Wraith – Todesfahrt ins Christmasland

Wer sein Weihnachtsfest besinnlich, ruhig und voller herzlicher Liebe mag, der sollte am besten jetzt sofort wieder umdrehen! Denn in Wraith – Todesfahrt ins Christmasland erzählt uns Horrorautor Joe Hill (Fireman) die Vorgeschichte seines Kinderentführers Charles Manx, der mit seinem Rolls-Royce die lieben Kleinen in ein Land außerhalb unserer Vorstellungskraft bringt. Bevor dieser üble Kerl in Christmasland an das falsche Mädchen gerät, erfährt der Leser nun endlich, wie dieses Monster an sein unheimliches Auto mit dem markanten Kennzeichen NOS4A2 gekommen ist.

  

Das kleine Mädchen auf dem Rücksitz des schwarzen Rolls-Royce möchte gar nicht mehr aufhören zu weinen, daher erzählt ihr Charles Manx, der die Kleine „gerettet“ hat, dass sie keine Angst zu haben braucht. Er tut ihr nichts! Im Gegenteil, er wird sie an einen Ort bringen, an dem sie nur noch Freude empfinden wird — das Christmasland, ein Vergnügungspark, in dem das ganze Jahr über Weihnachten ist. Doch bis sie dort ankommen, ist es noch eine weite Strecke zu fahren. Daher erzählt er ihr seine Lebensgeschichte, denn Charles Manx ist alt. Sehr alt! Er weiß schon gar nicht mehr, wann genau er geboren worden ist, doch eins ist klar: Es war die Zeit, als es noch keine Autos gab. Als Sohn einer Hure hatte es der junge Charles nicht leicht. Doch mit seinem Schlitten, den er Fantom taufte, konnte er schon damals in eine Welt eintauchen, die er aus seiner Fantasie erschuf. Wie genau der Junge das anstellt, wusste er selbst nicht. Aber eines weiß er mit Sicherheit: An diesen Ort kommt man nur mit einem Gefährt, das man von ganzen Herzen liebt. Dass er einmal mit einem anderen Gefährt Kinder entführt, wusste der junge Charles noch nicht. Doch er sollte bald begreifen, dass es Kinder gibt, die Hilfe brauchen.

Der blutige Vergnügungspark

Originaltitel Wraith
Jahr 2014
Land USA
Genre Horror
Autor Joe Hill
Zeichner Charles Paul Wilson II
Verlag Panini Comics

Während der Prolog „Phantome“ die Lebensgeschichte von Charles Manx erzählt, wird der Hauptteil des Bandes durch die fünf Kapitel umfassende Geschichte „Warith – Todesfahrt ins Christmasland“ gefüllt. In dieser Geschichte lernen wir drei Gefängnisinsassen kennen, die gerade von zwei Gefängniswärtern im Auto an einen anderen Ort verlegt werden sollen. Die alte Agnes und ihr Kollege Kevin wissen nicht, dass einer der Gefangenen einen Ausbruchsplan hat. Dieser geht leider schief und am Ende sind die Gefangen zwar frei, aber ohne Fahrzeug und mit verletzten Wärtern an der Backe. Der Kinderschänder Dewey hat eine Lösung: Er kennt da einen Typen namens Charles Manx, welcher nach einem Anruf kommt und alle ins Christmasland bringt. Anfangs kann keiner seinen Augen trauen, denn der Vergnügungspark ist der Wahnsinn. Genauso wie die Horde an gruseligen Kindern, die aus allen Ecken und Winkeln angelaufen kommen. Für den Leser ist schnell klar: Es war für alle das Todesurteil, in den Rolls-Royce eingestiegen zu sein. Zwar könnte man jetzt einwerfen, dass es die Insassen zurecht verdient haben, an diesen grauenvollen Ort gelandet zu sein, doch die Wärter und vor allem Chess, dessen Inhaftierungsgrund wir kennen lernen, sind Opfer, denen man die Daumen drückt, dass sie lebend aus der Sache herauskommen. Den Abschluss des Bandes macht dann der Epilog „Phantome“, der sich mit einem anderen Charakter befasst, der nicht nur einmal die Bekanntschaft mit dem Kinderentführer Charles Manx gemacht hat!

Mit Wimmelbildern gespickt

Mit Wraith – Todesfahrt ins Christmasland liefert Joe Hill Antworten auf einige Fragen, die er in seinem Roman Christmasland nicht ganz beantwortet. So erfährt man dort nicht, wie der Kinderentführer zu seinem Auto kommtt und vor allem, wie er seine Welt erschaffen hat. Das Christmasland ist nämlich kein Ort in dieser Welt, sondern liegt in einer anderen Dimension, die durch die Träume von Manx Form angenommen hat. Damit greift Joe Hill das Dunkle Turm-Universum seines Vaters Stephen King mit auf, was seinen Vater erfreut hat. Der Comicband richtet sich zwar an Fans des Romans, als Einsteiger kann man die Geschichten trotzdem sehr gut lesen. Zeichner Charles Paul Wilson III ist bekannt durch seine Bestseller-Graphic-Novel The Stuff of Legend und zeichnet hier in nicht zimperlichen Bildern, wie sich zum Beispiel die Kinder während der Fahrt mit dem Rolls-Royce verwandeln. Oder wie die Erwachsenen sich durch das Christmasland kämpfen und dabei einiges an Blut verlieren. Die brutalen Szenen sind daher nichts für schwache Mägen. Fans von Wimmelbildern, bei denen man einiges entdecken kann, werden hier ihre Freude haben. So gibt es zum Beispiel eine komplette Doppelseite mit einem Eislabyrinth des Todes, durch das sich zwei der Charaktere durchkämpfen müssen. Auch die Kapitelcover sind mit vielen Kleinigkeiten versehen, wofür man nur ein Lob an den Zeichner übrig haben kann. Der Epilogteil ist  in einem anderen Style gehalten: Diesen könnte man eher als bebilderte Erzählung bezeichnen, da vorrangig Textblöcke herrschen, die durch einzelne Zeichnungen aufgelockert werden.

Christmasland ist ein genialer Roman, den ich verschlungen habe. Den Comic konnte ich mir daher nicht entgehen lassen, auch wenn ich gar nicht so viel Interesse an Charles Manx habe. Ich finde diesen Kerl einfach abstoßend, aber ich war neugierig, wie er zu seinem legendären Auto gekommen ist. Ein bisschen Mitgefühl habe ich mit dem jungen Manx, der wirklich noch unschuldig war, doch muss ich gestehen, dass ich die Geschichte als etwas zäh beschreiben würde. Spannender ist hingegen dann schon der Überlebenskampf von Chess und Agnes im Vergnügungspark. Mir gefällt das Ende mit den Ballons recht gut, denn Fantasy ist schon immer ein Teil der Geschichte. Dass Chess aber mit diesen weiterfliegt und damit Agnes allein in unserer Welt lässt, finde ich etwas schade. Man weiß nicht, ob er so seinen Sohn in einer der anderen Welten wiederfinden wird. Ich würde es mir auf jeden Fall wünschen!  Die Epilog-Geschichte ist nicht so ganz mein Fall, da ich auch hier den Hauptcharakter nicht wirklich leiden kann. Zeichnerisch würde ich den Stil nicht als den meinen bezeichnen, aber einige der großen Wimmelbilder sind klasse geworden. Gerade das oben erwähnte Eislabyrinth ist echt cool mit all seinen Kleinigkeiten, die man entdecken kann.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen vom Manga Kenshin an Samurais verloren.

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