Ist das Leben nicht schön?

Weihnachtsklassiker gibt es weltweit viele. Zu den in den USA populärsten Filmen dieser Art zählt zweifellos Ist das Leben nicht schön?. Ein Film, der mit seiner lebensbejahenden Botschaft und seiner, an einen Charles Dickens-Roman erinnernden Erzählweise einen wunderbaren Rahmen für das Weihnachtsfest schafft und zudem mit seinen humoristischen Elementen für die ganze Familie geeignet ist. Ist das Leben nicht schön? basiert auf der Kurzgeschichte The Greatest Gift von Philip Van Doren Stern und wurde erst auf Umwegen zum bekannten Festtagsklassiker. In Deutschland ist der Film hingegen nicht ganz so populär, läuft aber dennoch in regelmäßigen Abständen rund um die Weihnachtsfeiertage.

  

Am Weihnachtsabend steht George Bailey verzweifelt auf einer verschneiten Brücke und ist kurz davor, sich in den reißenden Fluss zu stürzen. Bailey ist eigentlich ein fröhlicher und lebensfroher Mensch, der sich trotz zahlreicher Rückschläge und Widrigkeiten stets durchs Leben gekämpft und dabei für die Menschen in seinem Heimatstädtchen Bedfort Falls viel Gutes bewirkt hat. Doch nun steht er aufgrund eines Malheurs seines tollpatschigen Onkels Billy vor einem Scherbenhaufen. Ihm drohen der finanzielle Ruin und eine Gefängnisstrafe. Während seine Familie zu Hause unter dem Weihnachtsbaum auf ihn wartet und die Bewohner der Stadt für ihn beten, beschließt George Bailey, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch just in diesem Moment erhält er Unterstützung von höherer Stelle. Der Engel Clarence wird ausgesandt, um Bailey unter die Arme zu greifen. Das Problem ist nur, dass Clarence bisher bei seiner Tätigkeit als Engel keinerlei Erfolge vorzuweisen hat. Dennoch macht sich der Engel munter ans Werk und versucht Bailey dadurch von seinem Vorhaben abzubringen, indem er ihm vor Augen führt, was aus der Kleinstadt und ihren Bewohnern ohne ihn geworden wäre.

Was wäre wenn…

Originaltitel It’s a Wonderful Life
Jahr 1946
Land USA
Genre Drama, Comedy, Fantasy
Regisseur Frank Capra
Cast George Bailey: James Stewart
Mary Hatch Bailey: Donna Reed
Henry F. Potter: Lionel Barrymore
Clarence: Henry Travers
Billy Bailey: Thomas Mitchell
Mrs. Bailey: Beulah Bondi
Mr. Peter Bailey: Samuel S. Hinds
Harry Bailey: Todd Karns
Ernie Bishop: Frank Faylen
Bert: Ward Bond
Laufzeit 125 Minuten
FSK

Ist das Leben nicht schön? startet mit dem verzweifelten, von James Stewart (Das Fenster zum Hof) gespielten George Bailey, der auf einer Brücke steht und in den Tod springen will. Von hier aus bewegt sich der Film zurück in die Vergangenheit und erzählt Baileys Lebensgeschichte von seiner Kindheit bis zu jenem unglückseligen Weihnachtsabend. Dabei wird schnell klar, weshalb ihn seine Mitmenschen so mögen und für ihn und seine Familie beten. Durch seine selbstlose Art hat er den meisten von ihnen schon einmal geholfen, auch wenn es mitunter zu seinem eigenen Nachteil gereichte. So rettet er beispielsweise seinem Bruder in Kindertagen das Leben, als dieser ins Eis einbricht, büßt bei dieser guten Tat jedoch sein Gehör auf der linken Seite ein. Er bewahrt zudem den alten Drogerieinhaber Mr. Gower davor, einem Kunden ein falsches, giftiges Medikament zu verabreichen, und rettet die Bausparkasse seines Vaters, wofür er seinen Traum einer Weltreise opfern muss. Dafür errichtet er eine Wohnsiedlung für die sozialbenachteiligten Bewohner der Stadt und sorgt so für breitgestreuten Wohlstand in der Gemeinde. Jedoch muss Bailey sich stets gegen den habgierigen und skrupellosen Geschäftsmann Mr. Potter erwehren, der die Stadt finanziell zu seinen Gunsten ausbluten lassen will. Als dieser Onkel Billys Missgeschick ausnutzt und einen höheren Geldbetrag unterschlägt, welcher in den Kassen von Baileys Bausparkasse fehlt, scheint er sein Ziel erreicht und Baileys Lebenswerk zerstört zu haben. In der Folge führt Clarence George Bailey vor Augen, wie die Stadt aussehen würde, wenn es ihn nie gegeben hätte. Folglich wären auch Baileys gute Taten, mit denen er seinen Mitmenschen in der Vergangenheit aus der Patsche geholfen hat, nie geschehen. Die Stadt ist daher in der alternativen Gegenwart ohne Bailey ein trostloser Ort, der von dem hartherzigen Mr. Potter gnadenlos ausgesaugt und nach seinen Wünschen umgestaltet wird. An Stelle der Wohnungen für Bedürftige wurden Spielhöllen und Nachtclubs errichtet und für die Armen ist in dieser Welt kein Platz mehr. Auch Baileys Kinder gibt es in dieser Welt nicht und seine Frau fristet ein einsames, trostloses Dasein. Damit überzeugt Clarence Bailey davon, seine Selbstmordpläne zu begraben und zu seiner Familie zurückzukehren, wo bereits all die Menschen, denen er in der Vergangenheit geholfen hat, auf ihn warten, um ihm finanziell unter die Arme zu greifen und ihn damit vor dem Konkurs zu retten.

Dickens lässt grüßen

Ist das Leben nicht schön? wandelt zwischen der Tragik der Hauptfigur einerseits und diversen lustigen Momenten andererseits, verliert aber zu keinem Zeitpunkt die Balance. So erinnert der Film von seinem Stil her an eine Dickens’sche Erzählung. Die Hauptfigur muss vieles durchmachen, bleibt aber stets redlich und wird dafür am Ende belohnt. Mit dieser frohen Botschaft, dass gute Taten schlussendlich vergolten werden, ist Ist das Leben nicht schön? ein wunderbarer Weihnachtsfilm, der den Zuschauer mit einem wohligen Gefühl zurücklässt. Er ist auch insofern nicht uninteressant, als dass das Thema Feiertagsdepressionen ein nicht unerhebliches Problem in unserer Gesellschaft ist. So ist die Selbstmordrate an Festen wie Weihnachten bei einsamen Menschen besonders hoch. Insofern kann der Film auch diesbezüglich Mut machen, auch wenn es natürlich utopisch ist, dass er depressiven Menschen wirklich helfen kann. Ein großes Plus sind aber auch die wunderbaren Figuren, die der Regisseur Frank Capra (Mr. Smith geht nach Washington) top besetzt hat. Angefangen mit der Filmlegende James Stewart in der Hauptrolle. Aber auch Lionel Berrymore (David Copperfield) ist als durchtriebener Mr. Potter ein richtiger Antagonist und bildet einen schönen Kontrast zum altruistischen Mr. Bailey. Auch mit der Besetzung von Henry Travers (Im Schatten des Zweifels) als Engel ohne Flügel, der Bailey zur Seite stehen soll, beweist Capra ein gutes Händchen.

Vom Leinwandflop zum Weihnachtsklassiker

Um Ist das Leben nicht schön? ranken sich zahlreiche kuriose Geschichten. Am verblüffendsten sind dabei wohl die Umstände, wie der Film überhaupt zum Weihnachtsklassiker avancierte. Bei seinem Kinostart war er nämlich ein ziemlicher Reinfall. Das Budget von damals sehr beachtlichen 3,5 Mio. US-Dollar konnte der Film 1946 an den Kinokassen nicht wieder einspielen. Ist das Leben nicht schön? geriet in Vergessenheit, was sogar soweit ging, dass die Urheberrechte an ihm aufgrund eines Formfehlers nicht verlängert wurden. Ein Glücksfall für den Film, wie sich herausstellen sollte. Denn dadurch wurde Ist das Leben nicht schön? zu einer preisgünstigen Alternative für die US-Fernsehsender im Weihnachtsprogramm, woraufhin sich der Film peu à peu, Jahre nach seiner Erstaufführung, zu einem der bedeutendsten und beliebtesten Weihnachtsklassikern in den USA mauserte. Aber auch die Dreharbeiten boten einigen Gesprächsstoff. So wurde extra für den Film eine kleine Filmstadt errichtet, welche bis heute eine der größten Filmkulissen in der Geschichte Hollywoods war. Gedreht wurde übrigens im kalifornischen Frühling; also mit Kunstschnee bei teils „winterlichen“ 32°C. Und auch für den Regisseur Frank Capra hatte der Film noch ein Nachspiel. Nicht nur, dass Ist das Leben nicht schön? den Anfang seiner erfolgreichen Hollywoodkarriere einläutete. Er musste zudem noch eine Strafe dafür zahlen, weil er gegen den damals für US-Filme verpflichtenden „Hays Code“ verstoßen hatte, indem er darauf verzichtete, den bösen Mr. Potter für seine Untaten am Ende des Films zu bestrafen.  Im Nachhinein muss man sagen, dass die Geldstrafe gut in den Film investiertes Geld war, denn so wirkt das Ende des Films glaubhafter. Zumal sich Ist das Leben nicht schön? ohnehin den Vorwurf gefallen lassen muss, etwas zu verkitscht zu sein.

Ich finde es ein bisschen schade, dass Ist das Leben nicht schön? neben Klassikern wie Der kleine Lord, Das letzte Einhorn oder den Sissi-Filmen bei uns in Deutschland eher ein Schattendasein fristet. Das liegt wohl auch am Alter des Films, wobei er für meinen Geschmack eigentlich ganz gut gealtert ist und man ihn sich immer noch gut anschauen kann. Auch wenn er mittlerweile 70 Jahre auf dem Buckel hat. Mit seiner herzlichen Botschaft ist der Film unbestritten kitschig und vielleicht auch ein bisschen zu naiv. Dennoch ist es doch genau das, was man braucht, um in richtig wohlige Weihnachtsstimmung zu kommen. Daher ist Ist das Leben nicht schön? für mich der perfekte Weihnachtsfilm. Ein wunderbarer Klassiker, den ich mir an Weihnachten immer wieder gerne anschaue.

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Atticus

Atticus ist Jura-Student. Er verbringt seine Freizeit am liebsten zusammen mit Freunden oder draußen in der Natur. Darüber hinaus ist Atticus ein großer Filmfan, jedoch nicht allzu wählerisch, so dass es kaum ein Genre gibt, dem er nicht zugeneigt wäre. Auch macht es ihm nichts aus, wenn ein Film ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Außerdem liest Atticus gerne Romane. Wenn möglich Krimis, Thriller, Horror- oder Abenteuerliteratur. Aber zwischendurch darf es auch gerne einmal etwas ausgefalleneres sein.

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