Wieso gibt es drei verschiedene Fassungen der Spider-Man Filme?

Das macht ihm nicht einmal James Bond nach: Drei Darsteller für eine Figur in 15 Jahren. Tom Holland spielt in Spider-Man: Homecoming bereits die dritte Ausgabe der berühmtesten Spinne der Welt. Anders als etwa Thor verbindet man mit diesem Superhelden vor allem ein Kostüm, welches das Gesicht maskiert. Doch wieso kam es überhaupt dazu, dass trotz des zweiten Anlaufes namens The Amazing Spider-Man noch ein Darsteller etabliert wurde? Dieser Artikel bringt Licht ins Dunkel.

Bereits fünf Jahre nachdem Spider-Man entworfen wurde, waren Film- und Fernsehproduzenten an der Figur interessiert. 1967 startete die erste Zeichentrickserie unter dem simplen Titel Spider-Man bei ABC. Nach drei Staffeln war die Serie vorbei und der Sender verlängerte die Rechte an der Figur nicht. Da witterte Columbia (CBS) seine Chance und lizenzierte gleich vier Marvel-Charaktere, die Ende der 70er jeweils einen Realfilm erhielten. Dr. Strange und Captain America konnten das Publikum dabei nicht von sich überzeugen, während Hulk und Spider-Man in Serie gehen durften. Gleich fünf Staffeln sowie einige TV-Features waren für Hulk drin, während Spider-Man sich schwer tat. Nach zwei Staffeln und insgesamt 14 war zunächst Schluss für Peter Parker. Vielleicht lag es daran, dass Comic-Fans ‚ihren‘ Peter Parker nicht wiedererkannten: seiner Jugend beraubt und als erwachsener Fotograf dargestellt. Trotzdem sollte der Stoff auch international Geld einbringen, und so wurden sechs Episoden zu jeweils drei Spielfilmen geschnitten, die auch in Deutschland in die Kinos kamen. Somit war der Weg  unseres Helden vom Papier zum Zelluloid gesichert.

Wanderpokal Spider-Man

Bis zur Gründung der Marvel-Studios war das Interesse der Fans sowieso erst einmal egal. Geld einbringen sollten die Filme. Inhalte spielten keine Rolle und es zählte, wer die höchste Summe für die Rechte an den Figuren bot. So landete Spider-Man kurzzeitig bei Roger Corman, der mit seinen Verfilmungen von Edgar Allen Poes Geschichten auf sich aufmerksam machte. Doch aus Spider-Man machte er nichts, und so ging die Lizenz in den 80ern an den nächsten Rechteinhaber weiter: Cannon Films. Die Firma fand in Joseph Zito (Freitag der 13. – Das letzte Kapitel) den richtigen Produzenten und ließ ein großzügiges Budget von ungefähr 20 Mio. Dollar springen. Doch nachdem die beiden Großprojekte Masters of the Universe und Superman IV gnadenlos floppten, wurde das Budget wieder heruntergefahren. Zito weigerte sich, einen Film für 5 Mio. Dollar zu drehen, der einer Figur wie Spider-Man gar nicht gerecht werden könne. Das Schicksals des geplanten Films war endgültig besiegelt, als Cannon Films in die Insolvenz ging. Nach der Pleite seiner Filmgesellschaft gründete Menahem Golan eine neue Produktionsfirma: 21st Century.

Der große Marvel-Crash

Die Insolvenz hatte auf Golan kein gutes Licht geworfen und Gelder zur Finanzierung der Filme blieben rar. Doch ein Produzent erkannte das Potenzial der Figur: James Cameron, der mit Terminator 2 einen beachtlichen Erfolg feierte. Allerdings verweigerte ihm das Studio, welches seinen Film finanzieren wollte, einen Produzenten-Credit. Es folgte ein jahrelanges Hin und Her zwischen 21st Century, Carolco Films, James Cameron und Menahm Golan. 1996 gingen schließlich Carolco Films und 21st Century pleite. Doch nicht nur das: Auch Marvel musste Konkurs anmelden. Es gab Fehlentscheidungen im Management, die dazu geführt hatten, dass das Unternehmen, welches über 30 Jahre lang mit seinen Comics und Lizenzen Erfolge feierte, auf dem Zahnfleisch ging. In Konsequenz daraus wurde das Marvel Development Department gegründet. Von nun an war Schluss mit dem Verramschen der eigenen Figuren an den Meistbietenden.

Marvels Fehlentscheidung erweist sich als Glück im Unglück

Anfang der 2000er sollten dann also alle Figuren unter einer Marke, nämlich Marvel, zusammengeführt werden. Das Problem: Die Rechte an der prominentesten Figur befanden sich nicht mehr im eigenen Haus – Spider-Man. Doch das war nicht der einzige Charakter, auf dem man nicht zugreifen konnte. Die Fantastic Four, das X-Men Universum, Blade und Iron Man reihten sich neben dem Spinnemann ein. Vor dem großen Marvel-Crash hatte Columbia TriStar (heute Sony Pictures) die Rechte aus dem Desaster von 21st Century erstanden. Das allerdings erwies sich für Marvel als Glück im Unglück: Denn Sonys Film Spider-Man (2002) erwies sich gemeinsam mit X-Men (2000) von FOX als großer Kinoerfolg, der den Weg für weitere Comic-Adaptionen ebnete. Das Publikum wurde aufmerksam auf die alten Heldenfiguren, die dank neuster Filmtechnik effektiv in Szene gesetzt wurde. Sonys Spider-Man hingegen basiert ebenfalls auf einem Zufall: Zunächst solte ein neuer James Bond-Film produziert werden, doch als es zu rechtlichen Streitigkeiten um die Vorlage kam, musste ein Ersatzfilm her, der eine ähnlich große Produktion werden sollte. Damit war die Spinne zurück.

Die erste Spider-Man Trilogie

Dass ausgerechnet Sam Reimi für den ersten Spider-Man der Jahrtausendwende engagiert wurde, verwunderte damals viele. Schließlich war der Horror-Regisseur vor allem mit Tanz der Teufel und Army of Darkness bekannt geworden. Die 140 Mio. Dollar, die investiert wurden, haben sich mehr als nur bezahlt gemacht: Mit einem Einspielergebnis von 821 Mio. Dollar alleine durch Kinovorführungen war Spider-Man ein sensationeller Erfolg. Spider-Man 2, ebenfalls mit Tobey Maguire in der Hauptrolle, erhielt 2005 einen Oscar für seine visuellen Effekte. Der Erfolgsrausch führte dazu, dass Sam Reimi sich in seinem dritten Film noch weiter steigern wollte. Er überzog das Budget von 180 Mio. Dollar deutlich und lieferte mit Spider-Man 3 einen Film ab, der zu viele Handlungsstränge auf einmal mit sich führte. Kritiker bewerteten den neuen Fokus auf die zwischenmenschliche Ebene als negativ und straften den Film ab.

Wolken ziehen auf: Spider-Man 4, 5 und 6

Eine zweite Spider-Man Trilogie sollte 2009 in Produktion gehen. Sam Reimi, Tobey Maguire und auch Kirsten Dunst waren als Beteiligte bereits bestätigt, ebenso wie John Malkovich als Vulture und Anne Hathaway (die schließlich bei der Konkurrenz von DC zu Catwoman in The Dark Knight Rises wurde). Als Sony das fertige Drehbuch vorgelegt wurde, gab es die ersten Unstimmigkeiten, die folgenden Nachbesserungen verdichteten die über dem Projekt aufziehenden Wolken. Selbst nach einer dritten Korrektur war Sony nicht zufrieden. Bevor es Anfang 2010 zu den Dreharbeiten kam, wurden die Drehbücher für Spider-Man 5 und 6 geschrieben. Zwischen Sony und Sam Reimi kam es zu Unstimmigkeiten: Anne Hathaway, die gerade mit Rachels Hochzeit ihre erste Oscar-Nominierung hinter sich hatte, war dem Studio zu teuer, und auch mit Malkovich war Sony nicht einverstanden. In Konsequenz aller Unstimmigkeiten löste Sony schließlich das Projekt auf.

The Amazing Spider-Man

So schnell die Pläne um die zweite Trilogie geplatzt waren, so schnell trat The Amazing Spider-Man auf den Plan: Ein Reboot, welches düsterer werden und Peter Parker zurück an die Highschool versetzen sollte. In Marc Webb ((500) Days of Summer) war ein Regisseur gefunden und als Peter Parker Andrew Garfield (The Social Network) sowie Emma Stone (Einfach zu haben) als Gwen Stacy. Trotz den höheren Verkaufspreisen für Spider-Mans ersten 3D-Auftritt konnte Marc Webbs Film den Kassenerfolg der Vorgänger nicht wiederholen. Als The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro zwei Jahre später in die Lichtspielhäuser kam, fiel der Erfolg mit 700 Mio. Dollar für Hollywoodverhältnisse überschaubar aus. Zwar äußerte sich Sony noch zu Fortsetzungen für 2016 und 2018, doch auch diese Pläne wurden über Bord geworfen. Denn das Publikum war mit The Amazing Spider-Man einfach nicht warm geworden und das Unglaubliche geschah…

Die Kooperation zwischen Sony und Marvel

Marvel Studios bot im Februar 2015 Sony eine Kooperation an. Sony stellt die Rechte an der Figur für das MCU (Marvel Cinematic Universe) zur Verfügung, wodurch Spider-Man Teil der Avengers sein kann. Und Sony darf dafür seine Filme im MCU ansiedeln, inklusive Auftritte anderer Figuren. Eine Win-Win-Situation für beide Parteien. Das Abkommen wurde unterzeichnet und The Amazing Spider-Man geriet in Vergessenheit. Ein neuer Spider-Man sollte gefunden werden, der nun sowohl für Sony als auch Marvel tätig werden durfte. Am 12. April 2016 erschien schließlich der Marvel-Film The First Avenger: Civil War, in dem der von Tom Holland gespielte neue Spider-Man gezeigt wurde, und der diese Rolle auch im 2017 erschienenen Film Spider-Man: Homecoming verkörperte. Eine Origin-Story konnte man sich also nun sparen, Spider-Man war einfach ab diesem Film im MCU etabliert und Spider-Man: Homecoming (der Titel verkörpert natürlich die Rückkehr ins MCU) konnte sich auf eine fortgeschrittenere Handlung ohne den berühmten Spinnenbiss konzentrieren. Im Juli 2016 hatte Marvel Studios Boss Kevin Feige mitgeteilt, dass sich Marvel bei der Neuauflage der Spider-Man-Reihe an Harry Potter orientieren wolle, weil dessen Lebensweg mit dem von Peter Parker vergleichbar sei.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig „Die Werwölfe von Düsterwald“-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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