Collar x Malice

Die Mystery-Visual Novel Collar x Malice wurde von Aksys Games im Juli 2017 veröffentlicht und erzählt die Geschichte einer jungen Polizistin, die in die Morde der Gruppe Adonis unfreiwillig verwickelt wird. Den Terroristen gelingt es, ihr ein Halsband anzulegen, welches in der Lage ist, ein tödliches Gift in den Träger zu injizieren. Ihre einzige Hoffnung ist die Aufklärung der Morde.

  

Ichika Hoshino ist als Polizeibeamtin im Stadtteil Shinjuku in Tokyo tätig, doch die Arbeit ist seit den brutalen X-Day-Morden nicht mehr dieselbe. Nicht nur, dass der ganze Stadtteil abgeriegelt wurde, obendrein wurde auch noch der ungeschulten Bevölkerung Schusswaffen ausgehändigt. Sie sollen sich zur Not damit zur Wehr setzen, wenn jemand sie töten will. Dass dieser Plan so einige Lücken hat, weiß jeder – einschließlich die Politiker, die ihn beschlossen haben. Ausbaden darf es die örtliche Polizei, besonders in der Servicezentrale, in der Ichika arbeitet. Tagtäglich wird sie mit Anrufen besorgter und verärgerter Bürger bombardiert und nach jedem Mord laufen die Telefone regelrecht heiß.

Anfang des Unheils

Am 5. Dezember wird Ichika in einem Park betäubt und als sie wieder aufwacht, befindet sie sich in einer verlassenen Kirche. Ihr Körper ist gelähmt und sie trägt ein Halsband, aus dem eine verzerrte Stimme ertönt, die ihr die Situation mehr oder weniger erklärt. Dann wird ihr ein tödliches Gift verabreicht; nur ganz knapp entgeht sie dem Tod, als eine Gruppe von drei jungen Männern sie findet und noch rechtzeitig den Code für das Halsband eingibt. Diesen haben sie durch einen Brief von den Terroristen bekommen. Es ist keinem der Anwesenden klar, warum Adonis das tut und was sie damit bezwecken wollen. Das gilt es nun herauszufinden und gleichzeitig die Drahtzieher zu finden, um das Morden zu stoppen. Doch das ist leichter gesagt als getan, da sämtliche Verdächtige ein wasserdichtes Alibi haben, keine Erinnerung mehr haben oder tot sind. Zudem scheint es noch eine undichte Stelle bei der Polizei zu geben.

Die fünf Männer in Ichikas Leben

Fünf Herren mit unterschiedlichen Persönlichkeiten stehen Ichika bei der Aufklärung der Morde zur Seite. Die ersten drei Herren, auf die Ichika trifft, sind Mineo Enomoto, Takeru Sasazuka und Aiji Yanagi. Diese ehemaligen Polizisten bilden eine Detektei, die sich ausschließlich mit den X-Day-Ereignissen beschäftigt. Dabei könnten sie nicht unterschiedlicher sein, Takeru hat eine harsche Persönlichkeit und stellt Ichika sehr oft als dumm dar. Mineo hingegen hat eine eher simple gestrickte Persönlichkeit und ist im Umgang mit Frauen eher unbeholfen. Aiji ist da der bodenständige Typ, der rücksichtsvoll ist und die Streitereien zwischen Mineo und Takeru mit einem scharfen Blick ein Ende bereitet. Der Profiler Kageyuki Shiraishi gehört ebenso zur Gruppe, arbeitet aber immer noch bei der Polizei, was den Ermittlungen des ganzen Teams mehr oder weniger hilft. Da er sehr eigen ist, eckt er oft mit seiner verschrobenen Art bei seinen Kollegen an. Kei Okazaki gehört zur Sicherheitspolizei und fungiert augenscheinlich als Schutz für die Gruppe, auch wenn diese davon nicht begeistert ist, da er auch einfach mal durch das Fenster kommt, obwohl es im fünften Stock liegt.

Die X-Day-Morde

Originaltitel Collar x Malice
Jahr 2016 (J), 2017 (US/D)
Plattform Playstation Vita
Genre Visual Novel
Entwickler Otomate
Publisher Aksys Games
Spieler 1

Am 1. April sind vier Polizisten entführt worden und einen Monat später wurden diese vor laufender Kamera hingerichtet. Allerdings wurde nur die Leiche eines Opfers gefunden, die anderen drei sind spurlos verschwunden. Am 1. Mai gab es eine Explosion an einer Mittelschule, die mehrere Schüler in den Tod riss. Einen Monat später wurde ein Stalker, der eine junge Frau mit dem Messer bedrohte, von einem Passanten getötet, der beherzt die Frau verteidigte. Auch hier bekannte sich Adonis zu dieser Tat. Am 2. August wurden drei Männer erschossen, es folgten einige Tage neun weitere Opfer. Ihre einzige Gemeinsamkeit ist, dass sie dasselbe Onlinegame gespielt haben. Am 14. August wurden nochmals drei Männer erschossen, die allesamt zur „Shinjuku Gilde“ gehörten. Es wird spekuliert, dass In-Game Mobbing der Grund für die Morde ist. Am 7. September wurde Ken Hachisuka erhängt in der Wohnung seiner Freundin aufgefunden, es wird sein Bekannter Yuki Sunamori festgenommen, da seine Fingerabdrücke am Tatort waren. Am 7. Oktober erhängt er sich in seiner Zelle. Ein tödlicher Unfall ereignete sich am 5. November, bei dem ein Polizist und ein LKW-Fahrer ums Leben kamen. Doch es stellt sich heraus, dass auch hierfür Adonis verantwortlich war. Denn die Verkehrsaufzeichnung zeigt, dass beide Ampeln grün waren als es zum Aufprall kam. Bei allen Morden fand man eine spezielle Münze und eine römische Zahl, die ein Countdown darstellt, zu dem wurden Bekennervideos hochgeladen.

Interaktive Möglichkeiten

Es existieren drei unterschiedliche Arten von Antwortmöglichkeiten: Verbrechensaufklärung, Vertrauensebene und Zuneigungsgrad. Alle haben ihre eigene Farbe und sind somit leicht zu unterscheiden. Weiterhin bekommt die Protagonistin auch Textnachrichten über ihrem Handy, auch hier können Entscheidungen getroffen werden, die über den Ausgang entscheiden können. Ein anderes Gameplay-Element ist das Abfeuern einer Pistole, in Form eines Triggers, der in unterschiedlichem Tempo kleiner wird. Hier sind also gute Reflexe gefragt. Ebenso können Tatorte und verdächtige Orte nach Hinweisen untersucht werden.

Gut oder Böse? Wenn die Grenzen verschwimmen

Thematisch greift Collar x Malice einige ernste Themen auf, die es schwer machen, die Leute von Adonis für ihre Taten wirklich zu verachten. Die Polizei hat hier nicht selten sogar ganze Leben zerstört, weil sie eine unschuldige Person festgenommen haben. Zwar werden diese wieder freigelassen, aber der Imageschaden bleibt und sie werden in einem Scherbenhaufen zurückgelassen, was mal ihr Leben war. So erging es Tomoki Ogata, der einmal Zivilcourage zeigte, doch leider gab es dabei einen Toten. Er wurde wegen Mordes festgenommen, doch die Anklage wurde fallen gelassen, da es einfach nur ein unglücklicher Unfall war. Allerdings verlor er dadurch seinen Job und seine Frau hat ihn verlassen. Ebenso ist das Motiv von Rika Sugawara auch nachvollziehbar, sie ist ein Stalking-Opfer und muss Jahre in Angst leben. Die Polizei sieht währenddessen nur tatenlos zu.

Unter den X-Day Mordopfern befinden sich mehrere Mobber, die andere schikaniert haben. Ob diese wirklich den Tod verdient haben, ist natürlich wieder eine andere Sache. Allerdings unter dem Gesichtspunkt, dass Adonis eine reine Welt erschaffen will, in der niemand leiden muss, ist es auf der einen Seite verständlich, auf der anderen doch irgendwie paradox.

Routen und ihre Enden

Es existieren sage und schreibe 37 Enden, allerdings sind 32 davon Bad Ends, die aber gebraucht werden, wenn die Platinum Trophäe angestrebt wird. Daher kein leichtes Unterfangen und auch noch sehr zeitintensiv. Aber auch so liegt die durchschnittliche Lesedauer in etwa bei 30 bis 50 Stunden. Die Route eines Charakters wird durch eine Antwort am Ende von Kapitel 0 getroffen, im ersten Durchgang sind es nur drei Möglichkeiten. Kageyuki wird erst beim zweiten Anlauf freigeschalten, während Aiji Yanagi erst nach Beendigung der anderen vier Routen verfügbar ist. Das hat einen einfachen Grund, denn hier wird das komplette Geheimnis von Adonis aufgedeckt. Während die anderen Routen die einzelnen Fälle der Monate aufklären.

Den Anfang finde ich etwas zäh und vor allem zu lange. Doch hat man das überstanden, wird einem eine wirklich spannende Visual Novel geboten. Ich habe mich für meinen ersten Durchgang aus einer Laune heraus für die Route von Kei Okazaki entschieden, hier finde ich es interessant, dass es sogar Szenen gibt, die aus seiner Perspektive erzählt werden. Etwas, was ich bislang noch nicht erlebt habe. Die meisten Visual Novels folgen stur der Hauptfigur auf Schritt und Tritt. Doch hier erlebt man auch eine andere Perspektive, die die ganze Erzählart lebendiger macht, selbst Ausflüge zu den Bösen sind dabei. Die fünf Herren besitzen alle Eigenheiten, ich muss immer noch beim Gedanken daran lachen, als Kei erzählt wie sein Staubsaugerroboter davongelaufen ist als er vergessen hat, die Haustür zu schließen. Auch Mineo, Takeru und Kageyuki sind sehr unterhaltsam auf ihre eigene Weise, nur Aiji erscheint mir etwas zu glatt und zu ernst. Allerdings bei dem Team muss er das wohl sein, da braucht es jemanden, der relativ normal ist. Zwar richtet sich Collar x Malice an das weibliche Geschlecht, aber thematisch könnte sie auch für den einen oder anderen männlichen Leser interessant sein. Da die Aufklärung der Fälle im Mittelpunkt steht und die Romanze eher so nebenbei passiert. Fans von der Daganronpa-Reihe und dem Mystery-Genre könnten hier Gefallen daran finden.

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Taria

Taria arbeitet seit einigen Jahren für einen großen Automobilzulieferer in der Produktion. Abseits von der Arbeit beschäftigt sie sich in ihrer Freizeit vor allem mit Manga, Animes und Videospielen, in diesen Bereichen hat sie genretechnisch einen sehr breiten Geschmack bewiesen. Weiterhin sammelt sie gerne Figuren und anderes Merchandise von den Serien Gintama und JoJo’s Bizarre Adventures.

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