© Art Script Phantastik Verlag

Interview mit Art Skript Phantastik Verlag

Am 2. und 3. September 2017 fand zum ersten Mal die Phantastika, das Festival der Phantastik, in Oberhausen statt. Abseits von Jedis, jenen die es werden wollten, Steampunkvampire, Cyberwerwölfe und welch abenteuerliche Gestalten noch alles von den Feierlichkeiten angezogen wurden, musste es selbstverständlich auch jene geben, die für (Lembas-)Brot und (phantastische) Spiele sorgten sowie jene die die Eingänge zu all den wirren Wortwelten, gemeinhin auch Bücher genannt, Feil boten.  Grit Richter, Verlegerin des Art Script Phantastik Verlags, war eine davon und erklärte sich bereit, einige Fragen zu dem bunten Treiben zu beantworten. Viel Spass mit dem kleinen aber feinen Interview.

Geek Germany: Zu Beginn erst einmal ganz grundlegend: Wie genau sind Sie zur Phantastika gekommen? Haben Sie sie auch mitorganisiert? Wenn ja, wofür waren Sie verantwortlich?

Grit Richter: Ich fang mal an wie im Märchen: Alles begann im Oktober 2016 in einem chinesischen Restaurant in Dreieich bei Frankfurt. Dort saßen mindestens drei Verlage mit ihrem Anhang an zwei langen Tischen und feierten einen erfolgreichen Buchmesse Convent (BuCon). Mike Hillenbrand vom Verlag in Farbe und Bunt gesellte sich ebenfalls zu uns. Er hatte im Vorjahr den Deutschen Phantastik Preis moderiert und unsere Stände auf der Leipziger Buchmesse lagen in unmittelbarer Umgebung. Die deutsche Phantastik-Szene ist klein, man lernt sich schnell kennen. Dort erzählte Mike zum ersten Mal von der Idee der Phantastika, was er vorhatte, wie das Ganze ablaufen sollte und vor allem, dass er uns (den Verlag ohneohren und den Amrûn Verlag, die ebenfalls anwesend waren) gerne mit dabei hätte. Da sagt man nicht nein! Meine Verlagsfee Melanie Schneider und ich merkten aber schnell, dass es ein wirklich großes und umfangreiches Projekt wird, also boten wir unsere Hilfe an. Und schwupps wurden wir Teil des Orga-Teams. Meine Aufgaben lagen dabei eher im kreativen Bereich, da ich Grafik-Designerin bin, war ich zum Großteil für das Look-&-Feel des Deutschen Phantastik Preises (DPP) verantwortlich. Ich gestaltete die entsprechenden Seiten im Programmheft, erstellte die Clips der Nominierten – die während der Verleihung abgespielt werden sollten – und habe sonst als Springer überall ein bisschen geholfen. Meine größte Aufgabe war es dann, während der Preisverleihung in der Regie zu sitzen und dem Techniker zu sagen, wann welches Bild oder welcher Clip auf der Leinwand zu sehen sein musste … und zu versuchen nicht an einem Herzinfarkt zu sterben, wenn mal ein Clip nicht so wollte wie ich ^^.

Geek Germany: Und womit ist der Art Skript Phantastik Verlag in Oberhausen aufgeschlagen? Welche Phantastereien haben Sie mitgebracht?

Grit Richter: Wir hatten unser komplettes Verlagsprogramm dabei, eine Mischung aus Dark Fantasy und Steampunk (für die Zukunft ist auch Space Fantasy geplant). Ein wildes Sammelsurium aus Romanen, kleinen Novellen und vielfältigen Anthologien.

Geek Germany: Ganz wichtig und gerne ausführlich: Wie haben Sie die Veranstaltung erlebt? Hat Sie Ihnen gefallen? Waren Sie zufrieden?

Grit Richter: Ich war sehr begeistert! Zu den Vorbesprechungen konnte ich leider nicht in Oberhausen sein, da die Anfahrt von ca. fünf Stunden doch ein ganz schönes Stück ist, aber als ich dann da war, war ich sehr angetan von der tollen Atmosphäre des Congress Centrum Oberhausen (CCO). Alles war sehr hell und einladend. Es gab schöne Lichtinstallationen, auf den Gängen standen Monster, Piraten, Aliens und andere phantastische Gestalten herum, ein riesiger roter Doppelstockbus wartete vor dem Eingang, daneben gab es Popcorn.
Das was ich in meiner spärlichen freien Zeit sehen konnte, hat mir gut gefallen und auch mit den Einnahmen bin ich überaus zufrieden. Die Phantastika war mit Abstand die beste Messe, die ich in über fünf Jahren Art Skript Phantastik Verlag hatte!

Geek Germany: Wie würden Sie eigentlich die Phantastika in eigenen Worten beschreiben? Hat sie sich von anderen Veranstaltungen abgehoben? Wenn ja, was war das Besondere daran?

Grit Richter: Phantastisch! Die Phantastika wollte sich von Anfang an als „Festival der Phantastik“ präsentieren. Es sollte keine weitere ComicCon werden, aber auch keine weitere Buchmesse. Ein Fest für die ganze Familie, an dem die Phantastik gefeiert wird und zwar in all ihren Fassetten. Neben dem Schwerpunktthema „Literatur“ gab es auch Hörbücher/Hörspiele, Schwertkampf-Workshops sowohl mit normalen Schwertern als auch mit Lichtschwertern, Vorträge aller Art vom Klingonisch-Lehrer Lieven L. Litaer bis zu Volker Schmid vom Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Ich kann gar nicht alles aufzählen, es war einfach nur so großartig, umfangreich und als Kind hätte ich so was gerne erlebt. Wenn ein kleines Mädchen in Ravenclaw-Uniform an meinen Stand kommt und mir – einer Person, die sie gar nicht kennt – ihren selbstgebastelten Zauberstab präsentiert (ja, es gab einen Zauberstab-Workshop!), dann ist das schon ein tolles Gefühl.

Geek Germany: Gab es dabei übrigens einen Event oder einen Programmpunkt, der Ihnen am besten gefallen hat?

Grit Richter: Da ich die meiste Zeit hinter meinem Stand verbracht habe, konnte ich mir kaum etwas ansehen. Aber bei einem Gang durch die Flure (auf dem Weg zum Catering) entdeckte ich die EXPRESS-Kapsel, ein klumpiges Teil, das mit Experimenten an Board im All war und wieder zur Erde zurückkam. Ich wusste zwar, dass sie da sein würde, aber als ich sie dann wirklich sah, war ich schon ziemlich angetan. Das Ding war im Weltraum!!! Da klebte praktisch noch Sternenstaub dran! Das hat mich in dem Moment wirklich umgehauen.

Grit Richter und Tommy Krappweis

Geek Germany: Beim DPP standen Sie auch auf der Bühne und haben einen der Preise vergeben. Wie hat sich das angefühlt? Wie lief das alles ab? Hat es Ihnen Spass gemacht?

Grit Richter: Eigentlich war das sehr entspannend. Wie oben schon erwähnt war ich die ganze Zeit über in der Regie und versuchte nicht zu sterben, wenn mal was nicht so lief wie es sollte. Auf der Bühne zu stehen, mit Tommy Krappweis an meiner Seite, der mir sehr viel emotionalen Halt gegeben hat, war dagegen schon sehr angenehm. Und ja, ich musste in dem Moment, in dem mein Name aufgerufen wurde, von der Regie aus eine Wendeltreppe ein Stockwerk nach unten rennen und von den Türen bis zur Bühne durch den kompletten Saal Berlin durch … auf High Heels! ^^
Wie es dazu kam war – wie sehr vieles – Zufall. Gemeinsam mit Mike Hillenbrand und dem Rest des Teams suchten wir nach Präsentatoren für die einzelnen Kategorien. Mikes Wunsch war es, immer ein Pärchen aus Mann und Frau zusammenzustellen. Tommy Krappweis, der neben seiner Arbeit für RTL Samstag Nacht, Erfinder von Bernd das Brot und Regisseur von Mara und der Feuerbringer, auch noch Grafiker ist, konnte sich mit mir als Mit-Präsentatorin auch gleich anfreunden. Vor der Show kam er an meinen Stand und wir redeten ein bisschen darüber, was wir sagen wollen. Aber vieles war auch improvisiert. Zum Beispiel als ich durch den Saal zur Bühne rannte, da kam er auch gerade zum Bühnenaufgang, fing mich im Rennen auf und wirbelte mich herum. Ich bin sehr froh, dass Fotograf David Knospe in dem Moment da war und das fotografiert hat. Es war sehr schön und seeehr lustig ^^

Geek Germany: Hoffen Sie übrigens darauf, nächstes Jahr mit Titeln aus Ihrem eigenen Verlag Preis um Preis abzuräumen?

Grit Richter: Ich habe den DPP bereits 2015 und 2016 in der Kategorie „Beste deutschsprachige Anthologie/Kurzgeschichtensammlung“ erhalten und war davor schon oft nominiert. 2017 war der Roman Erasmus Emmerich und die Maskerade der Madame Mallarmé von Katharina Fiona Bode als Bestes Debüt auf der Longlist, leider schaffte er es nicht weiter (auf Nachfrage beim Stimmen-zähl-Team sagte man mir, dass 2 Stimmen gefehlt hätten … 2 Stimmen!!!).  Natürlich hoffe ich nächstes Jahr wieder in der engeren Auswahl zu sein.

Geek Germany: Pannen und dergleichen bleiben niemals aus. Gibt es irgendetwas, was Sie im Nachhinein hätten anders machen bzw. ändern wollen?

Grit Richter: Gerade was die Planung des DPP angeht, habe ich viele Infos mit nach Hause genommen, die in die nächste Verleihung einfließen werden. Aber grundsätzlich würde ich nichts anders machen, man muss ja auch Fehler machen, um aus ihnen zu lernen.

Geek Germany: Und zum Abschluss noch einmal volle Konzentration, jetzt wird es ernst. Wenn Sie bereit sind, dann hier die letzte Frage: Hand aufs Herz und Dementor in den Wandschrank: Was ist Ihr Lieblingstitel aus dem Bereich der Phantastik? (Darf selbstverständlich auch ein Film, Anime, Manga etc. sein)

Grit Richter: Mein All-Time-Favorit ist Die unendliche Geschichte, ein Buch, das mich seit meiner Kindheit begleitet, dass ich immer wieder lese oder mir als Hörspiel anhöre und bei dem ich immer neue Sachen entdecke. Tatsächlich ist es kein Kinderbuch! Natürlich wird es von Kindern gelesen, aber liest man es als Erwachsener, werden einem viele Dinge klar. Zwischen den Zeilen sitzt Michel Ende und hält dem Leser einen Spiegel vor. Und das ist es, was die Phantastik immer getan hat: Versteckt unter dem Mantel der Fantasie, verkleidet als Orks oder Aliens, hat dieses Genre, mit all seinen Fassetten die Möglichkeit dem Betrachter einen Spiegel vorzuhalten. Was man in dem Spiegel sieht, kann sehr schön sein, es kann einen aber auch erschrecken!

Vielen Dank für das Interview!
Dieses Interview führte Mort von Geek Germany.
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Mort

Mort hat ‚Wie? Nicht auf Lehramt!?‘ studiert und wühlt sich mit trüffelschweiniger Begeisterung durch alle Arten von Geschichten. Animes, Mangas, Bücher, Filme, Serien, nichts wird verschmäht und zu allem Überfluss schreibt er auch noch gerne selbst. Meist zuviel. Er findet es außerdem seltsam von sich in der dritten Person zu reden und hat die Neigung, vollkommen überflüssige Informationen in sein Profil zu schreiben. Mag keine Oliven.

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