Just Because (Folge 6)

In der sechsten Folge eines Anime wird meistens das Ende eines Handlungsbogens erreicht, die vermeintliche, aber am Ende doch nicht haltbare Lösung des initialen Konflikts oder eine andere Form von Zwischenfazit. Auch in Just Because löst sich das verworrene Liebesdrama in dieser Episode so langsam auf – oder etwa nicht?

Die Stärke dieses eher sachte vorgetragenen Dramas bestand bisher darin, trotz dauernden Zögerns der Hauptfiguren seine Konflikte Schritt für Schritt zu eskalieren und auf deren Auflösung hinzusteuern. Ein weiterer solcher Schritt findet sich logischerweise also in der Serienmitte, in der Natsume endlich einen Entschluss im Umgang mit ihren Gefühlen für Haruto gefasst hat; Währenddessen finden Hazuki und er zum klärenden Gespräch zusammen, wenn auch großenteils nur dank ihren Freunden Yoriko und Eita.

Schritt für Schritt, aber immer einen Schritt voraus

Was dem Anime ebenfalls immer wieder gelingt: das gleichzeitige, aber nicht übertriebene oder gar künstliche Einstreuen von Missverständnissen und Begebenheiten mit neuem Konfliktpotenzial. Hat Hazuki etwa Natsumes versteckte Gefühle anhand deren Verhaltens entschlüsselt? Wie steht Letztere denn nun eigentlich zu Eita? Und wie entwickelt sich dessen immer offeneres Verhältnis zu Ena? Der quirligen Fotografin schließlich widmet die sechste Folge endlich wieder genügend Aufmerksamkeit, um ihren interessanten, komplexen Charakter weiter auszubauen. Und sie so ganz nebenbei Teil des Dramas werden zu lassen, das sich zwischen Natsume und Eita ankündigt.

Ein Mann weniger Worte

Der eigentliche Protagonist der Serie hingegen sticht dieses mal besonders positiv hervor. Trotz seiner lautlosen, zuweilen fast mimosenhaften Art ist Eita nicht einfach ein Waschlappen wie viele seiner Kollegen aus anderen Anime, denen man kräftig in den Hintern treten muss, damit sie erst aktiv werden. Auch wenn ihm alles zu viel scheint, was er sogar unveblümt zugibt, lässt er statt Worte Taten sprechen. Diese Erfahrung macht im jüngsten Kapitel der Serie nicht nur Ena sondern auch Haruto, den Eita auf seine ganz eigene Weise anspricht – beim Baseball.

In der Welt der Charaktere

Dass die beliebteste japanische Ballsportart in beinahe jeder Episode auftaucht und meistens Folgen für die weitere Handlung nach sich zieht, erscheint nach einer Weile etwas ausgelatscht. Ähnlich verhält es sich mit Hazukis Trompetenspiel oder auch Natsumes Radierer – der nicht nur in dieser Schulromanze vorkommt. Ganz ohne ginge es aber auch nicht, denn der Anime möchte seine Geschichte eben ganz aus der Sicht seiner Charaktere erzählen. Und in deren kleiner Welt am Rande des Umbruchs haben Fotoclub, Trompete, Baseball und Schulmaterialien hohe Symbolkraft. Und letztlich handelt der Anime ja gerade auch von der Schwierigkeit, die auf sie zukommende Welt mit dieser Symbolik zu deuten.

Auch wenn ich mir wünsche, dass sich Just Because nach den ganzen Ballwechseln trotzdem mal etwas Neues einfallen lässt, gefällt mir der Fortgang der Geschichte bisher ungemein. Gerade wenn man das Gefühl hat, der Anime könnte doch noch zum langweiligen Melodrama verkommen, bringt ein neuer Höhepunkt in der Handlung wieder Spannung. Darüber hinaus gefällt mir die neueste Wendung in dem Liebesdrama sehr: Ena, die zuvor als Unbeteiligte jede Menge Sympathiepunkte sammeln konnte, immer stärker in dieses Drama einzubeziehen, ist nicht nur ein cleverer Schritt der Autoren, sondern auch einer, den ich mir als Fan ihres Charakters schon lange gewünscht habe.

Zweite Meinung:

Meistens funktioniert die nonverbale Kommunikation in dieser Episode zwischen den Protagonisten, aber eben nur meistens. Während Eita und Haruto sich über Baseball verständigen, Entschlüsse fassen und dann auch dazu stehen, schafft Hazuki es im entscheidenden Moment nicht, ihre Trompete für sie sprechen zu lassen. Und Haruto versteht gar nicht, was dieser kleine Radiergummi bedeuten soll, den Natsume ihm in die Hand drückt. Nicht zu vergessen Ena, die mit ihrer Kamera das Spiel beobachtet, anscheinend aber nur Bilder von Eita macht. Die Erzählung geht ruhig weiter, aber dennoch ist wesentlich mehr Aufbruch zu spüren als zu Beginn der Geschichte. Bei Natsume bricht der Panzer einer unerfüllten Liebe auf, sie geht einen Schritt auf Haruto zu und lässt ein offenes Ende zu. Auch bei Eita bröckelt es, er verabschiedet sich von dem Gedanken, dieselbe Universität wie seine unerfüllte Liebe Natsume zu besuchen, und meldet sich an einer anderen Uni an; aber ein Gespräch mit Natsume sucht er nicht. Aber gleichzeitig wirkte er selten so lebendig und weich wie in der Gegenwart von Ena. Hazuki schwankt noch, traut sich noch nicht wirklich, eine endgültige Aussage zu machen und möchte mehr Zeit. Und Haruto ist mit den Brotkrumen glücklich und zufrieden, die ihm im Moment noch von Hazuki zugedacht werden. Ena. Langsam, aber anscheinend unaufhaltsam rutscht sie in den Mittelpunkt des Geschehens. Sie isst wie selbstverständlich mit Eita zu Mittag, ist bei dem Gespräch zwischen Eita und Haruto anwesend und fotografiert das Baseballspiel der beiden aus nächster Nähe. Sie sieht einiges und zieht schnell die richtigen Schlüsse aus ihren Beobachtungen. Und neben ihrer Unbefangenheit und leichten Art kommt ein Gefühl von Verzweiflung und Dünnhäutigkeit zutage, wenn es um den Wettbewerb und die Zukunft des Fotoclubs geht. Und dann dieser Cliffhanger am Ende der Episode! Ich bin gespannt, was es damit auf sich hat.

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nightfury

nightfury liebt Geschichte(n), gibt aber auch gerne seinen eigenen Senf dazu: er verkriecht sich für seine Doktorarbeit in staubige Archive und philosophiert viel zu lange über das Werk, das er konsumiert hat. Leider mag er auch Sprachen und ist ein Grammatik-Freak, weshalb kein Text vor seinem Pedantismus sicher ist. Wenn er mit seiner Besserwisserei dann endlich am Ende ist, hört er auch gern mal den Anderen zu oder spielt ihnen mit seiner Westerngitarre Lieder von Johnny Cash vor.

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