Thor 3: Tag der Entscheidung

Thor: Tag der Entscheidung ging in den USA am 3. November 2017, auf die Woche genau vier Jahre nach dem zweiten Teil Thor: The Dark Kingdom (orig. Thor: The Dark World), an den Start. Der Regisseur ist erstmalig der Neuseeländer Taika Waititi, der weniger für Action-, sondern Comedy- und Indiefilme bekannt ist, und selbst im Film die Rolle des steinernen Gladiator Korg, sowie Motion Capture für Surtur übernimmt. Dabei bringt Waititi ordentlich Humor in das Franchise und produziert einen spaßigen, actionlastigen Streifen, der atmosphärisch und musikalisch inspiriert ist vom Stil der 80er Jahre. Geworben wird u.a. damit, dass Thor: Tag der Entscheidung bislang der Marvel-Film mit der höchsten Bewertung ist, so hat er beispielsweise 92% von den Kritikern auf Rotten Tomatoes bekommen. Auffallend war vom ersten Trailer an auch der Song „Immigrants“ von Led Zeppelin, denn es ist auch eine der seltenen Instanzen in Filmen, wo ein Song, der prominent im Trailer gespielt wurde, auch noch während einer ebenso prominenten (und epischen) Kampfszene im Film zu hören ist, hier sogar zweimal.

    

Dabei war es nicht einfach, die Zustimmung von Led Zeppelin für die Nutzung des Songs zu bekommen, war die Band doch eigentlich lange Zeit notorisch bekannt dafür, dass es schwierig ist, Rechte an ihren Songs zu erwerben. Gelohnt hat es sich wohl allemal für beide Seiten, denn die Verkäufe des Songs schossen extrem in die Höhe, und obwohl der Trailer für den dritten Thor Film gleichzeitig mit jenem für Star Wars: Die letzten Jedi veröffentlicht wurde, konnte Thor Star Wars durchaus das Wasser reichen. Laut Fandango war der Film „the most anticipated fall movie 2017“ und spielte bereits nach 3 Wochenenden 650 Mio. Dollar ein. Mehr als die beiden Vorgänger jeweils während ihrer gesamten Ausstrahlungszeit eingespielt haben.

Die Handlung des Films ist dabei einfach. Hatte das Thor-Franchise bisher eher generische Bösewichte, so ist auch Hela (Cate Blanchett), die verbannte Tochter Odins (Anthony Hopkins), abgrundtief böse. Thor (Chris Hemsworth) und Loki (Tom Hiddleston) haben unterschiedliche Ansichten, wie man mit ihr umgehen soll, sieht es schließlich von Anfang an so aus, als wären sie chancenlos. Gleich bei der ersten Begegnung zerstört sie (wie man auch im Trailer schon sehen konnte und Nicht-Comicleser vermutlich doch etwas schockierte) Thors bis dato für unkaputtbar gehaltenen Hammer Mjölnir. Thor landet auf einem ihm unbekannten Planeten Sakaar, wo er von Valkyrie (Tessa Thompson), einer starken und alkoholabhängigen Kopfgeldjägerin an den Grandmaster (Jeff Goldblum) verkauft wird und sich in einem Kampf im Kolosseum gegen Hulk (Mark Ruffalo) beweisen muss. Währenddessen schwebt Asgard in großer Gefahr und Hela steht mit ihrem neu dazu gewonnenen Handlanger Skurge (Karl Urban) kurz davor, das ganze Volk zu unterjochen.

Viel Witz und viel für das Fanherz

Im Film wird merklich viel auf Humor gesetzt, und Waititi war der Meinung, dass Chris Hemsworths komödisches Talent gefördert werden sollte. Tatsächlich erinnert Hemsworths Darstellung als Thor in dem Film stellenweise an die unglaublich witzigen „Team Thor“ Clips (Extras auf der Captain America 3: Civil War Blu-ray, die auch als virale Videos auf Youtube zu finden sind), welche zeigen, was Thor und Bruce während Civil War getrieben hatten. Erfrischend ist auch, dass sich der Film oft sehr wenig ernst nimmt und gerade manche der Szenen, die die meisten Lacher des Publikums herauslocken, beinhalten tollpatschige und peinliche Momente der Helden, beispielsweise als nach einem geladenen Moment Bruces Verwandlung in Hulk fehlschlägt und er bei seinem Sprung aus dem Flieger einfach vor Fenris auf den Boden klatscht. Oder als Thor nach einer heldenhaften Ansprache einen Ball gegen das Fenster wirft, dieser aber anstatt das Glas zu zerschmettern auf ihn zurückprallt und unzeremoniös zu Boden wirft.

Fans, die das Filmuniversum Marvels länger verfolgt haben, dürften auf ihre Kosten kommen: So gibt es zahlreiche Referenzen und Momente, die das Fanherz höherschlagen lassen. Dies ist von Anfang an spürbar. Loki, der sich im letzten Film für Thor geopfert und seinen Tod vorgetäuscht hatte, lässt zu Filmbeginn in Gestalt Odins ein höchst dramatisches Theaterstück inszenieren, in dem seine Todesszene zu sehen ist und Thor herzzerreißend um ihn trauert (Fun Fact: Der „Thor“-Schauspieler ist hierbei der Bruder von Chris – nein, nicht Liam – , Luke Hemsworth. Matt Damon spielt Loki und Sam Neill Odin), während im Hintergrund drei Darsteller Thors Freunde verkörpern, und ein Chor das ganze auch noch gesanglich untermalt. Nachdem Thor glücklicherweise sofort merkt, dass es sich um den traubenfutternden hedonistischen Odin nicht um den richtigen Odin handelt, machen die Brüder sich auf (in ziviler Kleidung, die jeweils sportliche Kleidung bzw. ein schwarzer Anzug ist), ihn auf der Erde zu finden. Doch das Altenheim, in dem Loki ihn scheinbar gesteckt hatte, wurde niedergerissen. Darauffolgend gibt es dann auch noch ein Cameo von Dr. Strange , dessen Szene samt nie endendem Bier und peinlichen Aktionen Thors natürlich ebenfalls toll anzusehen ist. Aber nicht nur das; Thor kann sich in einem von Tony Stark programmierten Flieger nur mit dem Namen „Pointbreak“ ausweisen (eine Anspielung auf den ersten Teil von Avengers, als Tony ihn einmal nach ihrer ersten Begegnung bzw. auch ihrem ersten Kampf so nannte), und nachdem  Hulk sich endlich in Banner zurückverwandelt  gibt es auch Diskussionen darüber, wie eng Tony seine Kleidung trägt, Anekdoten über Loki und Thor als Kinder, als Loki sich in eine Schlange verwandelte (und dabei wusste er doch genau, wie sehr Thor Schlangen liebt!) und Thor angriff. Ganz zu schweigen von dem Kampf im Kolosseum zwischen Thor und Hulk, wo der Zuschauer bestimmt schon ahnen kann, dass die bei Black Widow abgeschauten Versuche, Hulk zu beruhigen, nicht ganz so gut ausgehen werden wie bei ihr, und Loki sogar vor Freude aufspringt, als Hulk Thor hin- und herschleudert, weil Thor nun auch endlich weiß, wie sich das anfühlt.  Die vielen Witze könnten allerdings womöglich dafür sorgen, dass der Zuschauer manche ernstgemeinte Szenen nicht so recht ernst nehmen kann. Auf ein wichtiges Gespräch, in der es um die Beziehung der Brüder und ihre Zukunft geht, folgt beispielsweise sofort das „Get help!“-Täuschungsmanöver. Aber auch traurige Momente finden in dem Film Platz. Odin stirbt, die Krieger Asgards werden ausgelöscht, Thor und Hulk fühlen sich wie Außenseiter, Valkyrie ist, wie sich herausstellt, eine Alkoholikerin, weil sie die einzige Überlebende einer Schlacht gegen Hela ist, welche in einem gänsehautinduzierenden und optisch glänzenden Flashback gezeigt wird. Laut Waititi wurde Thor in dem Film zu einem Außenseiter bzw. Underdog gemacht, weil dies perfekt zu dem späteren Storyverlauf passt, wo er und alle anderen zu heimatlosen Flüchtlingen werden. Thor verliert in der entscheidenden Schlacht sogar ein Auge. Eine Parallele zu Odin, die bei einer von den Fans vermutlich lang ersehnten Versöhnung mit Loki am Ende des Films ebenfalls angesprochen wird.

Alte und neue Gesichter

Originaltitel Thor: Ragnarok
Jahr 2017
Land USA
Genre Action, Comedy, Science-Fiction
Regisseur Taika Waititi
Cast Thor: Chris Hemsworth
Loki: Tom Hiddleston
Odin: Anthony Hopkins
Hela: Cate Blanchett
Valkyrie: Tessa Thompson
Grandmaster: Jeff Goldblum
Heimdall: Idris Elba
Bruce Banner / Hulk: Mark Ruffalo
Skorge: Karl Urban
Laufzeit 130 Minuten
FSK

Der dritte Thor-Ableger ist der erste Film der Reihe, in dem weder Natalie Portman als Jane Foster, Kat Dennings als Darcy, Jaimie Alexander als Sif, noch Stellan Skarsgard als Dr. Selvig auftreten. Da Natalie Portman laut eigener Aussage keine Marvel-Filme mehr drehen wird, heißt das wohl, dass der nebenbei eingefügte Kommentar, Jane hätte Thor eine Abfuhr verpasst (woraufhin er betont, *er* hätte die Abfuhr erteilt; es wäre eine beidseitige Abfuhr gewesen), vorerst alles zu ihr war und dass Jane zukünftig nicht mehr auftauchen wird. Jaimie Alexander war aufgrund anderer Dreharbeiten verhindert, doch vielleicht ist dies auch besser so: Offiziell heiß es (laut Angaben außerhalb des Films), ihr Charakter Sif wurde von Loki-Odin verbannt, damit sie nicht in seiner Quere stünde. Somit hat Sif allerdings Helas Angriff überlebt, denn die Warrior Three, Thors langjährige Freunde und Gefährten, wurden einfach sang- und klanglos umgebracht in Thor: Tag der Entscheidung. Während Hogun sich wenigstens noch einen Kampf mit Hela liefern darf, der in einem grausamen Tod für ihn und alle Soldaten Asgards endet, werden Fandral und Volstagg bei Helas Ankunft sofort mit fliegenden Dolchen getötet, sicher ein unerwarteter und schockierender Moment für manche Fans.

Auch Anthony Hopkins wollte fast nicht noch einmal auftreten, ließ sich aber umstimmen. Laut Hopkins und Alan Taylor (Regisseur von Thor: The Dark Kingdom) sollte die ambivalente Szene am Ende des zweiten Films, in der sich herausstellte, dass es sich um Loki in Odins Gestalt handelte, eigentlich andeuten, dass Loki Odin umgebracht hatte, bevor er seinen Platz einnahm. Dies wurde im dritten Film ignoriert und die um einiges weniger skrupellose Variante gewählt, in der Loki Odin lediglich seine Erinnerungen nahm und in das Altenheim schickte, was Loki natürlich weniger Zuschauersympathien verlieren lässt als es anders der Fall gewesen wäre. Zudem weicht die Story hier natürlich wie immer sehr von der Mythologie ab, in der Loki bei Ragnarok eigentlich gegen Asgard kämpft und Helas Vater, der sie im Stich laß, nicht Odin, sondern Loki ist. Im Film wirkt stattdessen weiterhin Odin moralisch fragwürdig, während Loki sich allmählich rehabilitiert. Generell meinte Waititi, dass er die vorhergehenden Filme weitestgehend ignorierte und eher sein eigenes Ding machen wollte, weswegen der neue Film auch einen ganz anderen und um einiges humorvolleren Ton einschlägt.

Cate Blanchett gab als einen Hauptgrund für ihre Involvierung in den Film an, dass sie mit Waititi zusammenarbeiten wollte (Waititi selbst fand den Gedanken, an einem großen Comic-Actionfilm zu arbeiten, ansprechend), während Karl Urban wiederum die Charakterentwicklung Skorges spannend fand. Zudem war auch er entzückt von der Chance, mit Blanchett Szenen zu drehen, waren die beiden doch schon in der Der Herr der Ringe-Trilogie dabei, wo sie aber keine gemeinsamen Szenen hatten. Hela ist zwar eine sehr einseitig bösartige Figur, aber durch ihre charismatische Darstellung von Blanchett und auch ihren Status als Schwester wird sie wohl erinnerungswürdiger bleiben als die anderen Gegenspieler von Thor.

Valkyrie (deren eigentlicher Name nie im Film erwähnt wird) wirkt auf den ersten Blick wie der stereotypische starke Badass-Charakter und bekommt auch einen solchen Erstauftritt spendiert – der allerdings wenige Sekunden später darin mündet, dass sie betrunken umkippt. Waititi war es wichtig, dass es sich um einen interessanten weiblichen Charakter handelt und nicht nur den typischen schönen, aber langweiligen Sidekick. Dabei ist es sicher gut, dass die ursprüngliche Planung, sie in diesem Film zu einem „Love Interest“ zu machen, verworfen wurde. Laut Aussagen von Schauspielerin Tessa Thompson ist Valkyrie der erste als bisexuell bestätigte Charakter im Marvel-Filmuniversum und es gäbe eine Szene dazu, die allerdings geschnitten wurde. Überhaupt ist Thor der einzige Film der Marvel-Reihe, in der keine einzige Romanze eine Rolle spielt, und das ist auch gut so, denn in die Handlung hätte keineswegs hineingepasst und sie hätte erzwungen gewirkt.

Jeff Goldblum spielt den durchgeknallten Grandmaster von Sakaar, der das S-Wort nicht mag, Leute schmilzt und eigentlich eine blaue Hautfarbe haben sollte, auf die allerdings aufgrund zweier Argumentationen verzichtet wurde: Erstens soll es nicht zu sehr an Goldblums Rolle in Earth Girls Are Easy erinnern und zweitens wollte man nicht, dass dies von seiner Performance ablenkt. Goldblums Performance wirkt ziemlich goldblumisch und wurde angeblich zu einem Großteil improvisiert. Laut (womöglich nicht ganz ernstzunehmender) Aussage von Waititi sind sogar 80% der Dialoge im Film improvisiert. Bei manchen Szenen, besonders dem ständigen Geplänkel zwischen Thor und Hulk / Bruce, könnte man sich das aber sogar ganz gut vorstellen.

Wie geht es weiter?

Thor 3 liefert einige Antworten und neue Fragen bezüglich des Marvel Cinematic Universe (MCU). Eine Zeitspanne von vier Jahren seit dem letzten Thor-Film ist zwar nicht übermäßig lang, allerdings befinden dazwischen auch ganze acht Filme des MCU. In Avengers: Age of Ultron verließ Thor die Erde, um mehr über die Infinity Stones herauszufinden. Am Anfang von Thor: Tag der Entscheidung teilt Thor  mit, dass er noch immer auf der Suche sei und keinen einzigen gefunden habe in den zwei Jahren, die seitdem vergangen sind. Allerdings sieht man den Tesseract in Odins Schatzkammer. Lokis Blick nach zu urteilen, als er daran vorbeigeht, wäre es sicher nicht weit hergeholt zu denken, dass Loki den Tesseract wieder an sich genommen hat, bevor Asgard zerstört wurde. Bruce befürchtet, dass er, wenn er sich noch einmal in Hulk verwandelt, sich womöglich nicht mehr zurückverwandeln kann. Allerdings tut er eben genau dies am Ende, um in der Schlacht zu helfen. Ganz am Ende in den für Marvel typischen After Credit Scenes erscheint ein gigantisches Raumschiff vor dem Volk Asgards, das wohl Thanos gehören dürfte.

Thor: Tag der Entscheidung ist herrlich amüsant und hat mich als Fan des MCU rundum begeistert. Der flotte humorvolle Stil von Waititi zündet um einiges besser als der Whedons in Avengers: Age of Ultron, und umso mehr, wenn man die anderen Marvel-Filme gesehen und einigermaßen eine emotionale Bindung zu den Charakteren aufgebaut hat. Tatsächlich habe ich mit Thor als Figur wohl noch nie so mitgefiebert oder ihn so gerne gemocht wie in diesem Film, besonders ab den Geschehnissen auf Sakaar. Die Actionszenen sind wunderbar dargestellt, vom Duell im Kolosseum bis hin zu einem visuell sehr beeindruckenden Flashback, und bei gewissen Höhepunkten extra episch von Led Zeppelin untermalt. Noch dazu behält der Film neben all dem Witz auch Herz. So sind Thor und Loki oder aber Hulk und Valkyrie als Duos toll anzusehen. Auch Cate Blanchett und Karl Urban holen aus ihren teilweise eher platten Charakteren das Bestmögliche heraus und schafften es, dass ich ihnen durchaus sehr gerne zusah. Für mich persönlich bisher der beste Marvel-Film neben Civil War (der sich mit seiner ernsten Atmosphäre natürlich schwer vergleichen lässt).

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