Donnie Darko

Als Regisseur Richard Kelly (Southland Tales) 2001 mit Donnie Darko seinen ersten Spielfilm auf die US-Kinoleinwände brachte, war der Erfolg zunächst nur mäßig. Doch mit Veröffentlichung der DVD-Fassung gewann der Film zunehmend an Fans und erhielt 2003 eine Neuveröffentlichung mit Director’s Cut. Inzwischen zählt die etwas andere Coming of Age Geschichte des sich in psychiatrischer Behandlungen befinden Donnie Darko, dem eines Nachts ein Wesen im Hasenkostüm, das Ende der Welt ankündigt, zu einem der besten und meist diskutierten Filme unserer Zeit.

  

Am Morgen des 3. Oktober 1988 wacht der 16-jährige Donald „Donnie“ J. Darko auf einem Golfplatz auf: In der Nacht zuvor wurde er von Frank, einem Wesen im Hasenkostüm, aus dem Haus gelockt. Außerdem teilte Frank ihm mit, dass die Welt in 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden zu Ende gehen würde. Wieder in seinem Elternhaus angekommen, muss er feststellen, dass über Nacht eine Flugzeugturbine – von der keiner weiß wo sie herkommt – in sein Zimmer gefallen ist. Als Donnie am darauffolgenden Tag wieder zur Schule geht, lernt er die neu zugezogene Gretchen Ross kennenlernt, und obwohl ihr seine psychischen Probleme bekannt sind und er sich ihr gegenüber wenig geschickt verhält, werden die beiden kurzerhand ein Paar. Aber ein normaleres Teenagerleben soll Donnie nicht vergönnt sein, denn immer wieder erscheint ihm Frank und bringt ihn dazu, Dinge zu tun, die zunächst keinen Zusammenhang zu haben scheinen, bis Frank ihn fragt, ob er an Zeitreisen glaube, und Donnie anfängt der Sache nachzugehen.

Am Ende bleiben Fragen offen

Originaltitel Donnie Darko
Jahr 2004
Land USA
Genre Drama
Regisseur Richard Kelly
Cast Donald „Donnie“ J. Darko: Jake Gyllenhaal
Gretchen Ross: Jena Malone
Rose Darko: Mary McDonnell
Eddie Darko: Holmes Osborne
Frank: James Duval
Jim Cunningham: Patrick Swayze
Kim: Ashley Tisdale
Dr. Lilian Thurman: Katharine Ross
Karen Pomeroy: Drew Barrymore
Kitty Farmer: Beth Grant
Elizabeth Darko: Maggie Gyllenhaal
Laufzeit 108 Minuten
FSK

In den ersten Minuten des Films werden zunächst Fragen aufgeworfen: Wer ist Frank? Wo kommt die Turbine her? Und was passiert in 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden? Nach diesen ersten Minuten fängt der Film an, eine Geschichte zu erzählen, die für jeden Zuschauer eine andere sein wird. Der Regisseur und Drehbuch Autor Richard Kelly (Southland Tales) schafft es dabei perfekt, einen Film zu kreieren, der auf mehreren Ebenen funktioniert. Es ist dem Zuschauer freigestellt, ob er einem verschrobenen Teenager bei einer etwas anderen Coming of Age-Geschichte folgen möchte, sich im Director’s Cut mit der Zeitreise philosophischen Interpretation Kellys befassen möchte oder sich in der Kinofassung seine eigene Deutung für das Gesehene sucht. Je nach Sichtweise kann Donnie daher der Erlöser, der Held, ein gestörter Teenager oder der Handlager einer höheren Macht sein.

Beschreibend für den Film ist die Szene, in der Donnie Frank fragt, warum er denn dieses dumme Hasenkostüm trüge, woraufhin Frank ihn fragt: „Warum trägst du dieses dumme Menschenkostüm?“. Es wird dem Zuschauer nicht klar, ob sich Frank dabei auf eine spätere Begegnung bezieht, bei der Donnie das Kostüm eines Menschenskeletts trägt und den Menschen Frank erschießt und ob er damit sagen möchte, dass Donnie kein Mensch mehr ist, oder ob er einfach eine schlagfertige Antwort parat hatte.

Look der 80er

Um den Film nicht nur in den 80er Jahren spielen zu lassen und die Zeit zu zitieren, sondern ihn auch so aussehen zu lassen, wurde er bewusst im Look der Filme aus dieser Zeit gehalten. Leider führte das dazu, dass es bisher keine optisch gute Fassung des Films gibt. Auch die verwendeten CGI-Effekte entsprechen nicht mehr den heutigen Standards, sie stammen zwar nicht aus der 80igern, aber was 2001 noch gut aussah, kann heute befremdlich wirken.

Zeitlos an Donnie Darko ist der geniale Soundtrack von Filmmusikkomponist Michael Andrews, der viele bekannte Musiktitel aus den 80er Jahren für den Soundtrack auswählte. Diese scheinen wie gemacht für den Film zu sein, obwohl auf Grund von Lizenzproblemen in der Kinofassung Stücke ausgetauscht werden mussten, welche im Director’s Cut wieder enthalten sind. Andrews steuerte sogar selbst einen Song bei. Zusammen mit seinem Kindheitsfreund Gary Jules coverte er für den Film das Lied „Mad World“ der Band Tears for Fears aus dem Jahr 1983 und schaffte es damit sogar in die Charts.

Weniger ist manchmal mehr

Mit dem 2003 erschienen Director’s Cut sollten die vielen offenen Fragen beantwortet werden. Nur dazu kam es nicht: zu viele Fragen blieben weiterhin offen, nicht zuletzt dadurch, das Kelly sagte, er habe mit dem Director’s Cut seine Interpretation der Geschehnisse erzählt, aber seine Deutung schließe andere Deutungen nicht aus.
Die 20 Minuten längere Fassung sorgt leider dafür, dass Stellen, die bereits im Kinofilm ihre Längen hatten, nun noch mehr in die Länge gezogen werden. Zwar schaut man Donnie Darko (gespielt schon Jake Gyllenhaal aus Southpaw) und seinem Vater (gespielt von Holmes Osborne aus CSI: Miami) gern bei einem längeren Vater-Sohn-Gespräch zu, jedoch dienen alle Nebenfiguren nur dazu, Donnie in irgendeiner Form den Weg zu weisen. Daher ist eine weitergehende Charakterisierung der Nebenfiguren eher schädlich als förderlich. Ein weiteres Problem des Director’s Cuts ist das Einblenden von Buchseiten aus dem Buch „Die Philosophie des Zeitreisens“, welches auch im Film eine Rolle spielt. Die Einblendungen sollen dem Zuschauer beim Verstehen helfen, stören jedoch vielmehr beim Schauen.

Donnie Darko konnte mich nicht von Anfang an begeistern, es braucht etwas und wenn man nicht genau hinsieht, dann ist es nur eine recht skurrile Coming of Age Geschichte. Sobald man jedoch bemerkt, dass hinter allem eine Bedeutung stecken kann und vermutlich auch steckt, wird man nicht umhin kommen, den Film ein weiteres mal zu sehen und danach noch einmal. Es ist einer dieser Filme, die man jährlich schauen kann und dabei jedes Mal etwas Neues entdeckt. Etwas schade ist es, dass man mit dem Director’s Cut, welchen auch die meisten schauen, versucht hat, etwas zu erklären, was keiner Erklärungen bedarf.

Zweite Meinung:

Zwar würde ich Donnie Darko keineswegs zu meinen Lieblingsstreifen zählen, allerdings nenne ich ihn gerne in einem Atemzug mit den bedeutendsten Streifen der frühen 2000er. Verrückt, wenn ich den Film heute sehe und damit auf die frühen Schauspielerfahrungen von Jena Malone und Jake Gyllenhaal blicke, deren Karrieren ich weiterverfolgt habe. Besonders Gyllenhaal schätze ich sehr aufgrund seiner düsteren Ausstrahlung (keiner kann so superb in die Kamera starren wie er), mit der er die Rolle des Donnie Darko ausfüllt. Der Film ist darauf ausgerichtet, zu Tode interpretieren zu werden und darin ist er verdammt gut. Selbst, wenn man daran kein Interesse hat, gibt die Hauptfigur noch immer genügend Diskussionsstoff her (Hört Donnie die Stimmen? Ist er aufgrund seiner Krankheit anfälliger? ) Man findet immer wieder neue Ansätze  – eine Vielschichtigkeit, die nur wenige Filme in vergleichbarer Form aufweisen und ein Signal gegen eindimensionale Lebensdeutung. Und dann ist da noch die erdrückende Melancholie, in der man sich einfach verlieren möchte. Zu schade, dass Richard Kelly nach 2009 keine weiteren Filme mehr produziert hat.

 

Diesen Artikel teilen

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar