Alcatraz – Eine Legende (Teil 1)

Wer den Namen Alcatraz hört, denkt automatisch an waghalsige Fluchtversuche von dieser Gefängnisinsel. Ihr Ruf reicht bis in unsere Zeit, obwohl sie nach knapp 29 Jahren Betrieb bereits 1963 geschlossen wurde. The Rock, wie Alcatraz aufgrund seiner kargen Vegetation genannt wurde, beherbergte seinerzeit die größten Verbrecher seiner Zeit und galt als ausbruchsicher eine Fundgrube für fantasievolle Geister.

Die kleine, karg bewachsene Insel in der Bucht von San Francisco hätte es sich wohl nicht träumen lassen, dass sie einst als Berühmtheit von Touristenströmen heimgesucht werden würde. Bis zum Goldrausch von Kalifornien, der im Jahr 1848 einsetzte, dienten ihre schroffen Felsen lediglich als Untergrund für die Nistplätze zahlreicher Vogelarten, doch das vermehrte Aufkommen von Schiffen, mit denen sich hoffnungsvolle Goldgräber ins gelobte Land aufmachten, sowie undurchdringliche Nebelbänke führten zu häufigen Kollisionen, wobei die havarierten Schiffe wiederum Gefahrenquellen darstellten. So sollte die Nachtruhe der Vögel ab 1852 von einem Leuchtturm empfindlich gestört werden, der den Schiffen den Weg weisen sollte.

Vom Fort zum Gefängnis

Das war zumindest der Plan, doch die Inbetriebnahme zog sich noch zwei Jahre dahin. Damit war es dann aber mit der Einsiedelei der kleinen Insel vorbei, denn mit dem Licht kam das Militär und legte ein befestigtes Fort auf der Insel an, welches zügig um einen Gefängnistrakt erweitert wurde. Mit der Inhaftierung von gefangenen Soldaten der Nordstaatenarmee ab 1861 wurde für das kleine Eiland der Grundstein gelegt für wenig schmeichelhafte Beinamen wie „Insel des Teufels“ oder auch „Fels der Verzweiflung“. Selbst der kurze Name „The Rock“ beinhaltet bis heute einen bedrückenden, nach Misshandlungen und Isolation schreienden Beiklang. Und genau das erfuhren zunächst die Wehrdienstverweigerer des Ersten Weltkrieges, dann ab 1934 die übelsten Elemente der kriminellen Szene Amerikas.

Verdammt zur Mutlosigkeit

Alcatraz galt als ausbruchsicher. Nebelbänke und die Strömung um die Insel erwiesen sich als ebenso großes Hindernis wie das eiskalte Wasser. Dazu entstand das Gerücht, dass es um die Insel herum von Haien nur so wimmeln würde. Das unterband bei den Gefangenen trotz der unmenschlichen Haftbedingungen in den meisten Fällen jeden Gedanken an Flucht. Zudem gab es eine große Anzahl an Wärtern, die auf der Insel arbeiteten und lebten, meist zusammen mit ihren Familien.

Dem Zerfall preisgegeben

Doch der Zahn der Zeit nagte an den Gebäuden, zusätzlich arbeitete sich Feuchtigkeit und Salzwasser durch die Mauern. Die Instandhaltungskosten schossen in astronomische Höhen, dazu kamen die ohnehin schon hohen Personalkosten. So wurde im März 1963 die kleine Insel wieder ihrem Schicksal und den Vögeln überlassen und die Gebäude dem Verfall preisgegeben. Aber schon im November 1964 wurde die Ruhe durch indianische Aktivisten gestört, die Alcatraz besetzten, um für ihre Rechte zu demonstrieren. Immerhin hielt diese Besetzung bis zur Räumungsaktion der Küstenwache und des FBI bis 1971 an. Anschließende Versuche, die Insel kommerziell zu nutzen, verliefen ergebnislos, mögliche Investoren schreckten vor den hohen Kosten zurück. Nun sind es Touristen, die sich unter wohligem Schaudern Einblicke in die Gefängsniswelt der damaligen Zeit verschaffen wollen, die die Insel besuchen.

Verlorene Unschuld

Der Leuchtturm ist übrigens immer noch in Betrieb. Und die Vögel nisten wieder weitgehend ungestört, sehr zur Freunde von Ornithologen aus aller Welt. Aber ihre Unschuld hat die kleine Insel verloren, sei es durch die unmenschlichen Haftbedingungen, die vom Personal durchsetzt wurde, oder durch die Schwerverbrecher, die in keinem anderen US-Gefängnis tragbar waren. Einige von ihnen werden im zweiten Teil dieser kleinen Reihe vorgestellt.

Weiter zu Teil 2

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