Phantastika 2017 – Das Festival der Phantastik

Vom 2.-3. September 2017 pilgerten kriegerische Klingonen, spitzbehütete Zauberer und sicherlich ein gutes Pfund pfundiger Hobbits nach Oberhausen; alle mit einem Ziel: das erstmals stattfindende Festival der Phantastik, die Phantastika. Aber was hat die abenteuerlustigen Wanderer dort erwartet? Haben die Halblinge noch etwas anderes gemacht, außer Essensstände zu plündern? Und was ist die Phantastika überhaupt? Die Antwort folgt auf dem stark behaarten Fuße.

Phantastika – Eine neue Buchmesse?

Wer ‚Phantastika‘ speziell in Verbindung mit Zauberern und gewissen halbwüchsigen Ringschmuckvandalen liest, wird wohl schnell den Verdacht hegen, dass es sich um eine neue Buchmesse handelt. Einziger Stirnrunzler dürften die Klingonen sein, die aus irgendeinem Grund ebenfalls eingeladen wurden; eine Entscheidung, den die Veranstalter sicher schnell bereut haben. Ganz falsch ist das nicht, denn die Phantastika hat einen ordentlichen Schwung an Lesungen, Autorenautogrammstunden und Verlagsbeschnupperungen für die geneigte magisch begabte Leseratte zu bieten. Zudem war einer der größten Programmpunkte die Verleihung des DPP, des Deutschen Phantastik-Preises. Wer sich aber jetzt mit zufriedenem Brummen ‚Ah, also eine Buchmesse…‘ murmelt und sich mit wissenden Nicken zurücklehnt, muss sich ein Zeigefinger wackelndes ‚Nicht so hastig‘ gefallen lassen. Zwar basiert letztlich alles auf den mal wirren, mal wahnwitzigen Welten wundervoller Wortwerkler, aber die Phantastika will nicht ausschließlich einen Blick auf die mit Phönixfederkielen gekritzelten Machwerke werfen, sondern alle Aspekte der Phantastik einfangen und neugierigen Besuchern näher bringen. Wenn man sich den ganzen Bereich der Phantastik als Baum vorstellt, pflückt die Phantastika nicht einfach nur die Früchte mit Aufschrift ‚Bücher‘ für den Präsentationskorb, sondern schmeißt nach kurzem Überlegen den Korb beiseite, topft kurzerhand den gesamten Baum um und verfrachtet das leicht verwirrt drein blickende Riesenpflänzchen nach Oberhausen. ‚Wie jetzt? Baum, Phantastik, was soll das denn jetzt heißen?!‘ Schauen wir noch einmal genauer hin.

Einmal Phantastik mit allem, bitte!

Bereits ein kurzer Blick ins Programm des Festivals enthüllt, dass es mit Lesungen, Meet-and-Greets mit Autoen nicht getan ist. Auch Theateraufführungen, ein Filk-Konzert (nein, kein Schreibfehler, sondern Folk mit phantastischen Anleihen) sowie ein Mittelalterschwertshowkampf-Workshop ließen sich in Oberhausen finden. Man munkelt weiterhin, dass in einem Abschnitt willigen Teilnehmern beigebracht wurde, ihre eigenen, leider funktionsunfähigen – Wermutstropfen gibt es immer -, Zauberstäbe zusammenzubasteln. Obendrein hatten sich selbst Jedis mit ihren üblichen ‚Das sind definitiv die Ausstellerausweise, die Sie suchen!‘-Machttricks eingeschummelt, um eine Lichtschwertschule zu eröffnen. Typisch!
Das ist allerdings noch immer nicht alles, auch Vorlesungen zur Phantastik fanden ihren Platz sowie Technikausstellungen des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums. All das in einem familienfreundlichen Rahmen – Orks waren nicht zugelassen. Auch den Klingonen wurden spontane Welteroberungen verboten und so beschränkten sie sich zivilisierter Weise auf Sprachkurse.
All das liest sich wie ein wahnwitziges aber knallbuntes Potpourri, in denen aus aller Herren Fantasyländer und imaginärer Welten Zutaten hineingepurzelt wären. Und das ist letztlich der Sinn und Zweck des Ganzen. Die Phantastika will, wollte und war ein Fest der Phantastika, nicht der phantastischen Literatur. Sie will den Besuchern alle Geschmacksrichtungen erfahrbar machen. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: „Die Phantastika wollte sich von Anfang an als ‚Festival der Phantastik‘ präsentieren. Es sollte keine weitere ComicCon werden, aber auch keine weitere Buchmesse. Ein Fest für die ganze Familie, an dem die Phantastik gefeiert wird und zwar in all ihren Fassetten.“ Das Zitat stammt von einer der Aussteller-/Mitorganisatorinnen Grit Richter vom Art Script Phantastik Verlag, die sich bereit erklärt hatte, einige Fragen zum übernatürlichen Spektakel in Oberhausen zu beantworten. Das ganze kleine Interview lässt sich hier finden. Übrigens war sie ebenfalls bei der Verleihung des DPP beteiligt. Und mit dieser gekonnten Überleitung…

And the nominees are

…springen wir sogleich voran zum nächsten Thema, ohne das vorherige wirklich zu verlassen: dem DPP.

Wer ist dieser DPP? Und warum hat er ein eigenes Logo? Eine kurze Vorstellung scheint vonnöten. Faktisch handelt es sich um eine „Sie“, trotz männlich anklingenden Namens, Der da lautet: Deutscher Phantastik Preis. Sie ist anders als die Phantastika kein junger Hüpfer mehr, sondern kann auf ganze 18 Jahre zurückblicken, in der sie Vertreter der phantastischen Literatur geehrt hat. Angefangen hat sie noch recht klein, damals, im Jahr 1999. Mit nur vier Kategorien hatte sie sich zufrieden gegeben und die Leser des Magazins Phantastik News waren für ihre Betreuung verantwortlich. Ganze 18 Jahre später kann sie mit Stolz auf 10 Kategorien schauen, mit denen sie literarische Lorbeeren verteilen kann.
2017 war zudem das erste Mal, das sie die Phantastika beehrt hat, zuvor hatte sie ihren Sitz auf dem Buchmesse Convent, das parallel zur Frankfurter Buchmesse stattfindet. Man könnte nun vermuten, dass sie sich zugeknöpft gibt und rücksichtslos Leute und Titel ehrt, die ihr in den Sinn kommen. Das verhält sich gänzlich anders; sie ist überaus demokratisch eingestellt. Sie überlässt den Auswahlprozess ihren Helfern, der in diesem Jahr in etwa so ablief:
Zunächst hat sich eine unabhängige Jury zu Tee und Elbenbrot getroffen, um in elrondiger Ratshaltung die Titel für die Longlist zu bestimmen. Von März bis April 2017 durften dann eifrige Leser und Leserinnen per Online-Abstimmung, ihren Lieblingstiteln die Stimme angedeihen lassen, um sie von der Long- auf die Shortlist zu katapultieren. Den Abstimmenden wird dabei übrigens auch die Möglichkeit gegeben, eine eigene Nominierung vorzunehmen, falls man in stirnrunzelnder Verwunderung feststellt, dass DAS Meisterwerk des Jahres gar nicht auf dem Zettel steht. Die finalen Finalisten und magischen Krönchenträger ihrer jeweiligen Kategorie wurden in einem letzten Verfahren erneut per Abstimmung herausgefiltert, das von Mai bis Juni 2017 lief. Die gute DPP ehrt die so herausgefilterten mit hoheitlicher Gönnerhaftigkeit und sogar einer Dotierung von 500 Euro für den Gewinner der jeweiligen Kategorie. Eine kurze Anmerkung noch, bevor wir uns die Kategorien und ihre Gewinner ansehen: Die werte DPP hat auch noch einen Namensvetter mit dem sie häufig verwechselt wird: DFP; Deutscher Fantasy-Preis. Der betagte Herr ist seit 1979 im Dienst und ehrt Gestalten und Werke, die der phantastischen Literatur in Deutschland einen ordentlichen Dienst erwiesen haben. The more you know!

Nun aber zu den Finalisten und den Gewinnern:

Nominierte „Beste Deutschsprachige Anthologie/Kurzgeschichtensammlung“

Andreas Gruber | Apocalypse Marseille: 13 utopische Geschichten | Luzifer-Verlag
Nadja Losbohm | Die Magie der Bücher | Selfpublisher
Ingrid Pointecker | Heimchen am Schwert: Femtasy mit starken Frauen | OHNEOHREN
Christian Handel | Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln | Drachenmond-Verlag
Birgit Otten | Roter Mond – 9 fantastische Geschichten | BookRix

And the winner is… Christian Handel mit Hinter Dornenhecken und Zauberspiegeln

Nominierte „Bester Deutschsprachiger Comic“

Markus Heitz, Che Rossié u. a. | Die Zwerge: Band 2. Der Thronanwärter | Splitter-Verlag
Lian | Mechanical Princess | Selbstverlag
Michael Peinkofer, Peter Snejbjerg u. a. | Ork-Saga 1: Zwei Brüder | Cross Cult
Kai Hirdt, Marco Castiello u. a. | Perry Rhodan Comic 1: Die Kartografen der Unendlichkeit 1 | Cross Cult
Martin Fisher, Ingo Römling u. a. | Star Wars Rebels Comic: Bd. 1: Widerstand | Panini

And the winner is… Markus Heitz, Che Rossié mit Die Zwerge Band 2!

Nominierte „Bester Deutschsprachiger Grafiker“

Alexander Kopainski | Die Legenden von Karinth (Band 1) | Sternensand
Arndt Drechsler | Die zweite Finsternis | Papierverzierer Verlag
Melanie Philippi | Rodinia – Die Rückkehr des Zauberers | Papierverzierer Verlag
Nadine Schäkel | Aventurischer Almanach | Ulisses Medien und Spiel Distribution GmbH
Timo Kümmel | Niemand – Mehr! | Fabylon

And the winner is… Alexander Kopainski!

Nominierte „Bestes Deutschsprachiges Hörspiel/Hörbuch“

Cornelia Funke | Drachenreiter – Die Feder eines Greifs | Atmende Bücher/Oetinger
Andreas Suchanek | Heliosphere 2265 | Greenlight Press
Maya Shepherd | Märchenhaft erwählt | Maya Shepherd
Neil Gaiman | Niemalsland | Bastei Lübbe
Markus Heitz | Wédora – Staub und Blut | Audible GmbH

And the winner is… Cornelia Funke mit Drachenreiter – Die Feder eines Greifs!

Nominierte „Bester Internationaler Roman“

Cassandra Clare, Sarah Rees Brennan u. a. | Die Legenden der Schattenjäger-Akademie | Arena
Cecelia Ahern | Flawed – Wie perfekt willst du sein? | FISCHER FJB
Cassandra Clare | Lady Midnight: Die Dunklen Mächte | Goldmann Verlag
Stephen King | Mind Control | Heyne Verlag
Mirjam H. Hüberli | Rebell: Gläserner Zorn | Drachenmond-Verlag

And the winner is… Mirjam Hüberli mit Rebell: Gläserner Zorn!

Nominierte „Beste Deutschsprachige Kurzgeschichte“

Andreas Eschbach | Acapulco! Acapulco! | René Moreau
Faye Hell | Cock Sucking Porno Vampires from hell | Eldur Verlag
Thomas Finn | Meister Calamitas‘ erstaunliche Kuriositäten | Briefgestöber
Nora Bendzko | Wolfssucht (Nora Bendzkos »Galgenmärchen« 1) | Selfpublisher
Jenny Wood | Zombie Zone Germany: Letzter Plan | Amrûn Verlag

And the winner is… Andreas Eschbach mit Acapulco! Acapulco!

Nominierte „Bester Deutscher Roman“

Kai Meyer | Die Seiten der Welt: Blutbuch | FISCHER FJB
Katharina Seck | Die silberne Königin | Bastei Lübbe
Carina Zacharias | Emba – Magische Wahrheit: Band 2 | beBEYOND by Bastei Entertainment
Tommy Krappweis | Ghostsitter, Band 03: Hilfe, Zombie-Party! | Egmont Schneiderbuch
Markus Heitz | Wédora – Staub und Blut | Knaur HC

And the winner is… Kai Meyer mit Die Seiten der Welt: Blutbuch

Nominierte „Bestes Deutschsprachiges Romandebüt“

Nadine Erdmann | Cyberworld | Greenlight Press
Nicole Gozdek | Die Magie der Namen | ivi
Matthias Teut | Erellgorh – Geheime Mächte | CreateSpace Independent Publishing Platform
Laurence Horn | Rodinia – Die Rückkehr des Zauberers | Papierverzierer Verlag
Jenny Karpe | Zwei Kontinente auf Reisen | neobooks

And the winner is…Nicole Gozdek mit Die Magie der Namen

Nominierte „Bestes Deutschsprachiges Sekundärwerk“

Olivia Vieweg und Klaus Vieweg | Die Philosophie in Star Trek | Cross Cult
Markus May, Michael Baumann u. a. | Die Welt von »Game of Thrones«: Kulturwissenschaftliche Perspektiven auf George R.R. Martins »A Song of Ice and Fire« | transcript
Geek!-Magazin | Panini Verlags GmbH
Julian Eilmann | J. R. R. Tolkien – Romantiker und Lyriker | Oldib Verlag
phantastisch! neues aus anderen welten | Atlantis Verlag

And the winner is…Markus May, Michael Baumann u.a. mit Die Welt von Game of Thrones

Nominierte „Beste Deutschsprachige Serie“

Aurora | Papierverzierer Verlag
Das Erbe der Macht | Greenlight Press
Die Chroniken der Seelenwächter | Greenlight Press
Die Phileasson Saga | Heyne Verlag
Wächter-Chroniken | Papierverzierer Verlag

And the winner is… Die Chroniken der Seelenwächter von Nicole Böhm

Besonderes Augenmerk soll hier noch auf die Kategorie ‚Bester Debütroman 2016‘ gelenkt werden, denn zu allen Titeln findet ihr verlinkt ein Review.

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Mort

Mort hat ‚Wie? Nicht auf Lehramt!?‘ studiert und wühlt sich mit trüffelschweiniger Begeisterung durch alle Arten von Geschichten. Animes, Mangas, Bücher, Filme, Serien, nichts wird verschmäht und zu allem Überfluss schreibt er auch noch gerne selbst. Meist zuviel. Er findet es außerdem seltsam von sich in der dritten Person zu reden und hat die Neigung, vollkommen überflüssige Informationen in sein Profil zu schreiben. Mag keine Oliven.

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