Psycho-Pass

Der spannende Cyberpunk-Krimi Psycho-Pass erfreut sich auch in Deutschland großer Beliebtheit. Nach zwei Staffeln und einem Film folgte eine Free-TV-Ausstrahlung auf ProSieben Maxx. Außerdem startete bei KAZÉ Manga am 5. Oktober 2017 die Manga-Adaption Inspector Akane Tsunemori. Jetzt setzte KAZÉ Anime noch einen drauf und veröffentlichte am 27. Oktober 2017 eine Komplettbox der ersten Staffel im Dominator-Design. Doch was hat der Anime, in dem Maschinen das Urteil fällen, ob ein Mensch therapiert oder exekutiert wird, wirklich zu bieten?

    

Die Sicherheit steht an erster Stelle um ein perfektes Leben zu schaffen. Durch die Technologie der Zukunft, dem Sybil-System, wird ein so sicheres Leben ermöglicht, wie noch nie zuvor. Alle Menschen besitzen einen Kriminalkoeffizienten, der jederzeit gemessen und überwacht wird. Die mentale Verfassung der Menschen spielt eine große Rolle, um das Gewaltpotenzial frühzeitig zu erkennen und Verbrechen zu verhindern. Akane Tsunemori wird als neue Polizei-Inspektorin den Vollstreckern zugeteilt. Bei den Vollstreckern handelt es sich um eine Einheit, die Jagd auf potenzielle und wahrhaftige Verbrecher macht. Doch auch die Vollstrecker sind selbst Personen mit Verbrecherpotential, wie Akane in Erfahrung bringt. Ab diesem Zeitpunkt lernt sie immer mehr die blutige Kehrseite der so heilen Welt kennen und darüber hinaus einen der gefährlichsten Gegner des Systems.

Kein Objekt für eine Vollstreckung

Originaltitel Psycho-Pass
Jahr  2012
Episoden 22 (1 Staffel) 
Genre  Action, Thriller, Drama
Regisseur Katsuyuki Motohiro, Naoyoshi Shiotani
Studio Production I.G.

Das Gewaltpotenzial wird einfach mit einer Waffe, dem Dominator, gemessen. Der Dominator hat sogar eine direktionale Stimme, aber nur dessen Benutzer kann sie hören. Die Waffe kann auch ihren Modus wechseln und verschiedene Formen annehmen. Je nachdem, ob das Ziel therapiert oder exekutiert werden muss. Die noch naive Akane Tsunemori kommt frisch aus der Polizeiakademie und wird gleich am Anfang in einen Kriminalfall geworfen. Viel Zeit für Erklärungen lässt man sich bei ihr nicht, da Personalmangel besteht. Dazu sind die Vollstrecker ihre Untergebenen, für die sie verantwortlich ist. Sie wird im Grunde sofort ins kalte Wasser geschmissen und muss schauen, wie sie zurecht kommt. Zu ihren Untergebenen gehören Shinya Kougami, Tomomi Masaoka, Shusei Kagari und Yayoi Kunizuka. Zusammen mit Nobuchika Ginoza leitet Akane die Unit 1 des Amts für Öffentliche Sicherheit. Nobuchika zieht eine klare Grenze zwischen sich und den Vollstreckern, da er sie nicht als Mitmenschen ansieht. Seine Worte sind da ganz eindeutig: “Sie sind Jagdhunde. Wilde Tiere, die wilde Tiere jagen.“ Akane sorgt schon an ihrem ersten Tag für Kopfschütteln, indem sie auf Shinya mit dem Modus des Paralyzers schießt, der ihn bewegungsunfähig macht, denn sie ist nicht der gleichen Ansicht wie er, als es um ein Frau geht, deren Kriminalkoeffizient ein hohes Level erreicht hat. Bei diesem Verbrechen war diese das Opfer einer Geiselnahme und hatte keine Schuld an der Trübung ihres Kriminalkoeffizienten. Trotz der anfänglichen Meinungsverschiedenheit vertragen sich die beiden später gut. Ab diesem Zeitpunkt begleitet man die Vollstrecker bei verschiedenen Kriminalfällen, die es mit ihrer Grausamkeit in sich haben. Im Verlauf der Handlung deutet sich immer mehr an, dass es einen klugen Drahtzieher gibt. Dieser steht in Verbindung mit den Kriminalfällen und weiß wie das Sybil-System ausgetrickst werden kann. Auch ist er in Kenntnis darüber, dass das Sybil-System nicht das ist, wofür es die Menschen halten. Doch was ist, wenn es Menschen gibt, deren Gewaltpotenzial nicht gemessen werden kann? Wenn Verbrechen vor den eigenen Augen passieren und der Dominator nicht anschlägt? So eskaliert sehr schnell die Situation. Diese Erfahrung muss auch die Inspektorin machen. Shogo Makishima stellt sich als der Drahtzieher heraus. Sein Kriminalkoeffizient kann nicht richtig gemessen werden. Er gehört zu den seltenen Menschen, dessen Gewaltpotenzial nicht messbar ist, egal welches Verbrechen er begeht. Für Akane besonders schockierend, da es vollkommen unmöglich ist, ihn mit dem Dominator zu erwischen. Schließlich ist sein Kriminalkoeffizient schneeweiß und bei der Tötung ihrer besten Freundin sogar bei 0. Doch eine echte Schrotflinte zu benutzen, die ihr Shogo zur Verfügung stellt, bringt sie nicht fertig. Shogo will den Glanz der menschlichen Seele sehen. Für ihn haben Menschen nur Wert, wenn sie auf Grundlage ihres eigenen Willens handeln. So will er, dass Akane durch ihren eigenen Willen zur Mörderin wird, um ihre Freundin zu retten, was sie nicht tut. Für ihn ist Akane nur eine Marionette des Systems und eine echte Enttäuschung.

Das ‚Sybil-System‘ ist perfekt. Zumindest glauben das die Menschen, die in dieser Scheinwelt leben. In Wirklichkeit erinnert es eher an ein löchriges Stück Käse, sobald seine Schattenseiten aufgezeigt werden. Es kontrolliert die Gesellschaft und betäubt den Menschen seiner Fähigkeit zum selbstständigen Denken und Handeln. Besser gesagt: ein isoliertes Japan mit einem diktatorischen System. Augenscheinlich eine Utopie (für die Bürger), die tatsächlich (für den Zuschauer) eine Dystopie ist. Das System hat Gegner, soviel ist klar. Nicht jeder gibt sich mit einer Welt, die mehr Schein als Sein ist, zufrieden. Die Charaktere besitzen individuelle Motive und Hintergrundgeschichten und selbst so mancher Verbrecher hat nachvollziehbare Gründe, die gegen das System sprechen. Der Vollstrecker Shinya Kougami weist die eine oder andere Ähnlichkeit mit dem Soziopathen Shogo Makishima auf. Dies trifft schon allein dann zu, als Shinya ihm mit einem Zitat aus einem Buch antwortet und der gleichen Meinung wie Shogo ist, was Shinya gar nicht gefällt. Doch gerade am Ende wird einem klar, was es eigentlich bedeutet. Shogo Makishima schafft es nicht das Sybil-System zu stürzen. Seine Bemühungen sind dennoch nicht komplett umsonst. Zwar wird er von Shinya am Ende mit einer normalen Waffe getötet, aber irgendwie fühlt er sich befreit und ist froh durch ihn zu sterben – sein Ende hat schon etwas Trauriges. Was Shinya angeht, endet der Anime recht offen. Wird er den Platz von Shogo einnehmen und das System stürzen?

Originalwerk

Anders als bei den meisten Animes, existiert hier keine Manga- oder Light Novel-Vorlage, auf die das Animationsstudio Production I.G (Guardian of the Spirit) zurückgreifen konnte. Die Handlung wurde von Gen Urobuchi (Fate/Zero) entworfen, der vom Regisseur Katsuyuki Motohiro (FLCL) engagiert wurde. Das Charakterdesign wurde von Mangaka Akira Amano (Katekyo Hitman Reborn!) beigesteuert und von Kyoji Asano (Attack on Titan) für die Animationen angepasst. Mit der Veröffentlichung des ersten Promo-Videos, wo ein 3D-Dominator gezeigt wurde, konnte das Interesse der Anime-Fans geweckt werden. So waren die Weichen für den Erfolg von Psycho-Pass gelegt und eine Lizenzierung der Serie in Deutschland war zum Zeitpunkt der Ausstrahlung in Japan nur eine Frage der Zeit.

Von der Optik bis zum Klang

Bei Psycho-Pass wird in die dunklere Farbpalette gegriffen. Eine Serie, die sich offensichtlich ernst nimmt. Der Anime wirkt daher auch durch seiner Optik düsterer, die das dystopische Setting noch mehr zur Geltung bringt. Der Soundtrack von Yugo Kanno (JoJo’s Bizarre Adventure: Diamond Is Unbreakable) hat einige erinnerungswürdige Stücke, wie unter anderem “Makishima Shogo“, “Kami no Ishiki“ oder “PSYCHO-PASS Symphony“. Die Openings besitzen Stil und gehen ins Ohr. Besonders “Abnormalize“ von Ling Tosite Sigure gehört jetzt schon zu den besseren Openings im Vergleich zu den üblichen 08/15 J-Pop Nummern. Für die Endings ist auch niemand Geringeres als die Band Egoist (Guilty Crown) verantwortlich. Die Komplettbox von KAZÉ Anime kommt im Dominator-Design zum Aufklappen. Als Extras gibt es Mini-Pappaufsteller, Pin, Aufnäher, Wendeposter, vier Postkarten und die Clear Openings und Endings.

Psycho-Pass ist für mich eine echte Überraschung gewesen. Als der Anime damals in Japan startete, war ich sehr skeptisch. Ich sah eine Menge Potenzial in der Serie und hatte Angst, dass dies nicht genutzt werden könnte. Zum Glück ist dieser Fall nicht eingetreten. Ich bin immer auf der Suche nach guten Erwachsenen-Animes und in Psycho-Pass habe ich einen gefunden. Mir gefallen die düstere Atmosphäre und die Welt, die nicht so perfekt ist, wie sie den Leuten verkauft wird. Das Sybil-System will man sich gar nicht in der Realität vorstellen, es reicht allein der Gedanke, dass Opfer plötzlich zum Täter werden können, nur weil das Sybil-System das vorschreibt. Meist können diese Leute nichts für die Trübung ihres Kriminalkoeffizienten, aber das spielt keine Rolle. Das ist wirklich bitter. Unter den Charakteren gehört Shogo Makishima zu meinen Favoriten. Seitdem klar wurde, was es mit ihm auf sich hat, wurde mir bewusst, dass er der wahre Star des Animes ist. Von ihm habe ich auch eines meiner Lieblingszitate übernommen, nämlich: ,,Kauf dir lieber ein Buch aus Papier. E-Books haben keinen Charakter.“ In dieser Ansicht sind wir uns sehr ähnlich. Akane Tsunemori ist mir Anfangs zu naiv und hat mir erst im späteren Verlauf besser gefallen. Shinya Kougami konnte mich da schneller überzeugen, weil er einfach cool drauf ist. Die deutsche Synchronisation empfinde ich als eine der besten der letzten Jahre. Ich hatte echt Bedenken, in dieser Hinsicht enttäuscht zu werden. Doch jetzt muss ich sagen, dass die Charaktere gut besetzt und die Stimmen passend gewählt sind. Besonders Shogo Makishima, der von Tim Knauer gesprochen wird, hat mich überzeugt. Die Stimme passt wie die Faust aufs Auge und zu seinem Charakterdesign, das meiner Meinung nach sehr geeignet für einen Soziopathen wie ihn ist. Es fehlt ihm nur das Charismatische des Originals, aber es ist auch nicht einfach, an die japanische Stimme von Takahiro Sakurai heranzukommen. Ich fühle mich bei den Genres Thriller, Mystery, Psychological und Horror echt gut aufgehoben. Wer nach einem spannenden Thriller sucht, der sollte einen Blick in Psycho-Pass werfen.

Zweite Meinung:

In puncto Atmosphäre lässt sich Psycho-Pass kein Abspruch erteilen. Es ist düster, beklemmend, nur in wenigen Augenblicken von Entspannung unterbrochen, was durch die eher naive Person der Akane entsteht. Von der Stringenz der Aktionen der Charaktere her scheint sich die Serie gerade im späteren Verlauf aber etwas zu sehr auf eine festgeschrieben Handlung hin ausgerichtet zu haben, wodurch man sich manchmal fragen kann, ob es nicht nachvollziehbarer gewesen wäre, hätten die Charaktere anders agiert. Während sich der Handlungsbogen in der ersten Hälfte eher langsam fortbewegt und wiederholt Beispiele für die Funktionalität und Fehler des Sibyl-Systems aufzeigt, springt sie gegen Ende regelrecht. Die Serie ist auf Fortsetzungen ausgelegt und gerade deshalb darf sie den Grundkonflikt nicht lösen, was allerdings die erste Staffel etwas hängen lässt am Ende, auch wenn sie einen Handlungsstrang abschließt. Zugleich werden Charaktere in der kurzen Zeit teilweise zu wenig beleuchtet. Für eine Original Story ist Psycho-Pass gut darin, sich ein markantes Image aufzubauen mit Wiedererkennungsstil und einer eigenen Welt, sie lässt allerdings auch, wie es vielen Original Anime passieren kann, einiges an Potential missen. Nicht, was die optische Umsetzung angeht, sondern eher im Drehbuch. Unterhaltsam ist sie aber auf jeden Fall und im Vergleich zu vielen Animes doch recht gut.

Dritte Meinung:

Die erste Staffel von Psycho Pass ist mit Sicherheit nicht schlecht. Die Qualität der Produktion ist hoch. Seien es die schönen Animationen oder das Kaliber des Synchronsprecher-Casts. Die Thematik und Story regen zum Denken an. Man merkt dabei gewisse Einflüsse wie die von George Orwells 1984, woraus auch in dem Anime selbst kein Hehl gemacht wird: So liest Makishima in einer Episode das Buch und zählt es zu seinen Favoriten. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass Psycho-Pass viel mehr Potential zu einer interessanten Story gehabt hätte, das letztendlich verschwendet wurde. Ich bin definitiv kein Fan von dem Ende.. Die ersten paar Episoden in Staffel 1 empfinde ich als stellenweise etwas langsam (und das Verhalten vieler Statisten als so dumm, dass es schon grenzwertig wurde), aber insgesamt gut. Extrem fesselnd wird es, sobald Makishima prominenter wird und das erste Mal auf Akane trifft: Besonders die Handlung rund um Folge 10, als Akanes Freundin getötet wird, ist sehr spannend.  Gegen Ende flaut es allerdings wieder ab. Die Serie lebt außerdem auch sehr von Kogami und Makishima, die, obwohl Akane wohl die eigentliche Protagonistin ist, viel interessanter wirken und auch deutlich größere Publikumslieblinge sind. Die Ähnlichkeit der beiden, sowie ihre gegensätzliche Position und Rivalität, wird auch von der Serie selbst immer wieder angesprochen und aufgebauscht bzw. sind interessante Aspekte der Handlung. Alleine das wahnsinnig stylishe zweite Opening der Serie „Out Of Control“ habe ich unzählige Male angesehen und stellt somit definitiv einen Alltime-Favoriten von mir in Sachen Anime Openings dar.

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Alva Sangai

Alva arbeitet mit viel Papierkram, was nicht unbedingt spannend ist. In ihrer Freizeit sind ihr Anime, Manga und Bollywood-Filme/Serien wichtig. Sie hört sehr gerne Musik, schreibt Geschichten und zeichnet ab und zu. Ein Tee darf dabei nicht fehlen, der auch zur Entspannung beiträgt. Besonders Schwarztee mag sie ganz gern. Ansonsten hat sie eine Schwäche für soziopathische Bösewichte, was sich öfters in ihren Lieblingscharakteren widerspiegelt.

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