Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth

Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth hatte es 2014 neben Titeln wie Die Tribute von Panem – Catching Fire und Divergent – Die Bestimmung sehr schwer, sich aus der Masse hervorzuheben. Trotzdem fand die Verfilmung des ersten Jugendromans der Maze Runner-Trilogie von Autor James Dashner seine Fans und spielte genug Geld ein, sodass 2015 der zweite Teil Maze Runner – Die Auserwählten in der Brandwüste in die Kinos kam. Der dritte und letzte Teil der Reihe Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone soll am 26. Januar 2018 in den USA an den Start gehen. Doch worum geht es genau? Ein Labyrinth, gefangene Jugendliche und der Wettlauf gegen die Zeit — alles Zutaten für eine spannende Geschichte, oder nicht?

    

Ohne Erinnerungen erwacht der Jugendliche Thomas (Dylan O’Brien) in einem Lastenaufzug ohne Decke, der nach oben fährt. Als der Fahrstuhl in gleißendes Licht getaucht wird, steht eine Gruppe männlicher Jugendlicher um den Neuankömmling herum, der sofort die Flucht ergreift, doch nach ein paar Metern zu Boden geht. Alby (Aml Ameen) nimmt sich dem Neuen an und erklärt diesem, dass er sich nun auf der Lichtung befindet. Einem mit Wald und Wiesen bestückten Fleck Land inmitten eines riesigen Labyrinths. Thomas, der ungläubig auf die hohen Mauern starrt, die die Lichtung umgeben, stellt eine Frage nach der anderen, doch können die anderen ihm nur wenig davon berichten, was genau sich hier abspielt. Klar ist nur, dass sie einen Weg aus dem Labyrinth finden müssen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Die Läufer, angeführt von Minho (Ki Hong Lee, Wish Upon), laufen jeden Tag die verschlungen Pfade ab und versuchen, einen Weg hinaus zu finden, aber bisher ohne Erfolg. Vor Einbruch der Nacht müssen sie zurück sein, denn das Grauen wartet in der Dunkelheit. Doch mit dem Auftauchen von Thomas beginnen sich die Dinge zu verändern.

Eine moderne Version von Der Herr der Fliegen

Originaltitel The Maze Runner
Jahr 2014
Land USA
Genre Action, Science-Fiktion
Regisseur Wes Ball
Cast Thomas: Dylan O’Brien
Newt: Thomas Brodie-Sangster
Minho: Ki Hong Lee
Gally : Will Poulter
Teresa: Kaya Scodelario
Chuck : Blake Cooper
Alby: Aml Ameen
Laufzeit 113 Minuten
FSK

Wie im 1954 erschienen Roman des englischen Schriftstellers William Golding Der Herr der Fliegen haben wir zu Beginn der Geschichte eine Gruppe, die rein aus dem männlichen Geschlecht besteht und wie es sich für einen zufällig zusammengefundenen Haufen an Figuren gehört, so herrschen natürlich Spannungen. Vor allem durch das Auftauchen von Thomas, der alles hinterfragt und kaum zu halten ist. Da unser Held auf eine bereits bestehende Gruppe trifft, sind einige Dinge schon sehr lange festgelegt. So ist Alby der gewählte Anführer der Gefangenen und Gally (Will Poulter) der Aufpasser, damit die Regeln eingehalten werden. Da Thomas aber nicht einfach alles hinnimmt und eine extreme Neugier an den Tag legt, geraten er und Gally im Laufe des Films nicht nur einmal aneinander. Zum Glück findet unser Neuankömmling auch Freunde, die seine Gedanken und Taten teilen. Allen voran der schüchterne, dickliche Junge Chuck (Blake Cooper) kann Thomas‘ Verhalten verstehen und hilft ihm. Neben diesem findet unser Held auch in Newt (Thomas Brodie-Sangster) und Minho Freunde, die zu ihm stehen. Für den Zuschauer gibt es daher gleich mehrere sympathische Figuren, denen er die Daumen drücken kann. Wer sich daran stört, dass es sich um eine rein männliche Gruppe handelt, der kann damit beruhigt werden, dass später im Verlauf der Geschichte der Fahrstuhl noch ein Mädchen hinzu bringt: Teresa (Kaya Scodelari). Dieses kommt mit der Botschaft, dass nun keine weiteren Leute oder Vorräte über diesen Versorgungsweg kommen werden. Für die Gefangen beginnt daher eine Zeit des Umdenkens.

Gefangen im Sinnbild der Komplexität und Undurchdringlichkeit

In der Antike galt das Labyrinth als ein Ort mit verschlungenen Pfaden, in dessen Mitte sich der Minotaurus befindet. In der griechischen Sage von Theseus und dem Minotauros gelingt es dem Helden, einen Weg durch das Labyrinth zu finden und das Ungeheuer zu erschlagen. Der Buchautor James Dashner nahm sich diese Geschichte wohl als Vorbild für seinen ersten Roman, denn im Labyrinth warten einige Gefahren auf die Gefangenen. Eine kleine Anspielung auf den sagenumwobenen Menschen mit Stierkopf findet sich im Namen des asiatischen Jungen Minho wieder. Regisseur Wes Ball (Kurzfilm Ruin) setzt die Buchvorlage sehr getreu um. Nur Kleinigkeiten wurden für die Leinwandadaption umgeändert, die aber kaum ins Gewicht fallen. Im Gegenteil, ein Fakt, der den Lesern nie besonders gefallen hat, wurde hier weggelassen, da er filmisch schwer darzustellen gewesen wäre. Damit ist gemeint, dass Thomas und Teresa telepathisch miteinander reden können.

Die Fragen, die die Geschichte von Anfang an aufwirft, wie zum Beispiel, warum diese Jugendlichen überhaupt dort gefangen sind, lassen den Zuschauer nicht mehr los. Wie bei einem Puzzle kommen die Teile nach und nach hinzu und es ist von der ersten bis zur letzten Filmsekunde sehr spannend. Trotzdem bleibt man am Ende des ersten Films mit vielen Fragen zurück. Wertet das die Geschichte ab? Nein, denn für die Länge der Geschichte sind die Antworten, die man bekommt, gut portioniert. Neben der spannenden Handlung wird die Geschichte überzeugend von den Schauspielern getragen. Dylan O’Brien, der seine erste große Rolle in The First Time – Dein erstes Mal vergisst Du nie! hatte, kauft man seine Neugier ab und Will Poulter, den einige noch aus seiner Kinderrolle aus dem Film Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte kennen, beweist, dass er einiges dazu gelernt hat und daher gut als Gegenstück zu Thomas bestehen kann. Der Soundtrack von John Paesano (Marvel’s The Defenders) ist intensiv und passt zu jeder Zeit perfekt zu den dazugehörigen Szenen und unterstreicht diese wunderbar.

Ich gestehe, dass ich, als der Film im Kino lief, ihn leicht genervt ignoriert habe, da mich die Masse an Jugendbuchverfilmungen zu der Zeit gestört haben. Erst eine Bekannte musste mir den Film in die Hand drücken – mit den Worten „Du wirst ihn lieben“. Sie sollte Recht behalten! Ich liebe Geschichten mit vielen Geheimnissen, bei denen der Zuschauer die Möglichkeit hat, selbst mitzudenken. Genau das ist bei diesem Film der Fall und das sogar von der ersten Sekunde an. Da ich mich vorneweg kaum über den Inhalt informiert hatte, konnte ich komplett unvoreingenommen an die Handlung herangehen und war daher total gepackt. Thomas ist ein sehr sympathischer Charakter, weil er in meinen Augen gerade das anspricht, was ich mir auch gedacht habe. Da er den Drang hat, voranzugehen, kommt es von Beginn an nie zum Stillstand in der Handlung. Neben ihm mag ich Minho und Newt sehr gerne. Auch Chuck ist eine Figur, die ich mag und bei der ich nicht nur eine Träne vergossen habe, als er gestorben ist.  Hingegen kann ich Gally kaum leiden, womit ich wohl nicht alleine dastehe. Die 113 Minuten vergehen wie im Flug und ich gestehe, dass ich, als der Abspann anfing, nur geflucht habe, weil es noch eine Weile dauern sollte, bis Teil zwei in die Kinos kommt.

Zweite Meinung:

In der Flut der Jugendroman-Verfilmungen ist Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth in der Tat so ein Titel, der schnell untergeht. Völlig zu Unrecht, denn der Auftakt der Reihe kann bis auf wenige Ausnahmen voll überzeugen und beweist seine Qualitäten insbesondere in den Actionszenen. Ärgerlich sind hingegen das überhastete Ende, welches noch die Weichen für den zweiten Teil stellen muss sowie Thomas‘ grenzenloser Mut, der häufig haarscharf an Dummheit grenzt. Erstmal überhaupt ins Labyrinth zu rennen (ein Wunder, dass er nicht zerquetscht wird), dann Albys Rettung (Minho ist immerhin clever genug, nochmal das Weite zu suchen) und mein persönlicher Frustmoment ist Chucks Tod, wo er natürlich Thomas noch die Figur überreichen muss. Das ist so dämlich und leider  ist sein Tod mit der Einführung dieser Figur schon vorhersehbar. Für mich war das ein bisschen zuviel Drama aus der Konserve. Thomas als Hauptcharakter ist ohnehin schwächelnd, während der heimliche Star der Geschichte Minho ist. Insgesamt stimmen zwar die Interaktionen der Charaktere, dafür ist der gesamte Charaktercast jedoch eher langweilig, vor allem Gally und Teresa. Trotz allem ein ordentlicher Film.

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Aki

Aki verdient ihre Brötchen mit dem Buchverleihen und Wiedereintreiben und geht nie aus dem Haus ohne eine Kopfbedeckung. Wurde von ihren Eltern von klein auf zu einem Filmjunkie erzogen, liebt mittlerweile aber viele Formen des Geschichtenerzählens. Zu ihren anderen Hobbies gehören die Fotografie und das Zeichnen, egal ob auf Papier oder Leinwand. Sie besitzt eine ansehnliche Sammlung an Fuchsmerchandise und hat ihr Herz seit dem Lesen vom Manga Kenshin an Samurais verloren.

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