Just Because

Nach der vielgelobten Romantik-Komödie Gamers im Sommer 2017 versucht sich Studio PINE JAM in der Herbst-Season mit einer ernsteren Variante des School-Genres: Im Blickpunkt von Just Because steht dabei das finale Semester von vier japanischen Oberschülern – und die unerwartete Ankunft eines Schulwechslers, der diese letzten Tage ihrer Jugend gehörig durcheinander bringt.

Natsume Mio ist deprimiert, weil sie, statt mit ihren Freundinnen zum Karaoke zu gehen, in der Schule auf den Beginn ihrer Nachhilfe warten muss. Die schüchterne Hazuki Morikawa übt derweil halbherzig mit der Schulband Trompete fürs Abschlussfest. Im Zimmer des Fotografie-Clubs rastet die passionierte Ena Komiya über die Ankündigung ihres Betreuungslehrers aus, besagten Club wegen mangelnder Anerkennung aufzulösen. Das hört man bis ins Nachbarzimmer, wo der Vize-Rektor gerade den Schulwechsler Eita Izumi und seinen Vater empfängt. Bedingt durch den Rückzug der Familie in seinen alten Heimatort muss Eita seine letzten Schultage in der hiesigen Oberschule verbringen. Beim anschließenden Rundgang trifft er auf dem Baseballfeld Haruto Souma, seinen alten Freund aus der Mittelschule. Ihr freudiges Wiedersehen, das die ehemaligen Baseball-Kameraden lautstark mit ein paar Ballwürfen besiegeln, erregt bald das Aufsehen der anderen. Hazukis Band stimmt prompt die Hymne der Schulmannschaft an, für Ena ergibt sich ein gutes Motiv für die Anmeldung zum ihren Club rettenden Fotowettbewerb, und auch Natsume scheint sichtlich aufgeregt zu sein über den Neuankömmling.

Melancholie der letzten Tage

Die allerletzten Tage der Schulzeit sind für viele eine melancholische Phase des Abschieds von jahrelangen Gewohnheiten, guten Freunden und so manchem Jugendtraum. Diese Stimmung fängt der Anime gekonnt ein: zum einen durch die in blassen Farben gestaltete, triste Alltagsszenerie – es ist der Winter vor dem letzten Semester des Schuljahres; zum anderen durch die Gesichtsausdrücke und Gesten der Charaktere, deren Design sich ansonsten aber stark an die Standards des School-Genres hält, was übrigens für das gesamte Setting und auch für den Soundtrack der ersten Folge gilt.

Ein Anime, so schön wie…

Originaltitel Just Because
Jahr 2017
Episoden 1 / ?
Genre Romance, School
Regisseur Atsushi Kobayashi
Studio PINE JAM

Standardmäßige Visuals und Soundtrack könnten mit ein Grund sein, dass erste Reaktionen auf die Veröffentlichung von Just Because zum großen Teil Vergleiche zu Seiji Kishis (Regisseur von Angel Beats!) viel beachtetem Original-Anime As the Moon, So Beautiful aus dem Frühjahr desselben Jahres enthielten – nebenbei auch ein Zeichen der übermäßgen Auslastung innerhalb der Sparte der Coming-of-Age-Anime. Aber wen wundert es: Eita gleicht dessen Hauptfigur Kotarou Azumi nicht wenig – man beachte auch die Nachnamen. Beide Serien führen ihre Charaktere zudem großteils durch deren Gestik und eigenes Handeln ein. Darüber hinaus ähneln der ruhige Erzählstil und die langsam ablaufende Handlung in der ersten Episode von Just Because denen des Vorgängers ebenso wie der Einbezug der Umgebung und kleiner visueller Metaphern zur Erzeugung von Stimmungseindrücken. Ganz berechtigt ist der Vergleich aber trotzdem nicht: Während As the Moon von der ersten Episode an die Annäherung zweier schüchterner Mittelschüler porträtiert, konzentriert sich Just Because auf eine Mehrzahl von Charakteren in einer schwierigen Umbruchsphase, deren Beziehungen zueinander außerdem – zumindest nach der ersten Episode – noch völlig offen sind.

Zum Produktionsteam

Ob der im Bereich melancholischer Dramen wenig erfahrene Atsushi Kobayashi (Regisseur einzelner Episoden von Girls und Panzer) den insgesamt vierten Anime-Titel des jungen Studios PINE JAM zum Erfolg machen kann, ist schwer absehbar. Schließlich ist dies sein erster Einsatz als verantwortlicher Regisseur einer kompletten Serie. Mit Scriptwriter Hajime Kamoshida (Autor der Light Novel The Pet Girl of Sakurasou) und dem verantwortlichen Charakterdesigner Kiseki Himura (Manga Sword Art Online Progressive) stehen ihm aber zwei erfahrene Mitstreiter zur Seite. Himura zeichnet auch verantwortlich für die Erschaffung eines weiteren Titels von PINE JAM, der im Kurzfolgenformat gestalteten Original Net Animation Tawawa on Monday. Das wird deutlich, vergleicht man deren Hauptfigur Ai-Chan – eine Anspielung auf ihre Körbchengröße und ein Hinweis auf den Inhalt des Anime – mit Natsume Mio, die sich in Aussehen und Gesichtsausdruck sehr ähneln. Neben Himura hat PINE JAM überdies weitere Mitglieder des Produktionsteams der eher unbedeutenden Serie für seine neueste Schöpfung engagiert.

Erster Eindruck:

Mit der ersten Episode von Just Because hat dieses Produktionsteam aber einen guten Start hingelegt und sein Potenzial unter Beweis gestellt. Vor allem bei der Einführung der runden und glaubhaften Charaktere anhand ihres Verhaltens an einem gewöhnlichen Schultag – nicht mehr und nicht weniger – ist das Prinzip des ‚Show don‘t tell‘ genial umgesetzt worden. Verstärkt durch ein passend gestaltetes Setting fällt es leicht, in die Atmosphäre des Anime einzutauchen. Auch wenn die Handlung nicht übermäßig viel Spannung verspricht, möchte man doch wissen, wie sich Eitas Ankunft auf das Leben von Natsume, Haruto, Ena und Hazuki auswirken wird. Wenn auch in Zukunft die Vergleiche mit anderen Serien dieses schwer ausgelasteten Genres kaum ausbleiben dürften, lohnt es sich meiner Ansicht nach, einmal bei Just Because reinzuschauen.

Zweiter Ersteindruck:

Ohne mich groß mit dem ganzen Drumherum aufzuhalten, beginne ich mit dem, was ich in der ersten Episode von Just Because zu sehen bekommen habe: eine unaufgeregte Geschichte von unaufgeregten Teenagern in einer unaufgeregten Umgebung, untermalt von unaufgeregter Musik. Klingt langweilig? Für sich gesehen schon, aber ich bin mir da noch nicht so sicher; immerhin war die Folge schneller zu Ende als erwartet, was ich angesichts der Ereignisarmut doch bemerkenswert finde. Inmitten der Eintönigkeit der Schule, den langsamen Bewegungen, den verhaltenen Dialogen liegen schon so viele Informationen, die für eine Geschichte wichtig sind: Beziehungen, die sich andeuten, und Veränderungen, die sich abzeichnen. Und gerade in den letzten Sekunden dieser Folge scheint ein frischer Wind aufzukommen, der den Staub einer Welt wegpusten könnte, in der es kaum Leben zu geben scheint, sondern nur ein Abschreiten von Punkten auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

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nightfury

nightfury liebt Geschichte(n), gibt aber auch gerne seinen eigenen Senf dazu: er verkriecht sich für seine Doktorarbeit in staubige Archive und philosophiert viel zu lange über das Werk, das er konsumiert hat. Leider mag er auch Sprachen und ist ein Grammatik-Freak, weshalb kein Text vor seinem Pedantismus sicher ist. Wenn er mit seiner Besserwisserei dann endlich am Ende ist, hört er auch gern mal den Anderen zu oder spielt ihnen mit seiner Westerngitarre Lieder von Johnny Cash vor.

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