Last Day of June

Zeitreisegeschichten erfreuen sich ungebrochener Beliebtheit. In Life Is Strange demonstrierte die Hauptfigur Max, wie spaßig das spielerische Ändern der Vergangenheit sein kann. Jenen Gedanken greift auch Last Day of June der italienischen Spieleschmiede Ovosonico (Murasaki Baby) auf und erzählt in einer emotionalen Geschichte, wie einem Mann die Welt unter den Füßen weggezogen wird, als er seine große Liebe eines Tages bei einem Autounfall verliert. Doch er erhält die Chance, das zu ändern, was geschehen ist. Ein Titel, der den Spieler auf eine emotionale Reise mitnimmt.

    

Egal, ob sie zusammen an einem Steg den idyllischen Sonnenuntergang genießen oder in ihrem gemütlichen Wohnzimmer auf den Sesseln nebeneinander sitzen: Carl und June strahlen in ihrem liebevollen Umgang miteinander eine Harmonie aus, die auch auf den vielen Bildern heraussticht, die man bei der Erkundung der eigenen vier Wände noch genauer betrachten darf. Doch ein romantisches Picknick an einem warmen Nachmittag am Steg soll ihre gemeinsame Zeit beenden: Eine Verkettung unschöner Umstände sorgt dafür, dass June ihr Leben verliert. Carl fällt daraufhin in eine Depression und Trostlosigkeit kehrt in sein Leben ein. Doch er bekommt die Gelegenheit, das Geschehene ungeschehen zu machen.

Dem Schicksal ein Schnippchen schlagen

Originaltitel Last Day of June
Jahr 2017
Plattform PlayStation 4, PC
Genre Adventure
Entwickler  Ovosonico
Publisher 505 Games
Spieler 1

Was sich zunächst simpel anhört, ist in der Tat verzwickter als man denken mag: Gleich vier Bewohner des idyllischen Dörfchens sind in Junes Tod verwickelt. Keiner von ihnen beabsichtigt, doch eine doofe Verkettung sorgt dafür, dass sie der Auslöser für den Unfall sind. Der Spieler schlüpft dabei in die einzelnen Rollen: Ein Jäger, ein verspieltes Kind, ein alter Mann mit Krückstock und eine Nachbarin von Carl und June. Ihre Schicksale sind ineinander verwoben, sodass Änderungen der Vergangenheit spürbare Auswirkungen auf den Verlauf der Geschichte eines anderen haben. Doch das Schicksal will nicht unterschätzt werden: Eine Veränderung bringt auch immer etwas Neues mit sich, also auch neue Probleme. Lässt der Spieler beispielsweise den Jungen einen Drachen steigen, fehlt der Nachbarin ein Seil für ihren Umzug. So muss stets die Lösung gefunden werden, die keine anderen Risiken birgt. Denn die Leidtragende ist immer dieselbe: June.

Es wird verzwickter und verzwickter und verzwickter…

Als wäre die Situation um June nicht schon kompliziert genug, müssen auch die Geschichten der anderen Figuren ergründet werden. Manche Spielbereiche des Dorfes sind nur dann zugänglich, wenn in der Vergangenheit der Geschichte einer anderen Figur etwas geändert wurde, dass eine neue Möglichkeit in der Zukunft schafft. Alles verstanden? Prima! Denn es sind einige Zeitsprünge von Nöten bis man vorankommt. Das hat den Nebeneffekt, dass man wiederholt dieselben Wege abklappert, dieselben Szenen erlebt (vor allem Junes Todesszene wird so oft gezeigt, dass man sie nach mehreren Wiederholungen kaum noch ertragen kann) und sich irgendwann Eintönigkeit einschleicht. Insbesondere dann, wenn es auf Kleinigkeiten ankommt, sind Frustmomente nicht auszuschließen. Je nachdem kann sich die Spielzeit auch einmal auf vier bis fünf Stunden hinausziehen.

Ursache und Wirkung

Während der Erkundungstour sammelt der Spieler Bilder ein, die den groben Rahmen der Geschichte vorgeben und Einblicke in die persönlichen Geschichten offenbaren. So erfährt man etwa, dass der Konflikt der Nachbarin darin besteht, dass sie Carl liebt, doch mit June befreundet ist.  Besonders anspruchsvoll wird es zumindest spielerisch nicht, denn das Gameplay beschränkt sich auf suchen und entdecken sowie kombinieren. Da keinerlei Hilfestellung verfügbar ist, muss der Spieler auf jede Möglichkeit von selbst kommen, was vor allem dann zum Ärgernis wird, wenn man einmal partout nicht weiterkommt. Auch, wenn die Lösung manchmal ganz nahe liegt, sind die Möglichkeiten zu groß, um immer direkt die richtige Entscheidung zu treffen. Unter Zeitdruck fühlt man sich allerdings nie. Dafür sorgt die traumhafte Kulisse mit ihren warmen Farben und ihrer gemächliche Atmosphäre. Auch die putzigen Figuren, die über keinerlei Augenhöhlen verfügen, aber toll animiert sind, überzeugen mit ihrer liebevollen Aufmachung. Eine Sprachausgabe ist nicht nötig, da Mimik und Gestik ausreichen, um die Gefühle der Personen zu transportieren.

Last Day of June ist ein emotionaler Titel, der den Spieler auf eine Reise schickt, die er so schnell nicht mehr vergessen wird. Das schöne Artdesign, die tolle Ausleuchtung und die überschaubare Kulisse sind wie ein kleiner Urlaub, allerdings vor einem ernsten Hintergrund. In seinem Finale klotzt das Spiel ordentlich vor und sorgt für einige Mindfuck-Momente. Hardcore-Spieler werden sich angesichts des anspruchslosen Gameplays langweilen. Alle anderen bekommen eine interaktive Kurzgeschichte mit schwerwiegenden Themen.

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Ayres

Ayres ist seit 2002 im Community Management tätig, seit einer Weile sogar beruflich. Er ist ein richtiger Horror- & Mystery-Junkie, liebt gute Point’n’Click-Adventures und ist Fighting Games nie abgeneigt. Besonders spannend findet er Psychologie, deshalb werden in seinem Wohnzimmer regelmäßig "Die Werwölfe von Düsterwald"-Abende veranstaltet. Sein teuerstes Hobby ist das Sammeln von Steelbooks. In seinem Besitz befinden sich mehr als 100 Blu-Ray Steelbooks aus aller Welt.

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