Danganronpa – Die Hope’s Peak Saga – Teil 1

Für Danganronpa-Fans steht die Ziffer 3 sowohl für den Abschluss, als auch den Neuanfang. Mit Danganronpa 3: The End of Hope’s Peak High School wurde 2016 die Hope’s Peak Saga abgeschlossen. Danganronpa V3: Killing Harmony stellt einen Neuanfang für die Serie dar und ist so nicht nur für Kenner der Reihe, sondern auch für Serien-Neulinge interessant. Doch bevor wir uns in neue, abgedrehte Abenteuer stürzen, wollen wir die Hope’s Peak Saga noch einmal Revue passieren lassen.

Danganronpa – was soll das überhaupt sein? Ganz grob übersetzt bedeutet es so viel wie ‚Projektil Widerlegung‘. Klingt komisch, ergibt aber im Kontext der Reihe einen Sinn. Denn in Danganronpa geht es darum, als Hochschüler Mordfälle im Klassenverband zu lösen. Im Class Trial werfen die Mitschüler mit Argumenten um sich, welche es mit Beweisen in Form von Geschossen, sogenannten „Truth Bullets“, zu widerlegen gilt.

Die Serie erblickte im November 2010 das Licht der Welt. Auf der PlayStation Portable fand der Erstling eine treue Anhängerschaft – allerdings nur in Japan. Denn der erste Teil sowie sein Nachfolger, welcher im Juli 2012 ebenfalls für die PSP erschien, fanden erst 2014 ihren Weg zu uns. Langjährige Animefans hatten bereits 2013 die Möglichkeit einen ersten Blick ins Danganronpa Universum zu wagen: In 13 Folgen wurde über den Sommer der erste Teil in Serienform nacherzählt. Als beide Titel noch einmal für die PlayStation Vita aufgelegt wurden, hat sich NIS America die Lizenz geschnappt und Danganronpa in den Westen gebracht.

Glück im Unglück

Originaltitel Danganronpa: Kibō no Gakuen to Zetsubō no Kōkōsei
Jahr  2010 (J), 2014 (D)
Plattform PlayStation Portable, PlayStation Vita, PlayStation 4, PC
Entwickler  Spike
Publisher  NIS America
Genre  Visual Novel
Spieler  1
USK  

Im Spiel übernimmt man die Rolle des Schülers Makoto Naegi, welcher eingeladen wird, auf die Hope’s Peak Academy zu gehen. Dorthin kommen nur die Besten der Besten und ein Abschluss der Akademie garantiert eine blühende Zukunft. Jeder von der Schule erwählte Schüler ist der Ultimative seines Fachs, so trifft Makoto etwa auf die ultimative Pop Sensation, die ultimative Schwimmerin oder den ultimativen Hellseher. Er selbst hatte jedoch einfach nur Glück. Denn für jeden Jahrgang wird ein zusätzlicher Schüler per Los auserwählt, welcher ebenfalls an der Akademie lernen darf, nämlich als ultimativer Glücks-Student. Doch bereits am Tag der Einschulung wird das Schulleben der 15 Schüler der 78. Klasse komplett auf den Kopf gestellt. Nachdem sie alle beim Eintritt seltsamerweise ihr Bewusstsein verlieren, finden sie sich im Eingangsbereich wieder. Nur, dass der Eingang plötzlich von einem riesigen Stahltor verschlossen und dieses mit Geschützen gesichert ist – kein einladender Einblick. Sie werden in die Sporthalle gebeten, wo sie auf das Serienmaskottchen treffen: Monokuma. Dieser mechanische Bär, auf der einen Hälfte weiß, auf der anderen schwarz, stellt den Schülern ihre Zukunft vor: Sie leben für immer in der Schule, dafür müssen sie sich um nichts mehr Sorgen machen. Jeden Tag gibt es frische Lebensmittel, jeder hat seinen eigenen Schlafraum und für Beschäftigung sorgen die in der Akadamie vorhandenen Räumlichkeiten, wie die Bibliothek, ein Kunstraum oder eine Schwimmhalle. Doch wer diesem drögen Alltag entfliehen und wieder in die Außenwelt möchte, dem steht eine morbide Aufgabe bevor: Ein Schüler muss einen anderen Schüler ermorden. Doch damit allein ist die Flucht nicht gesichert. Die anderen Schüler haben eine gewisse Periode um Hinweise zu sammeln, um im darauffolgenden Class Trial den Täter zu stellen. Gelingt es ihnen, wird der Mörder hingerichtet. Wird die Wahrheit jedoch nicht aufgedeckt und jemand Falsches beschuldigt, winkt dem Übeltäter die Freiheit, während dem Rest der Tod bevorsteht.

Danganronpa: Trigger Happy Havoc, so der vollständige Name des ersten Teils, wird im Westen als Visual Novel kategorisiert (was in Japan jedoch nicht der Fall ist) und hat damit bereits einen schweren Stand. Das Spiel bietet eine Geschichte die rund 20 Stunden beansprucht, vollständig in Textform erzählt. Hier und da werden mal ein paar Sätze vertont, gelegentlich darf man ein besonderes Artwork, welches das aktuelle Geschehen darstellt, bewundern. Die meiste Zeit schaut man jedoch starren 2D Sprites zu, wie sie miteinander plaudern und dabei gelegentlich mal die Reaktion wechseln, in Form eines anderen Sprites. Für die meisten dürfte diese Art von „Spiel“ ungewohnt sein, doch Danganronpa setzt alles daran, den Lesefluss etwas aufzulockern. Denn anstatt sich von Text zu Text zu hangeln und die Geschichte gelegentlich durch Entscheidungen in andere Bahnen zu lenken, setzt Danganronpa auf mehr Interaktivität. So können wir uns zwischen Events, welche die Geschichte vorantreiben, in der Ego-Perspektive durch die Akademie bewegen. Dabei treffen wir auf unsere Mitschüler, welche in Form von 2D Pappaufstellern in der Schule verteilt sind und sich in klassischer DOOM-Manier mit der Kamera mitdrehen oder können die Räumlichkeiten nach Monocoins absuchen, um diese an der Slot Machine gegen Preise einzutauschen.

Auch die Class Trial lockern den Spielfluss etwas auf. Nicht nur das durch die Mechanik der Gegenargumentation ein gewisser Puzzle Aspekt hinzukommt, die teilweise stundenlangen Diskussionen werden zusätzlich mit Minispielen aufgelockert. Glücklicherweise folgen selbst die etwas absurderen Fälle einer Logik, die leicht nachvollziehbar ist, weshalb man ohne größere Probleme durch die lineare Geschichte kommen sollte.

Danganronpa Abridged

Originaltitel Danganronpa: Kibō no Gakuen to Zetsubō no Kōkōsei – The Animation
Jahr 2013
Episoden 13 (1 Staffel)
Genre Mystery, Psychological
Regisseur Seiji Kishi
Studio Studio Lerche

Die Anime-Umsetzung bietet Fans die Gelegenheit, die Ereignisse des ersten Teils nochmal in verkürzter Form nachzuerleben. Jedoch muss man einige Kompromisse eingehen, wenn man eine so lange Geschichte in 13 Folgen unterbringen will. Die Serie hat wenig Zeit, sich den Mordfällen zu widmen, wenn nebenbei eine übergreifende Geschichte erzählt und Charaktere näher beleuchtet werden wollen. So werden hier und da Elemente gekürzt oder gar gestrichen, welche den Titel ausgemacht haben. Den Figuren mangelt es an Entwicklung, da die optionalen Gespräche und ausufernden Diskussionen in den Verhandlungen nicht in das Zeitfenster gepasst haben. Anstatt auf die Hinweise einzugehen und zu zeigen wie und wo sie gefunden werden, wird dieses Element in kurzen Montagen abgehandelt. Dass ganze Folgen für die jeweiligen Class Trial draufgehen, klingt auf den ersten Moment nach einer guten Entscheidung, aber selbst diese sind auf das Wesentliche heruntergebrochen. Dies macht die Handlung vor allem für Nichtkenner des Ursprungsmaterials schnell unübersichtlich. Die letzte Folge sorgte bei vielen für so viel Verwirrung, dass zum späteren Blu-Ray Release eine zehn Minuten längere Fassung dieser veröffentlicht wurde, welche das Ende immerhin etwas besser erläutert.

Auch Fans werden etwas enttäuscht zurückgelassen, können der Serie aber doch etwas mehr abgewinnen. Nicht nur dass Musikstücke des Spiels verwendet wurden, Masafumi Takada, der Komponist des Original Soundtracks, hat auch neue Stücke für den Anime komponiert. Diese sind von der Stimmung und Instrumentenwahl identisch mit den Originalen und fügen sich wunderbar in den Score ein. Die japanischen Sprecher kehren ebenfalls in ihren bekannten Rollen zurück – etwas, was sich glücklicherweise durch die gesamte Reihe zieht. Und auch, wenn der Anime durch die Geschichte hetzt, um alles Wichtige in der geringen Anzahl an Folgen unterzubringen, lohnt er sich doch zum Auffrischen der Ereignisse, da zumindest die Schlüsselmomente festgehalten werden. Interessierte freut es, dass die Serie 2017 durch FilmConfect Anime auch ihren Weg nach Deutschland gefunden hat, samt deutscher Vertonung.

Hoffnung stirbt zuletzt

 Originaltitel  Sūpā Dangan Ronpa 2: Sayonara Zetsubō Gakuen
 Jahr 2012 (J), 2014 (D)
 Plattform  PlayStation Portable, PlayStation Vita, PlayStation 4, PC
Entwickler  Spike
 Publisher NIS America 
Genre   Visual Novel
Spieler  1
USK   

Danganronpa 2: Goodbye Despair ist das Musterbeispiel einer Fortsetzung. Neue Figuren, neuer Schauplatz, eine neue Geschichte, neue Minispiele… Als Hajime Hinata wacht man auf der Inselgruppe Jabberwock Island auf. Dort wird man in einem Klassenraum angespült, wie es nun zur Tradition wird, mit fünfzehn weiteren Schülern. Doch statt Monokuma begrüßt uns diesmal Usami, eine Häsin im fröhlicheren weiß-pinken Design. Gekleidet in einem Kleidchen und ausgerüstet mit einem Zauberstab, erteilt sie der Klasse die Aufgabe, sich Kristalle zu verdienen, welche es für das gegenseitige Anfreunden gibt. Auch, wenn diese Aufgabe sehr einladend klingt, so wird der Frieden leider schnell von Monokuma zerstört. Dieser degradiert Usami zu seiner Schwester, gibt ihr den Namen Monomi und übernimmt die Kontrolle über den Schulalltag. Mit dem Anfreunden ist es vorbei, stattdessen werden dieselben Regeln wie aus dem ersten Teil eingeführt. Um die Schüler zum Morden zu motivieren, greift Monokuma diesmal noch tiefer in die Trickkiste: So lässt er mal einen gefährlichen Virus frei oder die Schüler hungern, bis es einer von ihnen nicht mehr aushält. Jabberwock Island bietet in allen Aspekten mehr Varianz als der Vorgänger, was unter anderem für mehr Abwechslung der Schauplätze sorgt. So gibt es statt eines Schlafsaals diesmal ein Resort, in welchem die Schüler ihre Nächte verbringen, daneben befinden sich ein Kino, ein Krankenhaus und sogar ein ganzer Vergnügungspark. Dass diese Orte nicht unbedingt zur Unterhaltung dienen, sollte bei Schulleiter Monokuma keine Überraschung sein.

Auch, wenn sich der grobe Spielablauf kaum geändert hat, gibt es einige Änderungen, die den Spielfluss etwas auflockern sollen. So gibt es zwar weiterhin die Passagen aus der Ego-Perspektive, die einzelnen Inseln läuft man jedoch in einer 2.5D Ansicht ab. Während man von links nach rechts von einem Schauplatz zum nächsten wandert, levelt man mit jedem Schritt ein Tamagotchi-ähnliches Haustier auf. Leider sind die Laufwege gerade in der zweiten Hälfte des Spiels sehr weit, was eher dazu einlädt, die Schnellreise-Funktion zu nutzen. Generell nimmt der zweite Teil sehr viel mehr Zeit in Anspruch, der erste Durchlauf dauert ungefähr 30 Stunden. Das lässt mehr Zeit für Interaktion zwischen den Figuren, aber auch die Class Trial dauern diesmal wesentlich länger, was etwa durch neue Minispiele gerechtfertigt wird. Die Qualität dieser Aufgaben ist sehr durchwachsen, einige funktionieren besser als andere. Eines der besseren Spiele ist der Logic Dive, in welchem man durch eine neonfarbene Röhre surft und dabei Fragen zum jeweiligen Fall richtig beantworten muss. Dafür wird Fans bei der bloßen Erwähnung des „Improved Hangman’s Gambit“ ein kalter Schauer über den Rücken laufen.

Die Geschichte ist abgedrehter als alles, was der erste Teil zu bieten hatte. Die Morde sind verspielter und bieten mehr Varianz in ihrer Darstellung. Wirkt das Geschehen über lange Zeit eigenständig, ergibt sich zum Ende hin eine Verbindung zum Original, welche es in sich hat. Es lohnt sich daher der Handlung aufmerksam zu folgen, um den Twist, was Hajime Hinata und seine Klassenkameraden so besonders macht, selbst zu erleben.

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Makoto

Irgendwie schlägt sich Makoto durchs Leben, arbeitet aber nie in dem Beruf, den er gelernt hat. Doch findet er daneben immer die Zeit für seine große Leidenschaft: Videospiele. Gute Figuren und spannende Geschichten schätzt er sehr, aber oft reicht es ihm schon aus wenn es was zu lachen gibt oder es ordentlich kracht. Für Filme, Manga und Anime räumt er sich gelegentlich auch Zeit ein. Selbsterklärter Slice-of-Life Spezialist.

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