The Experiment

Was wohl passiert, wenn man 24 unschuldige Menschen einen Gefängnisalltag nachstellen lässt? Dieser Frage sind 1971 drei Psychologen der Universität Standfort nachgegangen. Aus ihren Erkenntnissen entstand 1999 der Roman Black Box von Mario Giodano und zwei Jahre später der deutsche Film Das Experiment von Oliver Hirschbiegel (Der Untergang). Und was geschieht, wenn die US-Filmindustrie einen interessanten Film entdeckt? Sie macht ein Remake und so entstand The Experiment von Regisseur Paul Scheuring.

  

Travis lernt auf einer Demonstration eine junge Frau namens Kelly kennen und verliebt sich in sie. Sie jedoch will ihr Leben neu ordnen und wird bald nach Indien reisen. Da Travis gerade als Altenpfleger entlassen wurde, möchte er sie gerne begleiten, nur leider fehlt ihm das Geld für die weite Reise. Aber wie es der Zufall so will, stößt er in der Zeitung auf eine Anzeige „Testpersonen für ein zweiwöchiges Experiment gesucht“. Bei diesem Experiment erhalten alle 26 Kandidaten eine Belohnung von 14.000 $ dafür, dass sie sich für zwei Wochen in einem Gefängnis einsperren lassen.

Unschuldige Menschen?

Originaltitel The Experiment
Jahr 2010
Land USA
Genre Thriller
Regisseur Paul Scheuring
Cast Travis: Adrien Brody
Barris: Forest Whitaker
Chase: Cam Gigandet
Nix: Clifton Collins junior
Benjy: Ethan Cohn
Archaleta: Fisher Stevens
Bosch: David Banner
Laufzeit 96 Minuten
FSK

Kern des Experimentes ist es, in Erfahrung zu bringen, was passiert, wenn normale Menschen einer derartigen Extremsituation ausgesetzt werden. Wie verhält sich der Nachbar von nebenan, wenn er plötzlich Wärter eines Gefängnisses ist und man selbst sein Gefangener?
Leider schien Regisseur und Drehbuch-Autor Paul Scheuring (Prison Break) dies nicht interessant genug zu sein und er veränderte kurzer Hand ein paar Faktoren. Dem Zuschauer wird schnell klar, dass alle Teilnehmer vornehmlich an dem Geld interessiert sind und jeder schon vor Beginn des Experiments mit psychischen Problemen oder Verhaltensauffälligkeiten zu kämpfen hat. Die einzigen beiden normalen Personen scheinen Travis, gespielt von Adrien Brody (Der Pianist), und Nix, gespielt von Clifton Collins junior (Pacific Rim), zu sein. Nix gehört der Aryan Brotherhood an was seine Tätowierungen deutlich zeigen – und war bereits im Gefängnis, was ihn laut Leitung eigentlich für dieses Experiment disqualifiziert. Dennoch nimmt er trotzdem daran teil ein Umstand, der nicht weiter erklärt oder aufgelöst wird.  Dem Kern des Experimentes beraubt, wird aus einem, als psychologische Studie gestarteten Film schnell ein Gefängnis-Actionfilm, der keinerlei Hintergrundgeschichte benötigt hätte. So wurde aus den Wissenschaftlern eine dubiose Firma, die dieses Experiment vermutlich nicht im Sinne der Wissenschaft durchführt.

Das Muttersöhnchen

The Experiment wurde 2010 gedreht und sollte zunächst in die Kinos kommen, wurde letztendlich jedoch nur als Direct-to-DVD-Film veröffentlicht. Die beiden Hauptrollen übernehmen die beiden Oscar-Preisträger Adrien Brody und Forest Whitaker (Der letzte König von Schottland). Whitaker spielt den 42 Jahre alten Barris, der noch bei seiner Mutter wohnt und von dieser regelmäßig drangsaliert und unterdrückt wird. In den ersten Minuten des Film lernen Travis und er sich kennen. Sie scheinen sich zunächst sympathisch, dies ändert sich jedoch als Travis zum Gefangenen 77 wird und Barris der Chef der Wärter.  Es wird vermutlich den wenigsten Zuschauern gefallen, dass der beste Moment und der schlauste Satz ausgerechnet von Nix stammen, der zwischenzeitlich sein auf den Körper tätowiertes Hakenkreuz in die Kamera hält.

Zu The Experiment kann man sagen, dass der Film etwas hätte werden können, ist er aber nicht. Obwohl ich etwas Freude daran habe, zu sehen wie Forest Whitaker. vom Muttersöhnchen zum vollkommen abgedrehten Tyrannen wird, nur um am Ende wieder als Muttersöhnchen im Bus zu sitzen,  kann ich den Film niemandem empfehlen. Sollte man sich für die Thematik interessieren, dann ist man mit der deutschen Verfilmung oder dem Roman Black Box besser beraten. Und sollte man Interesse an im Gefängnis spielenden Actionfilmen haben, so findet man unter den Genre-Vertretern wesentlich bessere Titel.

Zweite Meinung:

The Experiment gefällt mir um Längen besser als das deutsche Original. Ein intensiver Film mit aufwühlender Wirkung, da man die emotionalen Ausbrüche mancher Insassen nur auf das Schärfste verurteilen kann. Dass der psychologische Anteil heruntergeschraubt wurde zugunsten der Actionszenen, stört mich gar nicht. Sicherlich hätten ein paar ausführlichere Testeinblicke für ein klareres Bild über einige Teilnehmer gesorgt, doch ich kann mit dem Ergebnis sehr gut leben. Mein persönlicher Schmerz besteht eher aus den Indien-Bildern, welche ich als störend und erzwungenen Kontrast empfinde. Das ist aber nur meckern auf hohem Niveau. Auch als Actionfilm mit psychologischer Komponente finde ich The Experiment sehr kurzweilig und insbesondere Adrien Brody, Forest Whitaker und Cam Gigandet liefern überzeugende Darbietungen ab.

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