Eureka Seven AO

Zwischen 2005 und 2006 wurde die populäre TV Serie Eureka Seven in Japan ausgestrahlt. Sechs Jahre später erschien dann das offizielle Sequel Eureka Seven AO, das die Geschichte von Ao, dem Sohn der zuvor titularen Eureka erzählt. Auch Ao muss sich zwischenmenschlichen und politischen Konflikten stellen, während er jedoch etwas ganz anderes im Leben sucht als seine Mutter oder der Renton, dem jugendlichen Hitzkopf der Vorserie.

    

In einer von der Gegenwart nicht ganz so fernen alternativen Zukunft der Erde des Jahres 2025 sieht die Welt immer wieder das Auftauchen von Scub Corals. Wesen noch weitgehend unerforschter Natur, die Explosionen und Krankheiten mit sich bringen, aber auch Trapare, mit denen eine ganz neue Technologie der Transportmöglichkeiten eröffnet wurden. Ao Fukai lebt auf Iwado, einer Insel in Okinawa, die in den Konflikten über das Chaos der ersten Sichtungen der Scubs ihre Unabhängigkeit erlangt hat, wenngleich nur auf dem Papier. Die Gegend ist noch immer gebeutelt von einer Explosion durch die Scubs 10 Jahre zuvor, durch deren Einfluss auch Aos Kindheitsfreundin Naru Arata an einer nicht heilbaren Krankheit leidet. Neben dem alten Arzt Toshio Fukai, der ihn bei sich aufgenommen hat, ist sie die einzige, die ihm beisteht. Aos Kindheit ist geprägt durch den emotional-irrationalen, abergläubischen und teilweise auch durch politischen Frust motivierten Antagonismus der Inselbewohner, für die er als Sündenbock herhalten muss, obwohl er selbst gar kein Zutun an den Gründen hat: Aos Mutter habe bestimmt bestimmt die lokale Seegottheit verärgert, war sie doch eine blauhaarige schwangere Frau mit mysteriösen Fähigkeiten, die einfach vom Himmel auf ihre Insel herab fiel und mit der Explosion vor 10 Jahren spurlos verschwand. Ao versucht mit seinem Alltag fertig zu werden, bis eines Tages erneut Scubs auf der Insel landen und mit ihnen mysteriöse Entitäten namens Secrets, die alles in ihrer Reichweite in Schutt und Asche legen. Ao zieht es zu einer Höhle, in der er „Nirvash“ entdeckt. Ein militärisches Flugobjekt, das auf ein Armband das seiner Mutter gehörte reagiert und mit dem er der Einzige, der sich sich den unbekannten Invasoren entgegen setzen kann. Er weckt das Interesse von Generation Blue, einer Organisation die Scubs erforscht und die weltweit einzige Trapar-basierte Technologie besitzt, die es mit den Secrets aufnehmen kann. Mit einer vagen Hoffnung, mit deren Hilfe seine Mutter vielleicht wiederzufinden, entschließt sich Ao, die Insel zu verlassen und vielleicht in dieser Organisation einen Platz für sich zu finden.

Ein unerwartetes Setting

Das Setting von Eureka Seven ist eine futuristisch-fantasievolle Welt die von Scub Corals, koralleninspirierten außerirdischen Wesen, bedeckt wird. Die Szenerie von AO springt hingegen in ein sehr realistisches Welt einer nur nahen leicht alternativen Zukunft. Durch deren nicht vorhersehbares Auftreten der Subs und deren desaströsen Konsequenzen gibt so z.B. keine nuklearen Energien in dieser Welt, da sie jederzeit zerstört werden könnten. Ein großer Fokus wird auch auf die Wirren der menschlichen Politik gelegt, bei der jeder sein eigenes Interesse verfolgt. Besonders unverbraucht ist der Konflikt um die Unabhängigkeit Okinawas von Japan im ersten Handlungsbogen, einem tatsächlich real existierendem politischen Thema, über das im Westen allerdings kaum bis gar nicht berichtet wird. (Eine Wikipedia Seite auf Englisch existiert zumindest.) Bei den Missionen die Ao bei Generation Blue teilnimmt kommt die Serie bei einer Variation von geografischen Gegenden vorbei. Von japanischen Inseln, Flugzeugträger auf dem Meer, Generation Blues eigenem einem Stadstaat gleichenden Hauptbasis, arabischen Wüstengegenden, Grand Canyon artigen Gesteinslandschaften bis gar ins All.

Die Serie lässt sich ebenso nicht lumpen für Effekte aller Art. Von imposant animierten Explosionen aller Art, abwechslungsreichen Flugmaschinen und Mecha Einsätzen über konstant vorhandener und solider Charakter-Bewegungen bis einfacheren aber ebenso wirksamen Bildtechniken wie Fisheye Lense, Dutch Angle, oder einer vollen Ausnutzung der Farbpalette. Seien es farbenfrohe Naturlandschaften, die opulenten Szenen der Scubs, Trapars, Seven Swells und Explosionen oder dem Einsatz von Fast-Monochrom. Auch für die Ohren hat die Serie einiges zu bieten. Die Soundregie und der Soundtrack zeichnen ein stimmungsvolles Bild, das mit den visuellen Qualitäten harmoniert.

Eine Hand voll Zeitlinien, eine Parallelwelt und einiges an erster Verwirrung

Baut die erste Hälfte ziemlich stringent diverse Mysterien und Konflikte auf, allen voran, was mit denn nun Eureka passiert ist, wird diese präzise zur Mitte plötzlich für ihren ersten Auftritt in die Serie rein geworfen. Ab da überschlagen sie die Ereignisse und Konflikte. Verschiedenen Charakterhandlungsbögen verpflechten sich, Seiten werden gewechselt, gar buchstäblich neu geschrieben, neue kommen hinzu und Perspektiven auf den Kopf gestellt. Eines der Rätsel bekommt mit Zeitreisen einen klaren Namen, doch ist diese auch noch vermischt mit dem Reisen aus der Parallelwelt aus der Eureka und Renton kommen, die im Prequel vorgestellt wurde und auf die hier nicht großartig eingegangen wird. Die Serie ist als ganzes eine weitgehend runde Angelegenheit, doch spricht sie vieles an Erklärungen leider nur einmal aus und ein Teil davon geschieht sehr früh im Aufbau der Geschichte, als die Zusammenhänge noch nicht ersichtlich sind und daher leicht übersehbar sind. Manches wird auch nur namentlich erwähnt und diffus umrissen, deren Erklärung man in der Vorserie suchen gehen darf. (Die Bedeutung von Archetypes z.B.) Wenn man da nicht aufpasst wird die Serie sehr schnell konfus und wirkt als berge sie etliche Logiklöcher. Vieles wird auch nicht weiter ausgeführt (gewisse Folgen im Mindfuck Stil), sondern nur angedeutet. Darunter fällt auch die Frage, die alle Fans des Prequels sicher am meisten beschäftigt: Wie ist den dem Cast aus der ersten Serie nun ergangen? Eureka und Renton haben einen Auftritt und bringen einige wenige Erwähnungen mit. Doch was mit den anderen aus der Gekkostate passiert? Was ergeht es der alten Welt, aus denen die Scubs nach und nach verschwinden? Wird sie auch von Secrets heimgesucht, die vielleicht Eureka bei einem ihrer Reisen heimwärts gefolgt sind? Was hat es mit dem roten Meer auf sich, dass sich dort breit gemacht hat?

Opfer der eigenen Herkunft

Originaltitel Eureka Seven AO
Jahr 2012
Episoden 25 (1 Staffel)
Genre Science-Fiction, Drama, Abenteuer
Regisseur Tomoki Kyoda
Studio Bones

Ao ist in Opfer seiner Herkunft. Das trifft nicht nur auf seine Rolle in der Serie zu, sondern auch für die Serie selbst. AO ist ist handlungstechnisch absolut nach den Abenteuern von Eureka und Renton angesiedelt und geht auch von einem Publikum aus, dass diese alle bis zum Ende verfolgt hat. Nicht nur das, diese Fortsetzung ködert sie auch noch gezielt. Doch gerade damit werden weite Teilen eben dieses Publikums vergrault, da die Serie Erwartungen schürt, die sie gar nicht erst bedienen will. Durch eher mäßig vorhandene Neueinsteigerfreundlichkeit erreicht sie auch nicht das Publikum, dem der Stil dieser Serie gefallen würde, denn Eureka Seven AO macht in nahezu allen Ebenen alles anders als sein Vorgänger: Eureka Seven ist die Geschichte von Eureka, einer humanoiden Scub Coral mit einem Mangel an menschlichen Gefühlen, die Menschlichkeit erlernen soll. Renton ist ein unreifer, unverantwortlicher junger Teenager, der kaum bis keine emotionale Zurückhaltung kennt, spannende Abenteuer sucht und im Laufe der Serie lernen muss, dass das Leben – inbesondere im Krieg – aus allem anderen als nur Spaß, Friede und Eierkuchen besteht. Die Serie nimmt dabei häufig Züge eines Melodramas mit einer guten Portion Kitsch an: Gefühle werden zumeist sehr wiederholt offen in die Welt getragen, damit auch der Letzte sie irgendwann versteht. Doch der Versuch wird belohnt mit einem Happy End, bei dem sich die Liebenden entgegen aller Hindernisse zusammenfinden und dabei nebenbei auch noch die Welt retten.
Eureka Seven AO hat kaum bis nichts etwas von dieser Art Storytelling. Ao startet als nahezu das Gegenteil von Renton. Durch seine Kindheit kennt er schon von früh an die Grausamkeit von Menschen. Die Schrecken eines Kriegs und die Bedeutung eigener Verantwortung und falscher Worte sowie die eigene Machtlosigkeit lernt und reflektiert er direkt von Anfang an. Gefühle hat jeder, doch wer zuviel unangebracht zeigt, verliert. Ideale sind nur eine leere Utopie bis eklatante Lügen, aber dennoch sollte man versuchen, zumindest sein Bestes in die Richtung zu tun, selbst wenn es schwer fällt. Kommunikation zwischen Menschen untereinander und Scub Corals auch auch hier wieder Thema. Jedoch geht es viel mehr um das, was letztlich meist unausgesprochen bleibt oder auch schlicht nicht einfach nur durch Wollen, Mühe und Idealismus durchsetzbar ist. Die Präsentation baut viel mehr auf subtile Mimik und sehr viel Bildsprache anstatt verbaler Aussprache. Zusätzlich ist es ist auch keine romantische Liebesgeschichte mehr, keine Abenteuerserie und das Vorhandensein eines Happy Ends ist eine eher strittige Angelegenheit.

Deutsches Release nicht in Sicht

Die Vorgängerserie Eureka Seven erfreute sich auch in hiesigen Breitengraden guter Beliebtheit. 2007 erschien die Serie bei Beez auf DVD in Einzelvolumes und 2010 einmal in zweiteiliger DVD-Gesamtausgabe. 2016 wurde sie in Deutschland erstmals auf Blu-ray neu aufgelegt. Vom Nachfolger ist hierzulande jedoch nach wie vor keine Spur in Sichtweite. Eureka Seven AO erschien 2013 jedoch in Amerika als Blu-Ray/DVD Combo-Ausgabe und in England 2014 auf DVD, bei denen ebenfalls die OVA The Flowers of Jungfrau enthalten ist. Für geneigte Zuschauer und Käufer mit den nötigen Englischkenntnissen dürfte besonders das amerikanischen Release von Interesse sein: Die Blu-rays haben Regionalcode A und B, womit sie sich problemlos auch auf europäischen Geräten abspielen lassen. Für DVD-Konsumenten bleibt die englische DVD-Ausgabe noch aus Ausweichmöglichkeit. Der englische Synchronisation ist dabei ebenfalls grundsolide und die Stimmen nahe ihren japanischen Pendants gewählt.

Eureka Seven AO ist nicht besonders populär. Viele Fans gehen sogar soweit, dass sie dessen Existenz komplett verleugnen, weil das, was sie an der Vorgängerserie schätzten, in diesem Sequel nicht vorhanden ist. Und diejenigen, denen der Anime vermutlich eher läge, haben in weitesten Teilen die doppelt so lange Vorgängerserie gar nicht erst durchgehalten. Auch meine eigene damalige Motivation, diese Serie überhaupt auch nur eines Blickes zu würdigen, bestand effektiv nur aus der Frage „Haben sie das Mondgraffiti wieder sauber gemacht?“. Es hätte nicht furchtbar viel gefehlt Neueinsteiger für diese Serie abzuholen, vor allem da die Handlung sich sowieso in einem gänzlich anderen Schausplatz abspielt. Erschwert wurde das Strapazieren des Zuschauergedächtnisses zu Zeiten der Ausstrahlung auch noch durch einen zeitlichen Abstand von 2 Monaten zwischen der drittletzten und vorletzte Folge. Das ist eigentlich ausgesprochen schade, denn ich – einer absoluten Minderheit zugehörig – war von AO letztlich als Ganzes sehr positiv überrascht, während Eureka Seven und dessen Figuren so gar nicht meinem Geschmack entsprachen. Die Serie hat ausgesprochen viel zu bieten, wenn man die „Wo bleibt Eureka/Renton?“ Brille einmal abnimmt. Einen zusätzlichen persönlichen Bonus bekommt diese Serie auch für den Mumm, ein gesetztes Happy End einer Vorserie derart radikal auf den Kopf zu stellen. Damit bin ich nun auch über dieses absurd kitschige Ende des Prequels hinweg, dass sich zumindest für mich furchtbar unverdient anfühlte. Eine zusätzliche Erwähnung wert ist noch die 5-teilige Webanime-„Serie“ Eureka Seven AO Final Episode: One More Time – Lord Don’t Slow Me Down, die nach 4 Jahren im Frühling 2017 plötzlich veröffentlicht wurde. Sie hat die Gesamtlaufzeit einer regulären TV-Folge und ist ein Remake der letzten beiden Epilog Minuten, die Ao bei seiner Reise durch Raum und Zeit begleiten. Sie reiht sich nahtlos an die Serie an und rundet die Geschichte mit einem emotionalem Rollercoaster mit eindeutigerem Happy End ab und stellt dabei auch unter Beweis, dass diese Serie aus 2012 in Sachen Produktionsqualitäten locker noch immer mit gegenwärtigen Titeln mithalten kann.

 

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben sich verständigt zu bekommen vertreibt sie sich gerne die Zeit mit dem Lernen verschiedener Formen von Sprachen – Wofür sie offenbar aber kein besonders großes Talent zu haben scheint.

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