Annabelle 2

Unter dem schlichten Titel Annabelle 2 gelangte der Puppenhorror im August 2017 in die Kinos. Den Zusatztitel des Originals „Creation“ (Erschaffung) schenkte man sich dabei, vielleicht schien eine Origin-Story nicht genug Strahlkraft zu haben. Doch eines muss man Warner Bros. lassen: Während die Kritik am DCEU (DC Extended Universe) einfach nicht abreißen will, wird mit dem Erzähluniversum um The Conjuring herum eine Horror-Welt aufgebaut: Conjuring – Die Heimsuchung (2013), dessen zweiter Teil (2016) sowie das Spin-off Annabelle (2014) entpuppten sich nicht nur qualitativ als hochwertige Kost, sondern vor allem auch als zuverlässige Geldquelle. Seit dem 18. Januar 2018 gruselt die Puppe auch in deutschen Wohnzimmern.

1943: Der gläubige Puppenmacher Samuel Mullins und seine Frau Esther betrauern den Verlust ihrer kleinen Tochter Annabelle. Sie wurde von einem Auto überfahren. Einige Zeit nach dem Tod der ihres Kindes macht sich eine unbekannte Entität im Anwesen der Mullins bemerkbar und das Paar ist davon überzeugt, dass es sich hierbei um Annabelle handelt. Sie werden dazu gebracht, das Wesen in eine Porzellanpuppe zu übertragen, um wieder mit ihr zusammen sein zu können. Zwölf Jahre später nimmt das Paar die Nonne Charlotte (Stephanie Sigman, James Bond 007: Spectre) und sechs Waisenmädchen in ihrem Haus auf. Die älteren Mädels schlafen in einem großen Gemeinschaftsraum, während die jüngeren – die Polio-kranke Janice (Talitha Bateman, Geostorm) und ihre beste Freundin Linda (Lulu Wilson, Ouija: Ursprung des Bösen) – in einem Etagenbett im ehemaligen Nähzimmer unterkommen, wo Puppenkostüme gemacht wurden. Für die Mädchen gelten zwei Regeln: Das Schlafzimmer, in das sich die kranke Esther zurückgezogen hat, darf nicht betreten werden. Auch ein stets verschlossener Raum ist tabu. Natürlich siegt die Neugier…

Größere Unterschiede zu Teil 1 als man vermuten mag

Originaltitel  Annabelle Recreation
Jahr 2017
Land USA
Genre Horror
Regisseur David F. Sandberg
Cast  Schwester Charlotte: Stephanie Sigman
Janice: Talitha Batema
Linda: Lulu Wilson
Samuel Mullins: Anthony LaPaglia
Esther Mullins: Miranda Otto
Nancy: Philippa Coulthard
Laufzeit 109 Minuten
FSK

Wer denkt, dass Annabelle 2 einfach nur ein Neuaufguss des ersten Teils ist, wird seine Meinung schnell revidieren. Während Annabelle es direkt von Beginn an mit einem Satanisten-Mord krachen ließ, startet der zweite Teil eher gemütlich. Kameramann Maxime Alexandre [The Hills Have Eyes) fängt die Atmosphäre des Landlebens der 50er mit sonnendurchfluteten Bildern ein, während Drehbuchautor Gary Dauberman (Wolves At The Door) seinen Fokus auf die Charaktere setzt. Die fallen greifbarer und vor allem sympathischer aus als das Paar des ersten Teils, was dem Zuschauer einerseits Figuren gibt, mit denen man mitfiebern kann (vorausgesetzt, man ist jungen und naiven Mädchen gegenüber, die sich nicht an Regeln halten können, wohl gesonnen). Dafür fehlt andererseits das emotionale Thema der Schwangerschaft, welches den ersten Teil noch mit einer gewissen Fallhöhe anreicherte. Den Tod wünscht man hier allerdings keinem Charakter so wirklich, wenngleich die Figuren kein Genre-Highlight darstellen. Ein weiterer Unterschied ist, dass es nicht ganz so subtil zugeht wie gewohnt. Man erlebt schnell, wie das Böse aussieht und dadurch schwindet die Angst vor dem Unbekannten ebenso schnell wieder.

Alptraum Kinderzimmer

Seinen Spuk zieht der zweite Teil weniger aus dem gesellschaftlichen Umfeld, sondern aus dem klassischen Farmhaus-Grusel. Neben bewährten knarzenden Türen und verschlossenen Räumen mutiert besonders der elektrische Treppenlift für Janice zum Alptraum. Außerdem bleibt man dem Puppen-Thema treu und demonstriert, wieviel Horror in einem Kinderzimmer stecken kann. Wer Puppen bislang nicht für unheimlich hielt, hat noch kein traumatisches Erlebnis mit einem Puppenhaus gemacht. Inszenatorische Spielereien gibt es zuhauf und fast immer ahnt der wachsame Zuschauer bereits, wohin das Nutzen eines bestimmten Spielzeugs führen kann, wie etwa einer Spielzeugpistole mit wieder einziehbarem Geschoss an einer Schnur… Dadurch gelingt es vor allem der ersten Hälfte, so manch gut gemachten Effekt zu verbuchen. Toppen kann die zweite Hälfte dies allerdings nicht mehr. Dem Finale fehlt der große Überraschungsmoment und die wirklich markanten Szenen können auch nicht mehr überboten werden. Stattdessen zieht sich das Geschehen über das gesamte Grundstück hin, was stellenweise schlauchend wirkt. Der wirkliche Sensationsmoment folgt ganz zum Schluss und stellt eine inhaltlich geschickt eingefädelte Brücke zum ersten Teil dar, der dafür sorgt, dass ein kurzer Anflug von Genialität aufflackert. Allerdings sorgt jener Effekt auch für eine massive Schmälerung des eben Gesehenen und deklariert den zweiten Teil eben nur zu einem ausgedehnten Prolog.

Ein schlechter Film ist Annabelle 2 nun nicht, doch die antiklimatische Erzählweise weiß nur wenige Akzente zu setzen. Kreativ sind die Gruselszenen durchaus, nur gewisse Abnutzungserscheinungen lassen sich einfach nicht von der Hand weisen. Als Genre-Kenner weiß man, was einen erwartet und bekommt auch genau das geboten. Das macht Annabelle 2 zu einer sicheren Bank, aber keinem Highlight. Die Mädchen hätten sicherlich nerviger sein können, insofern bin ich gottfroh, dass die Charakterisierung so ausfällt, dass man sogar mit ihnen mitfiebern darf. Die Klasse der James-Wan-Filme wird zwar nicht erreicht, doch für das Conjuring-Universum stellt der Film einen weiteren gelungenen Beitrag dar.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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