacher allen Übels. Dieser nistet sich im menschlichen Organismus ein, was man zu nächst nur an den schwarz-orange-roten Malen auf der Haut sehen kann. Langsam, aber sicher erreicht die Pilzspore das Gehirn und sorgt dann dafür, dass der Wirt in Flammen aufgeht. Im schlimmsten Fall explodieren Patienten sogar. Ein Heilmittel ist auch nach all den Monaten noch nicht gefunden worden, was dafür sorgt, dass die Angst unter den Leuten ansteigt.

Harper Grayson ist eigentlich Schulkrankenschwester, doch nachdem sich immer mehr Leute infiziert haben, wird sie ins örtliche Krankenhaus gerufen. Täglich muss sie mit ansehen, wie Leute anfangen zu qualmen oder gar ganz in Flammen aufgehen. Doch sie lässt sich nicht entmutigen und versucht nach Mary-Poppins-Art die Leute, bei Laune zu halten. Erst nach ihren Schichten erlaubt sie es sich, auf der Toilette, einen Weinanfall zu bekommen. Als das Krankenhaus dann selbst in Flammen aufgeht, kehrt sie nach Wochen das erste Mal wieder zurück nach Hause zu ihrem Ehemann. Was sie nicht weiß: Sie trägt den Pilz bereits in sich. Tage später zeigen sich die ersten Anzeichen auf ihrer Haut und, um dem Ganzen noch eine Krone aufzusetzen, ergibt der Schwangerschaftstest, dass sie ein Baby bekommen wird. Ihr Ehemann verlässt das Haus, doch kündigt er an, dass, wenn er sich auch infiziert hat, er ihres und sein Leben beenden wird. Für Harper beginnt ein Kampf ums Überleben, denn sie hofft, dass sie das Baby ohne Infektion zur Welt bringen kann. Sie weiß noch nicht, dass sie bald Hilfe von einem Mann bekommen wird, den alle den „Fireman“ nennen — der Einzige, der die Seuche in sich trägt, aber kontrollieren kann!

„There’s something horribly unfair about dying in the middle of a good story, before you have a chance to see how it all comes out. Of course, I suppose everyone ALWAYS dies in the middle of a good story, in a sense. Your own story. Or the story of your grandchildren. Death is a raw deal for narrative junkies.”

Harpers Kampf ums Überleben

Originaltitel The Fireman
Ursprungsland USA
Jahr 2016
Typ Roman
Bände 1
Genre Horror, Drama
Autor Joe Hill
Verlag Heyne

Während die Welt untergeht, begleiten wir Harper dabei, wie sie um sich und ihr ungeborenes Baby kämpft. Neben der Seuche lauern noch viele andere Gefahren auf sie. Da nur wenige Informationen über die Pilzspore bekannt sind, verbreiten sich Gerüchte und Irrglaube rasend schnell in der Bevölkerung. Nicht-Infizierte fangen an, die Infizierten zu jagen und zu töten, nur um der Sache Herr zu werden. Panik breitet sich wie ein Lauffeuer aus und Harper sieht schnell ein, dass sie nicht zu Hause bleiben kann. Vor allem nicht, da ihr Ehemann immer mehr den Verstand verliert. In seiner Vorstellung sollen die beiden einen friedlichen Tod durch Einnahme von Schlaftabletten haben. Dass seine Ehefrau sich hingegen lieber für den Kampf ums Überleben entscheidet, kann er nicht nachvollziehen. Glück im Unglück: Harper hat während ihrer Zeit im Krankenhaus einem Mann namens John Rockwood geholfen. Dieser bringt Harper an einen Ort, an dem sich auch andere Infizierte verstecken und so überleben. Unsere Heldin ist im Camp gerne gesehen, denn es fehlt dort an medizinischem Personal, doch die Stimmung verändert sich nach einer folgenschweren Nacht.

Wie der Vater, so der Sohn

Das sich hinter Joe Hill — geborener Joseph Hillstrom King — der Sohn des berühmten Horrorautors Stephen King verbirgt, ist schon lange keine Geheimnis mehr. Hills erste Erfolge feierte er mit der Comic-Reihe Locke & Key, die hierzulande bei Panini Comics erschienen ist. Während sein erster Roman Blind ein extrem hohes Erzähltempo besitzt, so merkt man schon bei den nachfolgenden Romanen Teufelszeug und Christmasland, dass Joe Hill die Bremse gefunden hat. Daher wundert es nicht, wenn er sich immer häufiger den Vergleichen zu seinem Vater stellen muss. Zwar liest sich Fireman sehr schnell, weil der Schreibstil ein fließendes Weiterkommen ermöglicht, doch wird vor allem die Geschichte streckenweise zu langatmig erzählt. Wenn dann noch leicht vorhersehbare Wendungen folgen, verliert man gerne die Lust am Lesen. Da hilft es nicht, dass Harper eine sehr sympathische Frau mit Stärken und Schwächen ist. Ihre Art, in hektischen Situationen eher ruhiger zu werden und die Kontrolle an sich zu nehmen, sorgt dafür, dass einige Situationen nicht ganz den Ablauf nehmen, wie man ihn sich ausmalt. Neben Harper bekommen auch andere Figuren genug Zeilen gewidmet: Allen voran der namensgebende Fireman, der das eine oder andere Geheimnis mit sich bringt. Zwar kann der Leser sich schnell ein paar der Dinge zusammenreimen, aber so manche Überraschung hat er doch zu bieten. Vergleiche zum berühmten Stephen King Roman The Stand – das letzte Gefecht sind nicht ungewollt. So baut Hill eine Figur ein, die Harold Cross heißt und extrem viele Ähnlichkeiten mit Harold Lauder aufweist. Beide sind die angeblich missverstandenen Außenseiter der Geschichte. Wer kein Problem mit der englischen Sprache hat: Es existiert eine Deluxe Edtion mit Schuber und Illustrationen. Eines der Bilder dient für dieses Review als Titelbild.

Ich habe fast alles von Joe Hill gelesen und bis jetzt hat mich alles gepackt und nicht mehr losgelassen. Auch Fireman zog mich schnell in seinen Bann, sodass ich das Buch immer ungern zur Seite gelegt habe. Trotzdem muss auch ich sagen, dass einige Stellen zu langatmig sind. Ab dem Moment, als Harper im Camp ankommt, wartet man direkt darauf, dass gewisse Dinge eintreffen werden. Doch dauert es einige Zeit, bis es soweit dann ist. Dass ich mir einige der Wendungen auch schon vorher zusammengereimt habe, fällt nicht ganz so schwer ins Gewicht, denn nicht alles ist immer so eingetroffen wie ich es mir gedacht habe. Was Johns Schicksal angeht, so war mir leider früh schon klar, dass er nicht überleben würde, doch dachte ich, dass es zu einem anderen Zeitpunkt geschehen würde. Dass er stirbt, finde ich sehr schade, denn er und Harper sind ein sehr süßes Paar. Auch war leider klar, dass die Insel von Martha Quinn nicht das ist, was die Gruppe erwartet. Es ist viel zu utopisch, dass bei all dem Chaos so etwas noch existiert. Schade finde ich auch, dass das Buch für mich zu früh endet. Ich hätte gerne noch erlebt, ob die Welt sich wieder fängt und es sich herumspricht, wie man mit der Pilzspore zusammen leben kann.  Was mir wirklich gut gefällt, ist die Gestaltung der deutschen Paperback-Ausgabe. Für mich persönlich ist Fireman Joe Hills schwächster Roman im Vergleich zu seinen anderen Werken.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen vom Manga Kenshin an Samurais verloren.

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