Die Verurteilten

Ein Geologenhammer, ein Poster von Rita Hayworth oder „Brooks was here“, eins davon zu sagen reicht wahrscheinlich schon, um jedem Filmfan in einer Raterunde ganz schnell den Titel Die Verurteilten zu entlocken und zu beobachten, wie eben dieser Filmfan danach sofort feuchte Augen kriegt. Zum Thema des Monats „Gefangenschaft & Flucht“ darf der Film nicht fehlen, der sich diesen beiden Aspekten auf einer einzigartig raffinierten und einfühlsamen Weise annimmt.

    

Die Tat hat genauso hohe Wellen geschlagen, wie das Urteil. Andy Dufresne, ein erfolgreicher Banker, soll seine Frau und deren Geliebten kaltblütig erschossen haben. Zwar beteuert Dufresne seine Unschuld, doch sowohl die Indizienbeweise als auch Andys gefühlloses Auftreten vor Gericht, sprechen laut dem Richter eine andere Sprache. Dufresne wird zu lebenslänglicher Haft verurteilt und im Staatsgefängnis Shawshank inhaftiert. Anfangs ist die Gefangenschaft für Andy nicht leicht. Neben dem bibeltreuen Gefängnisleiter Norton und dessen korrupten und prügelfreudigen Wärtern unter Captain Hadley muss sich Andy auch gegen Mitgefangene erwehren, die ihn immer wieder zusammenschlagen und vergewaltigen. Doch Andy schließt auch Freundschaften, wie mit dem Sträfling und Gefängnisbibliothekar Brooks oder ganz besonders mit dem Schmuggler Ellis „Red“ Redding, der seinen Mithäftlingen allerlei Gegenstände im Gefängnis besorgen kann und seien es so seltsame Bestellungen von Andy, wie ein kleiner Geologenhammer oder ein Pin-Up-Poster von Rita Hayworth. Nach und nach schafft es Andy durch seine Banker-Vergangenheit für die Gefängnisleitung und durch seine Menschlichkeit für seine Mitgefangenen unverzichtbar zu werden. Aber selbst nachdem er sich eingelebt hat, bleibt es offen, ob sich Andy wirklich mit seiner Verurteilung abgefunden hat oder doch einen Ausweg sucht.

Einerseits Gefängniskrimi…

Originaltitel The Shawshank Redemption
Jahr 1994
Land USA
Genre Krimi, Drama
Regisseur Frank Darabont
Cast Andy Dufresne: Tim Robbins
Ellis Boyd „Red“ Redding: Morgan Freeman
Samuel Norton: Bob Gunton
Heywood: William Sadler
Captain Byron Hadley: Clancy Brown
Tommy: Gil Bellows
Bogs Diamond: Mark Rolston
Brooks Hatlen: James Whitmore
Skeet: Larry Brandenburg
Jigger: Neil Giuntoli
Laufzeit 142 Minuten
FSK

Die Verurteilten basiert auf Steven Kings Geschichte Frühlingserwachen: Pin-up (Originaltitel: Hope Springs Eternal: Rita Hayworth and Shawshank Redemption), die 1982 in einer Novellensammlung veröffentlicht wurde. Eine literarische Herkunft merkt man auch der Filmumsetzung von Frank Darabont (Schöpfer der Serien-Umsetzung von The Walking Dead) an, der das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. Auch wenn Andy die Hauptfigur der Geschichte ist, wird diese nach bester Sherlock Holmes-Manier von Red dem Watson der Verurteilten geschildert. Seine Erzählerstimme ist es, die den Zuschauer per Voice-Over durch die Handlung leitet und aus dessen Perspektive auch der Zuschauer die Ereignisse wahrnimmt. Das heißt natürlich nicht, dass er in allen Szenen präsent ist, aber letztlich bekommt man nur das mitgeteilt, was auch Red wissen könnte, womit dem Zuschauer ein großer Teil von Andys Innenleben, Handlungen und Motive lange ein Rätsel bleiben. Dazu gehört auch die Antwort auf die Frage, ob er wirklich den Mord an seiner Frau begangen hat und ob er tatsächlich so emphatisch oder einfach nur manipulativ ist.
Ähnlich wie bei Sherlock Holmes lohnt es sich für den Zuschauer deshalb sehr genau, auf Details zu achten, denn vieles von dem, was Red einem über Andy mitteilt und zunächst nebensächlich erscheint, ist letztlich Teil eines Puzzles, das sich wie in einem Krimi erst in einer finalen Auflösung komplett offenbart.

… andererseits Gefängnisdrama

Auch das Thema Gefangenschaft kommt im Film nicht zu kurz, ihm wird sogar ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Mit dem Fortlauf der Handlung verfliegen die Jahre immer schneller. Aus der ersten Nacht werden die ersten Wochen, Monate und Jahre, die nach wenigen Film-Minuten für die Insassen in Zahlen von sechs, auf zehn, auf zwanzig anwachsen. Es geht darum, wie man sich mit der Gefangenschaft arrangiert, wie man sich beschäftigt hält und wie der geregelte Tagesablauf hinter den Mauern zur Stütze wird, ohne die man letztlich nicht mehr leben kann. Besonders für Andy geht es auch immer wieder darum, in diese Gefangenschaft ein Stück Freiheit hineinzutragen. Sei es in Form von Musik, von Bildung, die seinen Mithäftlingen eine Perspektive nach der Gefangenschaft ermöglicht oder eines kalten Biers. Während Andy damit die Erinnerung an ein Leben außerhalb der Mauern und die Hoffnung erhalten will, ist für Red genau das Gegenteil der richtige Weg: jegliche Hoffnung aufgeben und sich mit der Gefangenschaft abfinden, denn Hoffnung macht diese nur noch qualvoller. So wird auch der Zuschauer immer wieder zwischen den Extremen von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, Kameraderie und Feindschaft oder Würde und Erniedrigung hin und her befördert.

Die Verurteilten schaue ich immer wieder gerne.  Einfach ein durch und durch sehr guter und vor allem sehr gut erzählter Film, der durch seine Vielseitigkeit auch leicht ein breites Publikum findet. Man hat den detektivischen Handlungsverlauf aus Gefangenschaft und Flucht mit raffinierter Auflösung, – besonders toll finde ich ja, wie man am Ende extra noch mit einem möglichen Selbstmord Andys auf die falsche Fährte gelockt wird –  gleichzeitig aber auch die Thematik, was es bedeutet, sich in Gefangenschaft Hoffnung und Menschlichkeit zu bewahren. Man hat starke Motive, Bilder und Dialoge, die sich zu einprägsamen Szenen vereinen, wie die Bierszene auf dem Dach:
“We sat and drank with the sun on our shoulders and felt like free men. Hell, we could have been tarring the roof of one of our own houses. We were the lords of all creation. As for Andy – he spent that break hunkered in the shade, a strange little smile on his face, watching us drink his beer.”
Ich bin mir nicht sicher, wie lange ein Film beachtet werden muss, um gefahrlos als Klassiker bezeichnet zu werden, aber Die Verurteilten ist auf dem allerbesten Weg dahin.

Diesen Artikel teilen

Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz