KADO: The Right Answer

In KADO: The Right Answer, der neuesten Version des „First Contact“ – der ersten Begegnung der Menschheit mit Außerirdischen – dreht sich alles um die hohe Schule der Verhandlungskunst. Beim Einsatz computeranimierter Grafiken und Effekte geht Regisseur Kazuya Murata (Expelled From Paradise, Gargantia on the Verdurous Planet) aber keine Kompromisse ein. Kann der erste CG Anime aus dem Hause Toei Animation überzeugen?

Gerade erst haben Verhandlungs-Spezialist Shindo Koujiro und sein leicht neurotischer Partner Hanamori Shun erfolgreich Verhandlungen für ihren ehemaligen Vorgesetzten geführt, da sollen sie im Auftrag der japanischen Regierung im Ausland tätig werden. Doch ihr Flugzeug wird noch auf dem Tokyoter Flughafen Haneda von einem seltsamen, gewaltigen Würfel eingesogen, der sich plötzlich auf dem Rollfeld materialisiert. Im Inneren treffen die Flugzeuginsassen auf den Erbauer von „Kado“, Yaha-Kui zaShunina. Das Wesen aus dem Anisotrop, einer höheren Dimension jenseits der Grenzen unseres Universums, möchte mit seiner Technologie die Entwicklung der Menschheit beschleunigen. Statt seine Regierung vor anderen Staaten zu vertreten, muss Shindo nun eine weitaus schwierigere und bedeutendere Aufgabe übernehmen: Die Vermittlung zwischen Yaha und der gesamten Menschheit in den beginnenden Verhandlungen um deren Zukunft.

Originaltitel Seikai Suru Kado
Erscheinungsjahr 2017
Episoden (Staffeln) 12 (1)
Genre Science-Fiction
Regisseur Kazuya Murata
Studio Toei Animation

Ernsthafte Fragen…

Statt actionreicher Konfrontation á la Independence Day erschafft der Anime ein durchaus realitätsnahes Bild dieses Szenarios: im Zentrum der Handlung stehen Fragen nach dem Umgang der Menschheit mit dem ihr plötzlich zu Teil gewordenen Wissen, wie eine gerechte Verteilung dieses Segens über Staatsgrenzen hinweg ermöglicht werden kann, und ob es sich bei den futuristischen Technologien zaShuninas überhaupt um einen solchen handelt. Denn längst nicht alle sind vom Altruismus des exotischen Besuchers überzeugt, dessen Erscheinung und mitgebrachte Gadgets durch ihre Darstellung mithilfe geradezu artistisch anmutender Computer-Effekte auch wirklich fremdartig wirken. Auch Shindo zweifelt immer mehr an Yahas Absichten. Da bittet ihn seine Verhandlungsgegnerin, die junge Diplomatin Saraka Tsukai, ihr zu helfen, den Außerirdischen zur Abreise zu bewegen.

…und die richtige Antwort?

Angesichts der originell und ideenreich gestalteten Technik aus dem Wunderwürfel Kado dürften sich eingefleischte Science-Fiction Fans Sarakas Absicht allerdings kaum anschließen. Das im Anime dargestellte Konzept des Anisotrop und seines Gesandten, das trotz aller erzählerischer Freiheit durchaus auf physikalischen Grundsätzen basiert, erzeugt eine sehr gut gelungene übernatürliche und rätselhafte Atmosphäre. Auch den CG-Skeptikern der Anime-Fangemeinde lässt sich KADO: The Right Answer empfehlen. Beruht die Kritik am übermäßigen Einsatz von am PC erzeugten Hintergründen oder Figuren häufig auf deren verzerrender, unnatürlicher Wirkung gegenüber traditioneller gehaltenen 2D-Grafiken, so wird diese Eigenschaft hier bewusst eingesetzt: ob Kados pulsierende Außenhaut oder Yahas frei schwebende Arme, durch den absichtlich überspitzten Einsatz von 3D-Grafiken hebt sich der Außerirdische mit seiner Technologie deutlich von den im Anime-Stil dargestellten Menschen und ihrer Welt ab. Die Effekte fügen sich in das Setting der Serie ein und erscheinen so kaum störend.

Der Anime ist auf ein eher älteres Publikum ausgerichtet. Alle handelnden Charaktere sind Erwachsene. Die dargestellten Ansätze und Probleme sind reichlich komplex und wohl eher für nachdenkliche Naturen geeignet. Spannung entsteht vor allem durch das Rätseln um die wahren Motive der Figuren, und ob jene am Ende in Einklang zu bringen sind. Wie so oft bei solchen Settings bleibt aber die tatsächliche Auflösung gefühlt hinter der eigenen Fantasie zurück. In den letzten Folgen wird die Serie sogar ihrem anspruchsvollen Charakter ein wenig untreu: Saraka entpuppt sich als Wesen aus dem Anisotrop, und enthüllt die wahre Natur von Yahas Plänen. Diese könnten die Menschheit vernichten. So wird der Konflikt am Ende doch zum klassischen Kampf Gut gegen Böse, auch wenn die Actionlastigkeit nach wie vor gering bleibt. Dennoch ändert der Anime seinen Ton nicht völlig und es entstehen keine Handlungslücken oder Ungereimtheiten. Wem solche kleinere Schwächen in punkto Plot egal sind, und wer nach einer realitätsnah dargestellten Begegnung der dritten Art im Stil bester Science Fiction sucht, die darüber hinaus zum Nachdenken anregt, der dürfte in KADO: The Right Answer die richtige Antwort gefunden haben.

Zweite Meinung:

KADO: The Right Answer beginnt sehr vielversprechend. Man setzt sich sehr realistisch mit der Ankunft eines Außerirdischen auf der Erde auseinander. Statt spektakulären Kämpfen stehen hier die Verhandlungen mit Yaha sowie der Umgang mit seinen Geschenken an die Menschheit im Vordergrund. Persönlich fehlten mir da aber etwas die Konsequenzen, die Yahas Geschenke auf die Gesellschaft haben würden. Beim ersten Geschenk, den Wam, wird noch darüber debattiert, was diese Art der Energiegewinnung für die Wirtschaft bedeuten könnte. Auch Folgen für die Weltpolitik werden thematisiert, als die UN sich einschaltet. Aber gerade beim zweiten Geschenk, dem Sansa, das Schlaf überflüssig macht, hätte man sehr viel mehr machen können. In die Richtung hätte ich einfach mehr erwartet. Gegen Ende fühlt sich die Serie dann wie eine ganz andere Art von Geschichte an und die Auflösung fand ich etwas abenteuerlich aus dem Hut gezaubert. Ich spreche hier von dieser Tochter von Shindo und Saraka. Auf jeden Fall aber ist gerade der Würfel Kado ein echter Hingucker und trotz des ungeschickt aufgelösten Endes handelt es sich bei Seikaisuru Kado um eine Serie, wie man sie selten zu Gesicht bekommt.

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nightfury

nightfury liebt Geschichte(n), gibt aber auch gerne seinen eigenen Senf dazu: er verkriecht sich für seine Doktorarbeit in staubige Archive und philosophiert viel zu lange über das Werk, das er konsumiert hat. Leider mag er auch Sprachen und ist ein Grammatik-Freak, weshalb kein Text vor seinem Pedantismus sicher ist. Wenn er mit seiner Besserwisserei dann endlich am Ende ist, hört er auch gern mal den Anderen zu oder spielt ihnen mit seiner Westerngitarre Lieder von Johnny Cash vor.

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