Killing Ground

Das australische Outback ist nicht erst seit Wolf Creek einer der unsichersten Orte für Touristen. Für Freunde verrückter Killer zählt das Setting jedoch sicherlich zu den beliebtesten: Die beeindruckende Naturkulisse erstreckt sich über ein gewaltiges Areal – und weit und breit keine Menschenseele, die den abenteuerlustigen Rucksacktouristen helfen kann. Genau jene Kulisse bildet den Schauplatz für das blutige Killing Ground, dessen Titel zunächst ein wenig reißerisch daherkommt. Allerdings zeigt sich nach kurzer Zeit, dass hinter der betörenden Landschaft ein echtes Erzählpuzzle steckt.

   

Ian (Ian Meadows) und Sam (Harriet Dyer) verbringen den Jahreswechsel im Wald anstatt in der Stadt. Als das Paar an einen abgelegenen See kommt, findet es dort ein Zelt vor. Vom Besitzer ist weit und breit keine Spur zu sehen. Dafür sind die beiden (Menschen-)Jäger German (Aaron Pederson) und Chook (Aaron Glenane) nicht unweit entfernt und bringen auch noch ihr nicht minder aggressives Haustier mit…

Dieser Down Under Beitrag geht unter die Haut

Originaltitel Killing Ground
Jahr 2017
Land Australien
Genre Thriller, Horror
Regisseur Damien Power
Cast Sam: Harriet Dyer
Ian: Ian Meadows
Chook: Aaron Glenane
German: Aaron Pedersen
Laufzeit 88 Minuten
FSK

In seiner Beschreibung mag sich Killing Ground zunächst platt anhören. Schauplatz, Protagonisten und Antagonisten scheinen zunächst keine Besonderheiten aufzuweisen. Allerdings dreht sich die Spannungsschraube bereits früh ins Unermessliche, wenn die Geschichte der Besitzer des Zeltes mit der Geschichte des Liebespaares verwoben wird. Auf zwei Erzählebenen schildert Regisseur Damien Powers in seinem Debütfilm, wie zwei Parteien in ihr (blutiges) Schicksal stolpern. Die Gewaltszenen sind unerbitterlich in Szene gesetzt und hier wird auch so manches Tabu gebrochen. Chook bringt den Puls des Zuschauers zum Rasen, als er ein Baby gegen einen Baum schmettert, um es vom Schreien abzuhalten. Die Erschießung der Familie ist ein weiterer Moment, der die beiden Killer wahnsinnig hassenswert macht und einen noch ein Stück weiter zu den Sympathieträgern Ian und Sam treibt.

Unerbitterliche Inszenierung

Die rauhe Natur, der dichte Wald und der einsame See bilden ein karges, aber passendes Setting für das Unbehagen, welches so ein einsamer Campingtrip mit sich bringen muss. Das Panorama ist ebenso schön anzusehen wie unübersichtlich: In so mancher Szene muss man mit überall lauernder Gewalt rechnen. Die Antagonisten des Films, German und Chook, besitzen leider keinerlei Wiedererkennungswert. In Erinnerung bleiben werden sie dem Zuschauer zwar für ihre Kaltblütigkeit, doch einzigartig sind die beiden in keinerlei Weise. So ist es sogar reichlich egal, dass Chook versehentlich German erschießt. Für Ian und Sam bedeutet das schlicht einen Gefahrenherd weniger. Leider wird auch nicht viel aus dem begleitenden Kampfhund herausgeholt. Zu Beginn wertet er die dichte Atmosphäre zwar auf, doch ab etwa der Hälfte des Films weiß man mit ihm nichts mehr zu erzählen.

Unausgewogenes Spannungsverhältnis

Leider kommt die Auflösung des Titels ein wenig zu früh, sodass nach hinten raus die Luft für Überraschungen fehlt. Hier geht ein wenig die Intensivität verloren, und der bis dahin aufgebaute Spannungsbogen baut allmählich ab. Zuvor beeindruckt noch der Schnitt, welcher eine non-lineare Erzählweise hervorzaubert. Zuschauer, die keine Lust auf eine zerpflückte Erzählweise haben, werden mit diesem Film sicherlich nicht glücklich werden. Alle anderen können sich an der Hochspannung ergötzen, die sich über weite Strecken kontinuierlich halten kann und irgendwann antiklimatisch verstummt.

Killing Ground macht das Beste aus seinen wenig innovativen Grundbausteinen, und dank eines erzählerischen Kniffs ist der Aha-Moment für den Zuschauer garantiert. Die Handlung greift selten voraus, sodass der Zuschauer zumeist nicht mehr weiß als was gezeigt wird. Die hier an den Tag gelegte Grausamkeit liegt schwer im Magen und zeichnet den australischen Thriller als besonderes Terrorkino aus. Das letzte Drittel ist allerdings wirklich Geschmackssache. Trotz allem ist Killing Ground mit seinen sympathischen Hauptfiguren eine echte Alternative zu dümmlichen Teenieslashern und ließ mich in einigen Momenten mit weit aufgerissenen Augen die Leinwand anstarren.

 

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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