Lockwood & Co. – Die Seufzende Wendeltreppe

Am 27. November 2017 erscheint im cbj-Verlag der 5. und damit voraussichtlich letzte Band der Bücherreihe Lockwood & Co. Diese Serie des britischen Bestsellerautors Jonathan Stroud (u. a. Bartimäus) entführt den Leser in ein alternatives London. Doch im Gegensatz zu Bartimäus treiben diesmal nicht Dämonen ihr Unwesen – sondern Geister!

Seit ca. 50 bis 60 Jahren ist das Problem, wie die Geisterplage offiziell genannt wird, in aller Munde. An sogenannte Quellen gebunden, manifestieren sich nach Sonnenuntergang verschiedenste Arten von Geistern. Diese treten in den unterschiedlichsten Formen auf, doch allen gleich ist, dass ihre Berührungen tödlich sind und dass Erwachsene nicht sensibel genug sind, um sie sehen zu können. Und so arbeiten in den renommierten Agenturen zur Geisterbekämpfung Kinder und Jugendliche, die die gefährlichen Quellen suchen und neutralisieren. Begleitet werden sie dabei von erwachsenen Betreuern, welche für gewöhnlich ehemalige Agenten sind, deren Sensibilität im Laufe der Jahre abgenommen hat. Eine Agentur ohne Erwachsene? Fast undenkbar. Doch genau in solch einer Agentur erhält die junge Lucy Carlyle einen Job als Agentin. Ihr Chef ist der charmante Anthony Lockwood, der einzige andere Mitarbeiter ist der auf Recherche spezialisierte George Cubbins. Diese kleinste Agentur Londons hat mit allerlei Widrigkeiten und Vorurteilen zu kämpfen, da kein Erwachsener die Jugendlichen anleitet. Da ist es wenig hilfreich, dass sie bei einem Auftrag ein Wohnhaus abbrennen. Zur negativen Publicity kommen jetzt auch noch die Geldsorgen, da die Hausbesitzer sie verklagen wollen.

Mittendrin statt nur dabei

Originaltitel Lockwood & Co. – The Screaming Staircase
Ursprungsland Großbritannien
Jahr 2013
Typ Roman
Bände 1 / 5
Genre Horror
Autor Jonathan Stroud
Verlag cbj

Das Besondere an dem Roman ist die vom Autor gewählte Perspektive. Lucy lässt den Leser in der Egoperspektive ihre Einsätze und ihren Alltag miterleben. Dazu kommen die anschaulichen Beschreibungen der Besucher und der von ihnen ausgelösten Phänomene, die einen noch mehr ins Geschehen ziehen. Dadurch kommt man sich vor, als wäre man mit vor Ort und würde alles selbst erleben. Jedoch fühlt sich der Schreibstil – gerade in Alltagsszenen – stellenweise recht distanziert an, so als hätte der Autor noch keinen rechten Zugang zu Lucy gefunden. Dennoch liest sich die Geschichte flüssig und spannend. Auch darf Lucy mitunter äußerst bissige Kommentare abgeben. Das ist zwar zeitweise recht unhöflich, aber äußerst amüsant. Da sie den Leser ab und zu auch direkt anspricht, kommt das Gefühl auf, die Geschichte persönlich erzählt zu bekommen. So entsteht der Drang, immer weiter lesen zu wollen, bis man das Buch ausgelesen hat.

Ein Haufen offener Fragen

Jedoch fällt recht schnell auf, dass trotz ausführlicher Beschreibungen der Gefühlswelten und Beobachtungen viele Schilderungen vage gehalten werden. Wenn Lucy über ihre Vergangenheit spricht, lässt sie vieles aus, sodass man sich sofort fragt, was sie verbirgt. Auch lenkt sie mitunter sehr geschickt vom Geschehen ab, was zu einigen Überraschungsmomenten führt. Blättert man später nach wird man jedoch feststellen, dass alle wichtigen Informationen genannt wurden – auch wenn dies manchmal nur als Randnotiz passiert. Viele Details fallen einem erst beim zweiten Lesen auf, so auch die Verknüpfung der beiden Fälle. Denn der titelgebende Fall um die Seufzende Wendeltreppe wird erst sehr spät behandelt. Bis dahin hat man schon etwas mehr als die Hälfte des Buches gelesen und ist dann doch überrascht, wie sich alles zusammenfügt.

Da es sich hierbei um ein Jugendbuch handelt, habe ich eigentlich angenehmen Grusel erwartet, der mich nicht sonderlich beeindrucken würde. Doch stattdessen habe ich mich oft dabei erwischt, dass ich wie gebannt einfach weiterlesen musste. Die anschaulichen Beschreibungen haben mich so oft dazu gebracht, unter meiner Decke zu zittern und ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit zu verspüren. Doch mit jeder Situation habe ich mitgefiebert und beim ersten Lesen konnte ich den Band gar nicht mehr aus der Hand legen. Erst beim zweiten Durchgang wurde ich mir dann vieler Details und auch einiger kleiner Schwächen bewusst, was meinem Lesevergnügen aber überhaupt keinen Abbruch getan hat. Im Gegenteil, gerade weil mir bewusst wurde, dass sich der Stil über mittlerweile vier Bände entwickelt hat, habe ich die Figuren noch mehr ins Herz geschlossen und freue mich schon sehr auf die nächsten Bände.
Dabei finde ich vor allem Lucy faszinierend. Ich bin mir nicht sicher, ob sie nun in Lockwood verliebt ist oder nicht. Ihre Beschreibung seines Wesens wirkt schon etwas verzückt und auch ihr Verhalten ist mitunter recht eindeutig. Doch auf der anderen Seite wiederum macht sie eher den Eindruck einer distanzierten Beobachterin und auch die Geschichte selbst wirkt überhaupt nicht wie eine Liebesgeschichte.  Auch Lockwood an sich ist eine interessante Person. Zu ihm fehlt mir noch der Zugang, was wohl auch der Perspektive geschuldet ist, doch empfinde ich seine rätselhaften Wesenszüge als sehr spannend. Lediglich George konnte mich noch nicht allzu sehr begeistern, doch auch hier bin ich auf die Entwicklung in den nächsten Bänden gespannt. Ansonsten haben es mir vor allem die bissigen Kommentare angetan, ich mag diese Art Humor wahnsinnig gerne.

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Centy

Centy ist den Großteil des Tages am und mit dem PC beschäftigt. Als Ausgleich ist sie gerne draußen unterwegs und wandert, fährt Fahrrad oder entspannt sich auf dem Balkon. Sie ist weniger der kreative Typ als der konsumierende. Über Kino, TV bis hin zu Büchern, Comics und Games interessiert sie alles, was eine interessante Geschichte erzählt. Dabei ist sie auf keine Genres festgelegt, auch wenn ihr Liebling der Cyberpunk ist. Nur Horror und Liebesgeschichten meidet sie wenn möglich - wobei für sie oft nicht ganz klar ist, wo da der Unterschied ist.

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