Kong: Skull Island

King Kong ist zurück und vielleicht sollten einige wichtige Fragen vorweg geklärt werden: Ja, dieser Film spielt im selben Erzähl-Universum – dem MonsterVerse – wie der 2014er Godzilla und leistet dementsprechend auch Vorarbeit für den angekündigten Zusammenstoß der beiden Riesenmonster (oder auch auf Neuhochgeek: Kaijus) mit dem Titel Godzilla vs. Kong, der für 2020 geplant ist. Nein, im Gegensatz zu Godzilla muss man nicht bis zum Ende des Films warten, bis man Kong endlich zu Gesicht bekommt. Man sieht ihn sehr früh und sehr ausführlich. Und ja, seit August 2017 ist der Film auch für das Heimkino auf blaustrahligen und digital-vielseitigen Scheiben erhältlich. Lohnt sich die Anschaffung?

   

Es ist das Jahr 1973: Nach zähem und verlustreichem Krieg entscheiden sich die USA für den Abzug aus Vietnam. Bevor das passiert und solange der Dollar für militärische Ausgaben bei Politikern noch locker sitzt, setzt Bill Randa – Forscher einer Organisation namens Monarch – alles daran, eine bislang von Stürmen verborgene, erst kürzlich durch Satelliten erfasste mythische Insel zu erkunden: Skull Island. Unter dem Begleitschutz einer schwerbewaffneten Hubschrauberstaffel kommandiert von Vietnam-Veteran Colonel Preston Packard macht sich die Forschungstruppe auf zu dem unerschlossenen Ort. Dazu stoßen noch der Fährtenleser James Conrad, angeheuert um die Expedition durch den Dschungel zu führen, und (Anti-)Kriegsfotografin Mason Weaver, die alles in Bildern dokumentieren soll. Nachdem der Sturm passiert und die Insel erreicht wurde, startet auch umgehend die Erforschung mit – zwecks seismologischer Messungen – abgeworfenen Sprengköpfen. Doch der Bombenregen im Namen der Wissenschaft findet ein vorzeitiges Ende, denn ein Gorilla von gigantischen Ausmaßen richtet unter dem Trupp ein Massaker an, das Forscher und Soldaten wortwörtlich in alle Winde zerstreut. Während eine kleine Gruppe Überlebender unter Conrad mithilfe des bereits vor 30 Jahren auf der Insel gestrandeten Piloten Hank Marlow die Flucht plant, sinnt Packard auf Rache für seine gefallenen Soldaten und hat nur ein Ziel: Den König von Skull Island, Kong, zur Strecke zu bringen. Doch Kong ist nicht die einzige Gefahr, die im Dschungel lauert.

Aus dem Dschungel in den Dschungel

Originaltitel Kong: Skull Island
Jahr 2017
Land USA
Genre Action, Abenteuer, Fantasy
Regisseur Jordan Vogt-Roberts
Cast James Conrad: Tom Hiddleston
Preston Packard: Samuel L. Jackson
Mason Weaver: Brie Larson
Hank Marlow: John C. Reilly
Bill Randa: John Goodman
Houston Brooks: Corey Hawkins
Laufzeit 118 Minuten
FSK

Auffälligstes Stilmittel des Films ist die Anlehnung an diverse andere Vietnamkriegsfilme, deren Stimmung mit Musik und Optik wiederaufgelebt werden lassen soll. Wo Filme wie Apocalypse Now, Full Metal Jacket oder Forrest Gump aber eben den Horror und die Grausamkeiten dieses Krieges zeigen, um am Ende menschliche sowie nationale Traumata zurückzulassen, fliegen Packard und seine Mannen auffallend unbekümmert in ihren nächsten Einsatz, als sei Vietnam ein verregnetes Picknick gewesen. Das Ergebnis bleibt trotzdem dasselbe: Die monströse Kriegsmaschinerie mit ihrem grausamen Waffenarsenal beißt sich auch im neuen Dschungel die Zähne aus. Die technische Überheblichkeit und Ignoranz der Menschen findet hier nun in echten Monstern ihren Meister und die Selbstverständlichkeit neues Gebiet zu erschließen, gerät zu einem Überlebenskampf gegen tierische Urkräfte.

Tom Hiddleston spielt in dem Film mit, wirklich. Er soll sogar der Hauptdarsteller sein, angeblich

Es ist ein Monsterfilm, dementsprechend steht auch das Monster im Mittelpunkt. Zuschauer kommen mit spektakulären Bildern und Kämpfen dabei komplett auf ihre Kosten. Da braucht es dann natürlich auch keine tiefgründigen Figuren, die sich unnötig in den Mittelpunkt drängen. Sie sind schließlich primär da, um die Szenen mit den Monstern einigermaßen sinnvoll zu verknüpfen und diesen zum Opfer zu fallen. Trotzdem sollte angestrebt werden, dass sie dabei nicht derart am Rande der Überflüssigkeit wandeln wie James Conrad. Die anderen Figuren sind auch nicht sehr viel besser. Lediglich Packard lässt eine vielschichtige Persönlichkeit erahnen und bekommt durch Samuel L. Jacksons (Snakes on a Plane) Ausdrucksstärke eine Captain Ahab-gleiche Besessenheit verliehen. Ansonsten ist das, was man in den Personen auf den ersten Blick sieht, auch das, was man für den Rest des Films bekommt. Da die meisten Figuren trotzdem ihre erinnerungswerten Momente haben, die das Filmerlebnis bereichern, ist das auch in Ordnung. Conrad hat natürlich eine Funktion für die Handlung, doch warum ein Schauspieler von dem Talent Tom Hiddlestons (The Avengers) für eine derart flache und unfertig geschriebene Figur verbraucht werden muss – die auch mit entsprechendem Enthusiasmus dargestellt wird –, ist wohl das größte Rätsel auf Skull Island.

Lohnt sich die Anschaffung? Ja, wenn der Euro so locker sitzt wie in manchem Militärbudget. Der Film ist kein Muss, aber er ist gutes, unterhaltsames Popcorn-Kino und effektreiches Spektakel. Geht man mit dieser Erwartungshaltung daran, wird man nicht enttäuscht, aber auch nicht aus den Sneakersocken gehauen. Da einem effektreiches Hollywoodspektakel mit neunstelligen Produktionskosten inzwischen monatlich begegnet, braucht es etwas mehr, um wirklich hervorzustechen und dort versucht Kong: Skull Island mit seiner optischen und atmosphärischen Anlehnung an bekannte Vietnam-Kriegsfilme zu punkten. Ob man das aber wirklich gut finden kann, ist vielleicht eine Generationsfrage, denn schließlich waren diese Filme politisch extrem aufgeladen. Sie hatten eben den Sinn und Zweck, die Schrecken und Sinnlosigkeit eines abscheulichen Konflikts zu zeigen. Die Leichtigkeit und auch Naivität, mit der diese filmische Zeitperiode hier behandelt wurde, erschien mir zumindest unpassend.
Was zu guter Letzt Tom Hiddlestons enttäuschende Rolle und Leistung in dem Film angeht, wäre ich ehrlich gesagt nicht überrascht gewesen, wenn er sich in den Post-Credits in Loki verwandelt und offenbart hätte, dass er uns alle damit getrollt hat.

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Lyxa

Lyxa studiert aktuell das Fach Und-was-macht-man-damit in Mainz, liest viel, schreibt gerne und schaut sich viel und gerne allerlei Serien und Filme an, am liebsten Science-Fiction. Lyxa ist dabei besonders der Dunklen Seite der Macht verfallen, weil es dort die cooleren Outfits gibt.

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Ayres
Redakteur

Den King Kong von 2004 habe ich geliebt (war auch der einzige Film, bei dem ich je an Heiligabend im Kino war). Deswegen sträube ich mich innerlich noch vor Kong, obwohl ich ihn sicherlich bald nachholen werde. Meinung folgt. Bin gespannt, ob ich dir zustimmen kann 😉

Aki
Redakteur

Ich hatte meinen Spaß im Kino, vorallem weil keine nervige Lovestory drin war und der namendegebende Affe nicht erst nach 3/4 vom Film auftaucht. Das war nämlich ein Faktor der mir bei der Verfilmung von 2004 nicht gefallen hat.
Von Kong hatte ich stylische Action erwartet, wie es im Trailer schon zu erahnen war und genau das habe ich bekommen. Alleine der Helikopterangriff am Anfang war genau nach meinem Geschmack, dass ich mich beim zweiten Mal schauen zu Hause sehr darauf gefreut habe. Die Handlung ist zwar recht einfach aber für einen einfachen Kinoabend auch mal richtig.

Spoiler
Was ich übrigens beachtlich finde, dass sie für das Finale von Kong gegen Preston Packard wirklich einen See in Flammen gesteckt haben! Am Set stand daher nicht ohne Grund nicht nur ein Warnschild das Rauchen verboten ist!

Eine Sache stört mich nur: Ein Japaner und ein Amerikaner landen auf der Insel und unsere Truppe trifft auf einen davon.
Spoiler
Warum muss ausgerechnet der Amerikaner noch leben? Ja, ich weiß, Verständigung ist so einfacher und das heroische Wiedersehen der Familie am Ende für die Zuschauer in der USA schöner. Trotzdem!