Hostile

Newcomer Mathieu Turi durfte bereits als Assistent an Sets von Quentin Tarantino (Inglorious Basterds) und Guy Ritchie (Sherlock Holmes: Spiel im Schatten) erste Erfahrungen sammeln. In seinem 2017er Endzeit-Actioner Hostile setzt er Gelerntes um und platziert seinen Debütfilm in einem Mad Max-ähnlichen Wüstenszenario, in dem die taffe Hauptfigur Juliette ums Überleben kämpft. Gejagt von einer nicht-menschlichen Kreatur, verschanzt sie sich in einem Jeep und wird immer wieder von der Vergangenheit eingeholt…

  

Benzin ist ebenso knapp wie es die Vorräte sind und dennoch ist Juliette eine Kämpferin, die nicht aufgibt. In einem rostigen Jeep brettert sie durch die Wüste und klappert eine Tankstelle nach der nächsten ab, um Nachschub zu finden. Ihre Route ist voller ausgebrannter Fahrzeuge und Leichenteilen. Um einen Verletzten von seinen Leiden zu befreien, ist ihr die Munition zu knapp. Was ist hier geschehen? Immer wieder sucht sie Schutz vor einer Kreatur, bis es zu einem Unfall kommt und sie sich in einem Jeep eingeklemmt wiederfindet…

Flashback um Flashback

Originaltitel Hostile
Jahr 2017
Land USA
Genre Action, Drama
Regisseur Mathieu Turi
Cast Juliette: Brittany Ashworth
Jack: Grégory Fitoussi
Laufzeit 83 Minuten
FSK

In puzzleteilartigen Erinnerungssequenzen wird erklärt, wie Juliette eine derart abgebrühte Actionheldin werden konnte. Angefangen mit einer Romanze mit dem wohlhabenden Jack werden die Abgründe der einst labilen Frau aufgeführt. Die New Yorkerin lernte den Galeristen auf einer Ausstellung kennen, doch er durchschaute früh, dass es nicht die Kunst war, die Juliette an diesen Ort trieb, sondern weitaus banalere Gründe. Sie führten zu einer intensiven Romanze, die von zahlreichen Hindernissen geprägt war. Doch was mit der Welt geschah, wird erst zu einem späteren Zeitpunkt angerissen. Matthieu Turi setzt seinen erzählerischen Fokus hierbei nicht auf das Schicksal der Welt, sondern rückt seine Hauptfigur in den Fokus, die sich erst selbst finden muss, ehe sie um ihr Überleben kämpft. Die Flashbacks werden dabei in regelmäßigen Abständen zwischen der Handlung in der Gegenwart platziert, sodass diese immer wieder unterbrochen wird, sodass diese immer wieder unterbrochen wird, um Erklärungen für das Geschehen zu liefern. Dass entpuppt sich einerseits als gute Idee, um Juliette innerhalb von Dialogen vorstellen zu können, was in der Gegenwart nicht möglich ist, andererseits wird das Geschehen in der postapokalyptischen Wüste immer wieder in den Hintergrund geschickt und spielt daher eine zweite Geige.

Krachendes Sounddesign

Dabei können sich die Aufnahmen in der öden Sandlandschaft absolut sehen lassen: Die überwiegend bei Nacht spielenden Szenen verleihen der eintönigen Landschaft dank Leuchtstäben eine bedrohliche Atmosphäre. Hinzu gesellt sich das Kreaturendesign, welches über längere Zeit nur angedeutet wird und dessen Enthüllung einen gewissen Überraschungseffekt mitbringt. Die Geschichte lebt vor allem aber von ihrem Sound: Die eingepferchte Juliette muss sich vor allem auf ihre Ohren verlassen. Denn die Gefahr lauert nicht nur um den Jeep herum, sondern vor allem auch darauf. Das Sounddesign erledigt einen hervorragenden Job und transportiert das Unbehagen unmittelbar zum Zuschauer, was besonders auf die Spannung einzahlt.

Risikohafte Erzählung

Doch bei so mancher guten Idee, die der Film parat hat, hinkt er vor allem auf der inhaltlichen Spur. Insbesondere der Ausgang der Geschichte polarisiert stark und ist darauf ausgerichtet, nicht von jedem Zuschauer gemocht zu werden. Wo sich bereits die ersten Anzeichen von „Nein, das können sie einfach nicht machen!“ anbahnen und sich schnell zu einem „Oh Gott, sie tun es!“ steigern, werden auch die Schwächen von Hostile glasklar. Es sind nicht die mitunter kitschigen Rückblicke, sondern viel eher das Porträt um Juliette, welches einfach nicht zünden will. Trotz der emotionalen Achterbahnfahrt des Paares, fällt dessen Entwicklung stellenweise sehr unglaubwürdig aus: Wieso interessiert sich der wohlsituierte Jack für Juliette? Wieso zeigt er sich so geduldig und bemüht? Woher kommen all die Sprünge in der Beziehung? Zusammenziehen, Kind, Trennung. Dazwischen fehlt eine Menge. Brittany Ashworth (The Crucifixion) gelingt es nicht, Juliette mit der nötigen Sympathie zu füllen, die die Rolle ohne Zweifel hergibt und Mohamed Aroussi (Der Fall Judas) muss einfach nur den Stereotypen des galanten Gentleman und Beschützers erfüllen, ohne dabei Ecken und Kanten zeigen zu dürfen. Als Kreatur ist wieder einmal der für diese Rolle gefragte Spanier Javier Botet (REC-Reihe) im Einsatz, der seine durch Krankheit bedingten körperlichen Eigenschaften nutzt, um das Böse furchterregend zu verkörpern. Da die Flashbacks Wegbereiter für den Ausgang des Films sind, ist es deren wichtige Aufgabe, den Zuschauer bis zum Ende mitten ins Herz zu treffen. Sonst funktioniert das Finale nicht und driftet schnell ins Lächerliche ab.

Die Erzählstruktur von Hostile ist weder originell, noch stört sie sonderlich. Es ist schlichtweg Geschmackssache, ob man immer wieder aus dem Geschehen gerissen werden möchte oder ob man sich damit schwer tut. In diesem Fall passt die Struktur zumindest dahingehend, dass alle Handlungsfetzen aufeinander aufbauen. Leider bleibt der emotionale Impact gering, denn die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren mag nicht funktionieren. Ihre Geschichte bleibt oberflächlich, wodurch die Entwicklung zu dick aufgetragen wirkt. Damit gibt sich Hostile zum Schluss selbst den Gnadenstoß.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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