Die Dr. Who Experience

Da am 9. September 2017 die Pforten der TARDIS (weitläufiger bekannt als Dr. Who Experience) in Cardiff schliessen, erzählt dieser Artikel ein bisschen über den Besuch der Redakteurin mit ihrer Familie an diesen doch recht beeindruckenden Ort – aus ihrer ganz persönlichen Sicht. Gleichzeitig ist es eine Aufforderung an alle, die Zeit erübrigen können und/oder in der Nähe von Cardiff wohnen, diese letzte Chance wahrzunehmen und mal vorbeizuschauen.

Vorab: da uns der Doktor persönlich mitgeteilt hat, dass er keine Museen leiden kann, werden wir selbstverständlich versuchen, dieses Wort zu vermeiden und wie von ihm vorgesehen hier von einer Erfahrung sprechen. Ich meine, wer will sich schon mit einem Timelord anlegen, nicht wahr?

Wie man erst einmal hin kommt und andere Fakten

Diese Erfahrung führt uns nach Cardiff, der Hauptstadt von Wales, besser gesagt zur Cardiff Bay. Um noch genauer zu sein zum dort liegenden Porth Teiga, wo sich die ehemaligen BBC Wales Studios befinden. Dort schaut schon seit Anbeginn der Zeit der Doktor gerne mal vorbei und hinterlässt kleine Fragmente und manchmal auch größere von seinen Reisen durch Raum und Zeit. So haben wir gewöhnlichen Sterblichen die Möglichkeit an seinen Erfahrungen und Abenteuern teilzunehmen, wofür wir ihm selbstverständlich unsagbar dankbar sind.
Der BayCar Nr. 6 führt direkt zu Porth Teiga, und selbst wenn man sich nicht sicher ist, wie man hinkommt, kann man getrost den freundlichen Busfahrer fragen, welcher genau weiß, wohin man möchte. Er sagt einem auch noch ungefragt, wann man auszusteigen hat, nicht dass dieses große Gebäude übersehbar wäre, oder die im Hafen stehende Tardis.

Wenn man das Gebäude betritt, sieht man bereits die ersten Artefakte aus dem Dr. Who Universum und wird darauf hingewiesen, wann die nächste Tour stattfindet. Ja, es gibt begleitete Touren, denn alleine in die Geschichte Gallifreys oder die des Doktors abzutauchen wäre wohl für uns Sterbliche zu gefährlich. Die Touren finden in zwei Stunden Abständen statt und es ist doch durchaus ratsam, vorab Tickets über Interent zu buchen, wodurch man auch gleich noch eine Ersparnis von 2,– GBP hätte und die Tickets nur noch bei 14,– GBP liegen.
Die Öffnungszeiten sind von 10.00 bis 17.00 Uhr und die letzte Tour beginnt um 15.30 Uhr. Ferner wäre es so oder so sinnvoll, die Webseite zu konsultieren. Dort heißt es, dass außerhalb der Ferien dienstags geschlossen ist und von November bis Februar an Montagen und Dienstagen.

Doch wenn man sich wie wir superorganisierte Menschen einfach vor die Tür stellt und ein Ticket will, kostet es halt 16,– Pfund und man hat noch 45 Minuten zur freien Verfügung. Aber kein großes Problem, der Abschnitt des Hafens, auf dem sich der Doktor befindet, bietet genügend Abwechslung, um sich die Zeit zu vertreiben.
Ich würde jedem empfehlen, insofern es das königliche britische Wetter es zulässt, ein wenig herumzuwandern, Fotos von hölzernen Fischen zu machen und sich in der nächsten Bar mit Doppelliegestühle zu verlustieren, gerne bei einem kleinen Getränk.

Auf dem Ticket selbst befinden sich die Zeiten, ab wann man was zu tun hat, soll heißen, ab wann man sich in die Schlange stellen soll und ab wann es dann wirklich los geht. Wir waren am Montag um 13.30h an der Reihe und ich muss sagen, von einer wirklichen Schlange keine Spur. Es waren 15 bis 20 Personen dabei und es war angenehm überschaubar, allerdings war es auch Montag. Man kann sich natürlich vorstellen, dass die Dichte der Geeks recht hoch war. Diverse T-Shirts von Dr. Who waren auszumachen und ebenso ein Doktor Cosplay, was ja immer echt zahm wirkt, wer stört sich den schon an einem Mann im Anzug in Britanien? Nur echte Whoianer erkennen den 10ten Doktor darin.

Eine freundliche junge Dame erklärte uns dann die Sicherheitsvorkehrungen, die sich ähnlich anhörten wie bei einem Game, und wenn es Probleme gebe, man sich doch bitte an das Personal wenden solle, bevor man umkippt. Ferner möchte man noch darauf hinweisen, dass vom Gebrauch von sämtlichen Aufnahmegeräten Abstand zu halten sei, da man sich nicht sicher sein könnte, wie die gallifraische Technik darauf reagieren würde, und man doch von unvorhergesehenen Zwischenfällen Anstand halten wolle. Dann nach einem frisch fröhlichen: „Freute ihr euch schon alle?“ und der dazu passenden Antwort der Meute wurden die Tore geöffnet. Ein junger Mann in der Tracht von Gallifrey, oder wie der 12. Doktor meinte: „Der Junge mit dem Kleid“ verteilte VIP-Pässe an uns, was zugegebenermassen ja immer gut ankommt und der große Kristall in eben jenen Pass wusste durchaus auch zu gefallen, vor allem weil er auch noch leuchtete. Und danach versuchte er uns in die Geschichte von Gallifrey einzuführen.

Das eigentliche Geschehen und das Wetter

Ich will nun hier nicht wirklich zu sehr spoilern, denn ich denke tatsächlich, dass das den Spaß eines jeden doch um einiges schmälern würde, und greife ganz einfach mal auf den Text des Flyers zurück.
Nach der kleinen Einführung über Gallifrey ging es ins Herz der TARDIS und wir wurden vom 12. Doktor angehalten, ihn bei seinem Versuch, die Erde (mal wieder) vor dem Untergang zu retten, zu unterstützen, was wir natürlich geschafft haben, immerhin stehen und sitzen wir noch alle hier. Jedoch über die Details hülle ich mich ladylike in Schweigen, außer noch soviel, falls euch schon immer mal danach war, Eintritt zu zahlen um von jemanden auf die vielfälltigste und kreativste Art beschimpft zu werden, dann seid ihr hier richtig! Man kennt es ja auch aus der Serie, aber wenn es direkt auf einen gemünzt ist, macht es ehrlich gesagt noch viel mehr Spaß.

Wer allerdings denkt, nach mit diesem Abenteuer sei die Tour schon vorbei, der täuscht sich, denn die eigentlich Austellung startet erst nach diesem unterhaltsamen und teils beängstigend Ausflug. Man vergisst manchmal, wie gruselig die Serie eigentlich ist.

Wir betraten nun die wohl ausführlichste Doktor Who Sammlung des gesamten Universum und wahrscheinlich aller anderen Unversen ebenfalls, nämlich die BBC Schatzkammern der original Kostüme und Requisiten der Serie seit ihrem ersten Erscheinen. Besonders beeindruckend finde ich immer wieder die Entwicklung diverser Bösewichte über die Jahrzehnte zu sehen, hier besonders gut zu erkennen an den Cyberman. Sagen wir es so, selbst der Dalek hat sich nicht so extrem gewandelt. Was ein bisschen wie ein Männchen in Alufolie mit Pappe, Helm und Klebeband erscheint, wird am Ende zu einem doch sehr facettenreichen Monster, das es sogar in einer sehr überzeugenden Holzversion gibt. Überhaupt überzeugen die Modelle auch in der Realität, was natürlich bei einigen auch ein recht seltsamen Nachgeschmack hinterlässt, wenn er vor seinem Monster der gruseligsten Folge von Dr. Who steht. Ich denke jeder hat da seinen eigenen Trigger.
Bei mir wäre das nach den Weeping Angel ganz klar die Vogelscheuchen, wobei Angst vor ihnen natürlich ad absudrum geführt wird, wenn man zwei Schritte weiter eine kleine Einführung erhält wie ein Dr. Who Monster zu laufen, da gerade eben besagte Vogelscheuchen rumhampeln und eine ernsthafte Dame dem geneigten Zuhörer erklärt, wie man sich ganz genau zu bewegen hat und warum. Gleich neben dem Dalek versteht sich, den man schnell mal selbst steuern kann.
Selbstverständlich finden wir hier ebenfalls die Originalkostüme der Doktoren fein säuberlich der Reihenfolge nach aufgestellt, wodurch es quasi auch gleich wie eine Reise durch die Mode im Wandel der Doktoren anmutet, sofern man natürlich überhaupt die Doktoren jemals als Fashionista bezeichen wollte oder konnte. Da muss ich sagen hatte es mir doch sehr der Fragezeichenpullunder und -schirm angetan, den man sogar, wenn man möchte, im hauseigenen Shop käuflich erwerben kann. Aber da ich mir nicht so richtig vorstellen konnte, wozu ich den nun anziehen soll, und Regenschirme hatte ich nun wirklich genug, spätestens seit einer hereinbrechenden Schlechtwetterfront in England, die eine Hitzewelle von 3 Tagen ablöste …

Hach, aber das Wetter ist wieder ein ganz anderes Thema.

Kommen wir zurück zu den Damen oder den Begleitern des Doktors im Allgemeinen. Natürlich gab es auch hier eine Menge zu sehen, ganz klar mit einem Fokus auf den amtierenden Doktor und Clara Oswald. Es ist ja logisch, dass wir bei einer Reise durch das Universum des Doktors in Gegenwart ankommen müssen, und da liegt selbstverständlich der Fokus bei Peter Capaldi und seinen Begleiterinnen. Ebenfalls war zum Ende noch ein Trailer der neunen Staffel zu sehen, den ich mir natürlich nicht angesehen habe schliesslich will ich mich ja nicht selbst spoilern. Immerhin habe ich einen Blick auf die neue Begleitung erhascht, welche sich der Herausforderung stellt, in die Fußstapfen von Clara Oswald treten zu wollen, was in meinen Augen schwer sein wird, nachdem sie für mich nach Rose Tyler die dominanteste aller Begleiterinnen des Doktors war.

Nicht unerwähnt soll bleiben, das man hier die Möglichkeit hat, vor einem Bluescreen ein Foto zu machen und sich dann in ein Motiv seiner Wahl einfügen zu lassen sowie das Ganze dann für 10,– GBP käuflich zu erwerben. Wenn einem der Sinn danach steht kann man auch ein einen Rahmen für 5 ,– GBP für das Bild erstehen. Unterhaltsam ist hier noch, das man sich in der Tardis seiner Wahl einfügen lassen kann und es natürlich entsprechend der Staffel sogar ein schwarzweiß Foto werden kann. Bleiben wir beim schnöden Konsum, wie bereits erwähnt, und geradezu selbstverständlich gibt es einen Shop für Merchandise, in den man auch reinkommt, wenn man nicht den Eintritt zahlt und das Abenteuer mit dem Doktor bestreiten will. Dort gibt es über Serien, Soudtrack, Poster, T-Shirts eigentlich jeden Schnickschnack, den man sich nur vorstellen kann. Ich war soweit nicht besonders beeindruckt, liegt aber vielleicht daran, das ich zuhause um die Ecke einen sehr schönen Merchandiseladen habe und hier nichts sah, was ich nicht auch da schon gesehen hätte, außer vielleicht den Soudtracks.

Das Kleine danach, mit frischem Fazit nach Art des Hauses

Wer dann immer noch nicht genug Doktor hatte oder auch gerne ein bisschen Torchwood haben möchte, der möge, wie wir, sich vor das Millenium Museeum begeben und sich einfach vorstellen, dass unter ihm gerade eine geheime, geheime Einheit ihrer Majestät zu Gange ist. Es ist wirklich unweit der Dr. Who Experience und den ehemaligen Studios von BBC. Man kann also sehen, wie einfach es ist, auch die Kosten bei Originalschauplätzen gering zu halten.

Nun, würde ich dieses Erfahrung empfehlen? Ja, unbedingt und vorallem auch für Nicht-Whoianer. Wir hatten jemanden im Schlepptau, der zwar hier und da mal eine Folge gesehen hat, aber nicht so wirklich interessiert an Dr. Who ist. Selbst er fühlte sich durch diesen kleinen Ausflug ins Whoiversum sehr gut unterhalten – für den echten Fan ist es selbstverständlich ein Muss.

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Mary Sue

Mary Sue ist viel zu paranoid um viel von sich preiszugeben. Sie ist eine nette freundliche Person, die das Meiste und sich selbst am allermeisten nicht besonders ernst nimmt, aber selbstverständlich von anderen ernst genommen werden will, immerhin ist sie eine Mary Sue. Sie liest viel, von Manga bis Klassikern. Sieht viel, von Werbung bis Filmfestfilm.

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