Nanbaka

Dass nicht jede im Gefängnis spielende Geschichte mit ernstem Hintergrund versehen sein muss, demonstriert kaum ein Titel so gut wie Nanbaka: Obwohl die vier Hauptfiguren immer wieder die Flucht antreten, scheint es ihnen letztlich doch ganz gut zu gefallen. Anders lässt sich kaum erklären, dass die Beziehung zur Gefängnisleitung von solch schwankender Natur ist. Dieser Anime ist alles andere als nahe am Knastalltag: Er ist bunt, poppig und voller Glitzer. Ein großes Spaßpaket, zumindest über weite Strecken. Für die Zeichnerin des Manga, Sho Futamata ein Erfolg: Ursprünglich basiert die Geschichte nämlich auf einem Web-Manga.

  

Jyugo sitzt aufgrund eines fehlgeschlagenen Ausbruchversuchs eine verlängerte Haftstrafe ab. Doch er ist nicht alleine im Gefängnis: Seine Zellengenossen und ihn verbindet eine gemeinsame Freundschaft. Uno ist ein Kerl, der offenbar gerne mit Frauen spielt. Rock gerät immer wieder in Schlägereien. Niko ist ein echter Animefan, der als Otaku bezeichnet werden kann. Das Quartett lebt in Block 3 und wird von dem strengener Gefängnisaufseher Hajime bewacht.

Hohe Gagdichte, hohes Tempo… zumindest zu Beginn

Originaltitel Nanbaka
Jahr 2016 
Episoden 25 (2 Staffeln)
Genre Comedy, Slice of Life
Regisseur Shinji Takamatsu
Studio Satelight (1. Staffel), comico (2. Staffel)

Die Hintergrundgeschichten des Quartetts werden immer wieder unter den dominierenden Comedyszenen eingestreut. Viel Tiefe erlangen sie dabei zwar nicht, doch immerhin bringen sie genügend Potenzial mit, um einen individuellen Favoriten auszumachen. Sonst bleibt es überdreht, mit Parodien gespickt und vor allem plump. Die Gags sind nicht mit viel Intelligenz aufgeladen, sondern kommen mitunter sehr platt daher, was jedoch den Geist der Serie trifft. So sind bereits die Ausbruchsgründe selten dämlich: Nico hat Angst vor Spritzen (aber hier gibt es Pillen), Rock mag das Essen nicht (hier schmeckt es allerdings) und bei Uno will für Dates ausbrechen. Obwohl der Humor selten weicht, so verliert die Serie schnell an Tempo. Während die erste Episode noch einen actiongeladenen Ausbruchsversuch zeigt, der die vier Insassen durch allerlei Fallen auf dem Weg nach draußen jagt, geht diese Geschwindigkeit bereits wenige Folgen später verloren. Die Serie konzentriert sich dann auf alles, was den Knastallag schöner macht, während die Ausbrüche erst einmal keine Rolle mehr spielen. Dabei setzt sich die Serie übrigens selbst keine Grenzen, sondern schrammt auch immer wieder einmal das Super Powers-Genre.

Buntes Nischenpotpourri

Für die breite Masse scheint die Serie kaum konzipiert zu sein: Die knalligen Farben, die Charaktere mit den bunten Haaren und eine Tonne Glitzer sind ein Abschreckgrund. Ein anderer könnte sein, dass häufig Boys Love-Vibes in der Luft hängen, obwohl keiner der Charaktere schwul ist. Fanservice wird hier trotzdem groß geschrieben, denn die grazilen Charaktere schmachten sich immer wieder an. Auch inhaltlich muss man sich darauf einstellen, dass die Actionszenen eher rar gesäht sind und dafür die Annehmlichkeiten dieses Knasts im Vordergrund stehen. Dazu gehören spaßige Beyblade-Turniere, aber auch (selten ernste) Kämpfe mit anderen Insassen. Auch der sprechende Cast wird bestehende Fans nicht bedienen: Die Synchronsprecher galten zum Zeitpunkt der Ausstrahlung in Japan als weitgehend unerfahren im Synchronsprecher-Business, womit die Serie auch ein Sprungbrett für Neuentdeckungen ist. Die zweite Staffel der Serie wurde schließlich nicht mehr im Fernsehen übertragen, sondern als Internetausstrahlung fortgeführt.

Nanbaka ist keine Erfahrung, die ich weiterempfehlen möchte. Nach einer starken ersten Folge fällt die erzählerische Qualität auf ein mittelstarkes Niveau und bleibt dort erst einmal hängen. Leider ist sie in dem, was sie sein möchte, auch sehr unentschlossen: Stellenweise ist die Handlung ziemlich absurd, dann dreht wieder der Ernst auf und Nanbaka will ernst genommen werden. Dabei wird vor allem viel Pathos aufgetragen und niemals soll die Macht der Freundschaft unter den Tisch fallen. Wer kein Problem mit fehlender Stringenz hat und sich gerne auf knuddelige Charaktere konzentriert, wird sich an der schwachsinnigen Handlung nicht stören.

Zweite Meinung:

Ich war auf Nanbaka sehr gespannt. Bereits das Key Visual, das ich vor Beginn der Serie gesehen habe mit diesen bunten Jungs und der Tatsache, dass sie im Gefängnis sind, hat mich neugierig gemacht. Die erste Folge ist sehr spannend, schon alleine mit den Ausbruchversuchen und dem Aufbau des Gefängnisses. Auch die letzte Folge finde ich ganz gut, nur alles dazwischen ist irgendwie so vor sich hingeplätschert. Es sind viele Comedy-Elemente eingebaut, aber irgendwann kann man einfach nicht mehr lachen. Ich habe von der Serie erwartet, dass die Gefangenen versuchen, auszubrechen und es auch schaffen. Einen Ausbruchsversuch gibt es, aber danach spielt sich alles im Gefängnis ab. Bei so einem Gefängnis wundert man sich aber auch nicht, dass sie nicht groß versuchen auszubrechen. Es ist wie ein Hotel und sie bekommen alles, was sie wollen.  Was mir rein optisch bei den Gefangenen gut gefällt, ist, dass sie alle ihre Nummer irgendwo am Körper haben und Jyugo mag ich von allen am meisten. Einfach seine Art, seine Geschichte und wie er die anderen zusammengebracht hat. Für mich sind es zu viele Comedy-Szenen, die irgendwann sehr unrealistisch werden und bei denen ich eher den Kopf geschüttelt habe.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig „Die Werwölfe von Düsterwald“-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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