Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series (Folge 4)

„Mehr als ein Schiff ist das eher eine schwebende Insel.“ In der vierten Folge von Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series springt die Handlung wieder zu Shizu und seinem feliigen Begleiter Riku, die beschließen, das Meer auf dem Schiffsland zu überqueren.

Seit den Kämpfen im Kolosseum ist einige Zeit vergangen. Shizu, begleitet von seinem sprechenden Hund Riku, befindet sich auf Reisen. Für den Wegzoll dieser Reise wird er von den absoluten Herrschern des Landes, dem Turmklan, vor die Wahl gestellt: Er kann als Überwacher des einfachen Volkes im Turm nächtigen und die gleiche Aussicht genießen wie der Turmklan oder die gleiche Arbeit verrichten wie das niedere Volk. Shizu entscheidet sich für Letzteres. Ihm wird das weißhaarige junge Mädchen Tifana, kurz Tii, als Führung durchs Schiff zur Seite gestellt.

Unglückliche Zusammenstellung der Vorlagenauslese

Vier Folgen hat die Serie soweit und in vier Folgen werden Schusswaffen zur Schau gestellt und in drei mit ihnen Feinde niedergestreckt. Das zeichnet ein Bild der Serie, das sich nicht nur so ganz von der vorigen Adaption aus 2003 unterscheidet, sondern auch dem Gesamtbild der Vorlage nicht besonders entspricht, die viele deutlich weniger reißerische Geschichte mit Ideen und Motive zum Nachdenken vorstellt. Grund hierfür ist definitiv die Auswahl der auftretenden Länder der Geschichten der Romane, die vorab zum größten Teil durch eine Beliebtheitsumfrage der japanischen Leser ermittelt wurde. Dass das Kolloseum und das Schiffsland dabei sein würden, ist nicht verwunderlich. Ersteres stellt Shizu vor, der eine wiederkehrende Nebenfigur ist und letztere gibt ihm nicht nur einen weiteren Auftritt, sondern stellt auch Tii vor. Doch liegen zwischen beiden Geschichten in der Vorlage über sieben Bände, in denen jeweils durchschnittlich sechs bis acht Länder vorstellt werden. Mit nur einer Folge Abstand ist das Wiedersehen mit Shizu unglücklich prompt und die Einführung der Drei-Tage-Daumenregel von Kinos Reisen geradezu ad absurdum geführt, da sie bereits zweimal in nur vier Folgen gebrochen wurde. Das fällt einem Zuschauer, der weder die alte Adaption, noch die Vorlage kennt, eventuell gar nicht direkt auf.

Aufmerksamkeit ist gefragt

Die Schere war bei dieser Folge gut am Werk. Etliche Passagen wurden gestrichen, etliche andere zusammen gekürzt. So ist Shizus durchgehendes Motiv, eine Heimat zum Niederlassen zu finden, hier eher vollkommene Nebensache, wodurch auch der Vorwurf des Ältesten an ihn, dass er als Fremder doch niemals verstehen könnte, was Heimatliebe ist, kaum wirkt, als treffe es ihn hart. Damit geht auch der Kontrast zu Kino abhanden, deren Motiv eigentlich das genaue Gegenteil ist. Es bleibt abzuwarten, ob die Serie dieses Motiv überhaupt noch aufgreift. Auch sein Kampf mit Kino, der in der Vorlage eine Weile dauerte und mit Shizus absoluter Niederlage endete, wurde gestrichen. Diese Änderung ist jedoch angesichts der Qualitäten bisheriger Action-Szenen der Produktion eher zu begrüßen und tut zumindest der Handlung des Schifflands keinen großen Abbruch. Zum Schiffland wird einiges bildlich präsentiert, aber teilweise so kurz, dass man Adleraugen ansetzen muss, um die Kleinigkeiten zu entdecken. Ohne die ist das Gerüst der Geschichte auf buchstäblich schwankendem Boden. Die Menschen auf dem Schiff sind nicht mit den besten Lebensbedingungen gesegnet. Das Essen ist karg, die Kleider sind voller Flicken und der Älteste mit 55 Jahren gilt bereits als Seltenheit. Doch die Menschen sind auch glücklich, man sieht es bei dem Rundgang von Shizu und Tii, bei denen die Einwohner sich erheitert unterhalten, ehe ihre Mienen sich beim Bemerken der Fremdlinge verändern. Auch Tii wird von Anfang an mit argwöhnischen, schier feindseligen Blicken bedacht, obwohl sie auch eine Einwohnerin des Schiffs ist. Beides ist wichtig für das Ende der Folge, doch wird es wahrscheinlich keinem Zuschauer explizit auffallen, der nicht danach sucht.

Zu Beginn wirkt Tii unerwünscht, weil sie vom Turm geschickt wurde, der das Volk mit eiserner Hand regiert und womöglich nicht besonders beliebt ist. Das ist bis dahin auch plausibel: Die Reisenden, die als Bewacher eingestellt werden, werden vom Volk eher als Störende gefürchtet. Dazu zeichnet der Turm ein Bild von einem aufmüpfigem niederen Volk und spricht gehässig von „Petitionen“, die von ihnen eingehen, denen sie aber kein Gehör schenken wollen. Die Wendung daraufhin erscheint leider weniger als eine Pointe, als ein blanker Logikfehler: Die Petitionen deuten darauf hin, dass das Volk selbst schon weiß, wie es um das Schiff steht. Am Anfang der Folge wird Handel betrieben mit Händlern an der Küste, sodass man davon ausgehen könnte, dass auch ein Informationsaustausch stattfindet und die Menschen zumindest einigermaßen Ahnung von der Außenwelt haben sollten. Die vollkommene Ablehnung von Shizus Einwänden beim Ältesten wirkt mehr wie ein unausgesprochenes stures „Mischen Sie Fremder sich nicht in unsere Angelegenheiten ein, die wir selbst klären werden“, als die vollkommen blinde Vertrauensseligkeit dem Turmklan gegenüber und gar der Ignoranz der Beschaffenheit der Welt, die sie am Ende ist. Zudem fällt Shizus Wahl für die normale Arbeit ziemlich unter den Tisch. Er wird zwar so eingestellt, aber alles was er tut ist letztlich sich die Zeit totzuschlagen. Hier wirkt es so, als ob Tii ihm nichts zu tun geben will und sich das mit ihrer Authorität auch leisten kann, während in der Vorlage das darin liegt, dass in dem Schiffsland niemand einen Fremden an ihre Arbeit lassen möchte. Tiis ganzes Verhalten nimmt beim Unaufmerksamen sicher auch geradezu psychopathische Ausmaße an: Erst sticht sie Shizu ab, was noch wirkt wie eine Racheaktion dafür, dass er dem Turmklan ein Ende gesetzt hat. Dann nach einigen netten Worten, hängt sie an Shizu und setzt gar zum gemeinsamen Selbstmord an. Die Ablehnung Tiis durch das Volk ist gerade einmal in zwei Frames sichtbar und wird mit einem Satz von Hermes abgespeist, der auch kaum Wirkung hat, denn die darin erwähnten Blutverwandschaft wurde in der Folge nie als etwas Wichtiges dargestellt für die Menschen des Schiffslandes, die viel Wert auf Blutsbande legen. Shizus und Tiis Interaktionen, in denen Shizu lernt, mit der sehr wortkargen Tii mit Ja-Nein Fragen zu kommunizieren, bleibt ebenfalls auf der Strecke. Trotz der beiden für sich stimmungsvoll in Szene gesetzten ruhigen Momente, wirkt ihre gemeinsame Zeit schnell heruntergerattert, ohne dass eine besondere zwischenmenschliche Bindung entstanden wäre. Dadurch wirkt die Aussprache am Ende wie in Kitschfest.
Eines bleibt jedoch in der Adaption immer noch unbeschadet erhalten: Shizus Ansinnen und letztlich vollkommen verantwortungsloses Handeln. Er hat zwar das Wohlergehen der Menschen des Landes im Sinn, doch zwingt er dem Volk nur seine Weltsicht auf und schlägt sogar dessen eigenen Ansichten in den Wind. Nach vollbrachter Befreiung, die sich keiner gewünscht hat, steht er nicht einmal zu seinem Worten dem Turmklan gegenüber, als er ihnen zusicherte selbst König des Landes zu werden, wenn es sein müsste. Stattdessen lässt er sich von ein bisschen verbaler Ablehnung von den Leuten, die er doch beteuerte retten zu wollen, abwimmeln.

Leider geht dabei wieder ein Kontrast zum Kino-Hermes Gespann verloren, das sich durch vornehmlich Nicht-Intervention, Nicht-Beurteilung und Anpassung an die Bräuche des besuchten Landes auszeichnet. Etwas, das in dieser Umsetzung soweit eher dürftig herüber kommt. Darüber hinaus wird der Schlussdialog der Folge eher für Verwirrung sorgen. Denn diese Geschichte wurde nun vor dem „Land der Erwachsenen“ gelegt, in der Kinos Geschlecht über jeden Zweifel hinweg klar benannt wird. Darauf referenziert das Ende mit großer Wahrscheinlichkeit auch, denn in einiger Zukunft bei einem etwaigen Wiedersehen wird Kino nicht mehr als Junge durchgehen. Die versteckte Pointe darin liegt jedoch darin, dass Shizu darüber längst Bescheid weiß, da Riku es ihm am Ende der Kolloseumsfolge bereits geflüstert hat. Das merkt man aber nur mit Kenntnis japanischer Höflichkeitssuffixe und damit ist diesem ein Fall von Lost in Translation bei den Crunchyroll Untertiteln.

Das war diesmal eher anstrengend. Die Folge hatte einige durchaus stimmungsvolle Szenen und auch der Soundtrack trägt viel bei, doch alles nur für die jeweiligen Szenen isoliert. Als Ganzes hatte diese Folge mehr Flicken als Tiis Kleidung. Dabei hatte ich mich auf Tii eigentlich sogar gefreut. Sakura Ayane als Sprecherin für sie ist eigentlich eine tolle Auswahl, rollenbedingt hat sie in der Folge aber nicht gerade viel zu tun. Bisweilen nehme ich dann wohl weiter Vorlieb mit dem Sound Drama „Das Comike Land“.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben sich verständigt zu bekommen vertreibt sie sich gerne die Zeit mit dem Lernen verschiedener Formen von Sprachen – Wofür sie offenbar aber kein besonders großes Talent zu haben scheint.

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