Gintama – The Movie 2

Als der Film Gintama – The Movie 2 im Juli 2013 in den japanischen Kinos lief, spielte er über 12 Millionen Euro in nur sieben Wochen ein und es verkauften sich bislang über 121.000 DVDs und Blu-Rays. Allgemein erfreut sich Gintama in Japan seit langem großer Beliebtheit: neben dem Manga und dem Anime existieren Videospiele, eine Light Novel-Reihe, Unmengen an Merchandise-Produkten und 2017 erschein noch ein Live Action Movie, der ebenso sehr erfolgreich ist. Im Januar 2017 war es soweit und KSM Anime veröffentlichte den zweiten Anime-Movie auch endlich in Deutschland, der eher für Fans geeignet ist als für Neueinsteiger.

    

Gintoki rügt gerade einen Filmdieb, der früher Pantomime werden wollte, aufgrund seines offensichtlichen Fehlverhaltens des Abfilmens, als unser Protagonist durch dessen Kameralinse plötzlich fünf Jahre in die Zukunft transportiert wird. Er landet nicht nur auf einem Friedhof, sondern noch zu seinem Entsetzen vor seinem eigenen Grab. Gintoki sieht sich nach dem ersten Schock im heruntergekommenen Edo um, da fängt der eigentliche stumme Filmdieb an zu sprechen. Dieser offenbart ihm, dass er eigentlich eine Zeitmaschine ist. Gintoki soll die Zukunft retten. Dabei gilt es, seine wahre Identität geheim halten, aber dennoch seine Freunde davon überzeugen, ihm zu helfen. Aber vorher muss er Kagura und Shinpachi wieder miteinander versöhnen, da sie sich zerstritten haben.

Es ist nichts mehr so, wie es einst mal war

Gintoki trifft auf seine alten Freunde, die sich alle extrem verändert haben. Die Shinsengumi haben sich mit den Joui-Patrioten zusammengetan und sind somit genauso zu Gesetzlosen geworden. Elisabeth und Toshiro sind ein Herz und eine Seele, vereint in ihrer Liebe zu Mayonnaise. Kotaro Katsura gibt sich wie sein ehemaliger Kamerad und Freund Shinsuke Takasugi, optisch als auch das Gerede, er wolle die Welt zerstören. Gintokis plötzliches Verschwinden vor fünf Jahren hat bei allen seinen Freunden deutliche Spuren hinterlassen. Die Seuche Byakuso, ein Virus bestehend aus Nanomaschinen, ist dafür verantwortlich und der Schatten der Vergangenheit holt Gintoki ein. Denn er dachte, er hätte die Enmi, eine gefürchtete Söldnertruppe, vor 15 Jahren vernichtet – doch einer hat überlebt.

Der Kampf gegen sich selbst in der Zukunft, wie in der Vergangenheit

Originaltitel Gekijōban Gintama Kanketsu-hen: Yorozuya yo Eien Nare
Jahr 2013
Laufzeit 113 Minuten
Genre Action, Drama, Comedy
Regisseur Yoichi Fujita
Studio Sunrise

Es ist Gintoki selbst, der den Bau der Zeitmaschine bei Gengai in Auftrag gegeben hat. Denn er weiß, wenn jemand ihn besiegen kann, dann nur er selbst. So kommt es eben zu dieser bizarren Situation, dass Gintoki gegen sein zukünftiges Ich kämpfen muss, welches mit dem Fluch der Enmi infiziert ist. Da bleibt nur noch der Tod. Allerdings ist damit das Problem nicht aus der Welt, denn Gintoki trägt noch immer die Nanomaschinen im Körper, die ihn in genau dieselbe Lage bringen werden. So fällt Gintoki eine schwere Entscheidung: er reist in die Vergangenheit, um dort sein jüngeres Ich auszulöschen. Dies gelingt ihm, denn die Zukunft ändert sich und seine Freunde haben ihn vergessen, da er nie in ihr Leben getreten war. Doch der Zeitdieb überbringt Gintokis Nachricht und so beschließen alle, dass sie in einer Welt ohne ihn nicht leben wollen. Weshalb sie verhindern, dass Gintoki sein Ich in der Vergangenheit tötet.

Zeitenwirrwarr²

Die Geschichte kann auf den ersten Blick recht verwirrend sein, da hier zwei unterschiedliche Zeitebenen gleichzeitig ablaufen. Man sieht eine Zukunft, in der Gintoki plötzlich nicht mehr existiert, und man sieht Gintoki in der Vergangenheit, wie er gerade sein jugendliches Ich töten will. Ersteres resultiert daraus, dass letzteres eingetreten ist. Nur sind seine Freunde zu einem noch früheren Zeitpunkt als er wieder zurück in die Vergangenheit gereist, um ersteres zu verhindern und die Enmi auszulöschen, bevor der junge Gintoki infiziert wird. Am Ende löst sich die ganze Crew einfach auf, da ihre Zukunft nicht mehr existiert und nun eine neue entsteht.

Achterbahnfahrt der Emotionen

Der Anfang ist typisch für Gintama: absolut chaotisch, gespickt mit Parodien, Wortspielereien und anzüglichen Scherzen. Doch im weiteren Verlauf wird man ebenso mit einer guten Portion Drama konfrontiert, denn als Tae im Sterben liegt, wird es wirklich sehr tragisch und emotional.  Die wenigen, aber gut platzierten Actionszenen sind hingegen sehr rasant und nicht in die Länge gezogen, wie es öfters bei Shounen-Titeln der Fall ist. Diesen Spagat zwischen Herumblödelei, Ernst und rührseligem Drama schaffen nicht viele Titel, aber auch dieser Film beweist wieder einmal, dass genau das Gintama ausmacht.

Ich finde den Film wirklich sehenswert, denn er bietet alles, was Gintama auszeichnet. Gerade als Ayame, Tsukuyo und Kyuubei an Taes Bett stehen und die Gefühle hochkochen, werde ich jedes Mal mitgerissen und mir stehen selbst die Tränen in den Augen. Wie sie dann Gintoki wiedererkennt, obwohl (oder gerade weil) sie fast erblindet ist, ist wirklich rührend. Wenn Gintama Emotionen auspackt, erwischt es mich immer eiskalt. Es gibt nur einen einzigen wirklichen Kritikpunkt, den ich persönlich an diesem Film habe, nämlich zu wenig Takasugi. Als Fan von ihm ist es schon recht ernüchternd, denn er hat in dem ganzen Film nur einen einzigen Satz. Auch Tatsuma Sakamoto wird ähnlich abgespeist und Kamui glänzt mit kompletter Abwesenheit. Aber an sich kann ich den Film wirklich jeden Gintama-Fan empfehlen. Leute, die noch keine Fans sind, sollten lieber zur TV-Serie oder dem ersten Film, die beide ebenso bei KSM Anime erhältlich sind, greifen. Die Serie ist zudem noch auf Crunchyroll kostenlos anzusehen. Eine gute Alternative ist die Mangareihe, die bei Tokyopop erscheint. Denn ohne Vorwissen kann man den Film nicht wirklich genießen.

Zweite Meinung:

Animefilme zu laufenden Mangaserien – vor allem im wöchentlich erscheinenden Shounen-Bereich – sind immer so eine heikle Sache: Wie schreibt man eine Geschichte, die kaum einen Einfluss auf die Hauptgeschichte nimmt, damit reine Mangaleser nichts verpassen, aber gleichzeitig auch nicht als vollkommen isoliert bis gar redundant erscheint? Die meisten Filme dieser Art scheitern und verkommen zu blanken Fillerinstanzen. Nicht so dieser Gintama Movie. Ob beabsichtigt oder nicht, nimmt er gerade diese Eigenschaft aufs Korn, indem er schlichtweg eine Handlung vorlegt, dessen Ziel es ist, sich selbst ungeschehen zu machen. Die Haupthandlung des Filmes an sich ist eigentlich ziemlich simpel und für sich stehend, man kann ihr auch ohne Vorkenntnisse folgen. Aber für einen vollwertigen Genuss des Films sollte man zumindest einen guten Teil der Hauptserie kennen. Jede der auftretenden Figuren hat ihre eigene Geschichte, die hier keinesfalls erneut rekapituliert wird und durch die viele Szenen eine tiefere Bedeutung haben. Der Film hat darüber hinaus etliche direkten Dialog-Referenzen auf die Hauptserie. So ist Shinpachis erster Satz im Film nicht bloß einfach ein cooler Auftritt, sondern auch exakt der gleiche Satz von Gintoki bei seinem ersten Auftritt. Kaguras plötzliche Reife und vor allem ihr erst einmal nicht mehr vorhandener pseudo-chinesischer Signaturakzent zünden ebenso erst richtig, wenn man ihn zuvor kennen und lieben gelernt hat. Vollkommen wird der Spaß allerdings – wie bei Gintama üblich – wenn man all die Referenzen auch noch kennt. So cosplayt Okita als ein Kenshin der Vagabund (erschienen bei Egmont Manga), Shinpachi wird unterstellt einen Kapitän Tezuka (aus Prince of Tennis, erschienen bei Tokyopop) zu imitieren, während Kagura ihrer japanischen Sprecherin Rie Kugimiya mit dem Ruf der Queen of Tsundere (Charakter-Rollentypus, bekannt vor allem durch die Serie Shakugan no Shana, dessen Mangaadaption bei Egmont Manga erschien) „endlich“ alle Ehre macht. Ebenso ist bereits der Titel eine Parodie auf das in Japan überaus bekannte Franchise Space Battleship Yamato, bei dem mehr als nur ein Ableger für sich beanspruchte der letzte zu sein, um dann doch einen Nachfolger zu bekommen; etwas das Gintoki sogar selbst schon in eine der vielen Breaking the 4th Wall Puns der TV-Serie lange vorgeschlagen hatte, doch auch in Gintama  einmal zu versuchen. Aber nicht nur Fremdserien werden parodiert, sondern auch Instanzen des japanischen Alltags. So ist der Cam-Ripper, der die Handlung des Film überhaupt erst verursacht, bereits eine Parodie auf eine Reihe japanischer Anti-Cam-Rip Webespots, um dabei im gleichen Atemzug den Abfilmern des ersten Films ein paar Vorhaltungen zu machen. (Zum zweiten Film gab es übrigens tatsächlich keine Cam-Rips.) Sehr einsteigerfreundlich ist der Film zwar nicht, aber man kann ihm auch als Neuling grob folgen und vor allem bietet er gebündelt eine sehr gute Kostprobe von dem an, was Gintama so alles zu bieten an. Wem die TV Serien zu Zeit kostspielig sind kann auch hier erst einmal reinschnuppern, dann schnell die Serien nachholen und gleich wiederkommen. Und wenn es nur wegen der älteren Kagura ist, sie ist einfach eine Wucht!

 

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Taria

Taria arbeitet seit einigen Jahren für einen großen Automobilzulieferer in der Produktion. Abseits von der Arbeit beschäftigt sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit Manga, Animes und Videospielen, in diesen Bereichen hat sie genretechnisch einen sehr breiten Geschmack bewiesen. Weiterhin sammelt sie gerne Figuren und anderes Merchandise von den Serien Gintama und JoJo’s Bizarre Adventures.

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