Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series (Folge 1)

Was ist die beste Aufenthaltsdauer für eine Reiseunterbrechung in einem fremden Land? Für Kino, in Begleitung des sprechenden Motorrads Hermes, liegt die Antwort mit drei Tagen klar auf der Hand. Doch wieviel kann von der Essenz eines Landes innerhalb dieser Zeitspanne entdeckt werden? Ein erster Einblick zum Start von Kino’s Journey -the Beautiful World- the Animated Series auf Crunchyroll.

Kino ist auf einer Reise ohne erklärtes Ziel. Begleitet wird Kino von ihrem sprechenden Motorrad Hermes, der ihr Gesprächspartner ist und auch in Gesprächen immer wieder die eine oder andere Zwischenbemerkung parat hat. Im ersten gezeigten Zwischenstopp der ersten Folge geht es in das Land, in dem das Töten nicht unter Strafe steht, das Stehlen hingegen schon. Ein Paradies für Serienmörder? Ein Paradies für Ganoven? Doch warum hat das Land gleichzeitig auch den Ruf weg, ein besonders höfliches Volk zu beherbergen? Noch am Tor wird Kino mehrfach nachdrücklich gefragt, ob die Einreise wohlüberlegt ist. Gefasst auf Lebensgefahr tritt Kino ein… und es doch alles anders als erwartet.

Neue Geschichten?

Die Vorlage Kino’s Journey, eine Reihe von Light Novels, wurde bereits 2003 in einer Folgen TV-Serie mit 13 Folgen und einigen OVAs bzw. Mini-Filmen adaptiert. Diese neue Serie setzt die alte nicht fort, somit ist die erste Folge eine neue, zuvor nicht adaptierte, Geschichte. Für alle Folgen wird das allerdings wohl nicht gelten. Im Trailer werden auch Szenen zum Kolosseum gezeigt, welche die alte Serie bereits aufgriff. Eines Vergleiches mit dem Vorgänger wird sich dieses Remake nicht erwähren können, doch schlägt diese Serie offenbar einen ziemlich anderen Grundton ein.

Zugänglicher Auftakt…

War Kino in der Vorserie hauptsächlich ein reiner Beobachter auf Durchreise, unparteiisch, unbeteiligt, schwer durchschaubar und geradezu gelangweilt, ist diese neue Inkarnation von Kino von Beginn an eine sehr greifbare menschliche Figur. Direkt in der Eingangsszene wird dem Zuschauer eine Überlegung nahe gebracht, weshalb so oft gereist wird. Kino lächelt viel, ist pragmatisch, ohne zu kurz angebunden zu sein, zieht aber auch ernste und nachdenkliche Mienen und genießt die einfachen Freuden des Lebens, wie etwa den Verzehr eines riesigen Stücks lokaler Süßspeise. Doch gleichzeitig hat Kino offensichtlich schon einiges erlebt, legt sich stets mit ihrer Waffe in der Hand schlafen und macht jeden Morgen Übungen zum Ziehen dieser aus dem Halfter an Hüfte, um sie anschließend ordentlich zu reinigen. Auch wird die Umgebung genaustens beobachtet, nicht nur der Neugierde willen. Mit vielen kleinen Szenen bietet die erste Folge bereits ein sehr gutes Bild des Charakters Kino, ohne viele Worte in den Mund zu nehmen. Auch erkennt man viel Mühe zum Detail, da selbst die meisten Statisten ein erstaunlich detailliert gezeichnetes Gesicht besitzen. Die Serie scheut nicht die Leuchtkraft ihrer Farben auszuschöpfen.

… auf Kosten des Serienkonzepts?

Originaltitel Kino no Tabi: The Beautiful World – The Animated Series
Jahr 2017
Episoden 1 / ?
Genre Abenteuer
Regisseur Tomohisa Taguchi
Studio Lerche

Umso leidlicher fällt auf, dass die Eintagsfliegen der Kurzgeschichte des Landes reichlich eindimensional sind. Der Mann, den Kino vor der Einreise trifft, ist ein selbstsüchtiger Ganove wie aus dem Lehrbuch, nicht mehr und nicht weniger. Die Figur des Regel erhält eine verbale Beschreibung zur Person, die aber eigentlich fast schon unnötig erscheint. Auf den ersten Blicken irrelevant zur Krux, die das Land verbirgt, sodass der Name selbst fast wie eine billige Metapher rüber kommt. Und auch die wird einem geradezu auf dem Silbertablett serviert. Nicht besonders viel Freiraum zum Nachdenken und Interpretieren.

Neues Design, neue Regie und Einsatz neuer Techniken, aber weiterhin Low-Budget

Das neue Charakter-Design und die Farbgebung orientieren sich nun an den jüngeren Artworks der Vorlage. Es ist weniger rundlich und kindlich, sondern länglicher, schlanker und wirkt insgesamt viel reifer und erwachsener. Da Ryuutarou Nakamura, der Regisseur der letzte Anime-Version 2013 verstorben ist, fand zwangsläufig ein Wechsel im Regieposten statt. Man sieht es der Serie auf den ersten Blick an, dass ihr die markante Stille fehlt. Was allerdings nicht heißen soll, dass Tomohisa Taguchi seine Arbeit schlecht mache. Als Episodenregisseur einiger Folgen von Humanity Has Declined konnte er schon Erfahrungen bei einer einigermaßen artverwandten Serie sammeln. Tatsächlich sind in einigen Szenen interessante Kompositionen mit entsprechender Wirkung anzutreffen, wie etwa beim Tor zur Stadt. Etwas, das definitiv über die CGI-Szenen hinwegtröstet, die vor allem beim Befahren von Hermes zum Einsatz kommen. Dass diese erste Folge bereits dieselbe Szene von Kinos Absteigen vom Motorrad mit den hölzernen Bewegungen repliziert, im Trailer beworben wurde, spricht auch nicht unbedingt dafür, dass diese Serie mit dem höchsten Budget gesegnet ist. Mit tollen Action-Animationen ist in diesem Remake wohl weiterhin nicht zu rechnen. Zugute kommen die 3D-Modelle aber den mechanischen Teilen. Wenn diese sich nicht gerade bewegen müssen, präsentieren sie eine Reichhaltigkeit an Details, die des Autors Liebe zu detaillierten Beschreibungen von Waffen und Maschinerien alle Ehre macht.

Erster Eindruck:

14 Jahre. Nach 14 Jahren kommt nun doch eine neue Anime-Adaption, wer hätte das vor zehn Jahren noch geglaubt? Die Geschichte zur ersten Folge ist für meinen Geschmack zwar ein wenig reißerisch gewählt, gibt aber auch ohne Umschweife einen Einblick darin, dass die Serie keineswegs zimperlich ist. Wirklich zu kurz kam mir das Konzeptionelle des Landes. Die sympathische Charakterisierung von Kino stiehlt diesem vollkommen die Show, dabei machten für mich die einzelnen Ideen der jeweiligen Gesellschaftsformen bislang immer den Hauptreiz der Reihe aus. Doch kommt die Serie damit einer Eigenart der alten Serie und den Originalromanen, insbesondere dessen ersten Geschichten zuvor. Nämlich, dass diese schon verdammt trocken sein können.

 

Zu Folge 2

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Luna

Luna residiert auf dem Mond mit ihren beiden Kaninchen. Als solche hat sie eine Faible für flauschige Langohren und ist auch um die ein ums andere Mal etwas entrückte Sicht auf die Weltordnung verlegen. Im Bestreben sich verständigt zu bekommen vertreibt sie sich gerne die Zeit mit dem Lernen und Erproben verschiedener Sprachen und derer Ausdrucksformen.

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Totman Gehend
Redakteur

Wie schaut’s aus mit Kinos Synchronstimme? Ähnlich apathisch und unaufgeregt wie im Original (was ich gut fand)? Oder hat man für ihre ‚menschlichere‘ Interpretation darauf verzichtet?