Just Because (Folge 3)

„Andante“ – die Anweisung in Musiknoten für das Spiel „mit Tempo“ – lautet der Titel der dritten Folge von Just Because. Besonders temporeich jagen im neuesten Kapitel des Anime zwei der Hauptfiguren ihren Zielen nach, während die anderen von ihrer Unsicherheit und den Gedanken an ihre Zukunft ausgebremst werden.

Weihnachten ist ja bekanntlich die Zeit der Besinnung. Und so reden Hazuki und ihre Freundin Inui über ihre Zukunftspläne, Hobbies, und über Jungs. Eine gute Gelegenheit für Inui, Haruto zum Spaziergang mit den beiden einzuladen, denn sie möchte ihm unbedingt zu seinem Glück mit der nach wie vor ahnungslosen Hazuki verhelfen. Der macht sich freudig auf den Weg von seinem Treffen mit Eita und reißt mit seiner überschwänglichen Vorfreude wieder mal alle aus ihrem Alltagstrott. Wenn da nur nicht Hazukis Hund wäre, mit dem der Arme so gar nicht zurecht zu kommen scheint.

Aufs Gas drückt aber auch die passionierte Fotografin Ena, die mit ihrem Motorroller auf der Jagd nach ihrem perfekten Wettbewerbsmotiv ist, dem ‚mysteriösen Transferschüler‘ Eita. Dabei sorgt sie für das nächste Treffen zwischen ihm und Natsume, denn die ehemalige Schülersprecherin ist die einzige aus der Gruppe, deren Kontaktdaten Ena hat. Von ihren Plänen ist Eita aber so wenig begeistert wie von der erneuten Begegnung mit Natsume. Keck wie sie ist, gibt sich Ena aber nicht so leicht geschlagen. Als Haruto am Abend dem genervten Eita sein Hunde-Elend klagt, bietet sie den beiden ihre Hilfe an – im Austausch gegen Eitas LINE-Kontakt.

 

Hazukis Hund ist allerdings nicht das einzige bissige Element dieser Episode. Während Erzählweise und visuelle Gestaltung weiterhin den Eindruck ereignisloser Alltäglichkeit versprühen, sorgt die Charakterkonstellation für das Knistern, das die Folge ungemein spannend macht. Die beiden Energiebündel Ena und Haruto locken ihre allzu zögerlichen Freunde Natsume und Eita und auch die unbeeindruckbare Hazuki immer mehr aus der Reserve, wodurch die grundverschiedenen Charaktere von letzerer und Haruto immer deutlicher werden. Eita dagegen könnte einem fast leid tun. Nach wie vor weiß er nicht, wie er mit Natsume umgehen soll. Die macht währenddessen ihm gegenüber keinen Hehl aus ihren Gefühlen für Haruto und auch nicht aus ihrem Neid, weil Eita es mit seiner Empfehlung wesentlich leichter hat, den von ihr erhofften Platz an der Uni zu bekommen. Können die vermeintlichen Paare ihre Differenzen und Unterschiede überwinden? Und welche Rolle wird Ena in diesem Beziehungspolygon spielen? Man darf gespannt sein.

Immer mehr stellt sich bei mir das Gefühl ein, in den ganz normalen Alltag völlig unterschiedlicher Teenager eingetaucht zu sein, mit den alltäglichen kleinen Dramen, den alltäglichen Begegnungen und einer Situationskomik, die völlig normal und ungekünstelt ist. In dieser Episode war es besonders Ena, die mich mitgenommen hat. Ihre gelebte Augenblicklichkeit, die tiefe Begeisterung für ihr Hobby, die unbändige Energie, die sie aufbringt, um ihren geliebten Fotoclub zu retten und die hartnäckige Zielstrebigkeit, mit der sie sich an Eita hängt, das ist einfach herrlich mitzuerleben. Sie ist das genaue Gegenteil von Eita, der noch überhaupt nicht weiß, was er machen möchte, keinerlei Ambitionen äußert und einfach mit dem Flow geht. In seiner Passivität ist er allerdings ebenso hartnäckig wie Ena in ihrer Aktivität, so dass ich zumindest noch das eine oder andere verbale Scharmützel erwarte und gespannt bin, was sich hinter Eitas Panzer verbirgt, denn der wird dem Daueransturm von Enas Attacken nicht standhalten, denke ich. Dass er keine erfreuliche Zeit an der anderen Schule hatte, das klang bereits durch.

Haruto ist ebenso energisch wie Ena, nur leider nicht so entschlossen wie sie. Oft steht er sich selbst im Weg, traut sich nicht zu sagen, was er sagen möchte, korrigiert sogar seinen spontanen Shout vor dem Absenden und hält sich so zwar immer schön den Rücken frei, kommt dadurch aber bei Hazuki nicht weiter. Ohne Hilfe ihrer Freunde würden die beiden sicherlich noch ewig umeinander kreisen, sich heimlich sehnsüchtige Blicke zuwerfen und sich keinen Schritt näher kommen.

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nightfury

nightfury liebt Geschichte(n), gibt aber auch gerne seinen eigenen Senf dazu: er verkriecht sich für seine Doktorarbeit in staubige Archive und philosophiert viel zu lange über das Werk, das er konsumiert hat. Leider mag er auch Sprachen und ist ein Grammatik-Freak, weshalb kein Text vor seinem Pedantismus sicher ist. Wenn er mit seiner Besserwisserei dann endlich am Ende ist, hört er auch gern mal den Anderen zu oder spielt ihnen mit seiner Westerngitarre Lieder von Johnny Cash vor.

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