Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series (Folge 9)

Folge 9 von Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series mit dem Titel „Allerlei Länder“ dreht sich um eine Varietät verschiedener kurioser Länder. Mehrheitlich humoristisch veranlagt, aber nicht exklusiv.

Ein alter Räuber bildet einen Schützling aus und hat einiges zu bestimmten gegenwärtigen, wie auch ehemaligen Passanten zu sagen. Währenddessen ist Kino zu Besuch mit einem Punktesystem, mit dem schlechte und gute Taten miteinander aufgewogen werden. Nächster Stopp ist ein Land, dessen Restaurantköche das Gericht eines berühmten Wanderkochs abfangen wollen. Shizu, Tii und Riku machen auch noch einen ganz kurzen Zwischenstopp zum Wünscheaufhängen. Und dann ist da noch ein Land, das zwar toll ist, an das man sich aber nicht daran erinnern darf. Nicht zu vergessen: das versteckte Nachwort-Land!

Düstere Geschichte umringt von Schelmischen

Wie der Titel nahelegt, werden hier einige kürzere Geschichten gesammelt adaptiert. Auffallend ist dabei die zweite, die sehr viel düsterer ausfällt und sich nicht unter den Komödien einreihen lässt. Ein Punktesystem, in dem Gut und Böse verrechnet werden und mit dem man sich theoretisch ein Guthaben für böse Taten anhäufen kann. Doch keiner in dem Land macht sich das tatsächlich zu Nutze. Nicht einmal der Ex-Präsident, der sein ganzes Leben dazu verschrieben hat, gute Taten zu vollbringen, um einen einen großen Wunsch, einen beliebigen Mord, straflos erfüllen zu können. Doch findet er kein Opfer im Land, der sich dafür eignet. Ist ihm die Masse der falschen guten Taten in Fleisch und Blut übergegangen? Das System mit den Punkten motiviert gute Taten und mit sozialem Druck werden schlechte verhindert, denn keiner möchte seine Punkte verlieren. Hinter den Zeilen gelesen ist es aber auch sehr nachtragend gegenüber Verbrechern. Der alte Mann hat sein ganzes Leben den Punkten verschrieben und unglaublich viel Gutes getan. Historisch viel, um mit einem Mord auf null gleich zu kommen. Jemand, der einen Mord begangen hat, kann noch so viel Gutes tun, er wäre bis zuletzt gebrandmarkt. Doch um diese Seite geht es weniger. Das System hat aus einem Menschen mit mörderischen Tendenzen eine in der Öffentlichkeit beispiellose gute Figur gemacht. Jedoch auf Kosten dessen, was der Mensch am Liebsten getan hätte. System und Regeln beeinflussen das Verhalten der Menschen gewaltig hinsichtlich des Wohlergehens der Gesellschaft. Doch was ist mit dem Individuum?

Staffellauf an Comedyländern

Die Geschichten in dieser Folge sind alle schnell getaktet – etwas, dass man von dieser Serie gar nicht gewohnt ist. Besonders auffallend ist, dass in der zweiten Geschichte, denn diese springt vom nachdenklichen Ex-Präsidenten zum Land der Köche, bei dem es Schlag auf Schlag kommt. Da ist auch etwas Aufmerksamkeit gefragt, um den braunen Mantel vom echten Wanderkoch zu entdecken, der ganze 30 Sekunden Screentime hat. Auch die Geschichte vom Wünscheaufhängen (eindeutig vom japanischen Tanabata-Festival inspiriert) hat nicht wirklich viel Zeit zum Ausklingen, um Tiis Nihilismus mit Shizus ausbleibendem Erfolg haben bei der Einwanderung einsinken zu lassen. Die erste Geschichte beweist ansonsten auch, dass sie weiterhin ihren Granaten treu ist, doch kann auch ihre Gruppe kann Kinos Meisterin in Sachen Schrecken nicht übertreffen. Doch selbst die Meisterin ist nicht gegen alles gefeit, zumindest nicht gegen Kinos Kochkünste. Abgerundet wird das am Ende durch Kino, die einmal nicht die Coole spielt, sondern auch einmal ihre die verdatterte Art herauslassen darf. Die größte Überraschung ist jedoch das Ending, in das sich ein Nachwort des Autors Keiichi Sigsawa zur Anime-Adaption eingeschlichen hat. In Hinblick auf die Geschichte mit dem Ex-Präsidenten in der gleichen Folge entbehrt es aber nicht so ganz einer makaberen Ironie, dass der Autor hoch enthusiastisch den Zuschauer dazu ermutigt, seinen Träumen zu folgen…

In dieser Folge entdeckt Kinos Sprecherin Aoi Yuuki wieder mehr Freiraum, um sich auszutoben. Eine schöne Abwechslung, da für die Serie hauptsächlich die Folgen ausgesucht wurden, die Kino als Badass-Schütze darstellen. Das Land mit dem Punktesystem hat auch erstaunlichen Gegenwartsbezug, wenn man sich die Massen an Punktesammelkarten so anschaut. Payback, Webmiles nebst und all die anderen Shop-eigenen Kundenkarten. Deutschland ist ohne Zweifel zumindest beim Einkaufen im Sammelfieber. Es wäre durchaus interessant, Punkte zu sammeln durch gute Taten. Obgleich ich den alten Mann fast verstehe: Punkte anzusammeln und sie dann nicht auszugeben, fühlt sich an, als fehle etwas. Als hätte man etwas nicht ausgenutzt oder gar verschwendet. Zuletzt ist die Katze zu Kinos Geschlecht doch nochmal thematisiert worden. Kino verwendet – Lost in Translation – eine männliche Form des japanischen Pronomens „Ich“. Doch wird Kino von einer Frau gesprochen, hat eine eher schlanke Statur und wird in dieser Folge für ein Mädchen gehalten. Ist Kino eine Sie oder ein Er? An dieser Stelle, in der diese Geschichte in der Light Novel auftaucht, ist es längst bekannt, wer die alte Adaption gesehen (oder meinen Spoiler zur Schifflandfolge gelesen) hat, weiß die Antwort schon.

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben sich verständigt zu bekommen vertreibt sie sich gerne die Zeit mit dem Lernen verschiedener Formen von Sprachen – Wofür sie offenbar aber kein besonders großes Talent zu haben scheint.

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