Club der roten Bänder (Staffel 1)

2015 löste eine Fernsehserie einen großen Hype aus: Club der roten Bänder. Die Serie war so erfolgreich, dass in den darauf folgenden zwei Jahren zwei weitere Staffeln folgten. Trotz der deutschen Produktion handelt es sich um ein spanisches Drehbuch: Club der roten Bänder basiert auf Albert Espinosas autobiographischen Roman Glücksgeheimnisse aus der gelben Welt.

    

Sechs Jugendliche, sechs Schicksale, ein Krankenhaus. Leo, Jonas, Hugo, Alex, Toni und Emma tragen verschiedene Schicksale, weshalb sie über Monate im Krankenhaus bleiben müssen, doch durch Hugo finden sie zueinander. Die Gruppe gibt sich Halt und Trost, da sie vieles durchstehen müssen und oft durch ihre Krankheiten deprimiert sind. So dauert es nicht lange, bis die Idee entsteht, einen Club zu gründen um den Krankenhaus-Alltag zu entfliehen. Leo schlägt vor, dass jeder von ihnen ein rotes Krankenhaus-Band bekommt, schnell ist ein Name gefunden und der „Club der roten Bänder“ geboren. Jedes Mitglied nimmt eine Rolle ein:

Leo – Der Anführer
Jonas – Der zweite Anführer
Emma – Das Mädchen
Alex – Der Hübsche
Toni – Der Schlaue
Hugo – Der gute Geist

Von nun an gehen sie durch dick und dünn, durch schlechte und gute Zeiten.

Ein Band, das alle verbündet

Originaltitel Club der roten Bänder
Jahr 2015
Staffeln 1 / 3
Genre Drama
Cast Leo Roland: Tim Oliver Schultz
Jonas Neumann: Damian Hardung
Emma Wolfshagen: Luise Befort
Alexander (Alex) Breidtbach: Timur Bartels
Anton (Toni) Vogel: Ivo Kortlang
Hugo Krüger: Nick Julius Schuck

Dass eine Krankheit ein ganzes Leben verändern kann, muss auch der an Krebs erkrankte Jonas erfahren. Nach einer Chemotherapie, fallen ihn die Haare aus, weshalb er sich entscheidet, diese selbst komplett zu entfernen. Kurz darauf kommt Jonas für lange Zeit ins Krankenhaus, zumal ihm auch das rechte Bein entnommen werden muss. Sein Zimmer teilt Jonas mit dem gleichgesinnten Leo, der schon mehrere Monate Klinikaufenthalt, mehrere Chemos und OPs hinter sich hat. Dank Leo lernt Jonas Emma kennen und sie feiern gemeinsam eine Abschiedsparty für das Bein von Jonas. Emma hat eine Esstörung. Wenn sie nicht isst, muss sie in die Psychiatrie und verwirft das Essen oder reicht es weiter. Sie kann noch nicht einmal Essen riechen, versucht aber, sich für ihre Freunde zu überwinden. Hugo ist ein Junge, der durch einen 10m-Brett Sprung zwei Jahre im Koma lag und dessen Mutter sogar einen Job als Clown im Krankenhaus annahm, nur um bei Hugo zu sein. Der neue Bettnachbar von Hugo ist der herzkranke Alex, der sich anfangs unbeliebt macht und nicht bei Hugo bleiben will. Seinen eigentlich besten Freund hänselt er auch immer wieder, obwohl dieser ihn Hausaufgaben, Süßigkeiten und Filme bringt. Dann ist da noch Toni, der das Asperger-Syndrom hat. Er baute mit einem Motorrad einen Unfall und brach sich dabei beide Beine. Jonas war durch seine Bein-Amputation bei Hugo in der Zwischenwelt. Denn der im Koma liegende Hugo befindet sich in einer sogenannten Zwischenwelt: in dem Freibad, wo er einst vom 10m-Brett gesprungen ist. Es ist eine Welt zwischen Leben und Tod. Nachdem Jonas wieder aus der Narkose erwacht, fährt er mit Leo zu Hugo. So finden sich der Anführer, der zweite Anführer, der gute Geist und das Mädchen. Alex, der Hübsche, kommt erst durch einen Zwischenfall, in dem er mit Leo im Fahrstuhl stecken bleibt, hinzu. Und Toni hört einfach nur auf Hugo, als dieser ihm sagt, dass die Gruppe noch Mitglieder für ihren Club braucht. Nur Toni kann Kontakt zu Hugo in der Zwischenwelt aufnehmen. Somit nimmt Toni die Stelle des Schlauen ein. Die sechs Jugendlichen überlegen sich einen Namen, und der Club der roten Bänder ist geboren.

Abenteuer im Krankenhaus

Nach der Gründung des Clubs muss Leo sich entscheiden, ob er erneut eine Chemo machen will. Eigentlich möchte er zunächst gar nicht, doch da Hugo gerne eine nächtliche Expedition unternehmen möchte, entscheidet der Club über Leos Kopf hinweg, ihn zur Onkologie zu führen. Sie versprechen Leo, immer abwechselnd bei ihm zu sein, wenn er zur Chemo muss. So kommt es, dass er sich schließlich für eine Chemo entscheidet. Hingegen Alex, der kurz Nachhause darf, erlebt für sich einen Wandel und freut sich sogar, wieder im Krankenhaus zu sein; bei seinen Freunden, seinem Club. Jeden Sonntag gibt es auch einen „Sonnen-Schein“, je nach den Gesundheitszustands des Patienten. Sozusagen ein Schein, der es den Patienten erlaubt,  Zeit auf dem Dach des Krankenhauses zu verbringen, entweder für Vormittag oder Nachmittag. Etwas ganz Besonderes für Leo, Tino und Alex, da sie so gut wie das Krankenhaus so gut wie gar nicht verlassen können. Dabei treffen sie eine andere Gang, die Leo immer wieder herausfordert; beispielsweise zu einen Basketballspiel oder einem Rollstuhl-Duell. Mit dabei als Mentor ist der an Demenz erkrankte Benito, dem es immer schlechter geht. Leo hat Angst, dass Benito ihn vergessen wird. Zum Ende der Staffel, muss der Zuschauer einige Entlassungen vom Krankenhaus hinnehmen, die nicht immer fröhlich, sondern auch oft traurig ausfallen. Es gibt aber auch die schönen Dinge im Leben, die der Club erleben darf. Allen voran ist das die Freude am Leben und die folgenden Tage noch so zu gestalten, als wenn es die letzten wären.

Interessantes über den Club der roten Bänder

Albert Espinosa, der Schriftsteller des Romans, erlebte die Geschichte selbst und verbrachte 10 Jahre im Krankenhaus, weil er an Krebs erkrankte. Da der Roman so erfolgreich war, erschien 2011 in Spanien die Serie Polseres vermelles mit großen Erfolg, denn sie wurde in über 18 Länder verkauft. Deutschland erhielt eine eigene Fassung mit Club der roten Bänder. Auch für den amerikanischen Markt wurde die Serie adaptiert, dort heißt sie Red Band Society. Diese wurde zwar aufgrund niedriger Quoten nach 13 Folgen abgesetzt, bekam dennoch einen Emmy. Zu den Dreharbeiten zu Club der roten Bänder erschien Albert Espinosa regelmäßig. Er schaffte sich ein Bild von der Produktion, auf die er offensichtlich sehr stolz ist. Albert Espinosa gab den Schauspielern auch Tipps während seiner Anwesenheit. Die Schauspielerin der Emma, Luise Befort, musste anfangs seitens Zuschauer viel Kritik einstecken, da viele sie zu dünn fanden, obwohl sie eine magersüchtige Figur spielte. Bei den Dreharbeiten war Tim Oliver Schultz bereits 27 Jahre alt, sein Charakter Leo ist zum Serienbeginn 16 Jahre alt. Und im Gegensatz zu Alex ist Timur Bartels der Liebling am Set gewesen – so seine Schauspielkollegen. Auch Steven Spielberg erfuhr von Albert Espinosas Geschichte und war so begeistert, dass er ihm sein rotes Band für viel Geld abkaufen wollte. Espinose lehnte dies jedoch ab. Als Titelsong von Club der roten Bänder wurde „Hurricane“ von MS MR verwendet. Auch darüber hinaus tauchen mitten in der Serie bekannte Songs auf, wie „Heroes von David Bowie“, was zum Schluss der Staffel an Bedeutung gewinnt.

Als damals der Hype begann, interessierte ich mich eigentlich sehr wenig für die Serie, doch als er zunahm, begann ich mich mit Club der roten Bänder zu beschäftigen. Heute mag ich die Serie gar nicht mehr missen. Albert Espinosa hat da etwas Grandioses erschaffen. Ich kaufe ihm auch die geistliche Verbindung zwischen Hugo und Toni ab, da Espinosa einfach so sympathisch und authentisch ist. Der Soundtrack ist sehr passend zusammengestellt und nie zu aufgedreht in den Szenen platziert. Die Atmosphäre stimmt schon allein durch das gute Zusammenspiel der Schauspieler. Beim Casting der Schauspieler bewies die Regie der Serie ein echtes Glückshändchen, denn die Rollen sind nahezu perfekt besetzt. Dank ihnen kann man sich in die Rollen hineinversetzen und fühlt mit ihnen, denn einige bereiteten sich lange auf ihre Rollen vor wie etwa Timur Bartels. Ivo Kortlang bringt seine Rolle als Toni am besten rüber: Im Gegensatz zu den anderen durfte er keine Emotionen zeigen, was bei der einen oder anderen Szene schwer gewesen sein muss. Auch erwähnenswert ist, dass jeder Hauptcharakter so viel Sendezeit bekommt. Somit hat der Zuschauer Zeit, um alle richtig kennen zu lernen. Interessante Nebenrollen wie Ruben, Dietz und Dr. Hein bekommen da weniger Sendezeit. Alles in einem ist Club der roten Bänder eine schöne und mitfühlende Serie, die ihren Ruhm verdient hat. Was Club der roten Bänder so besonders macht trotz dessen ernsthaften Themas, ist die Eigenschaft, so frisch, mitfühlend und einfühlsam zu wirken, was kaum einer deutsche Produktion gelingt. Dies ist das Schaffen der guten Charakterdarsteller.

Zweite Meinung:

Am Anfang war ich skeptisch, ob die Serie wirklich etwas für mich ist. Ist nicht unbedingt das, was ich normalerweise schaue. Eine Geschichte, die sich hauptsächlich im Krankenhaus abspielt, war daher eher ein Novum für mich. Die erste Folge fand ich noch nicht ganz so überzeugend. Irgendwie wollte da der Funke noch nicht überspringen. Doch ab der zweiten Folge hat mich die Serie gepackt. Ab da wollte ich wissen, wie es mit den Jugendlichen weitergeht. Ein Leben als Langzeitpatient kann sehr hart sein und das wird nach und nach gut aufgezeigt. Gerade, wenn die Krankheit noch nicht bezwungen ist. Die Geschichte wird so erzählt, dass man als Zuschauer gut mitfühlen kann, wie es diesen jungen Menschen geht. Wie die kleinsten Dinge in einem Krankenhaus doch viel Freude bereiten können. Die unterschiedlichen Charaktere mag ich ganz gern und das eine oder andere Schicksal hat mich auch gerührt. Manche von ihnen machen auch interessante Entwicklungen durch, wie zum Beispiel Alex.  Die Schauspieler bringen ihre Rollen glaubwürdig rüber und sind passend besetzt. Der Club der roten Bänder gehört auf jeden Fall zu den besseren deutschen Produktionen der letzten Jahre.

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