Deadman Wonderland

Eine grausame Ermordung der eigenen Klassenkameraden gehört sicher zu den Szenarien, die keiner erleben will. Vor allem, wenn man dann noch unberechtigt dafür die Schuld bekommt und zum Tode verurteilt wird. So ergeht es dem Schüler Ganta Igarashi, der daraufhin in ein sonderbares Privatgefängnis überführt wird. In der 2011er-Animeserie Deadman Wonderland, die auf dem gleichnamigen Manga basiert, können wir dem Leidensweg des Teenagers folgen, der bald einem merkwürdigen Albino-Mädchen namens Shiro begegnet.

  

Tokio wurde einst durch ein Erdbeben schwer zerstört, doch die noch lebenden Einwohner versuchen den Alltag so normal wie möglich zu leben. Gleiches gilt für den Schüler Ganta Igarashi. Plötzlich taucht jedoch eine schwebende, in rot gehüllte Gestalt vor dem Fenster des Klassenzimmers auf, woraufhin eine Explosion folgt. Als Ganta wieder zu sich kommt, kann er seinen Augen kaum trauen: Er findet sich in Trümmern und zwischen vielen Leichen wieder. Zuletzt sieht er noch den sonderbaren Massenmörder, der zum Schock von Ganta auch noch den Kopf seiner besten Schulfreundin bei sich trägt! Ganta glaubt nun auch zu sterben, doch er liegt falsch, den stattdessen bekommt er einen roten Kristall in die Brust eingesetzt. Damit ist der Horror für den Jungen jedoch nicht vorbei, denn kurz nach seinem Aufwachen im Krankenhaus wird er festgenommen und anhand gefälschter Beweise für die Tat an seinen Mitschülern verantwortlich gemacht. Er wird zum Tode verurteilt und in das Privatgefängnis Deadman Wonderland gebracht, welches äußerlich einem Vergnügungspark gleicht…

Unter Schwerverbrechern und … einem Albino-Mädchen?!

Ganta muss sich mit dem rauen Alltag im Gefängnis auseinandersetzen und da er noch so jung ist, ist er den meisten Insassen körperlich einfach unterlegen. Zu seiner Verwunderung trifft er jedoch auch auf ein Mädchen namens Shiro, welches weiße Haut und weißes Haar sowie rote Augen aufweist. Shiro scheint ein verspielter Teenager zu sein, der gerne Süßigkeiten ist. Allerdings kann sie sich frei im Gefängnis bewegen, da die Autoritäten anscheinend gar nicht von ihrer Existenz wissen, zumal Ganta eine geheimnisvolle Verbindung zu ihr spürt. Natürlich existieren noch viele weitere Charaktere, die zum Teil äußerst verrückt auftreten, wie z.B. Minatsuki, die einerseits kindlich-fröhlich sein kann, andererseits auch blitzschnell eine psychopathische Seite zeigen kann.

Das titelgebende Gefängnis „Deadman Wonderland“ überrascht nicht nur in seiner Erscheinung als Vergnügungspark, denn: Jeder der Insassen bekommt ein Halsband umgelegt, das seine Position ermittelt und ihn ebenso durch die Injektion von Gift töten kann. Tatsächlich muss jeder der Inhaftierten zur Verhinderung der Giftinjektion innerhalb von drei Tagen mindestens ein sogenanntes ‚Candy‘ zu sich nehmen, welche man sich mit Punkten erkaufen kann. Doch die Punkte erhält man durch äußerst makabere Spiele, wie z.B. einem Hindernislauf mit sowohl perfiden als auch tödlichen Fallen. Diese Spiele werden zur Bespaßung von Zuschauern verwendet, die jedoch glauben, alles sei nur gestellt. Auch das Wachpersonal ist stellenweise geradezu sadistisch veranlagt.

Eine Armee an Charakteren in wenigen Episoden

Originaltitel Deadman Wonderland
Jahr 2011
Episoden 12 (1 Staffel)
Genre Action, Science-Fiction
Regisseur Koichi Hatsumi
Studio Manglobe

Ein großes Problem bei Deadman Wonderland stellt die bereits erwähnte hohe Anzahl an Charakteren dar. Ein großer Cast kann sowohl Fluch als auch Segen sein, doch hier ist definitiv ersteres eingetreten. Denn die Charaktere sind nicht nur zum Großteil schlicht langweilig und halbgar charakterisiert, sondern bringen auch noch Hintergrundgeschichten mit, die zum Teil wirklich zum Kopfschütteln anregen. Zwar bekommen ausreichend viele Charaktere einen Flashback, doch das wirkt häufig mehr wie ein Alibi, denn warum z.B. aus einem normalen Menschen ein verrückter Killer wird, bleibt fragwürdig. Zumal die Charakterdesigns nur bedingt dazu anregen, das alles ernst zu nehmen, so gibt es im späteren Verlauf beispielsweise einen ehemaligen Mönch mit einer E-Gitarre. Zusätzlich tragen einige der Charaktere überhaupt nicht zur Storyentwicklung bei, sodass man sie genauso wenig vermissen würde, wären sie nicht da. Verbunden mit dem Problem der Größe des Casts ist der Anime insbesondere in der zweiten Hälfte extrem gehetzt. Die Storyelemente geben ein wirres Gesamtbild ab und konzentrieren sich zu wenig auf das Hauptthema. So kommt heraus, dass Shiro die Person ist, die Gantas Klasse ermordet hat, doch darauf wird kaum weiter eingegangen. Dabei hätte man hiermit einen spannenden Erzählstrang gehabt.

Zur Schau gestellte Brutalität

An satter Action mangelt es dem 12-teiligen Anime definitiv nicht, jedoch muss man als Zuschauer ebenso damit rechnen, sinnlos brutale Gewalt präsentiert zu bekommen. So wird z.B. explizit gezeigt, wie einem Charakter das Auge herausgerissen wird oder aber Figuren werden mit Säure verätzt, was zu widerlichen Verletzungen führt. Viele dieser brutalen Szenen wirken schlicht unnötig, sodass die Gewalt mehr zur Show wird. Immerhin gestalten sich die normalen Actionszenen abwechslungsreich, da jeder Kämpfer unterschiedliche Kampfstile vorzuweisen hat. Nebenbei muss bei Deadman Wonderland mit einem offenen Ende gerechnet werden, da der Titel nicht die gesamte Vorlage adaptiert, womit weder ein Ende noch wirkliche Antworten auf aufgeworfene Fragen existieren.

Deadman Wonderland ist ein Erlebnis, welches ich doch eher negativ in Erinnerung habe. So interessant der Anfang auch sein mag und so sehr ich Shiro ins Herz geschlossen habe, so unausgegoren ist der Rest. Die Geschichte wirkt schlicht zu gehetzt und bei der zweiten Hälfte wusste ich gar nicht mehr, warum ich mir das anschaue. Stellenweise hatte ich durchaus Spaß mit den unterschiedlichen Persönlichkeiten, doch es sind letztlich einfach zu viele Charaktere, die bei weitem nicht alle wichtig sind. Zudem stört mich die geschmacklose explizite Brutalität, bei der man den Sinn vergeblich sucht. Ich mag Action und diese darf auch gerne etwas härter sein, aber das ist einfach nur noch Gewalt zum Selbstzweck. Gleichzeitig sind viele Nebenhandlungsstränge einfach nur langweilig, während wirklich interessante Aspekte einfach auf der Strecke gelassen werden. Somit ist das Grundkonzept zwar interessant, die Umsetzung jedoch sehr schwach geraten. Auch als Adaption des Mangas leistet der Anime nur sehr mittelprächtige Arbeit, weshalb ich Interessierten sogar eher diesen ans Herz legen würde. Man kann sich Deadman Wonderland meiner Meinung nach durchaus mal anschauen, aber zumindest mir blieb kein besonders positiver Eindruck, auch wenn ich es nicht bereue, den Anime gesehen zu haben.

Zweite Meinung:

Ich ging gar nicht mehr davon aus, dass die Serie ein ordentliches Ende bekommen würde, denn da hat sich jemand gewaltig verschätzt und nicht einmal einen ordentlichen Abspann bekommt man. Eigentlich ist der Storyplot anfangs sehr stark und bildet einen durchaus fesselnden Einstieg, jedoch verläuft sich das dann langsam im Sand, weil man nicht man sich nicht auf ein Ziel konzentriert. Und zeitlich verrennt sich die Geschichte auch und es werden immer mehr Gegner präsentiert, für Ganta sieht das ganze immer aussichtsloser aus und er bleibt unlogischerweise, egal was passiert, am Leben. Ganta ist ohnehin das größte Manko der Seri. So einem heulenden Weichei dabei zusehen zu müssen, wie ihm immer mehr Leid zu gefügt wird, dass man schon gar nicht mit ihm mitfühlt, sondern immer mehr daran erfreut. Ein schrecklicher Protagonist, eine totale Fehlbesetzung. Das Einzige, was Deadman Wonderland dann noch gut macht, ist der Splatterfaktor.  So viele Psychopathen, da weiß man ja nicht, wer der krankeste unter ihnen ist. Mit Schimpfwörtern wird auch nicht gegeizt. Dieser Trashfaktor kann einen natürlich auch irgendwie unterhalten.

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Ayla

Ayla ist Schülerin und beschäftigt sich hobbymäßig mit allen möglichen Medien, ohne dabei Beschränkungen zu kennen. Dennoch ist sie vor allem ein Serien- & Game-Junkie und liebt besonders actionreiche und dramatische Inhalte, wobei sie gleichzeitig für viele kindliche Themen zu haben ist, weshalb sie weiterhin großer Disney-Fan ist. Abseits ihrer Leidenschaft des Sammelns ihrer Lieblingsmedien schreibt Ayla gerne selbst Geschichten oder zeichnet Bilder, um sich so zu entspannen.

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