Elex

Laufen, sterben, laden, sterben, laufen, rennen, sterben, springen, sterben, laden, sterben, laden, springen, sterben… Wer sich nun wundert, dass das Wort „kämpfen“ in der Aufzählung fehlt, dem sei gesagt, dass es erst einmal zu einem Kampf kommen muss, der erwähnt werden könnte. Zu einem Gefecht im eigentlichen Sinne kommt es zu Beginn nie, denn das würde bedeuten, dass beide Parteien in der Lage sind, Angriffe auszuführen. Die Kämpfe in Elex folgen eher dem Muster „Feind sehen und sterben“. Und das soll funktionieren? Das tut es, sogar besser als manch einer jetzt vermutet.

    

Das Spiel nimmt einen nicht an der Hand und viele Wege führen nicht nach Rom, sondern in den sicheren Tod. Wer die alten Spiele von Piranha Bytes kennt, weiß, dass speichern Pflicht ist. Immerhin gibt es nützliche Einblendungen, die sammelbare Objekte hervorheben und Interaktionsmöglichkeiten aufzeigen. Das war es allerdings schon mit Hilfen.

Der namenlose Held Jax

Elex stellt einen neuen Abschnitt in der Entwicklungsgeschichte des Studios dar: Das erste Spiel, das ein Science-Fiction-Setting hat. Das erste Spiel, das keinen namenlosen Helden hat und das erste Spiel, bei dem der Protagonist sogar eine Hintergrundgeschichte spendiert bekommen hat. Doch der Reihe nach. Die Welt Magalan wurde von einem Meteoriteneinschlag fast komplett zerstört. Die wenigen Überlebenden gliedern sich in drei große Fraktionen, die naturverbundenen Berserker, die jegliche Technik ablehnen, die gottesfürchtige Kleriker, die Elex ablehnen, und die in der Wüste lebenden Outlaws, die für die große Freiheit kämpfen. Daneben gibt es noch unzählige Monster und Mutanten, welche mit der Grund sind, weshalb sich die Menschen zu Gruppen zusammenschlossen. Die Elex-abhängigen Albs versuchen, die drei Fraktionen zu zerstören. Viel Menschlichkeit besitzen sie nicht mehr, Emotionen kennen sie nicht. Die letzte Gruppe, die Separatisten, waren früher Albs, lösten sich aber von ihnen und dem Elex und kämpfen nun gegen sie. In dieser kriegsgebeutelten Welt landet nun Jax eher unfreiwillig. Als Alb muss er nicht nur mit der unwirtlichen Umgebung zurechtkommen, sondern auch mit dem Elexentzug.

Welches Schweinderl hätten’s denn gerne?

Originaltitel Elex
Jahr 2017
Plattform PC, PlayStation 4, Xbox One
Genre Action-RPG
Entwickler Piranha Bytes
Publisher THQ Nordic
Spieler 1
USK

Wie üblich in Piranha Bytes‘ Spielen, darf man sich einer Fraktion anschließen, wobei die Separatisten herausfallen. Bis man sich für eine Gruppierung entschieden hat, gehen ein paar Stunden ins Land, in denen handlungstechnisch gesehen nicht viel passiert. Die Haupthandlung wird erst fortgeführt, wenn man Mitglied einer Gruppe geworden ist. Wirkliche Langeweile kommt aber bis dahin nicht auf, denn man erledigt Quests oder erkundet auf eigene Faust die Welt. Bei der Gestaltung selbiger haben sich die Entwickler viel Mühe gegeben. Neben dichten Wäldern gibt es Felswüsten und Eislandschaften und überall finden sich Spuren einer längst vergangenen Zivilisation. Die verfallenen Ruinen erinnern nur bedingt an Fallout, denn hier hat ganz klar die Natur wieder Oberhand gewonnen. So liebevoll die Umgebung gestaltet ist, so nachlässig, scheint es, waren sie bei den Charakteren. Viele NPCs ähneln sich, auch wurden manche Sprecher doppelt besetzt. Was wirklich ärgerlich aber ist, dass keine Gruppierung sympathisch daherkommt.

Volles Pfund aufs Maul

Kein Licht ohne Schatten und kein Piranha Bytes‘ Spiel ohne Bugs. Das war einmal, wirkliche Bugs sind in diesem Spiel nicht vorhanden. Es kam vor, dass Jax‘ Begleiter partout nicht mitkämpfen wollte oder einfach mal wartete und sich erst nach zwei Stunden Jax wieder anschloss, aber gravierende Fehler gibt es keine. Dafür Kleinigkeiten, die gerade zu Beginn an den Nerven zehren, da man überwiegend mit Sterben beschäftigt ist. Die Tastenbelegung in den Menüs ist nicht ganz durchdacht, denn um aus einem Untermenü herauszukommen, muss man die Backspace-Taste drücken und Eingaben mittels Return-Taste bestätigen (manchmal auch „X“). Das ist etwas umständlich, da man so entweder über die halbe Tastatur langen oder die Hand von der Maus nehmen muss. Betritt man Häuser, steht man erstmal im Dunkeln oder umgekehrt im Hellen, was eine schöne Versinnbildlichung des Spruches „ins Licht gehen“ ist. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber daran. Was die Entwickler aber nachbessern sollten, ist das Balancing. Viele Quests beinhalten eine Rauferei, allerdings sind die Gegner zu stark. Oder man möchte den diplomatischen Weg gehen, allerdings fehlen dem Helden Sprachskills, weshalb es wieder zu einer Rauferei kommt. Es dauert zu lange, ehe man Perks kaufen kann, die einem im Kampf oder bei Dialogen wirklich von Nutzen sind.

Der Himmel ist die Grenze oder der Sprit

Davon abgesehen gibt es nicht viel zu Kritisieren. Das Hacking- und Schlösserknacken-Minispiel ist wirklich gelungen und unterhaltsam. Ganz toll ist das Jetpack, das Jax schon früh im Spiel erhält und mit dessen Hilfe er Stürze abfangen, Höhen erklimmen und schnell aus einem Gefecht fliehen kann. Letzteres zumindest in der Theorie, da die Gegner (egal ob Mensch oder Tier) über Fernangriffe verfügen und im Eifer des Gefechts Jax eher umherhüpft denn fliegt. Mit etwas Übung ist aber auch das machbar und verschafft eine kleine Verschnaufpause, bei der sich die Ausdauer regenerieren kann. Diese benötigt man, um zuzuschlagen oder auszuweichen.

Was hat mich Elex zu Beginn gefrustet. Unfaire Kämpfe, nervige Menüführung, schlechtes Balancing, doofe Blendeffekte… Dennoch lud ich nach jedem Tod neu und irgendwie schaffte ich es (meist, indem ich eine andere Route wählte und schlicht wegrannte). Wie schon mein Kumpel Swen sagte, „die F5-Taste ist dein Freund“. Und mittlerweile nicht mehr lesbar. Aber es lohnt sich definitiv, die ersten Stunden dranzubleiben und sich durchzubeißen. Rückblickend sind auch viele meiner Kritikpunkte nur meckern auf hohem Niveau. Nur am Balancing könnten die Entwickler wirklich noch etwas schrauben. Das typische Gothic-Feeling trat schnell auf und die Neugierde war größer als die ständigen Tode. Es ist nur etwas schade, dass keine der drei Fraktionen wirkliche Sympathieträger beinhaltet. Daher war meine Entscheidung im ersten Durchlauf: Wer hat die coolere Rüstung? Wer die alten Gothic-Zeiten vermisst, sollte hier zuschlagen.

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Kilroy

Kilroy wäre gerne Mikrochirurg geworden, musste diesen Traum aber aufgeben. Nun ist er voll von unnützem Halbwissen und weiß nicht, wohin damit. Kilroy schreibt auch gerne, weshalb er sich hier austoben darf. Da er davon aber nicht leben kann, geht er auch noch einer bescheidenen Arbeit nach. Wenn er nicht gerade schreibt oder arbeitet, spielt er am PC oder verschlingt Unmengen an Büchern und Comics.

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