Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series (Folge 5)

Was braucht es für ein zufriedenes Dasein? Ist es die Erfüllung des eigenen Zwecks oder Bestimmung? Oder ein sinnloser, aber täglich erfüllter Alltag? Genügsamkeit? Oder einfach nur einen Zufall? Die fünfte Folge von Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series umfasst zwei Geschichten, beide mit einer anderen Antwort.

Kino und Hermes sind auf Reisen, wie gehabt. Unterwegs kommen sie zuerst an einem Museum vorbei, in dem die Habseligkeiten einer wichtigen Person ausgestellt werden. Diese Person war ein ehemaliger Reisender, der sich in dem Land niederließ, die korrupte Regierung stürzte und der erste neue Präsident wurde. Doch hinter dem Glauben von Weisheit und Großartigkeit des Volks steckt mehr aus nur eine Missinterpretation zum Zweck seiner ehemaligen Besitztümer. Der nächste Stopp auf der Reise befindet sich in einem Wald hinter einem großen Tor. An dessen Tor treffen Kino und Hermes auf einen verwirrten Einwohner, der verzweifelt seine Geliebte sucht. Auf Nachfrage erzählen die Einwohner Kino und Hermes die tragische Geschichte des verrückt gewordenen Mannes. Doch ist das Leben wirklich so tragisch?

Die Geschichte eines Reisenden

Die erste Geschichte ist eine (etwas gekürzte) Adaption einer alleinstehenden Kurzgeschichte von Keiichi Sigsawa, die nicht Teil der Roman-Reihe ist, sondern 2005 als ein eigenes gleichnamiges Bilderbuch veröffentlicht wurde. Ob des Titels erfährt man von dem unbenannten ehemaligen Reisenden allerdings nicht viel. Im Zentrum steht viel mehr das Gespräch mit dem Motorrad, das sein einsames und langweiliges Dasein im Museum fristet, weil es seit dem Tod seines Besitzers nicht seiner eigentlichen Bestimmung nachkommen kann: Befahren zu werden. Es bittet Kino und Hermes um Hilfe, doch sind diese nicht gewillt, ihm aktiv zu helfen, da es ihnen nur Nachteile einbrächte. Aber keine aktive Tat heißt nicht keine Tat. Indem sie einem kleinem Jungen, der von der großen weiten Welt träumt, eine kleine Anregung zum Abschied mitgeben, wird der Funke gesprüht, mit dem das Motorrad doch noch seinen täglichen Museumshölle entkommen kann. Kleine Geschichte mit recht banaler Handlung und ebenso einfachen, aber dennoch oft vergessenen Essenz: Zum Glück fehlt oft nur ein kleiner Schubs, um zwei sich ergänzende Parteien zusammen zu bringen. Ansonsten hat die Folge für Kenner der alten Adaption oder der Vorlage noch einen kleinen Seitenhieb übrig. Der Junge soll die Herberge seiner Eltern in Zukunft weiterführen. Etwas, das auch Kinos Kindheit ursprünglich geprägt hat, ehe sie zur Reisenden wurde.

Das Land der Lügner

Ein Land, in dem jeder lügt. Die Geschichte hat einen doppelten Boden, doch verrät der Titel eigentlich beide bereits, allerdings sieht man diesen wie gehabt erst am Ende der Folge. Auch in der Vorlage handelt es sich um eine sehr kurze Geschichte, die Vergangenheit und Hintergründe des Landes nur sehr grob umreißt. Im Fokus steht die Pointe, die die Fragwürdigkeit des Glücks dieser Menschen ins Licht rückt. Ist das wirklich Glück, wenn ein ganzes Volk glaubt, seinen Helden in den Wahnsinn getrieben zu haben und sich damit tröstet, dass er ob seiner psychologischen Probleme in falscher Hoffnung wälzt? Ist das Glück, wenn Mann und Frau miteinander zusammen leben, einander lieben, aber diese Liebe dem anderen niemals direkt zeigen können werden? Ist es richtig, sich mit einer falschen Farce zu begnügen? Welchen Wert hat ein Glück, das auf einem Haufen Lügen beruht? Die ehemalige Prinzessin, die ein Attentat durch ein Double überlebt hat und sich als Reisender getarnt wieder ins Land geschlichen hat, wird ihre Identität kaum zu erkennen geben, denn das würde nicht nur sie, sondern auch den Spion aus der Rebellion entlarven, der sie auf dem Laufenden hielt und ihr sowie ihrer königlichen Familie die Flucht erlaubte. Auch der vermeintlich verrückt gewordene Mann wird weiterhin seine Rolle als Geistesverwirrter spielen. Denn das Offenbaren seiner tatsächlichen Geistesklarheit würde nicht nur seine Geliebte in Bedrängnis bringen, sondern auch seinen Freund, der die Revolution verraten hat. Er arbeitet nun in der neuen Regierung müsste auch seiner Verantwortung als federführende Person in der Revolution nachkommen und in der neuen Regierung arbeiten. Ebenso könnte sich das Volk auch nicht mehr mit dem Mitleid, das es ihm entgegenbringt, trösten.

Ist das Glück? Oder nur eine Illusion, die sich alle vor Augen halten, um vor der jeweils eigenen Schuld zu fliehen, von Anfang an gelogen zu haben? An der Stelle ist es etwas schade, dass das Land doch ausgesprochen rudimentär bleibt. Der von der ehemaligen Prinzessin erwähnte Spion dürfte der Mann sein, der Kino und Hermes die Geschichte des Mannes erzählt. Er war es auch, der die ehemalige Prinzessin als Haushälterin für den Mann einstellte. Was hatte ihn dazu verleitet ein Spion für die königliche Familie zu werden? Wurde er es erst? Wenn ja, weil er mitbekam, dass die Geliebte des Mannes die Prinzessin inkognito war? Oder war er er von Anfang an ein Spion? Ist sein Bedauern, dass der Mann auch bei der Rückkehr seiner Geliebten weiterhin keine Besserung zeigt? Nagt an ihm vielleicht doch ein schlechtes Gewissen? Oder ist er doch froh, dass die beiden ihr einfaches beschauliches Leben friedlich leben können und tröstet sich damit? Ist der Mann wirklich krank gewesen und konnte im Stillen genesen? Die Revolution war vor fünf Jahren, die Rückkehr der ehemaligen Prinzessin vor drei Jahren. Wie schwer wog seine Lüge ihr gegenüber, sich nie erkennen gegeben zu haben? Nagte ihn Reue? War seine plötzliche Erkrankung vielleicht von Anfang an eine Farce, weil vor seiner Aufgabe, eine Gallionsfigur der neuen Regierung, fliehen wollte? Wollte er vielleicht einfach nur seine Ruhe haben und sein Leben einfach im Wald verbringen? Wie mag er sich gefühlt haben, als er seine Geliebte wiedersah? Wusste er davon, dass sein Freund ein Spion war und sie überlebt hatte oder erfuhr er es danach? Ist er wirklich zufrieden mit dem Status Quo, wie er am Ende Kino gegenüber behauptet? Warum macht er vor seiner Geliebten dann Andeutungen, dass er sich unsicher ist, als ob er schon aufgeben wollte? Will er nur die Versicherungen der Frau und damit ihre indirekten Liebesbekundungen hören? Wäre es nicht fast schon einfacher, eine neue Farce zu spielen, in der er seine Haushälterin für die vermeintlich getötete Geliebte hält? Oder sind beide nicht viel mehr verliebt in das Konzept des Martyriums der indirekten loyalen Liebe? Fragen die alle nicht beantwortet werden. Aber vielleicht war das auch die Intention der Geschichte: Dass man sich selbst die möglichen Szenarien spinnt.

Akira Ishida! Einer der bekanntesten Namen der Industrie spricht eine Nebenfigur ohne Namen. Uffz. Dass mir solche Dinge als erstes auffallen zeigt wohl, dass es mit Immersion bei dieser Folge bei mir nicht weit her ist. Bei allem Wohlwollen, mit dem ich diese Serie eigentlich bewerte, diese Folge ist doch wieder irgendwie langatmig, während sie gleichzeitig trotzdem hier und da etwas rauskürzt, was sich anfühlt, als ob es durchaus Platz gehabt hätte. Ansonsten beide Geschichten wunderbar zur Schau, wie die eine Geschichte als Textform schier unergründlich langweilig vorkommt, die andere aber in den simpel erzählten Worten viel besser wirkt. Aber meinen Spaß hatte ich trotzdem noch, was aber sicher auch an einem kleinem Nostalgieflash liegt. Das Bilderbuch, aus dem das Museum entspringt, habe ich 2012 gelesen und mich ob all der furiganalosen Kanji im Text einige Stunden lang, hundertmal so lang beschäftigt gehalten, wie als wenn ich sie übersetzt gelesen hätte. Und das nur, um am Ende zu merken, dass es eigentlich eine ausgesprochen banale Geschichte ist, die der ganzen Zeit nicht wirklich wert war. Sie nun auf sieben Minute gestrafft zu sehen, war irgendwie Genugtuung. Die andere Geschichte jedoch gibt Anstoß für das Kopfkino. Durch die Kürze wirkt die Geschichte in Textform eher wie ein „Konzept“, als eine tatsächliche Handlung, ähnlich einer Fabel etwa. Da stört es auch nicht, dass so vieles nicht erklärt wird. In Anime wirkt es durch die ganzen Hintergründe des Landes und den Charakterausdrücken irgendwie plastischer, realer, was zwar isoliert betrachtet recht hübsch anzuschauen ist, aber mir umso mehr das das Gefühl beschert, dass einfach der Unterbau fehlt. In dem Punkt hat die alte Adaption alles richtig gemacht, da fühlte sich auch der Anime noch wie ein „Konzept“ an. Dieser Stil wäre in dieser Geschichte auch passender gewesen, denn hier hat Kino nur eine Zuhörerrolle, bei der sie auch gar nicht erst groß einen eigenen Charakter zeigen könnte. Dass Gummi-Kino in den CGI-Sequenzen wieder prominente Auftritte hat, macht es nicht unbedingt viel besser.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben sich verständigt zu bekommen vertreibt sie sich gerne die Zeit mit dem Lernen verschiedener Formen von Sprachen – Wofür sie offenbar aber kein besonders großes Talent zu haben scheint.

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