Jigsaw

Horror-Reihen, die ihre Fans regelmäßig mit neuen Filmen beliefern, sind im neuen Jahrtausend bislang rar gesät. Gerade einmal zwei Franchises konnten bislang eine Hand voll (oder mehr) Titel vorweisen: Paranormal Actitivy und Saw. Während erstere Reihe laut Produzent Jason Blum abgeschlossen ist, erfährt die Saw-Reihe nun entgegen des Titels des letzten Teils (Saw VII: Vollendung) wieder frischen Aufwind, immerhin sieben Jahre später. Nachdem der begehrte Halloween-Slot der Kinos nicht mehr durch die Paranormal Activity-Filme blockiert ist, war es also nur eine Frage der Zeit, bis ein anderer Platzhirsch sich diesem annehmen würde. Allzu viele Hoffnungen auf große Änderungen sollte man sich jedoch nicht machen.

  

Der flüchtige Edgar Munsen (Josiah Black) wird von der Polizei auf einem Lagerhallendach gestellt. In seiner Hand hält er einen Zünder und erzählt zudem etwas von einem Spiel auf Leben und Tod, welches gleich beginnen würde. Als er den roten Knopf betätigt, eröffnet die Polizei das Feuer, woraufhin Edgar so stark verwundet wird, dass er in ein Koma versetzt werden muss. Während sich die Ermittler Detective Halloran (Callum Keith Rennie) und seinen Partner Keith Hunt (Clé Bennett) fragen, ob das nur wirres Gerede war oder ob vielleicht doch etwas hinter dem angekündigten Spiel steckt, erwachen fünf fremde Menschen mit einem Metallring um den Hals in einem engen Raum. Die Stimme Jigsaws ertönt und erklärt ihnen, dass sie nur ein Geständnis abliefern müssten, um sich zu retten. Plötzlich werden sie von Stahlketten zur gegenüberliegenden Wand gezogen, wo rotierende Sägeblätter darauf warten, sie zu richten. Was wurde aus dem krebskranken John Kramer alias Jigsaw?

Neue Pfade in alten Schuhen betreten

Originaltitel Jigsaw
Jahr USA
Land 2017
Genre Horror-Thriller
Regisseur Michael Spierig, Peter Spierig
Cast John Kramer/Jigsaw: Tobin Bell
Logan Nelson: Matt Passmore
Detective Halloran: Callum Keith Rennie
Detective Keith Hunt: Clé Bennett
Eleanor Bonneville: Hannah Emily Anderson
Edgar Munsen: Josiah Black
Anna: Laura Vandervoort
Mitch: Mandela Van Peebles
Carly: Brittany Allen
Laufzeit 92 Minuten
FSK

Konsequent ist es, einen Film mit viel Marketing als Finale einer Reihe anzukündigen. Inkonsequent ist es, wenn es dann doch weiter geht. Obwohl Jahre zwischen Saw VII: Vollendung und Jigsaw (welches offenbar ganz auf die Acht, die den Teil als weiteren Aufguss outen könnte, verzichten muss) liegen, findet inhaltlich keine bahnbrechende Neuerung statt, die diesen neuen Titel erklären könnte. Sicherlich weist sie stärker auf den titelgebenden Killer Jigsaw hin, der charismatisch durch Tobin Bell (Finders Keepers) verkörpert wird. Ursprünglich war ein achter Teil schon viel eher geplant. Doch angesichts der Boxoffice-Zahlen von Saw VI wurde der geplante Zweiteiler für den folgenden siebten Film gekürzt. Mit Jigsaw wird allerdings inhaltlich ein neuer Pfad betreten, wodurch die Reihe erneut in Regelmäßigkeit auf die Zuschauer losgelassen werden könnte. Demnach könnte Logan nun dauerhaft der neue Jigsaw werden, der Jigsaws Werk fortführen wird.

Vom Aufbau her ist Jigsaw allerdings wie gehabt: Während eine Gruppe von Menschen, die sich bislang nicht kannten, einen tödlichen Parcours durchläuft, ermittelt die Polizei parallel zum Geschehen. Direkte Berührungspunkte bleiben aus, dafür wird der Fokus auf das Whodunit-Element gelegt. Die Suche nach Schuldigen steht im Vordergrund und weniger die Hinrichtung der Gefangenen. In dieser Hinsicht werden Fans der Reihe eher enttäuscht sein, denn die perfidesten Todesfallen wird man nicht in Jigsaw finden, welches übrigens die Fallen früherer Filme referiert. Doch sonst scheint es ganz so zu sein, als ginge es erst einmal darum, neue Fans, die die Reihe noch nicht kennen und inzwischen im entsprechenden Alter sind, zu gewinnen.

Die Einzelschicksale blasser Opfer

Nichts geändert hat sich an Jigsaws Opfern: Die sind wie in den Vorgängern unsympathisch und stellen sich großteils dämlich an. Dies sorgt zugegebenermaßen dafür, dass die Tode nur den wenigsten Zuschauern nahe gehen werden, aber etwas mehr als nur austauschbare Statisten wären durchaus in einem Neustart wünschenswert gewesen. Gab es in Saw VI und Saw VII: Vollendung noch übergeordnete Themen, die die Menschen zusammenbrachten, geht es hier wieder um Einzelschicksale. Diese fallen jedoch nicht stark genug aus, um den Absolventen des Parcours Profil zu geben, weshalb das Drumherum in diesem Teil spannender aufgebaut ist. Dafür sorgen die ambivalenten Hauptfiguren Keith Hunt und Detective Halloran sowie die Mediziner Logan Nelson und Eleanor Bonneville, die sich in einem dicht gestrickten Verdächtigungsnetz bewegen. Hierbei sind einige doppelte Böden in die Handlung eingebunden. Kein Wunder: Auf dem Regiestuhl sitzen die Spierig-Brüder, die bereits mit Predestination – Entführung in die Zukunft eindrucksvoll unter Beweis gestellt haben, dass sie nicht nur funktionierende Plottwists beherrschen, sondern auch Meister des Mindfucks sind. In dieser Hinsicht funktioniert Jigsaw auch außergewöhnlich gut: Bis zur endgültigen Auflösung gibt es einige Überraschungsmomente und das Licht, das auf einzelne Figuren geworfen wird, verändert sich mehrfach. Dadurch ist der achte Teil durchgehend spannend in Szene gesetzt.

Ich habe mir dreimal überlegt, ob ich mir die Neuauflage von Saw wirklich geben will. Einerseits unterhielt die Reihe immer, andererseits schmerzten die letzten Teile so sehr, dass ich mir nicht sicher war, ob ein Jigsaw nun grundliegend etwas anders machen würde. Das glückt dem Film in der Tat nicht, doch zumindest ist einer der besten Filme der gesamten Reihe entstanden. Das Drehbuch ist derart wendungsreich, dass mehr Mitdenken als sonst gefordert wird. Zwar darf man einzelne Szenen nach der finalen Auflösung bloß nicht noch einmal beleuchten, doch davon mal abgesehen, ist vor allem die Vertiefung des Whodunit-Faktors eine erfreuliche Änderung. Ob die Jigsaw-Reihe nun weitergeht oder nicht, das soll mir ebenso egal sein, wie ich mich überraschen lasse. Ansehen werde ich mir letztlich alles, was kommt. Wie groß die (Vor-)Freude darauf bzw. daran ist, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig „Die Werwölfe von Düsterwald“-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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