Katsugeki/Touken Ranbu

Böse Mächte wollen den Fluss der Zeit verändern. Um das zu verhindern, werden Schwerter, die einen menschlichen Körper bekommen haben, in die Vergangenheit geschickt. Das ist die Handlung des am 2. Juli 2017 gestarteten Anime aus dem Hause ufotable, der auf dem von Nitroplus seit 2015 selbstproduzierten Browser-Game Touken Ranbu basiert. Dabei handelt es sich bereits um die zweite Animeumsetzung des Games. Doch während der im Herbst 2016 gelaufene Anime Touken Ranbu: Hanamaru eher mit Comedy und Slice-of-Life-Elementen das ruhige Leben der Schwerter erzählt hat, widmet sich Katsugeki/Touken Ranbu den actionreichen Missionen in der Vergangenheit. Ob die Schwerter verhindern können, dass sich die Geschichte Japans verändert?

  

Izuminokami Kanesada und Horikawa Kunihiro sind beides ehemals Schwerter von Hijikata Toshizou, dem stellvertretenden Kommandeur der Shinsengumi. Sie wurden ins Jahr 1863 nach Cape Kokuchou geschickt, um dort einige der Angriff der „Time Retrograd Army“ abzuwehren. Zu zweit stoßen sie sehr schnell an ihre Grenzen, denn nicht immer ist klar, was der Feind genau geplant hat. Ihr neuer Meister Saniwa lässt die beiden aber nicht im Stich. Er erscheint selbst in der Vergangenheit und bringt gleichzeitig noch Unterstützung mit. Die neuen Gefährten sind Mutsunokami Yoshiyuki, ehemals Schwert von Sakamoto Ryōma, Tonbokiri – einer der drei großen Speere, der früher von Honda Tadakatsu in der Sengoku Zeit geführt worden ist – und Yagen Toushirou, einem Tantou (Kampfmesser), welches früher im Besitz von Oda Nobunaga war. Zusammen schaffen sie es, den Angriff so weit abzuwehren, dass sich der Lauf der Zeit nicht verändert hat. Die Gruppe wird darauf hin „Einheit Zwei“ benannt und bekommt den Auftrag, noch eine Weile in der Zeit zu bleiben, da weitere Aktionen des Feindes geplant sind. Izuminokami wird von der Mehrheit zum Kapitän ernannt. Was für eine schwere Bürde damit auf seinen Schultern lastet, merkt er schnell. Die Missionen als Gruppe lassen sich zuerst gut bewältigen, doch der Feind lernt dazu und schickt immer stärkere Gegner und bemächtigt sich sogar eines Kriegsschiffes. Für „Einheit Zwei“ sieht es immer weniger gut aus und es droht alles aus den Fugen zu geraten.

Was wäre, wenn du eine zweite Chance im Leben erhältst?

Zeitreisen sind immer ein heikles Thema: Zu schnell ist etwas verändert worden, was den Fluss der Zeit durcheinander bringt. Auch bei Katsugeki/Touken Ranbu ist das nicht anders, denn die Schwerter werden zum Teil in die Zeit geschickt, aus der sie selbst kommen. Dort kann es schnell passieren, dass sie ihren ehemaligen Herren über den Weg laufen, wenn nicht sogar ihre Mission es verlangt. Da wird das eine oder andere Gelöbnis ihrem neuen Meister gegenüber ins Wanken gebracht. Doch kann man es den Figuren verübeln? Immerhin geht es nicht selten um das Leben und Sterben einiger großer historischer Menschen, die sie lange begleitet haben. Für den Zuschauer ist dieser Part der Geschichte überzeugend dargestellt, denn man leidet mit den Charakteren mit. Die Treue, die sie als Waffen der Samurai gelernt haben, lastet noch immer auf ihren Schultern. Deshalb fällt ihnen – wie auch dem Zuschauer – das bloße Hinschauen schwer. Zwar wird dieser Punkt der Handlung erst in der zweiten Hälfte der Serie aufgebaut, entfaltet sich aber deswegen so gut, weil der Anime am Anfang simplere Missionen zeigt. Diese sind nicht immer leicht zu lösen und wenn dann noch die Vergangenheit der Charakter dazukommt, versteht man, dass die Missionen noch schwerer werden.

Nur etwas für den Kenner der japanischer Geschichte?

Originaltitel Katsugeki/Touken Ranbu
Jahr 2017
Episoden 13 (1 Staffel)
Genre Action, Samurai, Fantasy
Regisseur Toshiyuki Shirai
Studio ufotable

Wer sich mit der japanischen Geschichte auskennt, hat definitiv mehr Spaß an der Serie. Allen voran mit den Schwertern bzw. den Charakteren. Wer sich zum Beispiel mit der Edo-Zeit (1603 bis 1868) auskennt, wird bei Namen wie Sakamoto Ryōma und Hijikata Toshizou aufhorchen. Denjenigen wird es auch nicht wundern, dass sich die ehemaligen Schwerter dieser beiden Herren in die Wolle bekommen, wo doch schon ihre früheren Herren zwei verschiedenen Lagern angehörten. So überrascht es auch nicht, dass Yagen seine Vergangenheit eher unter Verschluss hält. Sein ehemaliger Herrr Oda Nobunaga war zwar einer der drei Reichseinigern, ist aber vor allem als grausamer Dämonenlord in die Geschichte eingegangen. Die Missionen werden erklärt, aber die Auswirkungen, wenn die Gruppe scheitert, werden nicht immer thematisiert. Bevor der Zuschauer den Autoren der Serie aber vorwirft, dass sie nichts erklären oder zu wenig, sollte man berücksichtigen, dass viele dieser Fakten in Japan bekannt sind, da sie zum Allgemeinwissen gehören. Da die Serie vorrangig für den japanischen Markt produziert worden ist, muss man leider damit leben. Viele der historischen Fakten, wie etwa Schauplätze und Figuren, können zum Glück mittels einfacher Internetrecherche nachgeholt werden.

Japans Geschichte mit gutaussehenden Kerlen – eine Serie für die Damenwelt?

Es verwundert nicht, dass es sich bei den menschlichen Formen der Schwerter ausschließlich um Männer handelt, da die Spielvorlage für ein weibliches Publikum konzipiert wurde. Damit lässt sich auch erklären, dass jede Einheit mit einem niedlichen Fuchs ausgestattet ist, der als Datenbank und Helfer das Team unterstützt. Wer jetzt aber glaubt, dass der Anime nur etwas für Frauen ist, der täuscht sich. Die Missionen der Schwerter gehen nicht blutleer vonstatten und die Schwertkämpfe sind so flüssig animiert, dass sie jedem Actionfan Freude machen. Hier zeigt sich wieder das hohe Animationslevel von Studio ufotable, welches sie schon bei Serien wie Fate/Zero, Tales of Zestiria oder Garden of Sinners unter Beweis gestellt hat. Auch die Landschaften und Ortschaften sind detailliert in Szene gesetzt. Zwar gibt es hier und da kleinere Schwächen  wie die manchmal fehlenden Schattenverläufe der Figuren, doch fallen diese nur wenig ins Gewicht. Das Charakter-Design lag in den Händen von Miyuki Ishizuka (Animation Director bei Fate/stay night: Unlimited Blade Works), die keine einfache Aufgabe hatte. Im Game wurden die Charaktere von unterschiedlichen Künstlern entworfen, was deutlich wird, wenn die Charaktere auf einem Bild zu sehen sind. Für den Anime wurde hingegen ein einheitlicheres Design festgelegt. Die aufwendigen Kostüme wurden dafür minimal vereinfacht. So zum Beispiel ist das Muster im Kimono von Mikazuki Munechika weggelassen worden und auch Tsurumaurs Ketten wurden in Bände umgewandelt, weil diese so einfacher zu zeichnen sind. Das Opening wird musikalisch von Soma Saito – er spricht im Anime Tsurumaru Kuninaga – begleitet und kommt mit passenden Bildern daher. Doch im Vergleich zum Ending, welches von der bekannten Gruppe Kalafina (z.B. Opening von Aldnoah.Zero) beigesteuert wird, wirkt der Song eher lasch. Der restliche Soundtrack passt stimmungsvoll zur Serie.

Bonus: Kleine Waffenkunde

Wer sich wundert, dass in der kompletten Serie das Wort „Katana“ nicht fällt – vor allem nicht im Zusammenhang mit den Charakteren – bekommt hier eine Antwort: Heutzutage wird der Begriff auch als Überbegriff für Schwerter verwendet. Früher hingegen war „Katana“ der Begriff für eine Form des Langschwertes. Touken Ranbu unterscheidet aufs Feinste, was für Waffen ihre Charaktere früher einmal waren. So war Izuminokami Kanesada ein Uchigatana (Hiebschwert), Horikawa Kunihiro ein Wakizashi (ein kurzes Katana) und zum Beispiel Tsurumaru Kuninaga und Mikazuki Munechika, sind Tachi (lange Schwerter mit säbelähnlicher Klinge). Unter den Gegnern befindet sich im Laufe der Handlung auch ein Ootachi, was nichts anderes als ein sehr langes Schwert ist.

Bei Samurai-Geschichten bin ich ja nie weit weg und das Key Visual von Katsugeki/Touken Ranbu sah einfach schön aus. Meine Erwartungen waren recht hoch, da Studio ufotable optisch immer viel zu bieten hat. Das war dann auch hier der Fall: Die Hintergründe sind wirklich schön und das Charakter-Design ist genau nach meinem Geschmack. Die Handlung hat mich zwar nicht von der ersten Folge an gepackt, aber sie wurde interessanter, als mehr Charaktere dazukamen. Die Probleme wurden auch ernster, sodass es richtig packend wurde, als die Gruppe sich aufteilen musste. Da geht es dann das erste Mal um Leben und Tod der Figuren. Ich dachte, dass es Tonbokiri im Kampf gegen den Ootachi echt erwischt hat! Eine Woche musste man dann warten, um dann zu erfahren, dass er überlebt hat. Das ist nichts für schwache Nerven!  Die Problematik, dass die ehemaligen Schwerter nun ihren damaligen Herren über den Weg laufen, finde ich richtig spannend von der Handlung her. Die Gefühle die Mutsunokami hat, als er Sakamoto trifft, sind nachvollziehbar. Immerhin weiß er, dass dieser Mensch nicht mehr lange zu leben hat. Noch packender wird es dann, als Kunihiro und Izuminokami auf ihren alten Meister treffen. Da ist dann nicht mehr klar, ob nicht doch einer der Figuren, den Lauf der Zeit ändert. Ich finde es spannend, wie die Figuren sich entscheiden werden und wie vor allem, wie ihr Meister darauf reagieren wird. Im Finale gibt es noch mal ein Wiedersehen mit allen Charakteren. Da die Schwerter hier gegen eine ganze Armee ran müssen, gibt es eine richtig Schlacht zum Ende. Ein gelungener Höhepunkt in meinen Augen. Mikazuki bekommt auch noch mal einen schicken Auftritt und wie alle dann gemeinsam die Reihen der Gegner platt machen, war so gut, dass ich es mir schlicht drei Mal hintereinander angeschaut habe. Ich würde mich sehr freuen, wenn es irgendwann eine zweite Staffel geben würde.

Schwerter in Menschengestalt, die durch die Zeit reisen und verhindern, dass die Geschichte sich ändert – klingt erst einmal nach einer eher ungewöhnlichen Idee, aber sie funktioniert und bietet viele Möglichkeiten. Erzählte Touken Ranbu: Hanamaru noch hauptsächlich witzige Geschichten aus dem Alltag der Schwerter, stehen bei Katsugeki/Touken Ranbu die Missionen im Vordergrund. Die packenden Kämpfe sowie die individuellen Designs der Schwerter in Menschenform bieten was fürs Auge. Die Schwerter sind sich auch nicht immer einig über das weitere Vorgehen und besonders schwierig wird das, wenn sie ihren ehemaligen Herren gegenübertreten. Dass sie da nicht immer an die Mission denken können und trotz besseren Wissens auch ihre ehemaligen Besitzer retten wollen, lässt sie menschlich wirken. Unklar bleibt, warum ihre Gegner die Geschichte ändern wollen. Das hätte ich zwar gern erfahren, aber es funktioniert auch ohne und die Ausgangssituation wird auch so klar. Was die Missionen selbst angeht, wird viel historisches Hintergrundwissen als gegeben vorausgesetzt und nicht weiter erklärt. Mit diesem Hintergrundwissen mag der Kenner japanischer Geschichte die Ereignisse besser in einem größeren Rahmen betrachten können, aber auch ohne dieses Wissen konnte ich der Serie folgen.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen vom Manga Kenshin an Samurais verloren.

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