M.F.A.

Für Francesca Eastwood (Heroes Reborn) dürfte ihr berühmter Nachname sicherlich Segen und Fluch zugleich sein. Es wäre falsch, ihr vorzuwerfen, dass ihr Vater Clint Eastwood ihr die Türen öffnete und dies ganz ohne Talent geschah. In M.F.A., einem Rape & Revenge-Thriller, stellt sie mit ihrer düsteren Aura Facettenreichtum unter Beweis. Bereits ihr Ausdruck ist magisch und zieht den Zuschauer schnell auf ihre Seite. Ein Rachefeldzug des Feminismus.

 

Noelle ist Kunststudentin. Ein wenig scheu, ein wenig sonderbar. Ihr Herz schlägt schneller, als ihr Schwarm Luke sie eines Tages auf eine Party einlädt. Dort nähert er sich Noelle schnell an und aus Angst, etwas falsch zu machen, lässt sich die junge Frau auf ihn ein. Doch die Situation gerät außer Kontrolle: Luke vergewaltigt Noelle und wirft sie anschließend raus. Umgehend bringt Noelle das Vergehen zur Anzeige. Doch als sich nichts nachweisen lässt und auch die Unileitung alle Probleme unter den Teppich kehrt, beginnt Noelles Verwandlung. Ihre Blutspur geht allerdings weit über Luke hinaus…

Metamorphose

Originaltitel M.F.A.
Jahr 2017
Land USA
Genre Thriller, Drama
Regisseur Natalia Leite
Cast Noelle: Francesca Eastwood
Kennedy: Clifton Collins Jr.
Skye: Leah McKendrick
Mason: Michael Welch
Ryder: Andrew Caldwell
Luke: Peter Vack
Laufzeit 95 Minuten

Regisseurin Natalia Leite (Bare) nimmt sich viel Zeit, Noelle für den Zuschauer greifbar zu machen. Das ist keine schwierige Aufgabe, denn mit ihrem liebenswert-zerbrechlichen Wesen, den großen Kulleraugen und ihrer Flucht in die Kunst sind die Sympathien auf ihrer Seite – spätestens als sie zum Opfer wird. Auf diesen geebneten Pfad zerrt der Film dann den Zuschauer mit, wenn Noelle zu ihrem befriedigenden Befreiungsschlag ansetzt: Sie richtet selbst über Vergewaltiger und bringt diese zu Fall. Dabei entwickelt sie einen unbändigen Eigenantrieb.

Ein paar äußerst einfache Drehbucheinfälle spielen dabei voll in Noelles Karten. Ihre Selbstjustiz-Mission gewinnt erstaunlich schnell an Auftrieb – so sehr, dass Glaubwürdigkeit völlig abhanden kommt. Dennoch dürfte der Jubel des Zuschauers nicht klein sein:   Bei den Männern handelt es sich um frauenverachtende Proleten, deren Lektion schlichtweg nur befriedigen kann.

Fingerspitzengefühl? Fehlanzeige

Vergewaltigung ist ein schwieriges Thema. Es bedarf viel Fingerspitzengefühl und einer aufklärenden Herangehensweise. M.F.A. besitzt beide Eigenschaften nicht und zelebriert viel eher den Rachetrip seiner Hauptfigur. Immerhin wird ihr Handeln nicht glorifiziert, doch die Gewaltorgien sind so ausgerichtet, dass der Zuschauer wenig Mitleid mit den Opfern haben soll. M.F.A. will konsequent sein, bugsiert sich damit zu schnell in die Trash-Ecke. Die Zerbrechlichkeit Noelles mag in manchen Szenen davon ablenken, dass der Film eher den mahnenden Finger hebt und ein Statement untermauert, als dass er eine Geschichte erzählt. Würde der Film wenigstens subtil im Vermitteln seiner Botschaft sein, wäre das eine andere Sache. Doch bleibt der Eindruck, dass zuerst ein Statement im Raum stand und die Geschichte drum herum geschrieben wurde. Die zu Beginn zaghafte Erzählweise, der Indie-Soundtrack und vor allem Francesca Eastwoord sorgen allerdings dafür, dass die Banalität nicht ganz so offensichtlich erscheint. Dazu trägt auch bei, dass es hier im Vergleich mit anderen Rape & Revenge-Titeln auch weitaus ruhiger zugeht.

M.F.A. steht übrigens tatsächlich nicht für „Motherfucking Assholes“, sondern für „Master of Fine Arts“ und betitelt Noelles künstlerischen Durchbruch. Es hängt ganz davon ab, wie man zum Ansatz „Gewalt als Lösung für Probleme“ steht, ob man mit diesem Film mitfiebert oder eher nicht. Mancher Betrachter mag in diesem Film eine Brücke zwischen der Handlung und Noelles Kunst sehen. Manch anderer wird eventuell die Kraft wertschätzen, sich jedoch am sonstigen Drehbuch stören, das sich einseitig und flach gibt.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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