Persona 5

Im April 2017 war es nach vielen Verschiebungen endlich so weit. Der fünfte Teil der von Fans und Kritikern gefeierten Persona-Reihe erschien endlich für Sonys Heimkonsolen. Mit der langen Wartezeit wurden auch die Erwartungen an das Spiel immer größer und viele Spieler fragten sich, ob sich der neue Teil ein weiteres Mal als absolutes Maß des Rollenspiel-Genres präsentieren oder als langweiliges Mittelmaß in der Versenkung verschwinden würde. Der Druck auf die Entwickler war also hoch wie nie und die Frage, ob das Spiel dem allen standhalten kann, schwebte bis zum Release-Termin in der Luft. Hat das Spiel jetzt geliefert, was erwartet wurde?

    

Die Persona-Reihe hat in den letzten Jahren durch vermehrte Releases stark an Bekanntheit in Europa gewonnen. Auch die Remakes der älteren Teile und die Verfügbarkeit über digitale Shops sorgten für einen starken Zuwachs der Fanbase. Teil 5 ist dementsprechend mit großer Spannung und Vorfreude erwartet worden. Was aber haben die Entwickler sich überlegt, um neue und alte Fans des Franchises zu begeistern?

Etwas Altes, Etwas Neues, Etwas Bekanntes

So viel sei gesagt, die Entwickler wissen ganz genau, wo die Stärken der Vorgänger lagen. Die sozialen Elemente, die graphische Präsentation und gut strukturiertes Gameplay: Dies sind die Bausteine, die bisher in jedem Teil funktioniert haben. Im Gegensatz zu vielen neuen RPGs bleibt Persona 5 seinem Kampfsystem treu und bietet rundenbasierte Kämpfe. Die Oberfläche ist einfach gehalten und bietet einen schnellen Zugriff auf alle möglichen Befehle. Erweiterte Möglichkeiten wie Gruppenangriffe werden effektvoll in Szene gesetzt. Neben den Kämpfen gibt es natürlich auch wieder die Möglichkeit, sich mit seinem sozialen Umfeld zu beschäftigen und die Beziehungen zu ihnen zu stärken, was entweder den Teamkameraden Boni bietet oder

Originaltitel Persona 5
Jahr 2016 (J), 2017 (D)
Plattform Playstation 3, Playstation 4
Entwickler Atlus
Publisher Deep Silver
Spieler 1
USK

erweiterte Möglichkeiten für den Erwerb von Items freischaltet. Durch die Unterhaltungen werden auch Informationen zu den verschiedenen Charakteren bekannt; diese bleiben nicht nur gesichtslose Nebenfiguren. Wer keine Lust auf andere Personen hat, kann sich natürlich auch allein beschäftigen und Werte wie Wissen oder Mut erhöhen, um ebenfalls weitere Möglichkeiten im Spiel zu aktivieren oder bestimmte Unterhaltungen erst möglich zu machen. Dazu kann man essen gehen, Videos schauen, in Nebenjobs Geld verdienen oder stellt nützliche Items in seinem Zimmer her. Während die genannten Möglichkeiten schon aus den früheren Teilen bekannt waren, gibt es eine sehr gute Neuerung, die positiv zu überraschen weiß. Während die Vorgänger die betretbaren Dungeons zufällig erstellten, bietet Persona 5 überraschenderweise fixe Layouts. Jeder der Hauptdungeons hat sein ganz spezifisches Aussehen, was auch damit zusammenhängt, wie sie in diesem Teil entstehen. Dadurch wird es aber keineswegs langweilig, da man diesmal kleine Rätsel und Möglichkeiten zur Interaktion innerhalb der Dungeons ermöglicht hat. Später kann man die zufallsgenerierten Dungeons als Trainingsgebiet und Teil einer Nebenquest aber trotzdem noch freispielen. Und wieder einmal hat es auch diesmal einen Grund, wieso genau diese Dungeons jedes Mal ihr Aussehen ändern.

Von Außenseitern, Dieben und Herzen

Der Hauptcharakter ist dieses Mal ein Außenseiter, der wegen eines vermeintlichen Verbrechens von seinen Eltern auf eine andere Schule geschickt wurde und dort wegen seiner Vorgeschichte von allen nur widerwillig akzeptiert wird. Ständige Beleidigungen und Ausgrenzung sind normal, und eigentlich hat er sich daran schon gewöhnt, bis er mit Ryuji einen Kameraden trifft, der den Außenseiterstatus mit ihm gemeinsam hat. Mit der (vermeintlichen) Katze Morgana und Ann formen diese vier von verschiedensten Problemen geplagten Individuen die Phantom Thieves: eine Gruppe besonderer Diebe, die es sich zur Aufgabe gemacht hat die „Herzen“ all jener zu stehlen, die Menschen um sich herum in den Abgrund führen. Jeder der Phantom Thieves hat persönliche Gründe, warum er oder sie sich dem Protagonisten anschließt, und diese stammen aus ihren Problemen und Ängsten. Durch den Kampf gegen ihre inneren Ängste entstehen schließlich ihre Personas. Diese repräsentieren eine Art zweites Ich, das es einer Person ermöglicht, Magie und andere Fertigkeiten einzusetzen. Dabei hat jede Persona ganz spezifische Stärken und Schwächen, die perfekt ausgenutzt werden sollten, um in manchen Kämpfen nicht überrannt zu werden.

Der Schein trügt

Eines der wiederkehrenden Themen ist und bleibt die oberflächliche Wahrnehmung. Immer wieder werden die Protagonisten mit einer Welt konfrontiert, in der der erste Eindruck trügt. Gute Menschen sind es nicht wirklich, gefestigte Persönlichkeiten sind in Wirklichkeit zerrissen, und niemand kann sich sicher sein, ob die Person vor einem ihren wahren Charakter hinter einer Maske aus Lügen verbirgt. Auch weniger schöne Seiten der Gesellschaft werden beleuchtet und Verbrecher aller Art dürfen zeigen, wie sie ihr Innerstes in Wirklichkeit repräsentiert. Auch deren Wahrnehmung hat dabei einen Einfluss, wie die Hauptdungeons und die Gegner darin aussehen. Dadurch wird natürlich auch ein Gesellschaftsbild gezeichnet, das oft eher negativ erscheint. Vieles davon ist auch durch die schlechten Erfahrungen des Protagonisten und seiner Gefährten beeinflusst. Am Ende ist es aber trotzdem ein positiver Unterton, der uns durch das Spiel begleitet. Aus Außenseitern werden Freunde. Aus Dieben werden Retter für die Alleingelassenen. Immer wieder werden aus einseitigen Sichtweisen Blicke auf das große Ganze. Der Horizont wird ständig erweitert, und damit erweitern sich auch die Möglichkeiten im Spiel. Was die gesammelten Erkenntnisse am Ende bringen, liegt jedenfalls am Spieler, denn das Ende ist keinesfalls in Stein gemeißelt und die Entscheidungen im Spiel haben einen Einfluss darauf.

Persona als Serie ist mittlerweile bekannt dafür, einer der besten Vertreter des JPRG-Genres zu sein, und der neueste Teil unterstreicht diesen Eindruck nur. Dutzende Stunden an Spielzeit werden geboten, die Möglichkeiten sich zu beschäftigen sind unglaublich zahlreich. Die Präsentation ist mittlerweile ebenso markant wie die anderer bekannter Serien aus Japan, wie z.B. Dragon Quest, und trägt ihren Teil dazu bei, dass die Spiele Wiedererkennungswert haben. Mit dem fünften Teil hat sich Atlus aber selbst übertroffen. Kritiken und Verkaufszahlen bestätigen nur, wie außergewöhnlich gut das Spiel ist. Ich selbst kann mich dem nur anschließen. Selten war ich so gefesselt und gespannt wie bei diesem Spiel. Die Story, das Kampfsystem, die Graphik und der eingängige Soundtrack motivierten mich, einfach immer wieder weiter zu machen und Stunde um Stunde in die Erforschung dieser Welt zu stecken. Jeder Charakter bekommt Tiefe, selbst die Gegner werden beleuchtet, und man kann sich wirklich verlieren in diesem Spiel. Jeder, der auch nur ein wenig mit RPGs anfangen kann und genug vom bekannten Einheitsbrei hat, sollte sich dieses Spiel zu Gemüte führen. Man wird belohnt mit einem der besten RPGs der letzten Jahre und wird sich danach nur fragen: Wann kommt Teil 6? Für mich kommt dieses Spiel schon sehr nahe an Perfektion.

Zweite Meinung:

Persona 5 hat mich über Wochen gefesselt, ich konnte währenddessen kein anderes Spiel anrühren und enorm darin investiert. Ich hab ganze 125 Stunden für den Durchlauf gebraucht, ohne Backtracking oder Grinden, was schon eine Ansage ist. Wobei meine Lesetempo vielleicht etwas langsam ist und ich keine Texte geskippt habe, selbst die redundanten Handygespräche. Das könnte gut das längste JRPG sein, dass ich gespielt habe. Ich muss sagen, dass es sehr vieles schon ähnlich macht wie der letzte Persona-Ableger. Das merkt man unweigerlich und findet sich sehr schnell in die Spielmechanik und dem Flow des Spiels ein. Ich hätte mir eigentlich gewünscht, dass die Aktivitäten auch mehr Interaktion vom Spieler erwarten um da mehr die dialoglastigen Passagen aufzulockern. Das ist jetzt Meckern auf hohem Niveau, immerhin hat mir das Spiel soviel Spaß bereitet. Aber man muss halt auch ehrlich sagen, dass man kaum fünf Minuten am Stück spielen kann, ohne dass irgendein Dialog getriggert wird, das Handy klingelt oder die Kameraden bzw. die Katze sich zu Wort melden. Man kann schon früh feststellen, dass die Atmosphäre düsterer ist und die angesprochenen Themen schon etwas mehr die Schattenseiten der Gesellschaft aufzeigen, statt der Happy-Go-Lucky-Atmosphäre des vierten Ablegers. Das sieht man ja auch schon an der Darstellung des Velvet-Rooms als Gefängnis oder wie die Personas fusioniert werden. Und dann hat es diesen Fokus auf die Außenseiter, die sich nicht dazugehörig fühlen und gegen die Erwachsenen „rebellieren“. Ich muss echt sagen, dass mir auch in dem Spiel die Figuren sehr ans Herz gewachsen sind. Ich überlege noch, ob ich einen weiten Durchlauf mache, um ein paar Dinge noch vervollständigen.

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Hero Kage

Hero Kage ist Masterstudent im letzten Semester, arbeitet an seiner Masterarbeit und damit am Abschluss seines Ausbildungweges. In seiner Freizeit erholt er sich mit jedem Medium, das eine Geschichte bieten kann, die ihm gefällt. Dabei unterscheidet er nicht zwischen einzelnen Medien. Es geht ihm nur darum, besonders gut unterhalten zu werden. Zudem ist er auch noch passionierter Brett- & Kartenspieler und immer für ein neues Spiel zu begeistern.

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