Noein: to your other self

Bei Zeitreisegeschichten stehen die Figuren oft vor der schweren Frage, ob sie den Lauf der Zeit einfach ändern dürfen. Doch was machst du, wenn die Rettung deiner Welt nur dann funktioniert, wenn du dafür das Leben anderer zerstörst? Dieser schweren Frage stellen sich die Charaktere im Anime Noein: to your other self , welcher 2005 von Studio Satelight (Log Horizon) produziert wurde.

      

Die Dimension La’cryma führt seit Jahren Krieg gegen eine andere Dimension mit dem Namen Shangri-La. Um die Menschen von La’cryma zu retten, wurde eine spezielle Gruppe ins Leben gerufen: Die „Drachen-Einheit“. Diese Einheit wird durch Raum und Zeit geschickt, um den „Drachen-Halsring“ zu finden und in ihre Welt zubringen, denn nur dieser hat die Kraft, die Invasion aus der anderen Dimension zu stoppen. Karasu ist ein Mitglied dieser Gruppe und kann seinen Augen kaum glauben, als er bei einer seiner Reisen den Drachen-Halsring findet. Doch es gibt ein Problem: Der Halsring ist ein Teil des Mädchens Haruka Kaminogi, welcher in ihrem Körper steckt. Und niemand geringeres als sein 15 Jahre jüngeres „Ich“ Yu Gotou stellt sich ihm in den Weg. Für Karasu läuft die Zeit ab und er muss zuerst in seine Dimension zurück, bevor er den beiden überhaupt etwas erklären kann. Für Haruka ändert sich einiges nach diesem Treffen. Sie lernt von dem Drachen-Halsring und dessen Fähigkeiten. So kann sie dank ihm in die Zukunft schauen und den Lauf der Zeit verändern. Dabei hat sie ganz andere Sorgen: Ihr Kindheitsfreund Yu wird von seiner Mutter regelrecht zu Hause eingesperrt. Er darf es nur noch für die Schule oder die Nachhilfe verlassen. Zudem verbietet sie ihm auf das Strengste den Kontakt zu seinen Freunden. Yu weiß sich keinen Ausweg mehr und möchte weglaufen. Als Haruka und er gemeinsam eine Nacht auf der Aussichtsplattform am Berg verbringen wollen, tauchen andere Mitglieder der Drachen-Einheit auf. Schutzlos sind die beiden Kinder den Kriegern ausgeliefert, doch Karasu stellt sich dazwischen. Im Kampf schafft er es, die anderen zurück in ihre Dimension zu schlagen, während er dort bleibt, um Haruka zu beschützen. Was keine leichte Aufgabe ist, denn nicht nur die Drachen-Einheit hat ein Auge auf Haruka geworfen!

Jeder hat so seine Probleme

Originaltitel Noein: Mou Hitori no Kimi e
Jahr 2005
Episoden 24 (1 Staffel)
Genre Science-Fiction, Drama
Regisseur Kazuki Akane
Studio Satelight

Dimensionswechsel, Zeitreisen und Quantenphysik — das sind die Themen von Noein: to your other self . Der Zuschauer sollte daher von Anfang an mit dem Kopf bei der Sache bleiben. Doch wer Angst hat, dass die Geschichte zu trocken ist, der kann beruhigt sein. Die Gefühle der Charakter werden ausführlich dargestellt und stehen oft im Vordergrund. Harukas Eltern sind geschieden und sie selbst muss sich um den Haushalt kümmern, weil ihre Mutter als Autorin viel im Stress ist. Isami ist Yus bester Freund und er macht sich große Sorgen um ihn. Er überlegt zusammen mit Haruka, wie sie Yu aus den Fängen seiner Mutter retten können. Was wiederum Ai — Harukas beste Freundin — falsch versteht und daher einen Streit mit dieser anfängt. Sie ist nämlich schon lange in Isami verliebt, traut sich aber nicht es ihm zu sagen. Miho ist nach außen hin immer gut gelaunt, doch hat sie Angst wegen ihrer Vorlieben irgendwann alleine dazustehen. Dagegen wirken die Probleme der Krieger aus La’cryma viel ernster. Jede Dimensionsreise könnte ihre letzte sein, denn nicht immer schaffen sie es, im Ganzen hin und zurück. Ihre Einheit ist daher schon sehr geschrumpft und ihre Welt droht den Kampf gegen die Monster der anderen Dimension zu verlieren. Als Karasu dann auch noch auf sein früheres Ich trifft, löst das eine Welle an Gefühlen aus. Er hasst Yu, denn dieser ist in seinen Augen ein Schwächling und kann Haruka nie und nimmer beschützen. Er sieht sich und vor allem seine Unfähigkeit, konnte er doch selber seine Geliebte nicht retten. Dieser Schmerz treibt ihn dazu, die Rettung seiner Welt zu vergessen. Lieber möchte er diese Haruka beschützen. Seine Emotionen bleiben nicht verborgen, das macht wiederum Yu eifersüchtig. Zwischen den beiden Herren steht dann unsere Heldin, die für beide Gefühle hat. Es sind im Grunde doch beide Yu!  Das Gefühlschaos ist vorprogrammiert.

Qualitative Achterbahn

Optisch leidet Noein: to your other self unter stark schwankenden Animationen was das Aussehen der Charakter betrifft. So sieht man nicht nur Unterschiede von Folge zu Folgen, sondern auch innerhalb einer Episode. Glaubt man, dass Studio Satelight Budgetprobleme hatte, wird schnell klar, dass es daran nicht liegen kann. Die Folgen sind auch heute noch flüssig animiert und vor allem die Kämpfe sind dynamisch in Szene gesetzt. Daher bleiben offen, woran diese Schwankungen liegen. Das Charakterdesign ist gewöhnungsbedürftig. Es ist sehr eckig und kantig, dadurch aber auch sehr markant. Takahiro Kishida zeichnet sich dafür verantwortlich und ist kein unbeschriebenes Blatt in dem Bereich. So hat er das Charakter-Design von Haikyu!! und Welcome to the Ballroom für die Animes vorgenommen. Auf der Personalliste, welcher befinden sich einige bekannte Namen wie Kazuki Akane (The Vision of Escaflowne) nicht nur der Regisseur des Animes, sondern auch dessen Erfinder ist. Bei Noein: to your other self handelt es sich nämlich um einen Original-Anime. Das heißt, es gibt keine andere Medienvorlage, die hier adaptiert wurde. Das merkt man wiederum beim Schauen, denn nie keimt das Gefühl auf, dass Vorlaenmaterial ausging und daher etwas gestreckt werden musste. Der stimmungsvolle Soundtrack stammt aus der Feder von Masumi Itou (Canaan, Chrono Crusade) und fügt sich jederzeit gut in die Geschichte ein. Das Ending „Yoake no Ashioto“ von solua ist sehr ruhig, was für Abspänne häufiger der Fall ist. „Idea“ von eufonius kommt hingegen poppiger daher. Die fröhlichen, sanften Klänge passen gut zur Heldin Haruka. Eine deutsche Veröffentlichung gibt es leider (noch) nicht. Wer sich die Serie gerne ins Regal stellen möchte, kann aber auf die englische Komplettbox zurückgreifen.

 

Ich habe Noein: to your other self 2006 das erste Mal angeschaut und war hin und weg. Seitdem steht der Titel in meiner Top 10 Liste. Zeitreisethemen mag ich seit ich klein bin und damit trifft der Anime einen Nerv bei mir. Das Schicksal der Krieger und ihrer Welt ist sehr traurig und man kann nicht anders, als mit ihnen zu leiden. Doch auch Haruka und ihre Freunde haben so ihre Sorgen, die mich alles andere als lassen. Für mich ist besonders interessant, wie es zwischen Haruka, Yu und Karasu weitergeht. Yus Verhalten ist leider nicht sehr stabil, denn immer wieder verliert er den Mut. Dass Karasu das nervt, kann man verstehen. Mich hat es immer wieder aufgeregt. Gerade als Haruka unbeabsichtigt in der zukünftigen Dimension La’cryma landet, sieht Yu, wie wichtig sie ihm ist. Trotzdem bleibt er weiterhin so schwankend in seinen Entscheidungen. Sehr dramatisch finde ich den finalen Teil, als Haruka von Neoin in seine Zeit gebracht wird. Nicht nur sie ist geschockt, sondern auch ich, dass Noein niemand anders als Yu aus einer anderen Zeitlinie ist und dass ihr dortiger Tod ihren Freund zu all den schrecklichen Taten bewegt hat.  Der Storyfaden wird nie fallen gelassen und viele der Wendungen sind überraschend. Das schwankenden Animationen haben mich kaum gestört, da meine Augen auf die wirklich tollen Kämpfe gezogen wurden. Das Ending ist leider so gar nicht mein Fall, aber ich liebe das Opening. Ich kann daher gar nicht anders als den Anime weiter zu empfehlen.

 

Diesen Artikel teilen

Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen vom Manga Kenshin an Samurais verloren.

Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar