Wolfenstein – The Old Blood

BJ ist zurück und mit ihm der Okkultismus. Die einen werden sich freuen, die anderen innerlich fluchen. Endlich fühlt man sich wieder wie in einem 80er B-Action-Film. Zwar ist The Old Blood nicht so trashig wie die Vorgänger, aber auch nicht ganz so ernst wie sein direkter Vorläufer The New Order. Mit harten Szenen wird hier dennoch nicht gegeizt. Das Spiel erschien nach The New Order, spielt aber davor. Deswegen befindet BJ sich auch in den 40ern.

    

Heinrich I. hat ausgedient, für diesen Teil muss König Otto herhalten, der von Helga von Schabbs wiedererweckt werden soll. BJ stößt nur zufällig auf die Dame und ihren Hang zum Okkultismus, da er eigentlich an die Geheimpläne von General Totenkopf gelangen will. Dafür kämpft er sich durch Schloss Wolfenstein, was allerdings gründlich misslingt. Nach seiner Flucht erfährt er von Helga und ihren Ausgrabungen, die eine Waffe von König Otto zu Tage fördern sollen, damit das Regime den Krieg gewinnen kann. Natürlich schaut Blaskowicz nicht tatenlos zu und kämpft erst gegen das Regime und später gegen Zombies, da übernatürliche Kräfte freigesetzt wurden, die so ziemlich jeden Anwesenden in einen lebenden Toten verwandelten. Es kommt wie es kommen muss und am Ende ist nicht nur Helga von Schabbs eine Gefahr, sondern auch ein ziemlich missgelaunter König Otto.

Das kommt einem bekannt vor

Originaltitel Wolfenstein – The Old Blood
Jahr 2015
Plattform PC, PlayStation 4, Xbox One
Entwickler MachineGames
Publisher Bethesda Softworks
Genre Ego-Shooter
Spieler 1
USK

Kenner der Reihe werden nun nicken, denn dieser Teil ist ein Remake von Return to Castle Wolfenstein. Ganz so abgedreht ist die Story jedoch nicht, zumindest dreht sie erst im letzten Drittel ab und beschert dem Spieler Zombies. Wobei es dem Spiel nicht gerecht werden würde, würde man es als reines Remake bezeichnen. Vielmehr diente Return to Castle Wolfenstein als Inspiration. Nachdem der kleine Ausflug in die Vergangenheit im Vorgänger gut ankam, wurde auch hier wieder ein Retro-Level eingebaut. diesmal mit einer Minimap zur besseren Orientierung (hätte es das nur auch früher gegeben…). Es wirkt aber etwas befremdlich, dass sowohl die Waffe als auch Einschusslöcher und Sammelobjekte in moderner Grafik gehalten wurden. Logischerweise sind auch hier keine Hoheitszeichen zu sehen, dafür muss man stilecht den Schlüssel zum Ausgang finden. Aber es wurde nicht nur Recycling betrieben, ein paar Neuerungen haben hier Einzug gehalten. So darf man einen riesigen Roboter nun selber steuern. Leider ist die Steuerung etwas unglücklich bzw. unlogisch geraten. Man verwendet die linke Maustaste für den rechten Arm. Das verwirrt am Anfang, man gewöhnt sich aber schnell daran. Und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm, da die Passage nicht allzu lange dauert. An jeder Ecke finden sich sammelbare Objekte wie Briefe oder Dokumente, aber auch viele Anspielungen auf andere Videospiele. So gibt es schon zu Beginn einen Helm, der Skyrim-Kennern bekannt sein dürfte, und ein Automat bietet Nuka Cola an. Spätestens jetzt dürfte endgültig klar sein, dass das Spiel sich nicht ernst nimmt. Im Gegensatz zu seinem direkten Vorgänger ist dieser Ausflug ins „Regime“ lässiger, aber keineswegs albern. Eine kleine Kritik muss sich das Spiel gefallen lassen: Leichen verschwinden nach kurzer Zeit, die Gegner glänzen durch eine ausgefeilte Moorhuhn-KI und BJs Hände wirken etwas merkwürdig. Die unsichtbaren Levelgrenzen könnte man als Nostalgie-Bonus verbuchen. Und nun etwas meckern auf ganz hohem Niveau: Die Rettungssymbole am Löschschlauch entsprechen der US-Norm, die aber erst vor ein paar Jahren bei uns eingeführt worden ist. Und die Steckdosen sind amerikanisch.

Es gibt kein Deutschland, nur das Regime

Die üblichen Verdächtigen mussten dran glauben, sprich: keine verfassungsfeindliche Symbolik und aus „Deutschland“ wurde „das Regime“. Damit kann man leben, zumal das Wolfenstein-Logo ungemein schick aussieht. Gewaltschnitte gab es keine, was bei all dem Blut sehr verwunderlich ist. Vielleicht ist es schon so viel Körpersaft, dass es wie eine Parodie wirkt.

Wer die Vorgänger liebt, wird hier glücklich. Wer mit dem Okkultismus-Kram nichts anfangen kann, wird etwas enttäuscht sein, dennoch ist es ein solider Ego-Shooter. Das USK 18-Siegel ist mehr als berechtigt bei den Hektolitern Körperflüssigkeit, die aus Wunden austreten. Zerplatzende Körperteile, explizite Takedowns… abgesehen davon ist auch die Thematik kein Kinderkram. Die Sprecher sind überwiegend gut, aber BJs Sprecher wirkt etwas unpassend. Gut gefallen hat mir der Grammatik-Nazi und ein neuer Begleiter – eine immer wiederkehrende Maus. Ein Fest für Shooter-Freunde und solche, die es noch werden wollen.

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Kilroy

Kilroy wäre gerne Mikrochirurg geworden, musste diesen Traum aber aufgeben. Nun ist er voll von unnützem Halbwissen und weiß nicht, wohin damit. Kilroy schreibt auch gerne, weshalb er sich hier austoben darf. Da er davon aber nicht leben kann, geht er auch noch einer bescheidenen Arbeit nach. Wenn er nicht gerade schreibt oder arbeitet, spielt er am PC oder verschlingt Unmengen an Büchern und Comics.

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