Logan Noir

Logan hat sich an den Kinokassen zu einem unerwartet großen Erfolg gemausert und belegt kommerziell innerhalb der X-Men-Filmreihe zum Zeitpunkt dieses Artikels den dritten Rang hinter Deadpool und X-Men: Zukunft ist Vergangenheit. Umso bemerkenswerter, da Logan weder die Epik letzteren Films, noch die Humorlastigkeit eines Deadpool aufweist, sondern sein ganz eigenes Süppchen kocht. Zum Erscheinen der Blu-ray gibt es für alle deutschen Fans und solche, die den Film bisher noch nicht gesehen haben, die Gelegenheit, die Schwarz/Weiß Version des Films, genannt Logan Noir, genießen zu können.

 

Im Jahr 2029 sieht die Welt für Logan alles andere als gut aus: Seit 25 Jahren wurde kein neuer Mutant mehr geboren. Von den X-Men ist kaum noch etwas übrig und seit einem Zwischenfall hat Logan zusammen mit einem anderen Mutanten namens Caliban die Pflege des mittlerweile 90-jährigen Charles Xavier übernommen. Dieser leidet an Demenz und hat dadurch mit seinen immer noch enormen telepathischen Kräften eine ständige potentielle Gefahr für seine Umwelt darstellt. Auch Logan selbst ist schwer angeschlagen, da seine Selbstheilungskräfte zusehends schwächer werden, und versucht daher als Chauffeur im Grenzgebiet zwischen den USA und Mexiko möglichst kein Aufsehen zu erregen. Doch als eines Tages eine Mexikanerin unbedingt versucht ihn anzuheuern, gerät Logans Welt vollends aus den Fugen. Denn die junge Laura, welche sich in Obhut in der Frau befindet, könnte die letzte Hoffnung für die Mutanten werden und der Söldner Donald Pierce ist mit seinen Reavers sehr darauf aus, Laura in seine Gewalt zu bekommen, um genau das zu verhindern….

Gelungene Abschiedsvorstellung

Originaltitel Logan Noir
Jahr 2017
Land USA
Genre Action, Drama
Regisseur James Mangold
Cast Logan: Hugh Jackman
Laura Kinney/X-23: Dafne Keen
Charles Xavier: Patrick Stewart
Donald Pierce: Boyd Holbrook
Zander Rice: Richard E. Grant
Caliban: Stephen Merchant
Laufzeit 138 Minuten
FSK

Hugh Jackman hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass er mit Logan die Rolle von Wolverine, welche ihn 17 Jahre lang begleitet hat, zum letzten Mal verkörpern würde. So konzentriert er sich zusammen mit Regisseur und Drehbuchautor James Mangold (Wolverine: Weg des Kriegers) auch sehr stark auf die Themen Abschied und Alter. Dieser Logan hier ist nicht mehr die unaufhaltbare Kampfmaschine der X-Men-Filme und vorherigen Soloauftritte. Er ist ein Mann, der weiß, dass sich seine Tage langsam dem Ende zuneigen und das eigentlich gar nicht mehr wirklich ändern will, was Jackman glänzend zu verkörpern weiß. Auch Patrick Stewart liefert eine schauspielerische Glanzleistung ab, da er es wunderbar versteht, der Figur des Charles Xavier neben der jungen ungestümen Version von James McAvoy und dem weisen älteren Lehrer aus Stewarts X-Men-Filmen eine ganz neue markante Facette zu verleihen, indem er ihn als einen kranken alten Mann spielt. Seine Darstellung hierbei ist so gut, dass es fast etwas weh tut zu sehen, wie der einst so starke und fürsorgliche Xavier, den man über die Jahre kennen und lieben gelernt hat, nur noch in spärlichen lichten Momenten aus der mit hohem Alter und Demenz oftmals einhergehenden Uneinsichtigkeit und rüden Zurückweisung der nächsten Personen hindurch schimmert. Dieses Balancieren zwischen der Darstellung des geistigen Verfalls und dem Anknüpfen an die vorherigen Filme ist gerade in den gemeinsamen Szenen mit Jackman äußerst effektiv und einer der Pluspunkte des Films.

Potential für die Zukunft des X-Franchise

Die Tragik, die von den Darstellungen Logans und Xaviers hervorgerufen wird, funktioniert auch deshalb so gut, weil mit Dafne Keen in der Rolle von Laura/X-23 eine tolle Newcomerin ihr Debüt abgibt und mit ihrer jugendlichen Energie einen Gegenpol zu den beiden alten Männern bildet. Denn Laura ist in den Kampfszenen glaubwürdig als eine animalischere Version von Wolverine und auch in den ruhigeren Interaktionen mit Logan, der hier ähnlich wie in X-Men: Zukunft ist Vergangenheit gegen seinen Willen in eine Mentor-Rolle gedrängt wird, stimmt die Chemie zwischen den beiden Schauspielern. Als Charakter ist Laura ebenfalls eine tolle Ergänzung für das X-Franchise, von der man gern mehr sehen möchte, weil ihre Figur zwar einerseits der von Logan ähnelt, aber andererseits durch das junge Alter und ihre Herkunftsgeschichte interessante neue Erzählmöglichkeiten bietet. Zudem bietet die Hintergrundhandlung um das drohende Aussterben der Mutanten spannendes Potential für künftige Filme.

Spätwestern trifft Roadmovie

Der Film funktioniert auch deshalb so gut, weil Mangold die Geschichte einerseits stark im Stil eines tragischen Spätwestern erbarmungslos inszeniert, andererseits seine Protagonisten wie in einem Roadmovie quer durch die USA hetzt. Dadurch kreuzt er sehr gut Schwermut mit Tempo, sodass nie Langeweile aufkommt. Dabei hilft auch, dass die Superheldenelemente hier handlungsdienlich etwas reduziert sind, so dass ein stilbrechender Superheldenbombast im letzten Viertel wie beim dafür kritisierten Vorgängerfilm glücklicherweise vermieden wird. Stattdessen fügt sich der Superheldenanteil, welcher vor allem in angenehm realistisch harten Actionszenen eingesetzt wird, hier prima mit den Charakterelementen zu einem überzeugenden Ganzen zusammen – was durchaus ein gutes Vorbild für künftige Superheldenfilme werden könnte. Die Antagonisten des Films sind zwar nicht von großer Tiefe gezeichnet, aber das fällt hier nicht so negativ ins Gewicht, weil gerade Boyd Holbrook (Das Morgan Projekt) als Donald Pierce genug Bedrohung ausstrahlt, um als ernstzunehmender Jäger von Laura zu fungieren. Trotz des im Vergleich zum Mainstream der Superheldenfilme zugefahrenen Fantastik brauchen sich Comicfans keine Sorgen über Referenzen zur Vorlage zu machen. Nur sind diese hier eher versteckt wie die kleinen Auftritte von Bonebreaker und Pretty Boy von den Reavers oder das an das Hellfire Club Logo erinnernde Symbol auf Pierce‘ Prothese – was aber auch andererseits Spaß macht, weil sie auch für Kenner der Vorlage nicht immer sofort ins Auge fallen und man daher bei mehrmaligem Anschauen immer noch etwas Neues entdecken kann.

Die Logan Noir-Version sollte man als Fan des Films unbedingt gesehen haben. Denn das Schwarz-Weiß erzeugt eine deutlich andere Atmosphäre als die normale farbige Version, da die Actionszenen und die von der Landschaft hervorgerufene Westernatmosphäre hierüber etwas zurückgenommener wirken und dafür die Charakterdarstellungen von insbesondere Jackman und Stewart wirkungsvoller rüberkommen. Das Leiden der beiden Figuren wirkt über die im Schwarz-Weiß härteren Lichtkontraste und die klarere Darstellung der Gesichter um einiges bedrückender. Überdies gewinnt die Lichtinszierung insbesondere bei den Nachszenen mehr Brillanz und ist schöner anzusehen.

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