König der Dornen

Die vermeintliche Rettung vor einem tödlichen Virus entpuppt sich für eine kleine Gruppe Menschen zum Kampf um Leben und Tod. Darum geht es in dem von Mangaka Yuji Iwarhara (Dimension W.) gezeichneten sechsbändigen Titel König der Dornen, der von 2005 bis 2007 bei Tokyopop erschienen ist. In der Zwischenzeit produzierte Studio Sunrise (Code Geass: Hangyaku no Lelouch) einen 105 minütigen Film, der hierzulande bei der WVG Medien GmbH auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Wer nun mehr wissen möchte, ist hier genau richtig.

  

Medusa – So wird ein tödlicher Virus genannt, der sich rasend schnell auf der Erde ausbreitet. Die Zellen der Infizierten versteinern, was gleichbedeutend mit dem Tod ist. Noch immer ist kein Gegenmittel in Sicht. Der Millionär Sir Henry Epstein verliert seinen Sohn an die Krankheit, woraufhin er ein Projekt ins Leben ruft: das Cold-Sleep-Projekt. 160 Probanden werden in ein Schloss eingeladen, in dem Kälteschlafkammern auf sie warten. Erst, wenn ein Gegenmittel gefunden ist, sollen die Leute aufgeweckt werden. Kasumi ist eine der wenigen Auserwählten, doch muss sie alles, was sie kennt und liebt, zurücklassen. Vor allem ihre Zwillingsschwester Shizuku – ihr Ein und Alles – kann nicht mitkommen, denn sie hatte weniger Glück beim Verlosungssystem der Plätze beim Projekt. Kasumis letzter Gedanke gilt ihrer Schwester, bevor sie ihre Augen in der Schlafkapsel schließt. Nach einer unbekannten Zeit erwacht Kasumi, als sich ihre Kapsel öffnet. Als sie einen Blick aus dieser wirft, muss sie feststellen, dass der Strom weg ist und dass sich überall im Kälteschlafraum Dornenranken ausgebreitet haben. Andere Probanden erwachen ebenfalls und schnell stellt sich die Frage, was genau los ist. Doch viel Zeit bleibt ihnen dafür nicht, denn ein Schwarm unbekannter Flugtiere stürzt sich von der Hallendecke herab. Diese Monster greifen die Leute an und töten sie. Panik bricht unter den Erwachten aus und fast alle beginnen, zum Fahrstuhl zu rennen, dem einzigen Ausgang der Halle, und diesen aufzumachen. Doch lauert hinter der Fahrstuhltür schon das nächste Unheil: Ein riesiges Monster, das sogleich alle frisst, die vor der Tür stehen. Nur sieben Leute bleiben verschont und sind nun im Schlafsaal gefangen.

Kampf ums Überleben

Die Geschichte von König der Dornen beginnt mit knappen Erklärungen zur Grundsituation, in der sich die Figuren befinden und wechselt dann in eine temporeiche Flucht. Denn nicht nur die Flugmonster warten auf die Überlebenden. Dinosaurierähnliche Wesen nehmen schnell die Verfolgung auf. Mit knapper Not kann die Gruppe um Kasumi entkommen, doch bleibt immer noch die Frage: Wieviel Zeit ist vergangen, seitdem sie alle in die Schlafkammern gestiegen sind? Genau dieser unbekannte Faktor sorgt dafür, dass man die Geschichte schnell weiterverfolgen möchte und die Bände daher kaum aus der Hand legen kann. Wie ein Puzzle setzen sich nach und nach die Teile logisch zusammen. Wer genau aufpasst, kann selbst miträtseln, wird aber nicht immer auf die Erklärungen kommen. Dazu sind viele Antworten zu kreativ ausgefallen und heben die Geschichte aus der Masse hervor. Niemand hätte wohl zu Beginn gedacht, dass Medusa eine Lebensform aus dem All ist, die versucht, aus der Fantasie der Leute Lebensformen zu schaffen. Immer, wenn dieser Prozess nicht klappt, versteinern die Leute, was eine Erklärung für das Ganze ist.

Gruppendynamik von Todeskandidaten

Originaltitel Ibara no Ou
Jahr 2002
Bände 6
Autor Yuji Iwahara
Verlag Tokyopop (2005 – 2007)
Genre Action, Drama, Science-Fiction

Während die Story einen wirklich kreativen und unerwarteten Lauf nimmt, sind leider die Charaktere sehr schablonenhaft geworden. Immerhin sind in der Gruppe viele Charaktertypen vorhanden, weswegen jeder einen finden sollte, den er mag. Allen voran ist Kasumi sehr sympathisch, weil sie neben ihr Schwäche leicht aufzugeben trotzdem immer wieder den Mut findet, Missstände offen ansprechen. Dadurch überrascht sie den Leser immer wieder. Neben der jungen Asiatin hat der breit gebaute Marco eine der Hauptrollen inne. Er sorgt mit seinen schroffen Kommentaren für einigen Unmut in der Gruppe. Außerdem scheint er einiges mehr zu wissen, als er es vorgibt. Katherine Turner ist die Mutter in der Runde, welche ein dunkles Geheimnis mit sich trägt. Bei ihrem Verhalten ist aber schnell klar, worum es dabei geht. Timothy ist das einzige Kind, weswegen ihm die Aufgabe zufällt, einen der Lüftungsschächte lang kriechen. Ron Portman ist als Charakter so konzipiert, dass er nicht einfach Befehle annimmt. Daher kommt es oft zum Streit zwischen ihm und Marco. Alexandro Pecchino ist Senator und macht keinen Hehl daraus, dass er sich seinen Platz im Projekt erkauft hat. Peter Stevens kennt sich in der Einrichtung aus, da er am Projekt beteiligt war. Ihm ist es zu verdanken, dass die Gruppe den einen oder anderen Weg findet. Da es sich bei allen Figuren um Medusa Infizierte handelt, läuft die Uhr für jeden! Sechs Monate nach der Infizierung versteinern die Personen. Im Cold-Sleep-Centrum haben daher alle Probanden einen Armreif bekommen. Das Display, das sich auf diesem befindet, färbt sich nach und nach schwarz, wenn die Krankheit sich im Körper ausbreitet. Sobald die Anzeige sich vollständig verfärbt hat, beginnt der Versteinerungsprozess. Daher bleibt den Figuren auch nie wirklich Zeit, sich auszuruhen.

Ein bisschen Alien und ein bisschen Dornröschen

Yuji Iwaharas Zeichenstil ist recht markant, denn er verwendet nur wenig bis kaum Rasterfolie. Er erschafft durch Schraffuren einfache Strukturen und Schattenverläufe. Trotz der fehlenden Graustufen sind die Bilder klar gestaltet und die Figuren heben sich immer gut von den Hintergründen ab. Seine Outlines sind gerne etwas stärker gezogen und es herrscht ein starker schwarz weiß Kontrast. Beim Design der Figuren hat Iwahara sich zwar nicht ausgetobt, dafür aber bei seinen Monstern. Viele der Wesen sehen reptilienartig aus und das Monster aus dem Fahrstuhlschacht erinnert von seiner Schnauze her, an das bekannte Alien aus der gleichnamigen Filmreihe. Elemente des Märchens Dornröschen werden auch eingebunden: ein Schloss, ein schlafendes Mädchen und Dornenranken. Im Film baute man daher sogar ein, dass Katherine das Märchen am Anfang vorliest, als alle auf dem Weg zum Schloss sind. Wer Iwaharas Manga Dimension W nicht gelesen hat und trotzdem ein Déjà-vu-Gefühl hat, der muss sich nicht wundern. Iwarhara zeichnete das Charakerdesign für den Anime Darker than Black, wovon Staffel eins hierzulande auch zu kaufen ist. Nach der sechsbändigen Veröffentlichung von König der Dornen von 2005 bis 2007 spendierte Tokyopop dem Titel 2012 eine Neuauflage in Form von drei 2 in 1-Bänden.

Ich habe zuerst den Animefilm gesehen und war hin und weg, woraufhin ich mir mir die Mangabände kaufte. Als ich anfing zu lesen, konnte ich gar nicht mehr aufhören, denn die Geschichte ist extrem spannend und packend. Neben all den Fragen müssen die Figuren ständig kämpfen und fliehen. Dabei bleibt ihnen kaum Zeit, denn über allem thront die Angst, dass der Virus sie dahinrafft. Kasumi hat mich sehr überrascht. Ich ging am Anfang davon aus, dass sie ein schüchternes Mädchen ist. Doch sie teilt ganz gut aus im Verlauf der Handlung. Meine Lieblingsfigur ist Marco, denn er spricht oft aus, was ich mir auch gedacht habe. Dass er ein Hacker ist, hätte ich am Anfang nicht gedacht, da er absolut nicht nach einem aussieht.  Ich habe beim Lesen oft versucht darauf zu kommen, was passiert sein könnte oder was überhaupt im Schloss los ist. Daran bin ich dann aber doch oft gescheitert und wurde positiv überrascht, bei dem, was sich der Autor hier ausgedacht hat. Die Zeichnungen von Iwarahara liebe ich total. Ich mag solche starken schwarz-weiß Styles, wie ich sie von Miwa Shirow (Dogs: Bullets & Carnage) kenne. Auch die Farbseiten finde ich nicht schlecht. Ich muss aber sagen, dass die s/w Kapitelcover mir mehr zusagen.

Zweite Meinung:

König der Dornen gehört zu den stärksten Mangas mit Endzeit-Szenario, was allerdings auch ein wenig dem Mangel an Konkurrenz geschuldet ist. Geht man den einen oder anderen inhaltlichen Kompromiss ein, bekommt man eine gute und dicht erzählte Story geboten, die vor allem auch spannend ausfällt. Die anfangs noch nervige Hauptfigur macht eine angenehme Entwicklung durch, sodass man an Kasumi zum Ende hin kaum noch etwas aussetzen kann. So manches Charakterschicksal ist allerdings auch etwas zu weit daneben gegriffen. Die Mutationen von Ron und Tim sind bescheuert. Juckt das keinen, dass Tim nun diesen Arm hat? Ron hat es dagegen ja gut erwischt mit neuer Haarfarbe. Überhaupt finde ich diese seltsamen Viecher total unpassend und störend. Die Dinos sind ja teilweise richtig bedrohlich, das sieht dagegen aber schon beinahe lächerlich aus. Ebenso schlecht finde ich Kathryns Mutation in Band 5. Immerhin hat sie so etwas wie Tiefe errungen und war somit kein verschwendetes Kanonenfutter.  Vor allem angesichts der überschaubaren Anzahl der Bände sollte man den Titel unbedingt gelesen haben, wenn man sich auch nur annähernd für Survival-Thriller begeistern kann.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen vom Manga Kenshin an Samurais verloren.

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